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Däumeln bis Daunenköper (Bd. 4, Sp. 543 bis 544)
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Artikelverweis Däumeln, s. Bibliomantie.
 
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Daumen, s. Meyers Hand.
 
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Daumen (Däumlinge, Frösche, Kämme, Wellfüße), die auf dem Umfang einer Welle (Daumenwelle) sitzenden Vorsprünge, durch die bei Drehung der Welle in senkrechten Führungen gehende Stangen (z. B. die Pochstempel der Pochwerke) gehoben oder Hebel (z. B. die Stiele von Helmhämmern) um eine Achse gedreht werden, bis sie über den äußersten Punkt der D. hinweggegangen sind und nun unter der Einwirkung der Schwere oder der Kraft einer Feder in ihre ursprüngliche Lage zurückfallen, um alsdann das Spiel zu wiederholen. Daumenscheiben oder unrunde Scheiben finden bei Dampfmaschinen, Gasmotoren etc. Anwendung zur Betätigung der Steuerungsventile (Daumensteuerung).
 
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Daumer, Georg Friedrich, Dichter und philosoph. Schriftsteller, geb. 5. März 1800 in Nürnberg, gest. 13. Dez. 1875 in Würzburg, eine begabte, aber exzentrische und schwankende Natur, warf sich anfangs als Student der Theologie zu Erlangen dem Pietismus in die Arme, verfiel aber bald dem Zweifel und widmete sich, von Schelling angeregt, der Philosophie. Nach Erledigung seiner Studien in Leipzig wurde er 1822 Lehrer am Gymnasium seiner Vaterstadt, geriet aber wegen seiner freisinnigen Anschauungen mit dem Direktor der Anstalt in Konflikt und legte 1830 seine Stellung nieder. Den philosophischen Schriften: »Die Urgeschichte des Menschengeistes« (Berl. 1827) und »Andeutungen eines Systems spekulativer Philosophie« (Nürnb. 1831) ließ er jetzt, außer kleinern unter dem Namen Amadeus Ottokar veröffentlichten Arbeiten, eine Reihe antichristlicher Werke folgen: »Philosophie, Religion und Altertum« (das. 1833), »Züge zu einer neuen Philosophie der Religion und Religionsgeschichte« (das. 1835), »Der Feuer- und Molochdienst der Hebräer« (Braunschw. 1842) und »Die Geheimnisse des christlichen Altertums« (Hamb. 1847, 2 Bde.), in denen er zu beweisen suchte, daß die Hebräer in der ältesten Zeit und auch die Christen in den ersten Jahrhunderten Menschen geopfert hätten. Er näherte sich den Anschauungen des Mohammedanismus, für den er durch seine ansprechenden Gedichtsammlungen »Mahomet« (Hamb. 1848) und die »Liederblüten des Hafis« (das. 184651,2 Sammlungen) Stimmung zu machen versuchte; es sind dies seine erfreulichsten Leistungen. An die Stelle des Christentums wollte er jetzt eine »Religion der Liebe und des Friedens« setzen, die er in dem Werk »Religion des neuen Weltalters« (Hamb. 1856, 3 Bde.) zu konstruieren suchte. Endlich aber vollzog sich in den 1850er Jahren eine abermalige Wandelung seines Innern: er trat, seit einigen Jahren in Frankfurt wohnend, 1858 in Mainz zur katholischen Kirche über und wurde ein Vorkämpfer der ultramontanen Ideen. Aus dieser Periode stammen: »Meine Konversion« (Mainz 1859); »Aus der Mansarde« (das. 186062,6 Hefte); »Das Christentum und sein Urheber« (das. 1864); »Christina Mirabilis und Joseph von Copertino als Vorläufer einer neuen künftigen Menschengattung« (Paderb. 1864); »Aphorismen über Tod und Unsterblichkeit« (Leipz. 1865); »Das Geisterreich in Glauben, Vorstellung, Sage und Wirklichkeit« (das. 1867, 2 Bde.); »Das Wunder, seine Bedeutung, Wahrheit und Notwendigkeit« (gegen Frohschammer, Strauß u. a., Regensb. 1874). Als Dichter hat sich D. fernerhin bekannt gemacht durch »Bettina« (Nürnb. 1837), eine metrische Umschreibung einzelner Stellen aus dem »Briefwechsel Goethes mit einem Kind«, durch die unter dem Pseudonym Eusebius Emmeran veröffentlichte »Glorie der heiligen Jungfrau Maria« (das. 1841), das weltpoetische Liederbuch »Polydora« (Frankf. 1855, 2 Bde.), die »Marianischen Legenden und Gedichte« (Münst. 1859) und das Legenden- und Novellensträußchen »Schöne Seelen« (Mainz 1862) Auch verfaßte er eine Reihe von Mitteilungen über Kaspar Hauser, der in seinem Hause lebte (Nürnb. 1832, Frankf. 1859 u. Regensb. 1873).

[Bd. 4, Sp. 544]



 
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Daumier (spr. domjē), Honoré, franz. Zeichner und Karikaturist, geb. 26. Febr. 1808 in Marseille, gest. 10. Febr. 1879 in Valmondois, machte sich durch die von ihm im »Charivari« erschienene Reihenfolge des »Robert Macaire« zuerst einen Namen. Seine Darstellungen haben die komischen Szenen und Vorfälle des Tages, Albernheiten an merkwürdigen Leuten, die Kehrseiten von großen Dingen, Modetorheiten zum Gegenstande. Die komische Seite des gemeinen Spießbürgerlebens und das Lächerliche der individuellen Natur wußte D. scharf und kräftig, oft auch brutal auszudrücken. Bemerkenswert sind in dieser Beziehung: »Bons bourgeois«, »Pastorales«, »Locataires et propriétaires«, »Les papas«, »Les beaux jours de la vie«, »Représentants représentés«, eine Sammlung Karikaturporträte von etwa 100 Repräsentanten der Konstituante und Legislative, und seine »Idylles parlementaires«, Meisterstücke des politisch-satirischen Witzes. Die beiden letztern sind Früchte der 1848er Revolution. Vgl. A. Alexandre, Honoré D., l'homme et l'œuvre (Par. 1888).
 
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Däumlinge, s. Meyers Daumen.
 
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Daumont (spr. domóng, franz. Attelage à la D.), Vier- oder Sechsgespann mit Stangenreiter.
 
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Dann, Flecken und Kreisort im preuß. Regbez. Trier, an der Liefer, in der Eifel und an der Staatsbahnlinie Mayen-Gerolstein, 397 m ü. M., hat eine evangelische und eine alte kath. Kirche, Amtsgericht, 2 Oberförstereien und (1900) 1105 Einw. In der Nähe sind die Dann er Maare, drei Kraterseen von 60100 m Tiefe, und zahlreiche Säuerlinge, darunter der Dann er Becher, ein eisenhaltiger Natronsäuerling, und die Heilquelle »Vulkan«. Auf hohem Basaltfelsen liegt die Reichsfeste D., Stammsitz des gräflichen Geschlechts D. Vgl. Hoersch, Beschreibung des Pfarrbezirks D., Geschichte der Grafen von D. (Dann 1877).
 
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Dann (Dhaun), 1) Wierich Philipp Lorenz, Graf D. von Tiano, Marchese von Rivoli, geb. 19. Okt. 1669, gest. 30. Juli 1741 in Wien, Sprößling eines alten gräflichen Geschlechts, dessen Stammschloß in der Nähe des Städtchens D. in der Eifel lag, und das im 17. Jahrh. nach Österreich übersiedelte, Sohn des Feldmarschalls Wilhelm D., zeichnete sich als österreichischer Feldmarschalleutnant 1706 durch die Verteidigung Turins aus. Hierauf zum Feldzeugmeister ernannt, verteidigte er Pavia und schützte Neapel, das er dann auf kurze Zeit als Vizekönig verwaltete, trieb Villars aus Italien zurück und nötigte Papst Clemens XI. 1709 zum Frieden. Im Feldzug von 1710 focht er weniger glücklich. Dennoch schenkte ihm Karl III. von Neapel das Fürstentum Tiano und ernannte ihn 1713 nochmals zum Vizekönig von Neapel. 1719 ward er Kommandant von Wien, dann Gouverneur der Niederlande und später (1728) von Mailand, das er jedoch vor den Franzosen räumen mußte, als der polnische Thronfolgekrieg ausbrach (1733). Er fiel deshalb in Ungnade, erlangte aber schließlich seine völlige Rehabilitation.
   2) Leopold Joseph, Graf, k. k. österreich. Feldmarschall, Sohn des vorigen, geb. 24. Sept. 1705 in Wien, gest. daselbst 5. Febr. 1766, schlug, obwohl für den geistlichen Stand bestimmt, die militärische Laufbahn ein, machte den Krieg 1718 auf Sizilien gegen Spanien mit, dann (1734 und 1735) den in Italien und am Rhein und als Generalmajor den Türkenkrieg von 173739. Zum Feldmarschalleutnant befördert, focht er im Österreichischen Erbfolgekrieg anfangs gegen die Preußen in Schlesien, dann unter dem Prinzen Karl von Lothringen gegen die Franzosen. Im zweiten Schlesischen Kriege führte er in den Schlachten bei Hohenfriedeberg und bei Soor den linken Flügel und ward noch 1745 Feldzeugmeister. In dieser Eigenschaft kommandierte er nach Abschluß des Dresdener Friedens in den Niederlanden in den ohne sein Verschulden für die Alliierten unglücklichen Feldzügen von 1746 und 1747. Um dieselbe Zeit heiratete er die Gräfin Fux, verwitwete Gräfin Nostitz, und befestigte sich dadurch in der Gunst seiner Monarchin. Nach dem Aachener Frieden (1748) mit der Ausarbeitung einer neuen Heeresorganisation betraut, entwarf er das sogen. Daunsche Reglement von 1749. Auch ward durch ihn 1751 die Militärakademie zu Wiener-Neustadt errichtet. 1754 zum Feldmarschall ernannt, stand er beim Anfang des Siebenjährigen Krieges in Mähren, wandte sich sodann gegen Friedrich II. und lieferte ihm die siegreiche Schlacht von Kolin (18. Juni 1757), worauf Friedrich Böhmen räumen mußte. Nach dem Siege der Preußen bei Leuthen und dem Rücktritte des Prinzen Karl von Lothringen mit dem Oberbefehl über die Armee betraut, siegte D. bei Hochkirch (14. Okt. 1758), nutzte den Sieg aber wegen der ihm eignen Vorsicht und Bedächtigkeit nicht gehörig aus, gedachte vielmehr den Feldzug durch eine rasche Wegnahme Dresdens zu enden; doch scheiterte sein Projekt an der Wachsamkeit des dortigen Befehlshabers, Generals v. Schmettau. Den Feldzug von 1759 beschloß D. siegreich mit dem Gefecht von Maxen (das 11,000 Mann starke preußische Korps des Generals Finck gefangen). 1760 beobachtete er aus seinem festen Lager unweit Pirna den König, als dieser Dresden belagerte, und folgte ihm nach Schlesien, wo er jedoch durch sein Zögern die Niederlage Laudons bei Liegnitz veranlaßte. Auch bei Torgau (3. Nov. 1760) ward ihm der Sieg durch Zietens kühn erneuerten Angriff und seine eigne Verwundung entrissen. 1762 übernahm er wieder den Oberbefehl in Schlesien. So günstig auch die Lage des Königs von Preußen durch den russischen Thronwechsel geworden war, so konnte er doch D. nicht aus seiner festen Stellung am Zobtenberg vertreiben, dieser aber ebensowenig den Verlust von Schweidnitz hindern. Noch während des Krieges hatte D. das Präsidium des Hofkriegsrates angetreten, eifrig bemüht, alle Erfahrungen aus sieben Feldzügen auf seine schon früher in Angriff genommenen Reformen anzuwenden. An Popularität war dem österreichischen Fabius Cunctator, wie man D. nannte, sein Waffengenosse Laudon überlegen, dem D. nicht ohne Eifersucht Lacy vorzog. D. war ein tüchtiger General, besaß jedoch den Fehler allzu großer Bedächtigkeit. Vgl. »Der deutsche Fabius Cunctator, oder Leben und Taten Sr. Exz. des Herrn Leopold Grafen von D.« (Frankf. u. Leipz. 175960, 2 Tle.). Ihm zu Ehren erhielt 1888 das österreichische Infanterieregiment Nr. 56 seinen Namen.
 
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Daunen (Dunen), s. Meyers Federn.
 
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Daunenköper (Inlet), Baumwollengewebe mit 36 Ketten- und 32 Schußfäden auf 1 cm. Garne Kette Nr. 1620 engl., Schuß Nr. 2024 engl. Bindung dreischäftiger Köper (s. Abbild.).

 

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