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Scheidemünze bis Scheiderze (Bd. 6, Sp. 724 bis 725)
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Artikelverweis Scheidemünze, zur Ausgleichung im täglichen Verkehr dienende Kleinmünzen, die wegen starker Abschleifung und höherer Prägekosten größern Nominalwert haben, als ihnen nach dem Metallgehalt im Verhältnis zum Kurantgelde zusteht, daher außer Landes nur als Bruchmetall gelten. Der besondere Münzfuß der teils aus einer mehr oder minder starken Silberlegierung, teils aus unedlem Metall (Nickel, Bronze, Kupfer etc.) bestehenden S. findet seine Grenze an der Gefahr ihrer Nachahmung. Die Umlaufsmenge hat sich nach dem wirklichen Verkehrsbedürfnis zu richten, damit das Kurant nicht aus dem Lande getrieben werde. Staaten, die ihren Schlagschatz übermäßig steigerten, sind öfters zu einer Verschlechterung ihres allgemeinen Münzfußes genötigt worden. Wo reine Goldwährung besteht, sind sämtliche Silbermünzen S. In den deutschen Staaten der Talerwährung verhielt sich seit 1857 der Nennwert der Silberscheidemünzen zum Silberwerte = 30: 341/2, in denen der Guldenwährung = 521/2: 58, und das Verhältnis ward im Deutschen Reiche gegen Kuranttaler (bei der Annahme des Wertes von Gold zu Silber = 151/2: 1) wie 9: 10, in den Staaten der lateinischen Union = 835: 900 festgestellt, ist aber durch Sinken des Silberwertes gegen Gold tatsächlich tief gefallen. Privatpersonen brauchen S. nur bis zu einem bestimmten Betrag, und zwar Silbergeld nur bis zu 20 Mk., Nickel- und Kupfergeld nur bis zu 1 Mk. in Zahlung zu nehmen. Die Reichs- und Landeskassen müssen natürlich S. in jedem Betrag als Zahlung annehmen. Der Begriff S. (Schiedmünze) war dem Mittelalter fremd, ist aber durch die »Beiwährung« oder den Beigang des 15. Jahrh. (moneta minuta, leichte Groschen, zugelassene ältere Münzen) für den Kleinverkehr neben der rechten »Oberwährung« der Reichs- und Landesmünzen vertreten.
 
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Scheidenbruch, s. Meyers Bruch, S. 472.
 
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Scheidenentzündung (Vaginitis, Kolpitis) entsteht sehr häufig durch Fremdkörper (z. B. unzweckmäßige Pessarien), ferner durch starke Ätzmittel, die, in die Scheide gebracht, außer Entzündung auch Gewebsnekrose mit nachfolgender Narbenbildung machen können. Bei akutem Tripper und allen Formen des Gebärmutterkatarrhs, die mit starker Sekretion einhergehen, wird die Scheide mehr oder weniger von Entzündung ergriffen. Endlich wird die diphtheritische Form der S. zuweilen nach allgemeinen Infektionskrankheiten (Scharlach, Masern) beobachtet. Die Behandlung besteht in Ausspülungen der Scheide mit desinfizierenden oder adstringierenden Mitteln und in den Fällen von Scheidenentzündungen, die sekundären Ursprungs sind, in der Beseitigung des ursächlichen Moments (Entfernung des Fremdkörpers, Behandlung des Gebärmutterkatarrhs etc.).
 
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Scheidenflügler, s. Meyers Käfer.
 
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Scheidenkatarrh, ansteckender (Knötchenseuche), eine erst in den 1890er Jahren bekannt gewordene, seitdem aber weitverbreitete, ansteckende Geschlechtskrankheit der Rinder. Es entsteht eine heftige, schmerzhafte Entzündung der Scheidenschleimhaut mit allgemeiner Rötung, schleimig-eiterigem Belag und eigenartiger Knötchenbildung sowie Ausfluß. Der S. ist schwer heilbar, erfordert tierärztliche Behandlung und bedingt sehr oft Fehlgeburt und folgende Unfruchtbarkeit. Die Übertragung erfolgt sowohl von kranken Kühen auf gesunde durch Vermittelung der Abgänge, der Streu etc., als namentlich bei der Begattung, indem der Bulle beim Sprung von einer kranken Kuh den Ansteckungsstoff empfängt und diesen, ohne selbst zu erkranken, auf gesunde Kühe überträgt. Zur Vorbeuge empfiehlt sich desinfizierende Waschung der Rute des Bullen vor, bez. nach dem Sprung, eine Maßregel, die sich auch wegen der Möglichkeit der Übertragung andrer Ansteckungsstoffe namentlich dann empfiehlt, wenn ein Bulle für Kühe verschiedener Ställe oder neuzugekaufte Tiere verwendet wird. Der ebenfalls durch den Geschlechtsakt übertragbare Meyers Bläschenausschlag (s. d.) unterscheidet sich vom S. durch seine Gutartigkeit, Fehlen der Eiterung und Knötchenbildung sowie freiwillige Heilung. Nach dem Auftreten des Scheidenkatarrhs im Stall ist Reinigung und Desinfektion nötig. Noch gefährlicher, oft tödlich und sehr ansteckend ist die seltene Scheidennekrose, bei der sich ein filziger, rauher Belag auf der Schleimhaut bildet.
 
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Scheidenklappe, s. Meyers Scheide.
 
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Scheidenmuschel, soviel wie Messerscheide.
 
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Scheidennekrose, s. Meyers Scheidenkatarrh.
 
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Scheidenschnabel (Chionis Forst.), Watvögelgattung aus der Familie der Scheidenschnäbel (Chionididae), hühnerähnliche Vögel mit mittellangem.

[Bd. 6, Sp. 725]


Schnabel, knöcherner oder horniger Schuppe auf den Nasenlöchern, langen, spitzen Flügeln, mäßig langem Schwanz und kurzen, kräftigen Läufen. Die beiden Arten C. alba Forst. und C. minor Hartl. sind weiß, leben auf den Inseln des antarktischen Ozeans, nördlich bis Kerguelenland, und nähren sich von Eiern und Jungen der Pinguine, von niedern Seetieren und Aas.
 
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Scheidenvorfall (Prolapsus), das Heraustreten eines Teiles oder der ganzen Wand der Scheide aus ihrer natürlichen Lage infolge einer Erschlaffung der normalen Befestigungen und des Organs selbst, kommt fast nur bei Frauen vor, die geboren haben, und namentlich bei zu frühem Verlassen des Wochenbettes. Prädisponierend wirken Dammriß oder anderweitige Verwundung. Längere Zeit bestehender und hochgradiger S. hat Gebärmuttervorfall zur Folge. Der S. erzeugt lästiges Ziehen und Drängen, die Funktionen der Blase und des Mastdarms sind gestört, auch entstehen hartnäckige Katarrhe der Scheide und Gebärmutter. Ein kleiner S. läßt sich zuweilen durch ein eingelegtes Pessar zurückhalten, meist ist aber Beseitigung des Vorfalls durch Operation erforderlich.
 
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Scheiderze, s. Meyers Aufbereitung, S. 86.

 

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