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Scheel-Plessen bis Scheffel (Bd. 6, Sp. 718 bis 719)
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Artikelverweis Scheel-Plessen, Karl Theodor August, Graf von, schleswig-holsteinischer Staatsmann, geb. 18. März 1811 in Kiel, gest. 7. Juli 1892 zu Varese in Oberitalien, studierte die Rechte, trat in den dänischen Staatsdienst, kam 1841 ins Kabinett Christians VIII., wurde Amtmann in Norburg und Sonderburg und Mitglied der Ständekammer. Bei der Erhebung der Herzogtümer 1848 unbeteiligt, wurde er 1853 Oberpräsident in Altona, dann Mitglied und Präsident der holsteinischen Stände, trat an die Spitze der Opposition gegen die dänischen Gewaltmaßregeln und sprach sich gleich nach dem Wiener Frieden 1864 für den engsten Anschluß an Preußen aus. 186674 Oberpräsident der neuen Provinz Schleswig-Holstein, ward er zum Grafen und Mitglied des Herrenhauses ernannt.
 
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Scheelsäure, soviel wie Wolframsäure.
 
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Scheeplast (spr. ßchep-, »Schiffslast«), früher niederländ. Frachtgewicht von 4000 Ponden, = 1976,36 kg.

[Bd. 6, Sp. 719]



 
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Scheer, Stadt im württemberg. Donaukreis, Oberamt Saulgau, an der Donau und der Staatsbahnlinie Ulm-Tuttlingen, 564 m ü. M., hat eine schöne kath. Kirche, eine Lorettokapelle, ein Schloß, Holzstoff-, Zellulose- und Papierfabrikation, Bierbrauerei und (1905) 1121 meist kath. Einwohner.
 
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Scheeren, den Kohlenflözen eingelagerte oder dieselben regellos durchsetzende taube Bergmittel.
 
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Scheeren, Inseln, s. Meyers Schären.
 
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Scheerer, Theodor, Chemiker und Mineralog, geb. 28. Aug. 1813 in Berlin, gest. 19. Juli 1875 in Dresden, studierte in Berlin und Freiberg, war 183339 praktischer Bergmann in Norwegen, wurde 1841 Lektor an der Universität in Christiania, 1848 Professor an der Bergakademie in Freiberg und lebte seit 1872 in Dresden. Er schrieb: »Lehrbuch der Metallurgie« (Braunschw. 184653, 2 Bde.); »Lötrohrbuch« (das. 1851, 2. Aufl. 1857); »Der Paramorphismus« (das. 1854).
 
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Scheergang (Schergang), s. Meyers Farbegang.
 
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Scheerhorn, Berg, s. Meyers Tödi.
 
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Schefer, Leopold, Lyriker und Novellist, geb. 30. Juli 1784 zu Muskau in der Niederlausitz, gest. daselbst 16. Febr. 1862, besuchte das Gymnasium in Bautzen und beschäftigte sich dann in der Heimat namentlich mit Mathematik, Philosophie und linguistischen Studien. Seine ersten poetischen und musikalischen Erzeugnisse: »Gedichte mit Kompositionen« (Berl. 1811), wurden vom Grafen Pückler herausgegeben, der lange als ihr Verfasser galt; auch eine zweite Sammlung erschien 1813 anonym. Bei Übernahme des Majorats ernannte ihn Graf Pückler zum Generaldirektor seiner Besitzungen und setzte ihn 1816 in den Stand, eine größere Reise nach Wien, Italien, Griechenland, den Ionischen Inseln, der Türkei und Kleinasien zu machen. 1820 nach Muskau zurückgekehrt, lebte S. fortan hier seinen Studien und Arbeiten. Zuerst entfaltete er als Novellist eine reiche Schaffenskraft. Der ersten Sammlung: »Novellen« (Leipz. 182529, 5 Bde.), folgte bald eine zweite: »Neue Novellen« (das. 183135, 4 Bde.), dann »Lavabecher« (Stuttg. 1833, 2 Bde.) und »Kleine Romane« (Bunzl. 183637, 6 Bde.) sowie einzeln: »Die Gräfin Ulfred« (Berl. 1834, 2 Bde.); »Viel Sinne, viel Köpfe«, Zaubergeschichte (Stuttg. 1840); »Graf Promnitz« (Kottb. 1842); »Göttliche Komödie in Rom« (2. Aufl., das. 1843); »Génévion von Toulouse« (Leipz. 1846); »Achtzehn Töchter« (Bresl. 1847) und die gegen das moderne Konventikelwesen gerichtete pikante Novelle »Die Sibylle von Mantua« (Hamb. 1852). Schefers Novellen sind trotz mancher dichterischer Schönheiten: trefflicher Naturschilderungen, genauer Kenntnis der Zeiten und Sitten, zumal der von ihm bereisten Länder, großer Gemütstiefe, dennoch schon ungenießbar, weil es ihm an Gestaltungskraft und der Fähigkeit zu charakterisieren fehlte. In späterer Zeit wandte sich S. vorzugsweise der lyrischen und didaktischen Poesie zu, wobei der befreundete Dichter Waldau (s. Meyers Hauenschild) ermunternd und hilfreich eingriff, indem er an seine Manuskripte die letzte Feile anlegte. So erschienen von ihm: »Kleine lyrische Werke« (Frankf. 1828); »Vigilien« (das. 1842); »Gedichte« (3. Aufl., Berl. 1846); besonders aber das »Laienbrevier« (das. 1834; 19. Aufl., Leipz. 1898); »Der Weltpriester« (Nürnb. 1846); »Hausreden« (Dessau 1854, 2 Bde.; 4. Aufl., Leipz. 1869): spruchartige Gedichte, die eine moralisch-religiöse, zum Pantheismus sich hinneigende Richtung verfolgen. Höchst originelle Poesien enthalten: »Hafis in Hellas, von einem Hadschi« (Hamb. 1853), worin sich das anakreontisch Spielende der althellenischen Liebespoesie mit der didaktischen Richtung und der Bilderpracht des Orients vereinigt, und der »Koran der Liebe nebst kleiner Sunna« (das. 1855), die Fortsetzung des »Hafis«, voll schalkhafter Epigramme, leichtfüßiger Dithyramben, erotischer Legenden und Parabeln von höchst abgerundeter Form. Manches Fremdartige in diesen Produkten erklärt sich aus Schefers Vorliebe für den Orient und die religiössittlichen Ansichten des Mohammedanismus, die besonders stark in »Mahomets türkischen Himmelsbriefen« (Berl. 1840) hervortritt. In seinem letzten (unvollendeten) Werke, dem Gedicht »Homers Apotheose« (Lahr 1858), suchte er mit der Verherrlichung des Dichters die des vollen, gesunden, ausgereiften Menschendaseins zu geben. Seine musikalische Begabung machte S. in späterer Zeit in einer Oper: »Sakontala«, und mehreren von ihm komponierten Quartetten geltend. Aus seinem Nachlaß gab Gottschall »Für Haus und Herz. Letzte Klänge« (Leipz. 1867) und Moschkau das »Buch des Lebens und der Liebe« (das. 1877, 3. Aufl. 1887) heraus. »Ausgewählte Werke« Schefers erschienen Berlin 184546 in 12 Bänden (2. Aufl. 1857). Vgl. Brenning, Leopold S. (Brem. 1884).
 
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Scheffel, früheres deutsches Maß für schüttbare Dinge: der preußische S. zu 16 Metzen = 54,9615 Lit., der bremische zu 16 Spind = 74,1039 L., der sächsische zu 16 Metzen = 103,8286 L. (vor 1858 als Dresdener 105,8865 L.), der württembergische zu 8 Simri = 177,2264 L. etc., bis 1884 allgemein 50 L. Als Ackermaß eine ursprünglich mit 1 S. Roggen zu besäende Fläche: so S. Aussaat in Mecklenburg-Schwerin = 60 O Ruten oder 1300,75 qm, wogegen der »bonitierte S.« für Steuerzwecke von 6300 und bei Heideland bis 500 O Ruten schwankte; S. Landes in Sachsen = 1/2 Acker oder 2767,118 qm. Als Raummaß in Oberdeutschland ein offener Kasten von 1,5 Kubikellen für Pflastersteine u. dgl. Vgl. auch Schäffel.

 

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