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Schaugebilde bis Schaum (Bd. 6, Sp. 707 bis 708)
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Artikelverweis Schaugebilde (Schauapparate, hierzu Tafel Meyers »Schaugebilde« nebst Textbeilage), die durch ihre abweichende Färbung von den blattgrün gefärbten Teilen lebhaft sich abhebenden Organe des Pflanzenkörpers. Durch die auffällige Farbe werden solche Tiere, deren Besuch der Pflanze in irgend einer Weise nutzbringend ist, aufmerksam gemacht und zu denjenigen Organen der Pflanze hingelockt, deren normale Funktion von der Mitwirkung der Tiere abhängig ist. Besonders bedeutungsvoll ist für die große Mehrzahl der Blütenpflanzen der Insektenbesuch zur Vermittelung der Blütenbestäubung. Dementsprechend sind meistens bestimmte Teile der einzelnen Blüte als S. entwickelt (florale S.), oder es treten zahlreiche an sich unscheinbare Einzelblüten zu auffälligen Blütenständen zusammen, die bisweilen in ihrer Gesamtgestalt die Form großer Einzelblüten nachahmen (Blumen höherer Ordnung, z. B. die Köpfchen der Kompositen), oder es werden gewisse der Blütenregion benachbarte Teile der Pflanze durch Form und Farbe als S. ausgezeichnet (extraflorale S.). Auch bei der Samenverbreitung (s. Meyers Aussaat, natürliche) wird in vielen Fällen die Mitwirkung von Tieren nutzbar gemacht, und es finden sich demnach auch an oder bei Früchten und Samen mancherlei S. entwickelt. Eine Anzahl auffälliger S. sind auf der Tafel dargestellt. Auffällige, vom Grün abweichende Färbung findet sich auch bei manchen Laubblättern (s. Meyers Buntblätterigkeit und Tafel Meyers »Blattpflanzen II«, Fig. 12, 14, 16 u. 17). In diesen Fällen dürften die bunten Farben laubfressende Tiere vom Genuß abschrecken, auch wird wohl durch sie eine höhere Erwärmung der Blattfläche und damit eine Förderung der Transpiration bewirkt. Weiteres s. im Textblatt zu beifolgender Tafel.
 
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Schauhing, Departementshauptstadt (Fu) in der chines. Provinz Tschekiang, nahe der Südküste der Bai von Hangtschou, an einem diese Bai mit dem Fluß Tsientang verbindenden Kanal, mit Tempel des Yü und einer angeblich über 4000 Jahre alten Inschrift, soll ohne die Vorstädte 500,000 Einw. haben.
 
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Schauinsland, Gipfel des Erzkasten im südlichen Schwarzwald, südöstlich von Freiburg i. Br., 1286 m ü. M., mit Wirtshaus und großartiger Aussicht bis zum Montblanc.
 
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Schaukal, Richard, Schriftsteller, geb. 27. Mai 1874 in Brünn, studierte die Rechte in Wien, wurde 1898 zum Dr. jur. promoviert, bekleidete verschiedene Ämter bei der Verwaltung und lebt zurzeit als Sekretär der Statthalterei Mähren in Wien. S. trat zunächst mit einigen Gedichtbänden hervor, die Gutes verhießen: »Gedichte« (Dresd. 1893), »Verse« (Brünn 1896), »Meine Gärten« (Berl. 1897), »Tristia« (Leipz. 1898), »Tage und Träume« (das. 1899; 2. Ausg. u. d. T.: »Das Buch der Tage und Träume«, das. 1902), »Sehnsucht« (Münch. 1900), denen er »Pierrot und Colombine, oder das Lied von der Ehe« (Leipz. 1902) und die viel Treffliches enthaltenden »Ausgewählten Gedichte« (das. 1904) folgen ließ. Zugleich machte er sich durch dramatische Szenen, wie »Einer, der seine Frau besucht« (Linz 1902) und »Vorabend« (Leipz. 1902), novellistische Darstellungen, wie »Interieurs aus dem Leben der Zwanzigjährigen« (das. 1901), »Von Tod zu Tod und andre kleine Geschichten« (das. 1902), »Mimi Lynx« (das. 1904), »Großmutter. Ein Buch von Leben und Tod« (Stuttg. 1906), »Kapellmeister Kreisler. Dreizehn Vigilien aus einem Künstlerdasein« (Münch. 1906), die Novellensammlung »Eros Thanatos« (Wien 1906) sowie durch die kunstphilosophischen Abhandlungen: »Giorgione, oder Gespräche über die Kunst« (Münch. 1906), »Literatur. Drei Gespräche« (das. 1906), »Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Baldesser, eines Dandy und Dilettanten« (das. 1907), ferner durch ein geschicktes Heine-Breviarium (»Heinrich Heine in seinen Liedern«, Berl. 1897) und durch wohlgelungene Übersetzungen von Gedichten Verlaines, Heredias, Baudelaires u. a. bekannt.
 
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Schaukelbrücken, s. Meyers Brücke, S. 482.
 
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Schaukelfeste, ehemals bei Griechen, Römern und Slawen (Litauern) beliebte Frühlingsfeste, bei denen alles Volk in den Hain zog, um sich zu schaukeln und die Bäume voller Schaukelfiguren (oscilla der Römer) zu hängen. Es war ein Fest der ergrünenden Wälder und mildern Lüfte, das in den südslawischen Ländern (Bulgarien, Serbien) noch heute am St. Georgstag (23. April) gefeiert wird. Litauer, Preußen, Letten und Esthen priesen dabei einen besondern Schaukelgott Ligo.
 
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Schaukelgeräte, Turngeräte, die in Schwingung versetzt werden können. So die Wippe, ein leichter Balken, der in seiner Mitte an einem aufrechten Ständer, etwa in Kopfhöhe der Übenden, auf und ab drehbar angebracht ist, mit Querhölzern an den Enden zum Greifen der Hände; oder auch ein in geringerer Höhe entsprechend drehbares Brett zum Auftreten.

[Bd. 6, Sp. 708]


Andre S. hängen frei an Seilen oder Ketten, wie insbes. das Schaukel- oder Schwebereck (Trapez), die vielbenutzten Schaukelringe und die (an den vier Enden getragene) Schaukeldiele.
 
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Schaukelsteine, s. Meyers Granit, S. 228, und Tafel Meyers »Absonderung der massigen Gesteine«, Fig. 1.
 
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Schaukelturm, s. Meyers Panzerturm.
 
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Schaulinie, soviel wie Meyers Diagramm (s. d.).
 
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Schaum, eine Ansammlung von Luftbläschen, die durch dünne Flüssigkeitshäutchen voneinander getrennt sind. Man kann S. erzeugen, wenn man durch eine etwas zähe Flüssigkeit Luftblasen aufsteigen läßt; die Luftblasen sammeln sich dann an der Oberfläche, abgegrenzt durch ein Flüssigkeitshäutchen, sie nehmen zunächst die Gestalt von sphärischen oder sphäroidischen Segmenten an, die sich bei gegenseitiger Berührung in Polygone verwandeln. Sehr reichlich bildet sich S., wenn eine Flüssigkeit unter hohem Druck Gas gelöst enthält und der Druck plötzlich aufgehoben wird, indem sich dann in der Flüssigkeit zahllose Gasbläschen bilden. So schäumt Mineralwasser, Champagner, Bier etc., und der S. ist um so konsistenter, je zäher die Flüssigkeit ist. In derselben Weise schäumen viele Flüssigkeiten beim Erhitzen, wobei sich in der Flüssigkeit viele Dampfbläschen entwickeln. Man kann aber auch S. erzeugen, wenn man Flüssigkeiten in halb gefüllten Gefäßen mit Luft schüttelt. Gummi, Eiweißkörper, welche die Flüssigkeiten schleimig machen, befördern die Schaumbildung, besonders aber Seife und Saponin. Sehr lästig ist das Schäumen in der Technik, z. B. beim Kochen von Zuckerrübensaft. Um es zu unterdrücken, setzt man wenig Butter oder Paraffin zu. Auch bringt man über dem Spiegel der siedenden Flüssigkeit ein Dampfrohr an, aus dessen zahlreichen seinen Öffnungen gespannter Dampf in horizontalen Strahlen ausströmt (Schaumschläge). In der Küche werden Sahne und Eiweiß zu S. geschlagen, indem man mit einer Rute oder einem schnell rotierenden Drahtgestell die Flüssigkeit mit Luft innig zu mischen sucht.

 

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