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Schaum bis Schaumgips (Bd. 6, Sp. 708 bis 710)
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Artikelverweis Schaum, eine Ansammlung von Luftbläschen, die durch dünne Flüssigkeitshäutchen voneinander getrennt sind. Man kann S. erzeugen, wenn man durch eine etwas zähe Flüssigkeit Luftblasen aufsteigen läßt; die Luftblasen sammeln sich dann an der Oberfläche, abgegrenzt durch ein Flüssigkeitshäutchen, sie nehmen zunächst die Gestalt von sphärischen oder sphäroidischen Segmenten an, die sich bei gegenseitiger Berührung in Polygone verwandeln. Sehr reichlich bildet sich S., wenn eine Flüssigkeit unter hohem Druck Gas gelöst enthält und der Druck plötzlich aufgehoben wird, indem sich dann in der Flüssigkeit zahllose Gasbläschen bilden. So schäumt Mineralwasser, Champagner, Bier etc., und der S. ist um so konsistenter, je zäher die Flüssigkeit ist. In derselben Weise schäumen viele Flüssigkeiten beim Erhitzen, wobei sich in der Flüssigkeit viele Dampfbläschen entwickeln. Man kann aber auch S. erzeugen, wenn man Flüssigkeiten in halb gefüllten Gefäßen mit Luft schüttelt. Gummi, Eiweißkörper, welche die Flüssigkeiten schleimig machen, befördern die Schaumbildung, besonders aber Seife und Saponin. Sehr lästig ist das Schäumen in der Technik, z. B. beim Kochen von Zuckerrübensaft. Um es zu unterdrücken, setzt man wenig Butter oder Paraffin zu. Auch bringt man über dem Spiegel der siedenden Flüssigkeit ein Dampfrohr an, aus dessen zahlreichen seinen Öffnungen gespannter Dampf in horizontalen Strahlen ausströmt (Schaumschläge). In der Küche werden Sahne und Eiweiß zu S. geschlagen, indem man mit einer Rute oder einem schnell rotierenden Drahtgestell die Flüssigkeit mit Luft innig zu mischen sucht.
 
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Schaumann, 1) Adolf Friedrich Heinrich, deutscher Geschichtsforscher, geb. 19. Febr. 1809 in Hannover, gest. daselbst 10. Dez. 1882, studierte die Rechte, lebte bis 1837 in seiner Vaterstadt als Rechtsanwalt, ward aber nach Veröffentlichung seines Werkes »Geschichte des niedersächsischen Volkes bis 1180« (Göttingen 1838), das ihm den für das große Jubiläum der Universität Göttingen ausgeschriebenen großen Preis eintrug, Bibliotheksekretär, dann außerordentlicher Professor der Geschichte und Diplomatik in Göttingen, 1851 ordentlicher Professor in Jena und war 185367 Oberbibliothekar und Historiograph des Königreichs Hannover. Außer dem genannten Buch schrieb er: »Über das Chronicon Corbejense« (Götting. 1839); »Geschichte des zweiten Pariser Friedens« (das. 1844); »Geschichte der Grafen von Balkenstein« (Berl. 1847); »Die Akten des ersten schriftlichen Prozesses nach römisch-kanonischen Formen« (Jena 1850); »Handbuch der Geschichte der Lande Hannover und Braunschweig« (Hannov. 1864); »Geschichte der Erwerbung der Krone Großbritanniens von seiten des Hauses Hannover« (das. 1878); »Sophie Dorothea, Prinzessin von Ahlden und Kurfürstin Sophie von Hannover« (das. 1879).
   2) Heinrich, Maler, geb. 2. Febr. 1841 in Tübingen, gest. 6. Juli 1893 in Stuttgart, bezog 1858 die königliche Kunstschule in Stuttgart, studierte dann an der Tierarzneischule Anatomie und siedelte 1864 nach München über, wo er als Genre- und Tiermaler tätig war. Später nahm er wieder seinen Wohnsitz in Stuttgart. S. bereiste wiederholt England, Frankreich, die Niederlande und Italien. Von seinen Gemälden sind hervorzuheben: Affe mit einem Hunde spielend (München, Neue Pinakothek), Kirchweihe, Ertappt, landwirtschaftliche Preisverteilung, Brotneid, der Hochzeitlader (Galerie in St. Gallen), der Jongleur, Volksfest in Kannstatt (Staatsgalerie in Stuttgart), der Hahnentanz, Bärentreiber in einem schwäbischen Dorf u. a. Auch war er ein geschickter Zeichner und Illustrator und lieferte einen Zyklus Typen vom Kannstatter Volksfest.
 
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Schaumann (spr. schōmann), 1) Frans Ludvig von, finnländ. Theolog und Politiker, geb. 24. Sept. 1810 bei Åbo, gest. 28. Juni 1877 in Borgå, aus einem 1686 in Schweden geadelten, deutsch-kurländischen Geschlecht, wurde 1837 Adjunkt, 1847 Professor der Theologie an der Helsingforser Universität und 1865 lutherischer Bischof in Borgå. Streng konstitutionell gesinnt, spielte er nach dem Regierungsantritt Alexanders II. im öffentlichen Leben eine bedeutende Rolle und setzte auf dem Gebiete der Schul-, Kirchen- und Kommunalgesetzgebung im Ständelandtag (seit 1863) viele bedeutsame Reformen durch. Seine wichtigsten theologischen Schriften sind: »De constitutione regiminis ecclesiastici singulari Fenniae ratione habita« (Helsingf. 1847); »Handbok i Finlands kyrkorätt« (Bd. 1, 1853); »Praktiska teologin« (1874 bis 1877). 185759 gab er die »Tidskrift för finska kyrkan«, 186973 »Sanningsvittnet« heraus. Politischen Inhalts ist die Sammlung seiner »Tal och uppsatser rörande statsrättsliga förhållanden i Finland« (Borgå 1876).
   2) Waldemar von, finnländ. Militär und Staatsbeamter, geb. 10. Aug. 1844 in Helsingfors, diente bis 1894 im finnländischen, bez. russischen Heer, wo er zum Generalmajor avancierte, wurde hierauf Gouverneur der Landeshauptmannschaft Wasa, 1896 zum Generalleutnant befördert und war 18981900 Mitglied des finnländischen Senats, wo er als Chef des Militärdepartements energisch für die nationale und militärische Sonderstellung des Großfürstentums eintrat. Nach dem Mordattentat seines Sohnes (s. unten) wurde er seit Juni 1904 in Petersburg, bez. Åbo in strenger Hast gehalten, im Spätherbst d. J. aber entlassen und 1905 von der Anklage des Hochverrats freigesprochen. Sein Sohn Eugen, geb. 10. Mai 1875 in Charkow, erschoß 16. Juni 1904 aus politischen Gründen im Helsingforser Senatsgebäude den finnländischen Generalgouverneur Meyers Bobrikow (s. d.) und gab sich dann sofort selber den Tod.
 
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Schaumberger, Heinrich, Volksschriftsteller, geb. 15. Dez. 1843 in Neustadt a. d. Heide (Sachsen-Koburg), gest. 16. März 1874 in Davos, wirkte als Volksschullehrer an mehreren Orten, seit 1869 in Weißenbrunn bei Schalkau (S.-Meiningen). Schaumbergers Gebiet ist die Dorfgeschichte auf dem lokalen Boden seiner engern Heimat. Edle Gesinnung und sichere Darstellung der Charaktere bei schlichter volkstümlicher Sprache zeichnen seine Erzählungen aus, unter denen wir »Vater und Sohn« (4. Aufl. 1899), »Zu spät« (4. Aufl. 1895) und »Im Hirtenhaus« (7. Aufl. 1899) besonders hervorheben. In dem Roman »Fritz Reinhardt« (3. Aufl. 1881, 3 Bde.) hat S. seinen eignen Entwickelungsgang geschildert. Seine Werke erschienen seit 1875 mehrfach gesammelt, zuletzt als Volksausgabe in 2 Bänden (Wolfenb. 1905); »Sämtliche Werke«, herausgegeben von H. Möbius (Leipz. 1905, 8 Bde.). Vgl. Möbius, Heinrich S.,

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sein Leben und seine Werke (Wolfenb. 1883); den Vortrag von E. Schreck (Bielef. 1896); H. C. H. Meyer, Heinrich S. und Rud. Köselitz. Dichter und Illustrator (Wolfenb. 1901).
 
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Schaumburg, 1) (eigentlich Schauenburg) vormalige deutsche Grafschaft im westfälischen Kreis, an der Weser, zwischen dem hannoverschen Fürstentum Kalenberg, der Grafschaft Lippe und dem Fürstentum Minden, benannt nach der Burg Schauenburg zwischen Rinteln und Oldendorf, deren Erbauer Adolf I., bisher von Santersleben genannt, um 1030 von König Konrad II. mit dem umliegenden Landstrich belehnt wurde. Sein Enkel Adolf III. (I.) erhielt 1106 von Kaiser Lothar die Grafschaft Holstein (s. d., S. 484). S. blieb mit Holstein vereinigt, bis 1290 Adolf VII., Gerhards I. von Holstein-Rendsburg Sohn, die Nebenlinie S. begründete, der jedoch in Holstein die Grafschaft Pinneberg verblieb. Nach dem Aussterben der Holsteiner Hauptlinie 1459 konnte Otto II. seine Ansprüche auf Holstein gegen Dänemark nicht durchsetzen und begnügte sich mit einer Geldentschädigung. Otto IV., von 153137 Bischof von Hildesheim, gab das Stift auf und übernahm 1544 die Verwaltung der Grafschaft, in der er 1558 die Reformation einführte. Nachdem das Geschlecht mit Ernst III. von Kaiser Ferdinand II. 1619 in den Reichsfürstenstand erhoben worden, erlosch es 1640 mit Otto VII. von S.-Gehmen, worauf dessen Mutter Elisabeth, Gemahlin des Grafen Georg Hermann, Tochter des Grafen Simon von der Lippe, ihren Bruder, den Grafen Philipp von der Lippe, 1643 zum Erben bestimmte. Ein Teil der schaumburgischen Besitzungen, die Grafschaft Pinneberg, wurde von Dänemark eingezogen; das spätere hannoversche Amt Lauenau und ein Teil von Hameln aber fielen kraft eines Vertrags von 1595 an Braunschweig-Lüneburg. Zugleich erhoben die Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel und das Bistum Minden Ansprüche; im Westfälischen Frieden kam es zu einem Vergleich, durch den Philipp die Ämter Stadthagen, Bückeburg, Arensburg und Hagenburg nebst einem Teil des Amtes Sachsenhagen, die jetzt das Fürstentum Schaumburg-Lippe bilden, der Landgraf von Hessen-Kassel aber die Ämter Schaumburg, Rodenberg und den übrigen Teil von Sachsenhagen erhielt. Der kurhessische Anteil der Grafschaft S., der jetzt zur preußischen Provinz Hessen-Nassau gehörige Kreis Grafschaft Schaumburg (s. Karte »Hessen-Nassau«, Nebenkärtchen), liegt zwischen Hannover, Lippe, S.-Lippe und der preußischen Provinz Westfalen und hat einen Flächenraum von 449 qkm (8,2 QM.) mit (1905) 47,189 meist prot. Einwohnern. Vgl. Piderit, Geschichte der Grafschaft S. (Rinteln 1831); Freudenstein, Geschichte des Waldeigentums in der vormaligen Grafschaft S. (Hannov. 1879).
   2) Standesherrschaft des ehemaligen Herzogtums Nassau, etwa 70 qkm groß, früher reichsunmittelbar, aber nicht reichsständisch, gehörte dem Hause Limburg, kam 1279 an das Haus Westerburg, ward 1656 von der Gräfin von Meyers Holzappel (s. d.) durch Kauf erworben und auf ihre Tochter Elisabeth, die Gemahlin des Fürsten Adolf von Nassau-Dillenburg, vererbt. Nachdem diese Linie Nassau-S. schon 1707 erloschen war, ging die Grafschaft S. nebst der Grafschaft Holzappel mit der Erbtochter Charlotte an deren Gemahl, den Fürsten Leberecht von Anhalt-Bernburg, über. So entstand die Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Hoym-S. die am 24. Dez. 1812 mit dem Fürsten Friedrich Ludwig Adolf (der schon 1811 resigniert hatte) im Mannesstamm erlosch, worauf die anhaltischen Güter an Anhalt-Bernburg zurückfielen, die Grafschaften S. und Holzappel aber durch die älteste Tochter des Fürsten ihrem Gemahl, dem Erzherzog Joseph von Österreich, Palatin von Ungarn (gest. 1847), zugebracht und auf ihren Sohn, den Erzherzog Stephan. vererbt wurden, der davon den Titel Fürst von S. annahm und 1850 das Schloß S. auf einem Berg im SW. von Diez erbaute. Nach dessen Tod (1867) fielen beide Grafschaften an den Prinzen Georg Ludwig von Oldenburg, der ein Enkel einer jüngern Tochter des Fürsten Friedrich Ludwig Adolf war. Doch strengte der Fürst von Waldeck dagegen einen Prozeß an, der 1887 zu seinen Gunsten entschieden wurde.
   3) Grafschaft im Erzherzogtum Österreich ob der Enns, früher reichsunmittelbar, seit 1548 definitiv österreichischer Lehnsbesitz, gehörte bis 1559 einem besondern Grafengeschlecht. Anna, die Schwester des letzten Grafen von S., Wolfgang, rettete einen Teil derselben (Efferding, Mistelbach etc.) ihrem Gatten Erasmus von Starhemberg. Die Stammburg S. an der Donau oberhalb Efferding liegt jetzt in Trümmern.
 
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Schaumburg, Gräfin von, s. Meyers Hanau, Gertrude, Fürstin von.
 
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Schaumburger Diamanten, s. Meyers Quarz, S. 498.
 
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Schaumburger Ofen, s. Meyers Koks, S. 252.
 
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Schaumburg-Lippe, souveränes, zum Deutschen Reiche gehöriges Fürstentum, zwischen 51°53´-52°30´ nördl. Br. und 8°59´-9°20´ östl. L., wird von dem preußischen (vormals hessischen) Teile der Grafschaft Schaumburg, den preuß. Regierungsbezirken Hannover und Minden begrenzt und besteht aus dem westlichen Teile der ehemaligen Grafschaft Schaumburg. Außerdem besitzt der Fürst zu S. das paragiale Oberamt Blomberg unter Hoheit des Fürsten von Lippe-Detmold. Das Fürstentum liegt am nördlichsten Zweige des Wesergebirges und besteht zum größern Teil aus Tiefland, zum kleinern aus wellenförmigem Hügelland. Im SO. liegt die bewaldete und kohlenreiche Kette des Bückebergs (332 m), im N. das Steinhuder Meyers Meer (s. d.). Mineralquellen sind bei Stadthagen und Eilsen. Das Klima ist gemäßigt und gesund, wenn auch vorherrschend feucht und kühl. Der Flächeninhalt beträgt 340,29 qkm (6,2 QM.). Die Bevölkerung, die 1905: 44,992 Seelen (132 auf 1 qkm) betrug, gehört dem niedersächsischen Stamm an und bekennt sich, mit Ausnahme von etwa 3800 Reformierten, (1900) 785 Katholiken und 257 Israeliten, zur evangelisch-lutherischen Kirche. Die Bevölkerung wohnt in 2 Städten (Bückeburg und Stadthagen), 2 Flecken und 88 Ortschaften. Für die geistige Kultur ist hinreichend gesorgt. Von Lehranstalten bestehen: ein Gymnasium, ein Schullehrerseminar und 37 Landschulen. Die Zahl der Erwerbstätigen betrug 1895: 15,539 (darunter 2842 weibliche); davon entfielen 35,6 Proz. auf Land- und Forstwirtschaft, 44,3 Proz. auf Bergbau und Industrie, 8,3 Proz. auf Handel und Verkehr. Der wichtigste Nahrungszweig ist die Landwirtschaft, die nicht nur den Bedarf der Bevölkerung deckt, sondern auch verschiedene Artikel zur Ausfuhr liefert. Auf Acker- und Gartenland entfallen (1900) 48,3 Proz., auf Wiesen 12,3, auf Weiden 5,4, auf Waldungen 20,3 Proz. des Areals. Verhältnismäßig groß ist der Bestand an Schweinen und Ziegen, sehr gering an Schafen; 1904 zählte man 3061 Pferde, 11,738 Rinder, 1190 Schafe, 39,239 Schweine und 6960 Ziegen. Die Waldungen (1900: 6899 Hektar) bestehen zu 78,5 Proz. aus Laubholz, namentlich prächtigen Eichen- und Buchenbeständen;

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94 Proz. der ganzen Waldfläche gehören der Landesherrschaft. Der Bergbau betrifft bloß Steinkohlen, die in den mit Preußen gemeinschaftlichen Staatsbergwerken zutage gefördert werden. Auch hat das Land treffliche Quader- und Bruchsteine sowie Torf. Die Industrie ist von geringem Belang. Auch der Handel ist wegen der Kleinheit des Landes unbedeutend. Das Fürstentum steht unter preußischer Zollverwaltung. Für Straßenbau ist viel geschehen, 24 km der Hannover-Mindener Bahn liegen innerhalb des Fürstentums, außerdem bestehen 13,7 km Nebenbahnen (im Privatbesitz). Als Grundgesetz gilt das Landesverfassungsgesetz vom 17. Nov. 1868. Der Fürst (gegenwärtig Georg, geb. 10. Okt. 1846, regiert seit 8. Mai 1893) ist im Besitz der ungeteilten Staatsgewalt. Er bekennt sich zur reformierten Kirche und wird mit zurückgelegtem 21. Lebensjahr großjährig. Die Landstände bestehen aus zwei durch landesherrliches Vertrauen für die jedesmalige Legislaturperiode berufenen Vertretern des Domanialgrundbesitzes, einem gewählten Vertreter der Ritterschaft, einem von den vozierten Predigern des Landes gewählten Vertreter, einem von den eine amtliche Stellung einnehmenden Juristen, Medizinern, studierten Lehrern (einschließlich der zur Praxis zugelassenen Anwälte, Ärzte und examinierten Privatlehrer) gewählten Vertreter, drei gewählten Vertretern der Städte und sieben gewählten Vertretern der Ämter. Es wird jährlich ein Landtag gehalten. Oberste Staatsbehörde für die gesamte innere Landesverwaltung und für die auswärtigen Angelegenheiten ist das fürstliche Ministerum zu Bückeburg. Für die Rechtspflege besteht ein Landgericht in Bückeburg mit zwei Amtsgerichten in Bückeburg und Stadthagen; die oberste Instanz bildet das gemeinschaftliche Oberlandesgericht in Oldenburg. Geistliche Oberbehörde für die Reformierten ist das Ministerium, für die Lutheraner das Konsistorium. Die Katholiken gehören zur Diözese des Bischofs von Osnabrück als Provikars der Nordischen Mission. Der Landeskassenetat für 1906 belief sich in Einnahme und Ausgabe auf 986,659 Mk.; davon entfielen auf außerordentliche Einnahmen und Ausgaben 299,379, bez. 284,675 Mk. Die Staatsschuld beträgt 484,500 Mk. In militärischer Hinsicht gehört das Fürstentum zum 7. Armeekorps (Generalkommando in Münster). In Bückeburg steht das Westfälische Jägerbataillon Nr. 7. Das Wappen (s. Tafel Meyers »Wappen I«) ist geviert und zeigt in 1 und 4 in Silber eine rote Rose mit grünen Kelchblättern (Lippe), in 2 und 3 in Rot eine auf einem achtstrahligen goldenen Stern sitzende Schwalbe (Schwalenberg). Der diesem Schild ausgelegte Herzschild enthält in Rot einen ausgezackten silbernen Schildbeschlag (Schaumburg); Schildhalter sind zwei weißgekleidete Engel mit Palmenzweigen. Die Landesfarben sind Weiß, Rot und Blau. Als Ehrenzeichen bestehen: das vierklassige Ehrenkreuz, das goldene und silberne Verdienstkreuz, das Dienstauszeichnungskreuz für 25jährigen aktiven Dienst, mehrere Verdienstmedaillen etc. Im Bundesrat ist S. durch einen Bundesbevollmächtigten, im Reichstag durch einen Abgeordneten vertreten. Fürstliche Residenz ist Bückeburg. S. Karte »Braunschweig etc.«
   Geschichte. Die Linie Schaumburg oder auch Bückeburg des Hauses Lippe (s. d., S. 592) ward vom Grafen Philipp, dem jüngsten Sohne des Grafen Simon VI von der Lippe, gestiftet. Derselbe erhielt 1613 als Apanage die Ämter Lipperode und Alverdissen und erbte 1640 von seiner Schwester Elisabeth, der Mutter des letzten Grafen von Schaumburg, Otto VII., einen Teil der Grafschaft Meyers Schaumburg (s. d. 1), nämlich die Ämter Stadthagen, Bückeburg, Arensburg, Hagenburg und Sachsenhagen zum Teil. Dies Territorium führte von nun an den Namen Grafschaft S. Philipp führte 1668 das Erstgeburtsrecht ein und starb 1681. Sein ältester Sohn, Friedrich Christian, folgte ihm in der Bückeburger Linie und starb 1728; ein zweiter Sohn, Philipp Ernst, stiftete die Alverdissensche Nebenlinie. Nach dem Aussterben der Brakeschen Linie des Hauses Lippe 1709 entstand ein Streit mit Lippe-Detmold, der 1748 so geschlichtet wurde, daß Blomberg an Detmold, Schieder an Bückeburg fiel. Mit dem Enkel Friedrich Christians, dem portugiesischen Feldmarschall Grafen Friedrich Wilhelm Ernst, der das Fort Wilhelmsstein im Steinhuder Meer erbaute und dort eine berühmte Kriegsschule errichtete, erlosch 1777 die ältere Linie Bückeburg im Mannesstamm, worauf die Alverdissensche Linie mit dem Grafen Philipp Ernst, einem Enkel des Stifters dieser Nebenlinie, zur Regierung gelangte. Nach langwierigen Streitigkeiten mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Lippe behauptete sich Philipp Ernst gegen Abtretung des Amtes Schieder im Besitz von Schaumburg-Bückeburg und nannte sich nun Graf von Schaumburg-Lippe-Bückeburg. Ihm (gest. 13. Febr. 1787) folgte sein Sohn Georg Wilhelm (s. Meyers Georg 25). Er trat 1807 dem Rheinbund bei, nahm darauf den Fürstentitel an und gab 15. Jan. 1816 dem Land eine ständische Verfassung. 1837 schloß sich S. dem braunschweigisch-oldenburgischen Zoll- und Steuerverband an, und 25. Sept. 1851 trat es dem zwischen Preußen und Hannover vereinbarten Vertrag über Vereinigung des Zoll- und des Steuervereins und infolgedessen 1. Jan. 1854 dem Zollverein bei. 1848 fanden auch hier, doch nur kurze Zeit, Bewegungen statt; aber dem Verlangen, die Domänen für Staatsgut zu erklären, trat der Fürst mit Entschiedenheit entgegen. Auf Georg Wilhelm (gest. 21. Nov. 1860) folgte sein Sohn Adolf Georg (s. Meyers Adolf 7), der am 14. Juni 1866 mit der 16. Kurie für die von Österreich beantragte Mobilisierung gegen Preußen stimmte, sein Kontingent dem Bundesbefehl gemäß nach Mainz sandte, aber 18. Aug. dem Norddeutschen Bund und 1871 dem Deutschen Reich beitrat. Eine Militärkonvention ward 1. Okt. 1867 mit Preußen geschlossen. Nach längern Verhandlungen ward 17. Nov. 1868 eine neue ständische Verfassung mit der Landesversammlung vereinbart und damit der langjährige Konflikt beendet. Dem Fürsten Adolf Georg folgte 8. Mai 1893 sein ältester Sohn, Fürst Georg (s. Meyers Georg 26), der seit 1895 für sein Haus Erbansprüche auf den erledigten Thron des Fürstentums Lippe (s. Meyers Lippe, S. 593) erhob, bis 1905 endgültig die Erbansprüche des Hauses Lippe Biesterfeld anerkannt wurden. Leitender Staatsminister ist gegenwärtig Freiherr v. Feilitzsch. Vgl. Wiegmann, Heimatkunde des Fürstentums S. (Leipz. 1905); Bömers, Staatsrecht des Fürstentums S. (in Marquardsens »Handbuch des öffentlichen Rechts«, Bd. 3, Freiburg 1884); Schönermark, Beschreibende Darstellung der ältern Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstentums S. (Berl. 1897).
 
Artikelverweis 
Schäumen, s. Meyers Schaum.
 
Artikelverweis 
Schaumgips, s. Meyers Gips, S. 857.

 

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