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Dattelpalme bis Daub (Bd. 4, Sp. 539 bis 540)
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Artikelverweis Dattelpalme, s. Meyers Phoenix.
 
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Dattelpflaumenbaum, s. Meyers Diospyros.
 
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Dattenfeld, Dorf im preuß. Regbez. Köln, Kreis Waldbröl, an der Sieg und der Staatsbahnlinie Troisdorf-Gießen, hat eine kath. Kirche, treibt Zigarren-, Feilen-, Sägen- und Pulverfabrikation, ein Feinblechwalzwerk, Ziegelbrennerei, Grauwackenbrüche und zählt (1900) 2560 Einw. In der Nähe liegt die Burgruine Windeck.
 
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Datum (lat., »gegeben«), in den lateinisch abgefaßten Urkunden des Mittelalters die Formel, die der Angabe der Zeit (meist auch des Ortes) der Ausstellung derselben vorangestellt wurde, oft in Verbindung mit Actum, was den Zeitpunkt angibt, in dem über den Inhalt des betreffenden Schriftstückes verhandelt wurde. Gegenwärtig bedeutet D. (als Substantiv) soviel wie Orts- und Zeitangabe selbst. Die Art und Weise der Angabe des Jahres und Tages, das Datieren, war in verschiedenen Ländern und Zeiten verschieden. Die Alten pflegten nach den Regierungsjahren ihrer Könige und obersten Magistratspersonen zu datieren. Die abendländischen Völker datierten im Mittelalter ebenso, gaben aber seit 840 zugleich oder auch allein das Jahr nach der Geburt Christi in ihren Urkunden an und fügten oft auch noch die Indiktion oder Römerzinszahl hinzu. Als Tag setzte man den Monatstag entweder nach der Zahlordnung oder nach dem Namen eines Heiligen oder Festes. Erst seit der Reformation datiert man allgemein durch Angabe des Monatstages. Datieren heißt auch die Zeitrechnung für etwas Bestehendes von einem Ereignis an beginnen. In der Statistik ist D. jede einzelne Beobachtung über den Zustand einer Erscheinung in einem gegebenen Raum und zu einer bestimmten Zeit. Man beschränkt diesen Ausdruck auf die Teilbeobachtung einer bestimmten Massenbeobachtung. War diese Beobachtung eine systematische, dann sind auch die Daten systematische. Beliebig aus verschiedenen Zeiten und Räumen zusammengestellte Beobachtungen sind nicht Teile einer fortlaufenden Beobachtungsreihe, wie solche die Statistik verlangt. Vgl. Daten und Dato.
 
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Datumeier, Hühnereier, auf denen das Datum des Tages, an dem sie gelegt sind, angegeben ist.
 
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Datumgrenze. Alle Orte auf der Erde, die unter demselben Meridian liegen, haben in demselben Moment Mittag und stets gleiche Tageszeiten. Die von einem Ort östlich liegenden Meridiane haben, da für sie die Sonne früher ausgegangen ist, größere Tageszeiten als der Beobachtungsort, und die westlich liegenden Meridiane kleinere, da dort die Sonne später ausgeht, und zwar entspricht dem Längenunterschied zweier Orte von 1° ein Mittagsunterschied von 4 Zeitminuten. Geht man also von einem Punkte Europas genau 180° nach O., so ergibt sich eine Zeitdifferenz von 12 Stunden. Ist es in Europa 1. Jan. 8 Uhr morgens, so ist es im O. 1. Jan. 8 Uhr abends. Geht man aber genau 180° nach W., so gelangt man zwar wieder zu demselben Punkt wie vorher, hat aber hier jetzt 31. Dez. 8 Uhr abends. Die Frage, welches Datum dem betreffenden Meridian zukommt, ist nach wissenschaftlichen Grundsätzen nicht streng zu beantworten und wesentlich von dem Anfangspunkt der Zeitzählung abhängig. Bei der überwiegenden Bedeutung des Meridians von Greenwich, der von der Schiffahrt allgemein als erster Meridian anerkannt ist, hat man diesem den Vorzug vor andern gegeben und sich dahin entschieden, den auf der jenseitigen Erdhemisphäre gelegenen Halbmeridian von Greenwich als nautische D. gelten zu lassen. Wenn ein Schiff diese Linie von W. nach O. überschreitet, so wird der betreffende Tag doppelt gezählt, fährt es in umgekehrter Richtung, so läßt man einen Tag ausfallen und zählt beispielsweise nach dem 1. April gleich den 3. April. Auf Grund des historischen Ganges der Entdeckung und Besiedelung der Länder in der Gegend des 180. Längengrades bildete sich hier eine eigentümlich gebogene historische D. Die Holländer kamen von W., die Spanier von O., und jeder folgte selbstverständlich seinen Schiffsjournalen; infolgedessen wurde dann auf jeder Insel und Inselgruppe des Großen Ozeans das Datum weitergezählt, das die ersten Besiedler mitbrachten. Die historische D. macht dementsprechend, anstatt dem Meridian zu folgen, eine weite Ausbiegung nach W., weil die Philippinen von O. entdeckt und besiedelt wurden. Solange nun diese Inseln in ihrem auswärtigen Verkehr fast ausschließlich auf das spanische Amerika angewiesen waren, hatten sie keine Veranlassung, von ihrem ursprünglichen östlichen Datum abzuweichen. Als aber im Anfang des 19. Jahrh. die spanische Herrschaft in Amerika zusammenbrach und sich die Beziehungen der Philippinen zur nahen asiatischen

[Bd. 4, Sp. 540]


Küste immer lebhafter gestalteten, ergaben sich aus der Datumdifferenz zwischen den Inseln und dem Festland unliebsame Störungen. Dies führte 1841 zu einer Änderung der Datumszählung, wobei man den 31. Dez. 1844 gänzlich fallen ließ und nach dem 30. Dez. sofort den 1. Jan. 1845 zählte. Diese Änderung des Datums fand gleichzeitig auf den Marianen und bald auch auf einer Reihe andrer Inselgruppen Anwendung; ferner wurde 1892 auf den Samoainseln das amerikanische Datum angenommen und Montag der 4. Juli zweimal gezählt. So ergibt sich die jetzt geltende tatsächliche oder wirtschaftliche D.; das Ostende Sibiriens hat das asiatische Datum, und auf den Fidschiinseln und einigen andern Inseln der Südsee gilt das australische Datum und nicht das amerikanische, obwohl diese Inseln auf der östlichen Seite des jenseitigen Halbmeridians von Greenwich liegen, und umgekehrt gilt auf den Inseln der Alëuten das amerikanische Datum, obwohl ebenfalls für einige derselben das asiatische nach der nautischen D. gelten müßte.
 
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Datum ut supra (lat.), das Datum wie oben (angegeben); Datum ut retro, das Datum wie umstehend (bei Protokollen etc.).
 
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Datumwechsel, s. Meyers Datumgrenze.
 
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Datūra L. (aus dem Sanskrit; Stechapfel), Gattung der Solanazeen, kahle oder schwach behaarte Kräuter, Sträucher oder Bäume mit zerstreut stehenden, gestielten, großen, ganzrandigen oder buchtigen Blättern, meist großen, einzeln achsel- und endständigen, langröhrigen, trichter- oder trompetenförmigen, oft weißen Blüten und eiförmiger oder runder, stacheliger oder unbewehrter, mit vier Klappen an der Spitze aufspringender Fruchtkapsel mit zahlreichen nierenförmigen Samen, wächst in etwa 15 Arten in den wärmern Teilen der ganzen Erde, meist in Mittelamerika. D. Stramonium L. (Stechapfel, Dornapfel, Rauhapfel, Krötenmelde, Igelskolben, Stachelnuß, Tollkraut, s. Tafel Meyers »Giftpflanzen II«, Fig. 7), einjährig, bis 1 m hoch, mit eiförmigen, buchtig gezahnten, spitzen Blättern, großen weißen, auch bläulichen Blüten und eiförmiger, derb stacheliger Kapsel, stammt wahrscheinlich aus den Ländern um das Kaspische oder Schwarze Meer, findet sich aber in ganz Europa, Asien, Afrika und Nordamerika, an Wegen, auf Schutthaufen, in der Nähe der Dörfer und Städte. Die Blätter riechen besonders beim Welken widerlich, betäubend, schmecken ekelhaft bittersalzig und gehören, wie die länglich nierenförmigen, flach gedrückten, sehr feingrubig punktierten, mattschwärzlichen oder braunen, ölig und scharf bitterlich schmeckenden Samen, zu den narkotisch scharfen Giften. Als wirksamen Stoff enthalten sie Atropin (die Samen 0,1 Proz., die Blätter 0,20,3 auf Tausend), außerdem kristallisierbares und sublimierbares, nicht basisches Stramonin. Man benutzte früher die Blätter und daraus bereitete Präparate bei Geisteskrankheiten und Asthma (hier oft in der Form von Zigarren Stramoniumzigarren); jetzt geben nur noch Landleute bisweilen den Schweinen einen Fingerhut voll Stechapfelsamen, um sie recht fett zu machen; Pferdehändler suchen mit Hilfe desselben abgemagerten Pferden ein gutes Ansehen zu verschaffen; in verbrecherischer Absicht ist der Same zur Bereitung einschläfernder Getränke benutzt worden. Da Kinder mit den klappernden Kapseln gern spielen, so kommen nicht selten Vergiftungen vor, die ganz ähnlich wie Belladonnavergiftung verlaufen und zu behandeln sind (s. Atropa). Der Stechapfel wird schon von Theophrast beschrieben, auch Dioskorides kennt ihn; doch scheint er sich erst im Mittelalter, ursprünglich z. T. durch Kultur, in Europa verbreitet zu haben; medizinisch benutzte ihn zuerst Störck in Wien 1762. Sehr ähnlich, auch in den Eigenschaften, aber größer ist D. Tatula L, ein Sommergewächs mit ähnlicher Verbreitung wie die vorige, mit bläulichem bis violettem Stengel und blauen Blüten. D. Metel L. mit herzförmigen, ganzrandigen und flaumigen Blättern und weißen, zarten Blüten, die fast wie Lilien riechen, sich aber nur bei Nacht öffnen, wächst im Mittelmeergebiet, in Südasien, Afrika, Mittelamerika, soll noch narkotischer als der gemeine Stechapfel sein und wird in Ostindien, Arabien und andern Ländern zur Bereitung von Berauschungsmitteln mit Hanf, Opium, Gewürzen etc. verwendet. D. fastuosa L., in Ostindien, im Malaiischen Archipel und im tropischen Afrika, mit großen weißen, bisweilen auswendig violetten, auch mit gefüllten Blüten, wird in Indien und China wieder Stechapfel bei uns benutzt und als Zierpflanze kultiviert. D. arborea L. (Brugmansia candida Pers., s. Tafel Meyers »Zierpflanzen I«, Fig. 19), in Chile und Peru, 34 m hoch, mit großen, länglich zugespitzten, ganzrandigen Blättern, sehr großen, hängenden, weißen, besonders gegen Abend wohlriechenden Blüten und glatten, hängenden Früchten, wird häufig bei uns in Gärten gezogen. In Peru werden die Blätter arzneilich benutzt. D. suaveolens H. Bonpl., in Chile und Peru, hat ebenso große, aber noch köstlicher riechende Blüten. D. sanguinea Ruiz et Pavon (Brugmansia bicolor Pers.), in Peru, strauch- oder baumartig, hat große, hängende Blüten, die von der Basis bis zur Mitte gelb, an der obern Hälfte rot und mit blutroten Streifen durchzogen sind. Aus den Früchten bereiten die Peruaner einen berauschenden Trank (Tonga), den einst die Priester des Sonnentempels in Sogamossa, dem peruanischen Orakelsitz, tranken, um sich mit den Geistern der Verstorbenen (daher Yerba de Huaca, Gräberpflanze) in Verbindung zu setzen; vielleicht wurden die Samen von D. Stramonium einst zu Delphi in gleicher Weise benutzt.
 
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Daturīn, soviel wie Atropin.
 
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Daub, Karl, spekulativer Theolog, geb. 20. März 1765 in Kassel, gest. 22. Nov. 1836 in Heidelberg, ward 1791 in Marburg akademischer Dozent, folgte 1794 einem Ruf als Lehrer der Philosophie nach Hanau, 1795 als ordentlicher Professor der Theologie nach Heidelberg. Der Kantsche Kritizismus beeinflußte ihn in seinem »Lehrbuch der Katechetik« (Heidelberg 1801), Schellings Identitätsphilosophie in den »Theologumena« (das. 1806) und der »Einleitung in das Studium der Dogmatik« (das. 1810), mystische Gedanken in »Judas Ischariot, oder Betrachtungen über das Böse im Verhältnis zum Guten« (das. 1861 bis 1818, 2 Tle.), Hegel in »Die dogmatische Theologie jetziger Zeit« (das. 1833). Seine »Theologischen und philosophischen Vorlesungen« gaben Marheineke und Dittenberger (Berl. 183844, 7 Bde.) heraus. Vgl. Rosenkranz, Erinnerungen an K. D. (Berl. 1837); D. F. Strauß, Charakteristiken und Kritiken (2. Aufl., Leipz. 1844).

 

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