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Darstellende Künste bis Dâr ul Harb (Bd. 4, Sp. 528 bis 529)
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Artikelverweis Darstellende Künste, soviel wie bildende Künste, besonders aber die Reihe von Künsten, deren Ziel es ist, fremde Kunstschöpfungen wiederzugeben und auf möglichst vollendete Weise zur Anschauung zu bringen, also poetische (rhetorische) und musikalische Deklamation, Mimik, Schauspielkunst und Orchestik.
 
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Darstellung bezeichnet in der ältern Sprache soviel wie Sichtbarmachung, Vorführung, Hinstellung. Man stellt jemand oder etwas dar, heißt: man stellt eine Person oder eine Sache so hin, daß sie von allen gesehen werden kann. Die D. Christi im Tempel bedeutet die Hinstellung, Vorführung vor das Antlitz des Herrn; die D. von Zeugen bedeutet deren Herbeiführung etc. Bald aber wird das Wort D. beschränkt auf die Sichtbarmachung und Hervorbringung einer Sache; zwei Elemente sind dem Begriff in diesem Entwickelungsstadium unerläßlich: 1) daß das Dargestellte sinnlich wahrnehmbar ist, und 2) daß es durch menschliche Fertigkeit entsteht. In diesem Sinne bedient sich die Ästhetik des Ausdrucks D. Da nun das, was durch menschliche Fertigkeit entsteht, vorher in der Seele vorhanden gewesen sein muß, so ist D. die Erschließung eines seelischen Inhalts für die sinnliche Wahrnehmung (Auge und Ohr). Hierdurch, daß das nach außen Kundgegebene aus dem Innern geschöpft ist, unterscheidet sich die D. von der Nachahmung oder Nachbildung, bei der ein durch die Natur oder Kunst Vorgebildetes in äußerlicherer Weise wiederholt wird. Aber nicht nur eines seelischen Inhalts derartige Erschließung an und für sich heißt D., sondern auch die Art solcher Erschließung: der Begriff D. ist ein ästhetischer Wert begriff. Er berührt sich als solcher mit dem Begriff Stil (s. d.), ohne sich mit ihm zu decken: der »innere Stil« macht sich bereits geltend in der Auswahl und Auffassung des Gegenstandes, der »äußere Stil« bezeichnet die Formgebung auf Grund solcher Auswahl und Auffassung. Insofern bei dem Begriff D. weniger an die Gestaltung eines Stoffes an sich, als an die Art der Gestaltung gedacht wird, lehnt er sich an den Begriff des »äußern Stils« an. Aber das Hauptmerkmal des Begriffs D. liegt doch in der Tatsache der Erschließung des seelischen Inhalts, nicht in der Art. Über die Arten der D. s. daher den Art. »Stil«. Der Gegensatz von Nachahmung und D. läßt bereits erkennen, daß die D. nicht auf die Erscheinungen der äußern Welt beschränkt ist: der Darstellende bemächtigt sich dieser, insoweit sie in seinem seelischen Leben Bedeutung gewonnen hat, und er darf sie, wenn er will, im Widerspruch zu den realen Gesetzen der Natur und des Lebens gestalten; indessen auch dort, wo er diese Gesetze anerkennt, bleibt er als Künstler kein Nachahmer, sondern Neuschöpfer. Da er aus dem Innern, aus der Welk seiner Vorstellungen, Gefühle und Willensregungen schöpft, so ist er nun aber auch befähigt und berechtigt, vieles zu gestalten, wozu die äußere Welt kein Analogon darbietet: solche D. herrscht in den »freien« Künsten der Musik und der Architektur, während die Neuschöpfungen der Poesie.

[Bd. 4, Sp. 529]


Malerei und Plastik, soweit sie nach Maßgabe wirklicher Lebenserscheinungen erfolgen, gern als »gebunden« bezeichnet werden (s. Meyers Kunst). Neben diesen Unterschieden des Gegenstandes der D. sind diejenigen des Materials und der Darstellungsmittel von Bedeutung. Die D. der über sehr mannigfaltiges Material verfügenden bildenden Kunst erfolgt durch Formen und Farben im Raume, die der Musik durch geregelte Tonfolge in der Zeit; das Ausdrucksmittel der Poesie, die Sprache, wendet sich zwar an das Ohr, erweckt aber durch die Bedeutung ihrer artikulierten Laute nicht nur schnell wandelbare Gesichtsvorstellungen, sondern auch mannigfaltigste weitere psychische Inhalte. Das Gebiet ihrer D. ist, abgesehen von gewissen Schranken der Deutlichkeit, fast unbegrenzt, während sich bildende Kunst und Musik auf einem viel engern Gebiete bewegen, auf dem sie allerdings Darstellungen von intensiverer Wirkung erzielen. In einem besondern Sinne wird das Wort D. in der Schauspielkunst gebraucht, wo es sowohl die Ausführung eines ganzen Stückes als insbes. die Verkörperung der einzelnen Rollen bezeichnet. Doch klingt die Grundbedeutung des Wortes auch hier scharf hervor, wonach D. die auf menschlicher Fertigkeit beruhende Versinnlichung eines seelischen Inhalts ist.
 
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Darstellung Christi, christliches Fest, wird in der katholischen Kirche 2. Februar (Mariä Reinigung, Lichtmeß) gefeiert (nach Luk. 2,22ff.).
 
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Darstellung der Jungfrau Maria, s. Meyers Marienfeste.
 
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Dartford, Stadt in der engl. Grafschaft Kent, 27 km östlich von London, am Darent, der 4 km unterhalb in die Themse mündet, hat Reste eines Augustinerklosters, Lateinschule, betreibt Fabrikation von Dampfmaschinen, Papier, Pulver und Chemikalien und zählt (1901) 18,643 Einw. In der Nähe das Dorf Stone mit schöner gotischer Kirche (13. Jahrh.).
 
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Darthé, Mitschuldiger von Babeuf (s. d.).
 
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Dartmoor (spr. dártmūr), eine granitische Insellandschaft in der engl. Grafschaft Devon, nordöstlich von Plymouth, 500 qkm groß, war ehemals stark bewaldet, ist jetzt aber von Moor und Heideflächen bedeckt, aus denen Granitblöcke (Tors) hervorragen. Höchste Punkte sind Yes Tor (625 m) und High Wilhays (621 m).
 
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Dartmouth (spr. -möth), 1) Hafenstadt (municipal borough) in Devonshire (England), an der Mündung des Dart in den Kanal, ist terrassenförmig am Abhang der Hügel gelegen, mit der schönen Heilandskirche und (1901) 6579 Einw. Den landumschlossenen Hafen verteidigt ein am Eingang desselben gelegenes Schloß. Er ist großen Schiffen zugänglich, der Außenhandel aber unbedeutend. Zum Hafen gehörten 1901: 59 Schiffe und 268 Fischerboote. D. ist Sitz eines deutschen Vizekonsuls. 2) Hafenort im nordamerikan. Staat Massachusetts, Grafschaft Bristol, an der Buzzardbai, mit (1900) 3669 Einw. 3) Stadt in der Grafschaft Halifax der kanad. Provinz Neuschottland, an der Bai von Halifax, mit Irrenhaus und (1901) 4806 Einw.
 
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Darton (spr. dārt'n), Stadt im Westbezirk von Yorkshire (England), am Dearne, bei Barnsley, hat (1901) 7670 Einw.
 
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Daru (spr. darü), 1) Pierre Antoine Noël Bruno, Graf, franz. Finanzmann, Dichter und Geschichtschreiber, geb. 12. Jan. 1767 in Montpellier, gest. 5. Sept. 1829 auf seinem Landsitz Becheville bei Meulan, trat im 16. Jahr in den Militärdienst und war Kriegskommissar, als er sich 1789 der Revolution anschloß. 1795 ward er Chef der Intendantur bei der Donauarmee. Während dieser Geschäftsführung vollendete er eine Übersetzung des Horaz (»Traductionen vers des poésies d'Horace«, Par. 1800; 6. Aufl. 1823, 2 Bde.), die seinen literarischen Ruf begründete. Napoleon I. benutzte ihn bei der Kriegsverwaltung, erhob ihn in den Grafenstand und ernannte ihn zum Minister und Bevollmächtigten beiden Friedensschlüssen von Preßburg, Tilsit und Wien. 1805,1807 und 1809 war er Generalintendant in Preußen und Österreich. 1811 ward er Staatssekretär und bekämpfte im Ministerkonseil Napoleons Eroberungspläne. Nachder Restauration ward er 1818 zum Pair ernannt und stimmte nun im Sinne der gemäßigten Partei. Seit 1828 war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Seine »Cléopédie, ou théorie des réputations littéraires« (1800) ist ein Gedicht voll Geist und seiner Wendungen; schön ist sein nachgelassenes didaktisches Gedicht »L'Astronomie« (1836). Sein Hauptwerk ist die »Histoire de la république de Venise« (1819, 7 Bde.; 4. Aufl. 1853, 9 Bde.; deutsch von Ruprecht, Leipz. 1854, 4 Bde.). Minder wertvoll ist die »Histoire des ducs de Bretagne« (4. Aufl. 1828, 4 Bde.; deutsch von Schubert, Leipz. 1831, 2 Bde.).
   2) Martial Noël Pierre, Graf, Bruder des vorigen, geb. 2. Juli 1774, gest. 18. Juli 1827, war ebenfalls einer der treuesten Anhänger Napoleons I., unter dem er mehrere militärische und administrative Ämter bekleidete, namentlich als Armeeintendant tätig war. Sein Sohn Charles Martial, Graf D., geb. 14. April 1816, hat sich als Schriftsteller im Fach der Staatswissenschaften einen Namen gemacht.
   3) Napoléon, Graf, Sohn von D. 1), geb. 11. Juni 1807 in Paris, gest. 18. Febr. 1890, war ursprünglich Offizier. Seit 1832 Mitglied der Pairskammer, war er eifriger Anhänger des Julikönigtums und beteiligte sich namentlich an der Erörterung volkswirtschaftlicher Fragen, so mit einer Schrift über die Eisenbahnen (1843). Nach der Februarrevolution war er Mitglied der Nationalversammlung und schloß sich den gemäßigten Republikanern an. Wegen seines Protestes gegen den Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 ward er auf kurze Zeit verhaftet und lebte dann in Zurückgezogenheit, bis er 1869 zum Abgeordneten gewählt ward. Er gehörte zu den Führern der neuen liberalen Mittelpartei. Anfang 1870 trat er in das Ministerium Ollivier als Minister des Äußern, zog sich aber, als der Kaiser sich wieder der Reaktion zuwandte, 13. April zurück. Nach Beendigung des Krieges wurde er 1871 zum Mitgliede der Nationalversammlung gewählt, wo er zur monarchistischen Partei gehörte. Senator war er nur 187679. D. war seit August 1860 Mitglied der Akademie für moralische und politische Wissenschaften. Er schrieb: »Le comte Beugnot« (1865).
 
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Dâr ul Harb, s. Meyers Harb.

 

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