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Mycodérma bis Myelōm (Bd. 6, Sp. 337)
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Artikelverweis Mycodérma Pers. (Kahmpilz), Pilzgattung von zweifelhafter Verwandtschaft, von manchen Forschern zu den Hefepilzen gestellt, hefenartig sprossende, ovale bis zylindrische, zu reichverzweigten Zellenreihen verbundene Zellen, die eine farblose Haut (Kahmhaut) auf der Oberfläche vergorner und halbvergorner Flüssigkeiten bilden. M. vini Desm. (Weinkahmpilz) und M. cerevisiae Desm. (Bierkahmpilz, Saccharomyces Mycoderma Rees) bilden eine zarte, weiße oder gelblichweiße, sogen. Kahmhaut auf Wein und Bier. Die Zellen sind 0,0060,007 mm lang, 0,0020,003 mm breit. Sie wirken nicht als Fermente, sondern als Verwesungspitze, indem sie Sauerstoff auf Wein und Bier übertragen und das Verderben dieser Flüssigkeiten bedingen. Die angebliche Sporenbildung des Pilzes beruht nach Zopf auf einer Verwechselung der Sporen mit Fetttröpfchen. Die früher zu M. gestellte Essigmutter (M. aceti Pasteur, Ulvina aceti Ktz.). die ebenfalls als Kahmhaut auf gegornen Flüssigkeiten auftritt und den Alkohol zu Essigsäure und Wasser oxydiert, gehört als Bacillus aceti Ktz. zu den Spaltpilzen.
 
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Mycorrhīza (griech., Pilzwurzel), ein durch Vergesellschaftung von Saugwurzeln höherer Gewächse mit Pilzmycelien entstandenes wachstumfähiges und für die Ernährung der verbundenen Pflanzen vorteilhaftes Organ. Die als eine Form der Symbiose aufzufassende Vergesellschaftung kommt in zwei durch Übergänge verbundenen Hauptformen vor, indem die Pilzmycelien entweder den Wurzeln nur als äußerer Mantel aufsitzen (ektotrophe M.) oder im Innern der Wurzelzellen leben (endotrophe M.). Durch die Mycorrhizabildung wird die Entwickelung von Wurzelhaaren an der Wurzel unterdrückt und letztere zu korallenähnlichen Wucherungen veranlaßt. M. ist in neuerer Zeit an zahlreichen Gefäßpflanzen aus den verschiedensten Familien nachgewiesen worden, sie findet sich in der ektotrophen Form regelmäßig an den im Humus des Waldbodens wachsenden Wurzeln der Eiche, Buche, Hainbuche, des Hasel, der Kiefer, Tanne, Fichte, Weide, Birke u. a. Endotrophe M. besitzen viele Erikazeen, ferner finden sich Mykorrhizapilze in den Wurzeln und Rhizomen der Orchideen, besonders auch der humusbewohnenden Erdorchideen, bei Farnen und Bärlappgewächsen und in den Sprossen mancher Lebermoose. Über die physiologische Bedeutung der M. bestehen gegenwärtig noch mancherlei Zweifel. Sicher ist, daß den mit M. versehenen Gewächsen, bei denen die Ausbildung von Wurzelhaaren unterbleibt, die Nahrungsaufnahme aus dem Boden in irgend einer Weise durch den Mycorrhizapilz vermittelt werden muß. Da die M. vorwiegend bei den in humusreichen Boden gedeihenden Pflanzen (Humuspflanzen) auftritt, so liegt der Gedanke nahe, daß die Wurzelpilze den von ihnen bewohnten Wurzeln die Gewinnung von Stickstoff aus dem Humus ermöglichen. Bestätigt wird diese Annahme durch den Nachweis, daß die M. keine Spur von Salpetersäure enthält, die für die pilzfreien, aus unorganischen Quellen sich nährenden Pflanzen das gewöhnliche stickstoffhaltige Nährmittel ist. Kulturversuche lehren, daß die in sterilisiertem Humus pilzfrei gezogenen Pflanzen schlechter gedeihen als diejenigen, die Gelegenheit zur Mycorrhizabildung haben. Bei chlorophyllfreien oder chlorophyllarmen Humuspflanzen wird auch die Gewinnung des Kohlenstoffes durch die M. vermittelt. Man hat bei einigen derartigen Gewächsen in der M. eine äußere Zellschicht nachgewiesen, in der die Pilzmycelien unverändert gedeihen (Pilzwirtzellen), und innere Zellschichten, in denen die bis dahin vordringenden eiweißreichen Pilzhyphen durch den Zellprotoplasten verdaut und exkrementiert werden (Verdauungszellen). Nach einer andern Auffassung liegt der Sinn der Mycorrhizabildung hauptsächlich darin, daß die mit M. versehenen (mykotrophen) Pflanzen, indem sie sich gewisse Pilze tributär gemacht haben, im Gegensatz zu den pilzfreien (autotrophen) Pflanzen, die im humosen Boden sehr starke Konkurrenz um die Nährsalze mit den im Boden verbreiteten Pilzen bestehen können.
 
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Mycōsis, s. Meyers Mykosen.
 
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Mydatoxīn, s. Meyers Leichenalkaloide.
 
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Mydriăsis (griech.), Pupillenerweiterung.
 
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Mydriatĭca (sc. remedia), pupillenerweiternde Mittel, wie Atropin (Gegensatz: Miotica, s. d.).
 
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Mydrīn, s. Ephedra.
 
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Myelīn, Nervenmark, fettähnliche Substanz (Lecithin), in den meisten Nervenfasern der Wirbeltiere und mancher Wirbellosen.
 
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Myelīnformen, s. Meyers Kapillarität, S. 589.
 
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Myelītis (griech.), Rückenmarksentzündung; disseminierte M., soviel wie multiple Sklerose (s. Meyers Rückenmarkskrankheiten).
 
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Myelōm (griech.), geschwulstförmige Neubildung von Knochenmark.

 

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