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Daulésches Verfahren bis Daumont (Bd. 4, Sp. 543 bis 544)
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Artikelverweis Daulésches Verfahren, s. Stereotypie.
 
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Dauletschâh, Ben Alâ ud Daula Bachtîschâh, pers. Literarhistoriker, geboren in Samarkand in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. aus vornehmem Geschlecht, gest. 1494 oder 1495, schrieb 1487 »Teskiret uschschu'arâ« (»Biographien der Dichter«, hrsg. von Browne, Leiden 1901, in türk. Bearbeitung 1843 in Konstantinopel gedruckt). Das Werk enthält in sieben Büchern und einem Anhang eine (leider wenig kritische) biographisch-anthologische Darstellung von ungefähr 140 persischen Dichtern, wozu noch in der Einleitung zehn berühmte arabische Dichter kommen. Über Auszüge daraus vgl. Pertsch, Persische Handschriften, S. 598 (Berl. 1888).
 
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Daulis, im Altertum Stadt in Phokis, an der Straße von Orchomenos nach Delphi auf einem steilen Felsen gelegen, Sitz des Königs Tereus und Schauplatz der Mythe von der Philomele und Prokne, wurde erst von den Persern, dann von Philipp von Makedonien am Ende des Phokischen Krieges zerstört, war aber noch in der Römerzeit eine starke Festung. Jetzt steht dort das Dorf Davlia mit Trümmern der alten Stadt.
 
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Daumas (spr. domá), Eugène, franz. General, geb. 4. Sept. 1803, gest. Anfang Mai 1871, trat 1822 in die Armee, beteiligte sich seit 1835 an den Feldzügen gegen Abd el Kader, leitete dann das arabische Departement in Algerien und wurde 1850 als Direktor der algerischen Angelegenheiten in das Kriegsministerium berufen. 185859 war er Präsident der Pariser Geographischen Gesellschaft. D. veröffentlichte: »Exposé de l'état actuel de l'Algérie, etc.« (Algier 1841); »Le Sahara algérien« (Par. 1845); »Le grand désert, ou itinéraire d'une caravane du Sahara an pays des nègres« (3. Aufl. 1861); »La grande Kabylie« (1847, mit Fabar); »Mœurs et coutumes de l'Algérie« (1853, 4. Aufl. 1864); »Les chevaux du Sahara« (1851, 7. Aufl. 1874; deutsch, 2. Aufl., Berl. 1858), sein für die Pferdezucht wichtiges Hauptwerk mit einem interessanten Kommentar Abd el-Kaders; »La Kabylie« (1857); »La vie arabe et la société musulmane« (1869) u. a.
 
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Däumeln, s. Bibliomantie.
 
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Daumen, s. Meyers Hand.
 
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Daumen (Däumlinge, Frösche, Kämme, Wellfüße), die auf dem Umfang einer Welle (Daumenwelle) sitzenden Vorsprünge, durch die bei Drehung der Welle in senkrechten Führungen gehende Stangen (z. B. die Pochstempel der Pochwerke) gehoben oder Hebel (z. B. die Stiele von Helmhämmern) um eine Achse gedreht werden, bis sie über den äußersten Punkt der D. hinweggegangen sind und nun unter der Einwirkung der Schwere oder der Kraft einer Feder in ihre ursprüngliche Lage zurückfallen, um alsdann das Spiel zu wiederholen. Daumenscheiben oder unrunde Scheiben finden bei Dampfmaschinen, Gasmotoren etc. Anwendung zur Betätigung der Steuerungsventile (Daumensteuerung).
 
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Daumer, Georg Friedrich, Dichter und philosoph. Schriftsteller, geb. 5. März 1800 in Nürnberg, gest. 13. Dez. 1875 in Würzburg, eine begabte, aber exzentrische und schwankende Natur, warf sich anfangs als Student der Theologie zu Erlangen dem Pietismus in die Arme, verfiel aber bald dem Zweifel und widmete sich, von Schelling angeregt, der Philosophie. Nach Erledigung seiner Studien in Leipzig wurde er 1822 Lehrer am Gymnasium seiner Vaterstadt, geriet aber wegen seiner freisinnigen Anschauungen mit dem Direktor der Anstalt in Konflikt und legte 1830 seine Stellung nieder. Den philosophischen Schriften: »Die Urgeschichte des Menschengeistes« (Berl. 1827) und »Andeutungen eines Systems spekulativer Philosophie« (Nürnb. 1831) ließ er jetzt, außer kleinern unter dem Namen Amadeus Ottokar veröffentlichten Arbeiten, eine Reihe antichristlicher Werke folgen: »Philosophie, Religion und Altertum« (das. 1833), »Züge zu einer neuen Philosophie der Religion und Religionsgeschichte« (das. 1835), »Der Feuer- und Molochdienst der Hebräer« (Braunschw. 1842) und »Die Geheimnisse des christlichen Altertums« (Hamb. 1847, 2 Bde.), in denen er zu beweisen suchte, daß die Hebräer in der ältesten Zeit und auch die Christen in den ersten Jahrhunderten Menschen geopfert hätten. Er näherte sich den Anschauungen des Mohammedanismus, für den er durch seine ansprechenden Gedichtsammlungen »Mahomet« (Hamb. 1848) und die »Liederblüten des Hafis« (das. 184651,2 Sammlungen) Stimmung zu machen versuchte; es sind dies seine erfreulichsten Leistungen. An die Stelle des Christentums wollte er jetzt eine »Religion der Liebe und des Friedens« setzen, die er in dem Werk »Religion des neuen Weltalters« (Hamb. 1856, 3 Bde.) zu konstruieren suchte. Endlich aber vollzog sich in den 1850er Jahren eine abermalige Wandelung seines Innern: er trat, seit einigen Jahren in Frankfurt wohnend, 1858 in Mainz zur katholischen Kirche über und wurde ein Vorkämpfer der ultramontanen Ideen. Aus dieser Periode stammen: »Meine Konversion« (Mainz 1859); »Aus der Mansarde« (das. 186062,6 Hefte); »Das Christentum und sein Urheber« (das. 1864); »Christina Mirabilis und Joseph von Copertino als Vorläufer einer neuen künftigen Menschengattung« (Paderb. 1864); »Aphorismen über Tod und Unsterblichkeit« (Leipz. 1865); »Das Geisterreich in Glauben, Vorstellung, Sage und Wirklichkeit« (das. 1867, 2 Bde.); »Das Wunder, seine Bedeutung, Wahrheit und Notwendigkeit« (gegen Frohschammer, Strauß u. a., Regensb. 1874). Als Dichter hat sich D. fernerhin bekannt gemacht durch »Bettina« (Nürnb. 1837), eine metrische Umschreibung einzelner Stellen aus dem »Briefwechsel Goethes mit einem Kind«, durch die unter dem Pseudonym Eusebius Emmeran veröffentlichte »Glorie der heiligen Jungfrau Maria« (das. 1841), das weltpoetische Liederbuch »Polydora« (Frankf. 1855, 2 Bde.), die »Marianischen Legenden und Gedichte« (Münst. 1859) und das Legenden- und Novellensträußchen »Schöne Seelen« (Mainz 1862) Auch verfaßte er eine Reihe von Mitteilungen über Kaspar Hauser, der in seinem Hause lebte (Nürnb. 1832, Frankf. 1859 u. Regensb. 1873).

[Bd. 4, Sp. 544]



 
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Daumier (spr. domjē), Honoré, franz. Zeichner und Karikaturist, geb. 26. Febr. 1808 in Marseille, gest. 10. Febr. 1879 in Valmondois, machte sich durch die von ihm im »Charivari« erschienene Reihenfolge des »Robert Macaire« zuerst einen Namen. Seine Darstellungen haben die komischen Szenen und Vorfälle des Tages, Albernheiten an merkwürdigen Leuten, die Kehrseiten von großen Dingen, Modetorheiten zum Gegenstande. Die komische Seite des gemeinen Spießbürgerlebens und das Lächerliche der individuellen Natur wußte D. scharf und kräftig, oft auch brutal auszudrücken. Bemerkenswert sind in dieser Beziehung: »Bons bourgeois«, »Pastorales«, »Locataires et propriétaires«, »Les papas«, »Les beaux jours de la vie«, »Représentants représentés«, eine Sammlung Karikaturporträte von etwa 100 Repräsentanten der Konstituante und Legislative, und seine »Idylles parlementaires«, Meisterstücke des politisch-satirischen Witzes. Die beiden letztern sind Früchte der 1848er Revolution. Vgl. A. Alexandre, Honoré D., l'homme et l'œuvre (Par. 1888).
 
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Däumlinge, s. Meyers Daumen.
 
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Daumont (spr. domóng, franz. Attelage à la D.), Vier- oder Sechsgespann mit Stangenreiter.

 

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