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Scheibe bis Scheibenflechte (Bd. 6, Sp. 722 bis 723)
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Artikelverweis Scheibe, im Maschinenwesen ein kurzer feststehender oder um eine zu seinen Endflächen senkrechte Achse rotierender Zylinder. Meist erscheint S. in Verbindung mit einem sie näher bezeichnenden Worte, z. B. Unterlegscheibe (bei Schraubenmuttern), Dichtungsscheibe (bei Flanschenverbindungen), Daumenscheibe oder unrunde S. (s. Meyers Daumen), exzentrische S. (s. Meyers Exzenter), Kurbelscheibe (s. Meyers Kurbel). Ost werden auch konstruktive Gebilde, die gewöhnlich als Räder bezeichnet werden, als Scheiben benannt, z. B. Riemenscheibe, Losscheibe, Stufenscheibe (s. Meyers Riementrieb), Seilscheibe (s. Meyers Seiltrieb).
 
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Scheibe, Zielobjekt beim Schießen, eine Platte aus Holz, Eisen, Pappe etc., in der Regel mit schwarzen konzentrischen Ringen um einen schwarzen Mittelpunkt (Schwarzes, Zentrum, Spiegel). Beim Heeresschießdienst besteht die S. gewöhnlich aus Leinwand oder Pappe, die mit Scheibenbildern beklebt werden. Man unterscheidet die 170 cm hohe Ringscheibe (Fig. 1) mit 5 cm breiten Ringen (die Ringe 1012 heißen der Spiegel). Die S. ist in der Mitte senkrecht durch einen 6 cm breiten, den Spiegel freilassenden schwarzen Strich durchsetzt (Strichschießen: diesen Strich treffen, dann überhaupt nicht seitlich abweichen). Gefechtsscheiben sind Pappscheiben mit dem Bild eines Infanteristen, und zwar Kopfscheibe 30, Brustscheibe 50, Kniescheibe 80, Figurscheibe 140 cm hoch, alle an den breitesten Stellen 50 cm breit. Die Bilder stellen die unregelmäßigen Umrisse eines in der betreffenden Stellung von vorn gesehenen Menschen dar. Bei der Ringkopfscheibe und Ringbrustscheibe ist auf die Mitte einer grauen Ringscheibe ohne Strich eine Kopf-, bez. Brustscheibe aufgeklebt; sie eignen sich besonders gut, um dem Schützen seine Fehler beim Schießen gegen gefechtsmäßige Ziele vor Augen zu führen. Die 400 m-Scheibe (früher Sektionsscheibe, Fig. 2) ist 1,7 m hoch, 2 m breit und zeigt auf grauem Grunde drei Brustscheiben mit 25 cm Zwischenraum. gewissermaßen als Teil einer zu beschießenden feindlichen Schützenlinie (s. Meyers Schwarmscheibe). Die Zahlen 1,2,3 bedeuten die Zahl der dem Schützen anzuschreibenden Punkte, wenn er in den betreffenden Teil der S. trifft. Ferner werden benutzt Reiterscheiben, die einen Reiter von vorn oder von der Seite zeigen; Geschützscheiben zur Darstellung eines fahrenden oder in Stellung befindlichen Geschützes oder Munitionswagens mit Bedienung; Profilscheiben, die Ziele von der Seite zeigen; Gruppenscheiben, ausgeschwärmte feindliche Gruppen auf 500 m darstellend, zum Schießen aus Maschinengewehren auf 25 m; Zugscheiben sind zu Übungen gegen bewegliche Ziele bestimmt; das schnelle Erfassen kurzer Momente wird geübt gegen verschwindende Scheiben, die nur kurze Zeit sichtbar bleiben. Bei größern Gefechtsschießübungen werden auch Klappscheiben verwendet, die, wenn sie getroffen sind, umfallen. Sollen sich bewegende feindliche Truppen dargestellt werden, so werden eine Reihe Scheiben auf durch Maschinenkraft an Drahtseilen gezogenen Schlitten vor- oder rückwärts gezogen. Im Ausland gelten die gleichen Grundsätze. Weiteres s. Meyers Schießdienst. Vgl. »Schießvorschrift für die Infanterie« (Berl. 1905), für die Feldartillerie (das. 1899), für die Kavallerie (das. 1906), für die Maschinengewehrabteilungen (das. 1904); »Anleitung zur Darstellung gefechtsmäßiger Ziele für die Infanterie« (das. 1900). Privatschießvereine benutzen Stand- oder Feldscheiben, ausgeschnittene und bewegliche Wildscheiben, fliegende Glaskugeln und Tontauben. Der beste Schütze erhält eine gemalte oder verzierte Ehrenscheibe.
 
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Scheibe, 1) Dorf im preuß. Regbez. Breslau, Kreis Glatz, hat eine Privatirrenanstalt und (1905) 706 Einw. 2) Dorf im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, Landratsamt Königsee, im Thüringer Wald, an der Schwarza, hat eine evang. Kirche, eine Porzellanfabrik, eine Bierbrauerei und (1905) 998 Einwohner.
 
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Scheibel, Johann Gottfried, luth. Theolog, geb. 16. Sept. 1783 in Breslau, gest. 21. März 1843 in Nürnberg, 1807 Prediger in Breslau, 1811 außerordentlicher und 1818 ordentlicher Professor daselbst, wurde 1830 vom Predigtamte suspendiert, weil er sich weigerte, die infolge der Union eingeführte neue Agende anzunehmen, und siedelte 1832 nach Dresden über, wo er seine »Aktenmäßige Geschichte der neuesten Unternehmung einer Union zwischen der

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reformierten und der lutherischen Kirche im preußischen Staat« (Leipz. 1834, 2 Bde.) schrieb. Infolge seiner Reformationspredigt noch in demselben Jahre ausgewiesen, lebte er zunächst in Hermsdorf, dann in Glauchau, seit 1839 in Nürnberg, wo er 1841 das »Archiv für historische Entwickelung und neueste Geschichte der lutherischen Kirche« (2 Hefte) herausgab.
 
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Scheiben (Böden), s. Meyers Kupferblech.
 
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Scheibenanker, eine von Edison eingeführte, aber nur selten angewendete Form des Ankers, bei der zu einer kreisförmigen Scheibe zusammengefügte, schief gegen den Halbmesser gestellte Eisenstäbe, die als Stromleiter dienen, sich durch das magnetische Feld der Dynamomaschine bewegen.
 
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Scheibenbäuche (Discobolidae), s. Meyers Fische, S. 607.
 
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Scheibenberg, Stadt in der sächs. Kreish. Chemnitz, Amtsh. Annaberg, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Buchholz-Aue und Zwönitz-S., 669 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Fabrikation von Spitzen, Posamentierwaren, Korsetts, Bandagen, Metall- und Blechwaren, Darmsaiten, Musikinstrumenten, Lampenschirmen, Zement und Zigarren und (1905) 2632 Einw. Dabei der 805 m hohe Berg S. mit Aussichtsturm.
 
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Scheibenblüten, s. Meyers Kompositen, S. 348.
 
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Scheibenfinger, soviel wie Haftzeher, s. Meyers Geckonen.
 
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Scheibenflechte, s. Lecidea.

 

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