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Daunĭa bis Dauw (Bd. 4, Sp. 544 bis 546)
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Artikelverweis Daunĭa, im Altertum ein Teil der ital. Landschaft Apulien, zwischen dem Aufidus (Ofanto) und Frento (Fortore), dem Adriatischen Meer und dem Apennin (den größten Teil der heutigen Provinz Foggia umfassend). Den Namen D. leitete man ab von König Daunus, der aus seiner Heimat Illyrien ausgewandert war und hier ein Reich gegründet hatte. S. Karte bei »Italia«.

[Bd. 4, Sp. 545]



 
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Daunou (spr. donu), Pierre Claude François, ausgezeichneter franz. Gelehrter, Publizist und Staatsmann, geb. 18. Aug. 1761 in Boulogne-sur-Mer, gest. 20. Juni 1840, trat 1777 in die Kongregation des Oratoriums, lehrte Theologie, Philosophie und Literatur an mehreren Kollegien, schloß sich der Revolution an und wurde 1791 Großvikar des konstitutionellen Bischofs von Pas-de-Calais. 1792 als Abgeordneter in den Nationalkonvent berufen, stimmte er gegen die Hinrichtung Ludwigs XVI. und gegen die Verfolgung der Girondisten. Hierauf wurde er in die Verfassungskommission gewählt und beteiligte sich lebhaft an der Entwerfung der Konstitution vom Jahre III. Im Rate der Fünfhundert gehörte er zur reaktionären Mehrheit. Wesentliche Dienste leistete er nach dem 18. Brumaire bei Entwerfung der Konsularverfassung (Dezember 1799). Später trat er in das Tribunat, ward 1801 Bibliothekar des Panthéon, 1804 Direktor des Archivs des Gesetzgebenden Körpers und 1807 des Reichsarchivs. Die Restauration nahm ihm diese Stelle, die Julirevolution gab sie ihm aber zurück. Seit 1818 Mitglied der Deputiertenkammer, gehörte er in derselben zur liberalen Opposition und wirkte namentlich für den öffentlichen Unterricht. 1834 zog er sich zurück. D. war Mitglied und beständiger Sekretär der Akademie der Inschriften und schönen Künste sowie Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften. Von seinen zahlreichen Schriften erwähnen wir: »Essai sur l'instruction publique« (Par. 1793); »Essai sur la constitution, etc.« (das. 1793), worin die Grundzüge des Gesellschaftsstaates entwickelt werden; »Analyse des opinions diverses sur l'origine de l'imprimerie« (das. 1802) und »Essai historique sur la puissance temporelle des papes« (das. 1810), das Resultat gründlicher Forschung, 1813 auf höhern Befehl vernichtet, erst 1818, freilich mit Abänderungen, und zuletzt 1828 (das., 4 Bde.) wieder abgedruckt. D. besorgte auch eine vollständige Ausgabe von Rulhières »Histoire de l'anarchie de Pologne« (Par. 1807, 4 Bde.) und die beste Ausgabe der Werke Boileaus wieder Schriften Chéniers und Laharpes. Sein Hauptwerk ist der »Cours d'études historiques« (Par. 184249, 20 Bde.). Seit der Restauration war er Hauptredakteur des »Journal des Savants«, und in der letzten Zeit beschäftigte er sich mit der Herausgabe französischer Geschichtschreiber in der Sammlung von Bouquet. Vgl. Taillandier, Documents biographiques sur D. (2. Aufl., Par. 1847).
 
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Daunus, s. Daunia.
 
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Dauphin (franz., spr. dofäng, lat. Delphinus), war ursprünglich und zwar seit dem Grafen Guigo IV. von Viennois (1140), der einen Delphin als Schildzeichen geführt haben soll, Herrschertitel der Grafen von Vienne, der souveränen Herren des Dauphiné in Frankreich und später Titel des präsumtiven Thronerben von Frankreich. Humbert II. vermachte nämlich 1349 das Dauphiné an Karl von Valois, den Enkel Philipps VI. von Frankreich, unter der Bedingung, daß der älteste Sohn des Königs stets diesen Titel führen sollte (s. Meyers Dauphiné). Noch unter Ludwig XI. hatte der D. bedeutende, fast souveräne Rechte; später sank die Würde zum bloßen Titel herab, bis nach der Julirevolution auch dieser abgeschafft wurde. Der letzte, der ihn führte, war der Herzog von Angoulême, ältester Sohn Karls X. Die Gemahlin des Dauphins hieß Dauphine. Auch die Grafen von Auvergne führten früher den Titel D., wenigstens vom Grafen Wilhelm VIII. im 12. Jahrh. an. Zum Gebrauch für den Unterricht des Dauphins (in usum Delphini) ließ Ludwig XIV. von dessen Lehrern, Bossuet und Huet, unter der Aussicht des Gouverneurs des D., des Herzogs von Montausier, eine Ausgabe der römischen und griechischen Klassiker besorgen, die mit Ausnahme des Ovid, der zu Lyon gedruckt wurde, in 64 Quartbänden zu Paris 16741730 erschien, und in der alle sogen. anstößigen Stellen beseitigt waren. Vgl. Druon, Histoire de l'éducation des princes dans la maison des Bourbons de France (Par. 1897, 2 Bde.).
 
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Dauphiné (spr. dofi-, Delphinatus), ehemalige Provinz Frankreichs im Gebiete der Westalpen, umfaßt die heutigen Departements Isère und Oberalpen, den größten Teil von Drôme und einen kleinen Teil von Vaucluse und wird im O. von den Alpen, im S. von der Provence, im N. und W. von der Rhone begrenzt. Sie zerfällt in das gebirgige Oberdauphine im O. und das Niederdauphine im W. (vgl. sonst die einzelnen Departements). Hauptstadt war Grenoble. Das Land ist sehr reich an Naturmerkwürdigkeiten. Insbesondere sprach man früher von sieben Wundern des D. Es sind dies: der Mont inaccessible (der unersteigliche Berg) oder Mont Aiguille (Nadelberg) westlich von Mens, die Grotte von La Balme an der Rhone, die Tour sans venin (Turm ohne Gift) und die Höhlen von Sassenage bei Grenoble, die Fontaine ardente (der brennende Brunnen), südwestlich von Vif, die Fontaine vineuse, deren Wasser wie Wein schmeckt, und die zitternde Wiese von Gap. Abgesehen von den beiden erstgenannten, haben die übrigen »Wunder« nichts Absonderliches. Das D., einst das Gebiet der Allobroger, bildete sich als Lehnsfürstentum des arelatischen Königreichs durch die Vereinigung mehrerer Lehen mit der Grafschaft Vienne oder Albon, deren Besitzer den Titel Dauphin führten. Die Dynastie der Grafen von Albon herrschte von 1063 an. Mit Guigo VI., der ein eifriger Anhänger Kaiser Friedrichs I. war, starb gegen Ende des 12. Jahrh. diese Dynastie aus. Seine Erbtochter Beatrix heiratete in zweiter Che den Herzog Hugo von Burgund. Ihr Sohn Guigo VII. Andreas (gest. 1237) eröffnete die zweite Dynastie, die das Seneschallamt des arelatischen Reiches bekleidete. Mit Guigos VIII. Sohn Johann, dem dritten Dauphin aus dem burgundischen Hause, starb diese Dynastie 1281 wieder aus. Ihm folgte seine Schwester Anna, Gemahlin des Grafen Humbert 1. von Latour-du-Pin, dessen Sohn Johann II. Stifter der dritten Dynastie wurde. Sein Bruder Humbert H. trat, nachdem er 1335 seinen einzigen ehelichen Sohn verloren, sein Land 1119 gegen eine Jahresrente von 120,000 Goldgulden an Karl von Valois, nachmaligen König Karl V., ab unter der Bedingung, daß der jedesmalige französische Thronerbe den Titel »Dauphin« nebst dem dazugehörigen Wappen führen und daß das Land seine Integrität und seine zu dem Ende von dem abtretenden Herrscher noch besonders bestätigten Freiheiten behalten solle. Schon 1355 wurden indes Faucigny und im Utrechter Frieden 1713 auch die übrigen, im Osten der Alpen gelegenen Gebietsteile an Savoyen abgetreten (s. Geschichtskarte bei »Frankreich«). Vgl. Chapuis-Montlaville, Histoire du D. (Par. 1827, 2 Bde.); Guy- Allard, Dictionnaire historique, géographique, etc., du D. (Grenoble 186465, 2 Bde.); Lory, Description géologique du D. (das. 1864, 2 Bde.); Chorier, Histoire générale du D. (Valence 1883, 2 Bde.); Reisehandbücher von Joanne, Coolidge u. a.

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Dauren, tungusisches Volk beiderseits des Nonni, eines Nebenflusses des Sungari. S. Tungusen.
 
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Daurien (spr. da-ūrĭen), Alpenland in Sibirien, zwischen dem Ostufer des Baikalsees und dem Argunfluß (an der chinesischen Grenze), gehört zur Provinz Transbaikalien (s. d.).
 
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Dausch, Konstantin, Bildhauer, geb. 30. Nov. 1841 zu Waldsee in Oberschwaben, wo er erst als Steinmetz arbeitete, kam dann nach München, war dort eine Zeitlang bei der plastischen Ausschmückung des neuen Rathauses beschäftigt, besuchte dann die Kunstschule und wanderte 1869 nach Rom. Hier gründete er 1873 ein Atelier, in dem er zuerst das Gipsmodell einer kolossalen Gruppe: Simson und Delila, schuf. Unter seinen spätern Werken, deren Formbildung sich eng an den Klassizismus der Antike anschließt, sind hervorzuheben: die Reliefs der vier Jahreszeiten, Erato, Kalliope und Erato, eine Bacchantin, eine Flora, die Reliefs: Tag und Nacht, Euterpe, die kolossalen Gruppen: Alter und Jugend und Siegfried mit dem Drachen, eine Ägypterin, der Isis huldigend, und eine ägyptische Königstochter.
 
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Dauseh, s. Meyers Dôsseh.
 
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Dautzenberg, Johan Michael, fläm. Schriftsteller, geb. 6. Dez. 1808 zu Heerle im Limburgischen, gest. 4. Febr. 1869 in Elsene, versah erst eine Schreiberstelle, war dann Hilfsschullehrer an verschiedenen Orten und erhielt endlich 1839 einen Posten bei der Société générale in Brüssel. D. gehörte zu den tüchtigsten Kämpfern für die flämische Sprache und war zugleich einer derjenigen, die alles Heil für dieselbe nur in dem innigsten Anschluß an Deutschland erblickten. Sein bekanntestes Werk ist das »Volksleesboek« (Brüssel 1854), das er ebenso wie die »Verhalen uit de geschiedenis van België« (Gent 1856, 3. Aufl. 1867) gemeinsam mit van Duyse verfaßte, und das vier Preise davontrug. Auch als Übersetzer aus dem Französischen und Deutschen ins Flämische war er tätig, wie er umgekehrt Nolet de Brauweres Gedicht »Das große deutsche Vaterland« (1857) aus dem Flämischen ins Deutsche übertrug. Seine Gedichte gab teils er selbst (Brüssel 1850), teils nach seinem Tode sein Schwiegersohn Frans de Cort (»Verspreideen nagelatene gedichten«, das. 1869; 2. Aufl. 1875) heraus. 1857 begründete er die pädagogische Zeitschrift »De Toekomst«.
 
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Dauw, s. Meyers Zebra.

 

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