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Schaumgips bis Schauspiel (Bd. 6, Sp. 710 bis 712)
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Artikelverweis Schaumgips, s. Meyers Gips, S. 857.
 
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Schaumgold, soviel wie Blattgold, s. Meyers Goldschlägerei.
 
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Schaumkalk, s. Meyers Kalkoolith und Meyers Triasformation.
 
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Schaumkrant, s. Cardamine.
 
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Schaumschläge, s. Meyers Schaum.

[Bd. 6, Sp. 711]



 
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Schaumünze, s. Meyers Medaille.
 
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Schaumwein (moussierender Wein, Champagner, fälschlich Sekt), schäumender Wein, der sehr viel Kohlensäure enthält (der Druck in den Champagnerflaschen beträgt 45 Atmosphären), die beim Öffnen der Flaschen unter Aufbrausen entweicht. Der französische S., der allgemein unter dem Namen Champagner (nach der Provinz Champagne des alten Frankreich) geht (vgl. Sekt), ist ein feuriger, leichter, angenehmer Süßwein und wird aus blauen und weißen Trauben hergestellt, indem man die Jungweine nach bestimmtem Verhältnis (cuvée) mischt, mit Zuckerlösung versetzt, auf Flaschen füllt und diese verkorkt. Bei der nun beginnenden Gärung entwickelt sich Kohlensäure, und es scheidet sich Hefe ab. Letztere sammelt sich in den auf den Kopf gestellten Flaschen auf dem Kork und wird durch das Degorgieren herausgespritzt. Dann erhält der Wein einen Zusatz von Zucker, gelöst in Wein oder Kognak, auch wohl von Farbstoff etc. (Dosieren), worauf die Flaschen mit Draht oder Bindfaden verschlossen werden. In Frankreich liebt man den Champagner weder zu stark noch zu süß, in Österreich und dem östlichen Deutschland besonders süß, in Rußland mild und süß, in England körpervoll und kräftig. Nach dem Kohlensäuregehalt unterscheidet man Crémant, Mousseux und Grand mousseux, von denen ersterer am wenigsten Schaum (nur leichten Rahm) liefert, letzterer dagegen am stärksten schäumt. Gefärbter Champagner heißt Rosé, die bräunliche Färbung, Œil de Perdrix, ist nicht mehr üblich. Der S. wird in den Präfekturen Châlons-sur-Marne, Epernay, Reims, Ste. Menehould und Vitry-sur-Marne des Marnedepartements hergestellt. In Reims verarbeitet man besonders Gebirgswein, in Epernay Flußwein. Einige Orte, wie das Schloß Sillery (früher allgemein gebräuchlicher Name für Champagner), und Firmen, wie Veuve Cliquot, haben Weltruf erlangt. Der Aufschwung, den die Champagnerfabrikation im 19. Jahrh. in Frankreich genommen hat, ist großenteils deutschem Kapital und deutscher Intelligenz zu danken, und so finden sich unter den französischen Champagnerfirmen auffallend viele deutsche Namen (Heidsieck, Schneider, Röderer, Mumm etc.). Alle Häuser führen ihre besondern registrierten Marken und Etiketten, welche die Qualität vielfach schon durch ihre Farbe angeben (Carte noir, C. blanche, C. d'or). Außer in der Champagne werden in Frankreich noch an vielen andern Orten Schaumweine erzeugt, so besonders in St.-Péray, Departement Ardèche (sehr gewürzig, wohlschmeckend, aber schwer und nicht stark moussierend); der Bourgogne mousseux von Yonne und Tonnerrois ist ein sehr starker, schwerer, parfümierter Wein; der Vin mousseux d'Anjou von Savonnières und St.-Aubin ist sein, angenehm schmeckend, aber sehr zu Kopf steigend, schwerer und nicht so delikat wie Champagner; die weißen moussierenden Burgunder von Epineuil und Dannemoins erreichen fast den Tonnerrois. Der Vin d'Arbois, Departement Jura, steht dem Champagner am nächsten, moussiert ungemein stark, aber nur im ersten und zweiten Jahr. Außerdem gibt es noch im Bordelais und in der Gascogne zahlreiche Schaumweinfabriken. Auch in Deutschland wird sehr viel S. fabriziert, so im Elsaß, an der Ahr (die Ahrweine eignen sich ganz vorzüglich dazu), in Koblenz, Mainz, Hochheim, Rüdesheim, Frankfurt, Wiesbaden, Mannheim, Freiburg, Eßlingen, Würzburg, Frickenhausen in Unterfranken, Freyburg a. U., Naumburg, Dresden, Lößnitz, Hirschberg, Grünberg. Die deutsche Schaumweinfabrikation steht auf gleicher Höhe mit der französischen. Guter deutscher S. verträgt sehr wohl den Vergleich mit dem französischen, der in den meisten Fällen nur aus Kaprice oder Großtuerei vorgezogen wird. Das Vorurteil gegen deutschen S. verlangt einen niedrigern Preis, so daß die Fabrikanten auf billige Herstellung bedacht sein müssen. In Österreich werden sehr viele Schaumweine aus steirischen und niederösterreichischen Trauben dargestellt und finden unter Originaletiketten ansehnlichen Absatz in Frankreich, namentlich in Paris. Neben dem alten oben beschriebenen Verfahren zur Herstellung von S. werden auch andre neuere angewendet, die manche Vorteile gewähren, die Abscheidung von Hefe in den Flaschen vermeiden etc. Auch wird S. durch Einpressen von Kohlensäure in Wein oder Obstwein hergestellt. Dem Champagner ähnlich ist der Asti spumante aus Muskattrauben von Asti. Champagner wird kalt (in Eis gekühlt, frappiert) getrunken und wirkt ungemein schnell, aber auch ebenso vorübergehend erregend, erfrischend, erheiternd wie kein andrer Stoff. Er wird auch als diätetisches Mittel und arzneilich benutzt. Die Fabrikation des Champagners steht in notwendiger Beziehung zur Erfindung des Flaschenverschlusses mit Korken, die dem Pater Kellermeister der Abtei von Hautvillers, Dom Pérignon, zugeschrieben wird und in die Zeit von 16701715 fällt. Bis ins 18. Jahrh. hinein war auch der Gebrauch der Flaschen selten, und ihr fester Verschluß war unbekannt. Von Hautvillers scheint sich das Geheimnis der Fabrikation schnell verbreitet zu haben, und zu Anfang des 18. Jahrh. war der Champagner bereits in weitern Kreisen bekannt. In Deutschland wurde der erste S. von Häusler in Hirschberg dargestellt. Die Herstellung im großen wurde zuerst in Eßlingen und Heilbronn versucht, 1830 in Würzburg und 1834 an der Mosel. 1840 betrug die deutsche Schaumweinproduktion etwa 0,25 Mill., gegenwärtig ca. 12 Mill. Flaschen im Jahre. Man verarbeitet etwa 90,000 hl Wein, wovon etwa ein Drittel aus Frankreich und 25,000 hl aus Lothringen bezogen werden. Die französische Champagnerproduktion betrug 1850: 6,7 Mill., 1900 aber 28 Mill. Flaschen und führte 1902 für 5,9 Mill. Mk. nach Deutschland aus. Deutschland führte 1905: 25,783 dz Champagner im Werte von 5,6 Mill. Mk. ein und 23,071 dz im Werte von 2,8 Mill. Mk. aus (eine Flasche Schaumwein wiegt mit Glas 1,4 kg). Vgl. Regner, Die Bereitung der Schaumweine (2. Aufl., Wien 1898); Greßler, Die Schaumweinfabrikation (Halle 1903).
 
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Schaumweinsteuer, eine im Deutschen Reich durch Gesetz vom 9. Mai 1902 eingeführte Steuer vom Konsum von im Inland hergestellten Schaumwein aller Art. Sie beträgt 10 Pf. für jede Flasche Schaumwein, der aus Fruchtwein ohne Zusatz von Traubenwein hergestellt ist, 50 Pf. für jede Flasche andern Schaumweines (für jede halbe Flasche die Hälfte, für jede kleinere Flasche ein Viertel der Steuer). Die S. ist vom Erzeuger des Schaumweines mittels Anbringung einer Steuermarke an der Flasche zu entrichten, bevor der fertige Schaumwein aus der Erzeugungsstätte entfernt oder innerhalb derselben getrunken wird. Von der Steuer befreit ist der nachweislich verzollte ausländische Schaumwein. Bei der Ausfuhr kann nach näherer Bestimmung des Bundesrats eine Vergütung für den Zoll auf den zur Herstellung verwendeten Rohwein stattfinden. Infolge des Zoll- und Steuerabkommens mit dem Großherzogtum Luxemburg sind die gleichen Bestimmungen

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auch hier in Kraft getreten. Der Reinertrag der Steuer betrug 1904: 4,86 Mill. Mk. (der Zoll 2,83 Mill. Mk.). Vgl. Goldschmidt, Das Schaumweinsteuergesetz vom 9. Mai 1902 (Mainz 1902).
 
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Schaumzirpe (Schaumzikade), s. Meyers Zikaden.
 
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Schauri, Bezeichnung bei den Suaheli (Ostafrika) für Verhandlung oder Beratung der Häuptlinge untereinander oder mit Fremden, desgleichen auch Streit und Krieg; entspricht dem Palaver (Westafrika).
 
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Schauspiel, im weitern Sinne soviel wie Drama überhaupt; im engern Sinne die Mittelgattung zwischen Tragödie und Lustspiel, bei der sich ein ernster Konflikt glücklich löst; s. Meyers Drama. Im Sinne der Gewerbeordnung ist S. die Vorführung einer gedichteten Handlung mittels Rede oder Gesang und Gebärde (Oper, Operette, S., Singspiel) oder mittels letzterer allein (Pantomime, Ballett). Schauspielunternehmer bedürfen zum Betrieb ihres Gewerbes einer Erlaubnis (Konzession) der Verwaltungsbehörde. Zum Betrieb eines andern oder wesentlich veränderten Unternehmens (die Konzession wurde für Opern erteilt, es sollen aber später Singspiele ausgeführt werden) ist neue Erlaubnis notwendig. Die Erlaubnis gilt für das ganze Deutsche Reich, falls sie von Anfang dafür nachgesucht wurde. Die Erlaubnis darf nur versagt werden, 1) wenn der Nachsuchende nicht in der Lage ist, sich über den Besitz der Mittel auszuweisen, die für den Betrieb des beabsichtigten Unternehmens notwendig sind; 2) wenn die Behörde die Überzeugung gewinnt, daß der Nachsuchende die zu dem beabsichtigten Gewerbebetrieb erforderliche Zuverlässigkeit, insbes. in sittlicher, künstlerischer und finanzieller Hinsicht, nicht besitzt (§ 32 der Gewerbeordnung). Die Konzession kann unter bestimmten Voraussetzungen entzogen werden (§ 40), nicht aber darf sie auf Zeit erteilt werden, falls sie nicht von Anfang an für einen bestimmten Zeitraum, z. B. für die Sommermonate (Sommertheater), nachgesucht wurde. Für öffentliche theatralische Vorstellungen, bei denen kein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft obwaltet, bedarf derjenige, der sie gewerbsmäßig in seinen Wirtschafts- oder sonstigen Räumen veranstalten läßt, gleichfalls der Erlaubnis (§ 333). Wer im Umherziehen derartige Vorstellungen gibt, bedarf der Erlaubnis der Ortspolizeibehörde (§ 3311). Bei derartigen theatralischen Vorstellungen wie auch bei allen andern öffentlichen Schaustellungen dürfen weder eigne noch fremde Kinder, d. h. Knaben und Mädchen, solange sie volksschulpflichtig sind oder das 13. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, mitwirken. Bei Vorstellungen und Schaustellungen, bei denen ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft obwaltet, darf die Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Schulaufsichtsbehörde die Mitwirkung von Kindern im Einzelfalle gestatten. Vgl. § 6 des Kinderschutzgesetzes vom 30. März 1903. Über Zensur s. Meyers Theaterzensur.

 

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