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Daumont bis Dauren (Bd. 4, Sp. 544 bis 546)
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Artikelverweis Daumont (spr. domóng, franz. Attelage à la D.), Vier- oder Sechsgespann mit Stangenreiter.
 
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Dann, Flecken und Kreisort im preuß. Regbez. Trier, an der Liefer, in der Eifel und an der Staatsbahnlinie Mayen-Gerolstein, 397 m ü. M., hat eine evangelische und eine alte kath. Kirche, Amtsgericht, 2 Oberförstereien und (1900) 1105 Einw. In der Nähe sind die Dann er Maare, drei Kraterseen von 60100 m Tiefe, und zahlreiche Säuerlinge, darunter der Dann er Becher, ein eisenhaltiger Natronsäuerling, und die Heilquelle »Vulkan«. Auf hohem Basaltfelsen liegt die Reichsfeste D., Stammsitz des gräflichen Geschlechts D. Vgl. Hoersch, Beschreibung des Pfarrbezirks D., Geschichte der Grafen von D. (Dann 1877).
 
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Dann (Dhaun), 1) Wierich Philipp Lorenz, Graf D. von Tiano, Marchese von Rivoli, geb. 19. Okt. 1669, gest. 30. Juli 1741 in Wien, Sprößling eines alten gräflichen Geschlechts, dessen Stammschloß in der Nähe des Städtchens D. in der Eifel lag, und das im 17. Jahrh. nach Österreich übersiedelte, Sohn des Feldmarschalls Wilhelm D., zeichnete sich als österreichischer Feldmarschalleutnant 1706 durch die Verteidigung Turins aus. Hierauf zum Feldzeugmeister ernannt, verteidigte er Pavia und schützte Neapel, das er dann auf kurze Zeit als Vizekönig verwaltete, trieb Villars aus Italien zurück und nötigte Papst Clemens XI. 1709 zum Frieden. Im Feldzug von 1710 focht er weniger glücklich. Dennoch schenkte ihm Karl III. von Neapel das Fürstentum Tiano und ernannte ihn 1713 nochmals zum Vizekönig von Neapel. 1719 ward er Kommandant von Wien, dann Gouverneur der Niederlande und später (1728) von Mailand, das er jedoch vor den Franzosen räumen mußte, als der polnische Thronfolgekrieg ausbrach (1733). Er fiel deshalb in Ungnade, erlangte aber schließlich seine völlige Rehabilitation.
   2) Leopold Joseph, Graf, k. k. österreich. Feldmarschall, Sohn des vorigen, geb. 24. Sept. 1705 in Wien, gest. daselbst 5. Febr. 1766, schlug, obwohl für den geistlichen Stand bestimmt, die militärische Laufbahn ein, machte den Krieg 1718 auf Sizilien gegen Spanien mit, dann (1734 und 1735) den in Italien und am Rhein und als Generalmajor den Türkenkrieg von 173739. Zum Feldmarschalleutnant befördert, focht er im Österreichischen Erbfolgekrieg anfangs gegen die Preußen in Schlesien, dann unter dem Prinzen Karl von Lothringen gegen die Franzosen. Im zweiten Schlesischen Kriege führte er in den Schlachten bei Hohenfriedeberg und bei Soor den linken Flügel und ward noch 1745 Feldzeugmeister. In dieser Eigenschaft kommandierte er nach Abschluß des Dresdener Friedens in den Niederlanden in den ohne sein Verschulden für die Alliierten unglücklichen Feldzügen von 1746 und 1747. Um dieselbe Zeit heiratete er die Gräfin Fux, verwitwete Gräfin Nostitz, und befestigte sich dadurch in der Gunst seiner Monarchin. Nach dem Aachener Frieden (1748) mit der Ausarbeitung einer neuen Heeresorganisation betraut, entwarf er das sogen. Daunsche Reglement von 1749. Auch ward durch ihn 1751 die Militärakademie zu Wiener-Neustadt errichtet. 1754 zum Feldmarschall ernannt, stand er beim Anfang des Siebenjährigen Krieges in Mähren, wandte sich sodann gegen Friedrich II. und lieferte ihm die siegreiche Schlacht von Kolin (18. Juni 1757), worauf Friedrich Böhmen räumen mußte. Nach dem Siege der Preußen bei Leuthen und dem Rücktritte des Prinzen Karl von Lothringen mit dem Oberbefehl über die Armee betraut, siegte D. bei Hochkirch (14. Okt. 1758), nutzte den Sieg aber wegen der ihm eignen Vorsicht und Bedächtigkeit nicht gehörig aus, gedachte vielmehr den Feldzug durch eine rasche Wegnahme Dresdens zu enden; doch scheiterte sein Projekt an der Wachsamkeit des dortigen Befehlshabers, Generals v. Schmettau. Den Feldzug von 1759 beschloß D. siegreich mit dem Gefecht von Maxen (das 11,000 Mann starke preußische Korps des Generals Finck gefangen). 1760 beobachtete er aus seinem festen Lager unweit Pirna den König, als dieser Dresden belagerte, und folgte ihm nach Schlesien, wo er jedoch durch sein Zögern die Niederlage Laudons bei Liegnitz veranlaßte. Auch bei Torgau (3. Nov. 1760) ward ihm der Sieg durch Zietens kühn erneuerten Angriff und seine eigne Verwundung entrissen. 1762 übernahm er wieder den Oberbefehl in Schlesien. So günstig auch die Lage des Königs von Preußen durch den russischen Thronwechsel geworden war, so konnte er doch D. nicht aus seiner festen Stellung am Zobtenberg vertreiben, dieser aber ebensowenig den Verlust von Schweidnitz hindern. Noch während des Krieges hatte D. das Präsidium des Hofkriegsrates angetreten, eifrig bemüht, alle Erfahrungen aus sieben Feldzügen auf seine schon früher in Angriff genommenen Reformen anzuwenden. An Popularität war dem österreichischen Fabius Cunctator, wie man D. nannte, sein Waffengenosse Laudon überlegen, dem D. nicht ohne Eifersucht Lacy vorzog. D. war ein tüchtiger General, besaß jedoch den Fehler allzu großer Bedächtigkeit. Vgl. »Der deutsche Fabius Cunctator, oder Leben und Taten Sr. Exz. des Herrn Leopold Grafen von D.« (Frankf. u. Leipz. 175960, 2 Tle.). Ihm zu Ehren erhielt 1888 das österreichische Infanterieregiment Nr. 56 seinen Namen.
 
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Daunen (Dunen), s. Meyers Federn.
 
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Daunenköper (Inlet), Baumwollengewebe mit 36 Ketten- und 32 Schußfäden auf 1 cm. Garne Kette Nr. 1620 engl., Schuß Nr. 2024 engl. Bindung dreischäftiger Köper (s. Abbild.).


 
Artikelverweis Daunĭa, im Altertum ein Teil der ital. Landschaft Apulien, zwischen dem Aufidus (Ofanto) und Frento (Fortore), dem Adriatischen Meer und dem Apennin (den größten Teil der heutigen Provinz Foggia umfassend). Den Namen D. leitete man ab von König Daunus, der aus seiner Heimat Illyrien ausgewandert war und hier ein Reich gegründet hatte. S. Karte bei »Italia«.

[Bd. 4, Sp. 545]



 
Artikelverweis Daunou (spr. donu), Pierre Claude François, ausgezeichneter franz. Gelehrter, Publizist und Staatsmann, geb. 18. Aug. 1761 in Boulogne-sur-Mer, gest. 20. Juni 1840, trat 1777 in die Kongregation des Oratoriums, lehrte Theologie, Philosophie und Literatur an mehreren Kollegien, schloß sich der Revolution an und wurde 1791 Großvikar des konstitutionellen Bischofs von Pas-de-Calais. 1792 als Abgeordneter in den Nationalkonvent berufen, stimmte er gegen die Hinrichtung Ludwigs XVI. und gegen die Verfolgung der Girondisten. Hierauf wurde er in die Verfassungskommission gewählt und beteiligte sich lebhaft an der Entwerfung der Konstitution vom Jahre III. Im Rate der Fünfhundert gehörte er zur reaktionären Mehrheit. Wesentliche Dienste leistete er nach dem 18. Brumaire bei Entwerfung der Konsularverfassung (Dezember 1799). Später trat er in das Tribunat, ward 1801 Bibliothekar des Panthéon, 1804 Direktor des Archivs des Gesetzgebenden Körpers und 1807 des Reichsarchivs. Die Restauration nahm ihm diese Stelle, die Julirevolution gab sie ihm aber zurück. Seit 1818 Mitglied der Deputiertenkammer, gehörte er in derselben zur liberalen Opposition und wirkte namentlich für den öffentlichen Unterricht. 1834 zog er sich zurück. D. war Mitglied und beständiger Sekretär der Akademie der Inschriften und schönen Künste sowie Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften. Von seinen zahlreichen Schriften erwähnen wir: »Essai sur l'instruction publique« (Par. 1793); »Essai sur la constitution, etc.« (das. 1793), worin die Grundzüge des Gesellschaftsstaates entwickelt werden; »Analyse des opinions diverses sur l'origine de l'imprimerie« (das. 1802) und »Essai historique sur la puissance temporelle des papes« (das. 1810), das Resultat gründlicher Forschung, 1813 auf höhern Befehl vernichtet, erst 1818, freilich mit Abänderungen, und zuletzt 1828 (das., 4 Bde.) wieder abgedruckt. D. besorgte auch eine vollständige Ausgabe von Rulhières »Histoire de l'anarchie de Pologne« (Par. 1807, 4 Bde.) und die beste Ausgabe der Werke Boileaus wieder Schriften Chéniers und Laharpes. Sein Hauptwerk ist der »Cours d'études historiques« (Par. 184249, 20 Bde.). Seit der Restauration war er Hauptredakteur des »Journal des Savants«, und in der letzten Zeit beschäftigte er sich mit der Herausgabe französischer Geschichtschreiber in der Sammlung von Bouquet. Vgl. Taillandier, Documents biographiques sur D. (2. Aufl., Par. 1847).
 
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Daunus, s. Daunia.
 
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Dauphin (franz., spr. dofäng, lat. Delphinus), war ursprünglich und zwar seit dem Grafen Guigo IV. von Viennois (1140), der einen Delphin als Schildzeichen geführt haben soll, Herrschertitel der Grafen von Vienne, der souveränen Herren des Dauphiné in Frankreich und später Titel des präsumtiven Thronerben von Frankreich. Humbert II. vermachte nämlich 1349 das Dauphiné an Karl von Valois, den Enkel Philipps VI. von Frankreich, unter der Bedingung, daß der älteste Sohn des Königs stets diesen Titel führen sollte (s. Meyers Dauphiné). Noch unter Ludwig XI. hatte der D. bedeutende, fast souveräne Rechte; später sank die Würde zum bloßen Titel herab, bis nach der Julirevolution auch dieser abgeschafft wurde. Der letzte, der ihn führte, war der Herzog von Angoulême, ältester Sohn Karls X. Die Gemahlin des Dauphins hieß Dauphine. Auch die Grafen von Auvergne führten früher den Titel D., wenigstens vom Grafen Wilhelm VIII. im 12. Jahrh. an. Zum Gebrauch für den Unterricht des Dauphins (in usum Delphini) ließ Ludwig XIV. von dessen Lehrern, Bossuet und Huet, unter der Aussicht des Gouverneurs des D., des Herzogs von Montausier, eine Ausgabe der römischen und griechischen Klassiker besorgen, die mit Ausnahme des Ovid, der zu Lyon gedruckt wurde, in 64 Quartbänden zu Paris 16741730 erschien, und in der alle sogen. anstößigen Stellen beseitigt waren. Vgl. Druon, Histoire de l'éducation des princes dans la maison des Bourbons de France (Par. 1897, 2 Bde.).
 
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Dauphiné (spr. dofi-, Delphinatus), ehemalige Provinz Frankreichs im Gebiete der Westalpen, umfaßt die heutigen Departements Isère und Oberalpen, den größten Teil von Drôme und einen kleinen Teil von Vaucluse und wird im O. von den Alpen, im S. von der Provence, im N. und W. von der Rhone begrenzt. Sie zerfällt in das gebirgige Oberdauphine im O. und das Niederdauphine im W. (vgl. sonst die einzelnen Departements). Hauptstadt war Grenoble. Das Land ist sehr reich an Naturmerkwürdigkeiten. Insbesondere sprach man früher von sieben Wundern des D. Es sind dies: der Mont inaccessible (der unersteigliche Berg) oder Mont Aiguille (Nadelberg) westlich von Mens, die Grotte von La Balme an der Rhone, die Tour sans venin (Turm ohne Gift) und die Höhlen von Sassenage bei Grenoble, die Fontaine ardente (der brennende Brunnen), südwestlich von Vif, die Fontaine vineuse, deren Wasser wie Wein schmeckt, und die zitternde Wiese von Gap. Abgesehen von den beiden erstgenannten, haben die übrigen »Wunder« nichts Absonderliches. Das D., einst das Gebiet der Allobroger, bildete sich als Lehnsfürstentum des arelatischen Königreichs durch die Vereinigung mehrerer Lehen mit der Grafschaft Vienne oder Albon, deren Besitzer den Titel Dauphin führten. Die Dynastie der Grafen von Albon herrschte von 1063 an. Mit Guigo VI., der ein eifriger Anhänger Kaiser Friedrichs I. war, starb gegen Ende des 12. Jahrh. diese Dynastie aus. Seine Erbtochter Beatrix heiratete in zweiter Che den Herzog Hugo von Burgund. Ihr Sohn Guigo VII. Andreas (gest. 1237) eröffnete die zweite Dynastie, die das Seneschallamt des arelatischen Reiches bekleidete. Mit Guigos VIII. Sohn Johann, dem dritten Dauphin aus dem burgundischen Hause, starb diese Dynastie 1281 wieder aus. Ihm folgte seine Schwester Anna, Gemahlin des Grafen Humbert 1. von Latour-du-Pin, dessen Sohn Johann II. Stifter der dritten Dynastie wurde. Sein Bruder Humbert H. trat, nachdem er 1335 seinen einzigen ehelichen Sohn verloren, sein Land 1119 gegen eine Jahresrente von 120,000 Goldgulden an Karl von Valois, nachmaligen König Karl V., ab unter der Bedingung, daß der jedesmalige französische Thronerbe den Titel »Dauphin« nebst dem dazugehörigen Wappen führen und daß das Land seine Integrität und seine zu dem Ende von dem abtretenden Herrscher noch besonders bestätigten Freiheiten behalten solle. Schon 1355 wurden indes Faucigny und im Utrechter Frieden 1713 auch die übrigen, im Osten der Alpen gelegenen Gebietsteile an Savoyen abgetreten (s. Geschichtskarte bei »Frankreich«). Vgl. Chapuis-Montlaville, Histoire du D. (Par. 1827, 2 Bde.); Guy- Allard, Dictionnaire historique, géographique, etc., du D. (Grenoble 186465, 2 Bde.); Lory, Description géologique du D. (das. 1864, 2 Bde.); Chorier, Histoire générale du D. (Valence 1883, 2 Bde.); Reisehandbücher von Joanne, Coolidge u. a.

[Bd. 4, Sp. 546]



 
Artikelverweis 
Dauren, tungusisches Volk beiderseits des Nonni, eines Nebenflusses des Sungari. S. Tungusen.

 

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