Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Scheffer-Boichorst bis Scheibe (Bd. 6, Sp. 721 bis 722)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Scheffer-Boichorst, Paul, deutscher Geschichtsforscher, geb. 25. Mai 1843 in Elberfeld, gest. 17. Jan. 1902 in Berlin, studierte Geschichte, war 187175 Mitarbeiter an den »Monumenta Germaniae« und wurde 1875 außerordentlicher Professor in Gießen, 1876 ordentlicher Professor in Straßburg und 1890 in Berlin. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: »Kaiser Friedrichs I. letzter Streit mit der Kurie« (Berl. 1866); »Annales Patherbrunnenses. Eine verlorne Quellenschrift des 12. Jahrhunderts wiederhergestellt« (Innsbr. 1870); »Deutschland und Frankreich von 1180 bis 1214« (in den »Forschungen zur deutschen Geschichte«, Götting. 1868); »Florentiner Studien« (Leipz. 1874); »Die Chronik des Dino Compagni« (das. 1875); »Die Neuordnung der Papstwahl durch Nikolaus II.« (Straßb. 1879); »Dante- und Boccacio-Studien« (das. 1881); »Aus Dantes Verbannung« (das. 1882): »Zur Geschichte des 12. und 13. Jahrhunderts, diplomatische Forschungen« (Berl. 1897). »Gesammelte Schriften« von S. gaben E. Schaus und F. Güterbock heraus (Berl. 190405, 2 Bde.).
 
Artikelverweis 
Schefferīt, Mineral, s. Augit.
 
Artikelverweis 
Scheffler, 1) Johann, unter dem Namen Angelus Silesius bekannter Mystiker und geistlicher Liederdichter, geb. 1624 in Breslau von protestantischen Eltern, gest. daselbst 9. Juli 1677 im Matthiasstift, studierte seit 1643 die Heilkunde in Straßburg, dann in Leiden und Padua, war 164952 Leibarzt des Herzogs von Öls, trat 1653 in Breslau zur katholischen Kirche über und wurde 1654 zum kaiserlichen Hofmedikus ernannt. 1661 trat er in den Minoritenorden, empfing die Priesterweihe und wurde 1664 Geistlicher Rat des Fürstbischofs in Breslau. Schefflers ursprüngliche Anlage zur Beschaulichkeit war durch das Studium der ältern mystischen Schriftsteller (von Tauler bis auf Jak. Böhme) sowie durch den Umgang mit dem Mystiker Abraham von Frankenberg mächtig gefördert und entwickelt worden. Die Mystik führte ihn zum Pantheismus, dieser zum Katholizismus. Sein erstes Hauptwerk, die »Geistreichen Sinn- und Schlußreime« (Wien 1657), in der folgenden Ausgabe betitelt »Cherubinischer Wandersmann« (Glatz 1675 u. ö.; Neudruck von Ellinger, Halle 1895, hrsg. von W. Bölsche, Jena 1905; Auswahl von O. E. Hartleben, 2. Aufl., Berl. 1904), enthält eine Sammlung meist zweizeiliger Sprüche in Alexandrinern, die einen tiefsinnigen mystischen Pantheismus atmen, daneben aber bereits eifrige Huldigungen für das katholische Dogma darbieten, die sich schwer mit dem übrigen Inhalt des Buches vereinigen lassen. In seinen geistlichen Liedern, gesammelt in »Heilige Seelenlust, oder geistliche Hirtenlieder der in ihren Jesum verliebten Psyche« (Bresl. 1657; Neudruck von Ellinger, Halle 1901), bildet die unaussprechliche Sehnsucht nach dem Heiland und Gott den Grundzug. Mehrere davon (z. B. »Mir nach, spricht Christus, unser Held«, »Liebe, die du mich zum Bilde«) sind in protestantische Gesangbücher übergegangen. Andre sind durch jenen spielenden, tändelnden Ton entstellt, zu denen das Vorbild der italienischen Lyrik viele deutsche Dichter des 17. Jahrh. verleitete. Beide Gedichtsammlungen haben sich bis auf die Gegenwart lebendig erhalten (wertvolle Vertonungen von Peter Cornelius); dagegen sind die zahlreichen Streitschriften des Dichters mit Recht vergessen. Eine Gesamtausgabe der poetischen Werke Schefflers lieferte Rosenthal (Regensb. 1862, 2 Bde.). Vgl. W. Schra- der, Angelus Silesius und seine Mystik (Halle 1853); Kahlert, Angelus Silesius (Bresl. 1853); F. Kern, Joh. Schefflers Cherubinischer Wandersmann (Leipz. 1866); Lindemann, Angelus Silesius, Bild eines Konvertiten, Dichters und Streittheologen (Freiburg 1876); Seltmann, Angelus Silesius und seine Mystik (Bresl. 1896); Kralik, Angelus Silesius und die christliche Mystik (Frankf. a. M. 1902).
   2) Hermann, Physiker, geb. 10. Okt. 1820 in Braunschweig, gest. daselbst 13. Aug. 1903, studierte auf dem Carolinum in Braunschweig, ging 1846 zum Staatseisenbahndienst über, ward 1853 Finanzassessor bei der herzoglichen Eisenbahndirektion und 1871 Direktionsmitglied der braunschweigischen Eisenbahngesellschaft. Er übersetzte aus dem Englischen Moseleys »Mechanische Prinzipien der Ingenieurkunst und Architektur« (Braunschw. 1845, 2 Bde.) und schrieb: »Die Prinzipien der Hydrostatik und Hydraulik« (das. 1847, 2 Bde.); »Die unbestimmte Analytik« (Hannov. 1854); »Theorie der Gewölbe-Futtermauern und eisernen Brücken« (Braunschw. 1857); »Die Theorie der Festigkeit gegen das Zerknicken« (das. 1858); »Über Gitter- und Bogenträger und über die Festigkeit der Gefäßwände« (das. 1862); »Imaginäre Arbeit, eine Wirkung der Zentrifugal- und Gyralkraft« (Leipz. 1866); »Die Ursachen der Dampfkesselexplosionen« (Berl. 1867); »Sterblichkeit und Versicherungswesen« (Braunschw. 1868); »Die Theorie der Wärme« (das. 1875); »Die Naturgesetze« (Leipz. 187681, 4 Bde. mit 3 Supplementen); »Die polydimensionalen Größen« (Braunschw. 1880); »Die magischen Figuren« (Leipz. 1882); »Die Welt nach menschlicher Auffassung« (das. 1885); »Die Regelung der Steuereinkommen und Geldverhältnisse und das natürliche Wahlrecht« (Berl. 1887); »Die Grundlagen der Wissenschaft« (Braunschw. 1889); »Die Hydraulik auf neuen Grundlagen« (Leipz. 1891); »Beiträge zur Theorie der Gleichungen« (das. 1891); »Beiträge zur Zahlentheorie« (das. 1891); »Die quadratische Zerfällung von Primzahlen« (das. 1892); »Die Äquivalenz der Naturkräfte und das Energiegesetz als Weltgesetz« (das. 1893); »Die Grundfesten der Welt« (Braunschw. 1896); »Das Wesen der Mathematik und der Aufbau der Welterkenntnis auf mathematischer Grundlage« (das. 1896, 2 Bde.); »Die erkennbaren und die unerkennbaren Weltvermögen« (das. 1900) u. a.; außerdem: »Die physiologische Optik« (das. 1865, 2 Bde.), »Die Gesetze des räumlichen Sehens« (das. 1866) und »Die Theorie der Augenfehler und der Brille« (Wien 1868). 185663 redigierte er das »Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens«.
 
Artikelverweis 
Scheg, Vorderstück des Vorstevens auf Holzschiffen.
 
Artikelverweis 
Scheherezâde (Schehersad), die berühmte Märchenerzählerin in »Tausendundeine Meyers Nacht« (s. d.).
 
Artikelverweis 
Schehol, Stadt in China, s. Meyers Dschehol.
 
Artikelverweis 
Schehr (Schehir, türk.), soviel wie Stadt.
 
Artikelverweis 
Schehr (Schiher), südarab. Hafen, s. Meyers Makalla.
 
Artikelverweis 
Schehr-i-sebs (»grünende Stadt«), Hauptort des gleichnamigen ehemaligen Chanats in Turkistan, etwa 65 km südlich von Samarkand, besteht aus zwei durch den Ak-Darja getrennten Städten, Schehr mit 90 Moscheen und 20,000 Einw. und Kitab mit 15,000 Einw., wo Anfang des 14. Jahrh. das Dorf Kesch stand, der Geburtsort Tamerlans, der hier die Hauptstadt seines Reiches gründen wollte und viele große, jetzt meist verfallene Bauten errichtete. Das Chanat S., im nördlichen Teil des mittlern Bochara, bewässert vom Karadarja mit mehreren Zuflüssen, ist reich an

[Bd. 6, Sp. 722]


Getreide, Tabak, Baumwolle, Hanf, Früchten und Gemüsen sowie Eisen u. Salz und hat 500,000 Einw., meist Uzbeken. Das Chanat, das 1868 mit Bochara gegen die Russen stand, wurde 1870 nach Einnahme der Hauptstadt von den Russen dem Emir von Bochara übergeben.
 
Artikelverweis 
Scheibbs, Marktflecken in Niederösterreich, 335 m ü. M., an der Erlaf und der Staatsbahnlinie Pöchlarn-Kienberg-Gaming, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, beliebte Sommerfrische, hat eine gotische Kirche (14. Jahrh.) und ein Schloß, beide von den Kartäusern erbaut, ein Kapuzinerkloster, ein Rathaus mit Waffensammlung und Archiv, Elektrizitätswerk, Fabrikation von Eisenwaren, Gerberei, Färberei und (1900) 1161 Einw. Nördlich liegt der Marktflecken Purgstall mit Schloß, Elektrizitätswerk, Fabrikation von Werkzeugen und Äckergeräten und (1900) 1316 Einw., südlich das Dorf Neustift mit Kalkbrennerei, Fabrikation von Achsen und Werkzeugen, Mühle, Papierfabrik (Neubruck) und 1620 Einw., östlich der Blassenstein (842 m) mit Aussichtswarte.
 
Artikelverweis 
Scheibe, im Maschinenwesen ein kurzer feststehender oder um eine zu seinen Endflächen senkrechte Achse rotierender Zylinder. Meist erscheint S. in Verbindung mit einem sie näher bezeichnenden Worte, z. B. Unterlegscheibe (bei Schraubenmuttern), Dichtungsscheibe (bei Flanschenverbindungen), Daumenscheibe oder unrunde S. (s. Meyers Daumen), exzentrische S. (s. Meyers Exzenter), Kurbelscheibe (s. Meyers Kurbel). Ost werden auch konstruktive Gebilde, die gewöhnlich als Räder bezeichnet werden, als Scheiben benannt, z. B. Riemenscheibe, Losscheibe, Stufenscheibe (s. Meyers Riementrieb), Seilscheibe (s. Meyers Seiltrieb).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: