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Darmschwindsucht bis Darmwunden (Bd. 4, Sp. 524 bis 527)
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Artikelverweis Darmschwindsucht (Darmtuberkulose, Phthisis meseraica, Enterophthisis, Phthisis oder Tabes intestinalis), die tuberkulösen Prozesse des Darmes und der zugehörigen Gekrösdrüsen. Es entstehen Schwellung, Verkäsung, Ausbruch und bald rascher, bald langsamer um sich greifende Verschwärung der lymphatischen Apparate der Darmwand, ferner Schwellung und Verkäsung der Gekrösdrüsen. Dazu gesellt sich oft, freilich meist als Teilerscheinung des allgemeinen Prozesses, Amyloidentartung der Schleimhaut. D. kommt selten und meist nur bei Kindern primär vor und ist dann die Folge einer Aufnahme von Tuberkelbazillen mit der Nahrung (z. B. roher Milch tuberkulöser Kühe); sekundär entwickeln sich tuberkulöse Geschwüre im Darm bei Lungenschwindsüchtigen (s. Meyers Darmgeschwüre 4). Das wichtigste Symptom bildet die Diarrhöe. Da die Verdauung daniederliegt, so hat die D. meist hochgradige Abmagerung zur Folge. Die meist erfolglose Behandlung beschränkt sich auf zweckmäßige Ernährung und Bekämpfung des Durchfalls.
 
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Darmstadt, Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums Hessen (s. den Plan), liegt zwischen Rhein und Main, am Übergang des Odenwaldes und der Bergstraße in die Ebene, 146 m ü. M. Sie besteht aus der Altstadt, mit engen und winkeligen Straßen, und der Neustadt, die durch das großherzogliche Schloß und den Paradeplatz voneinander getrennt werden. Die Neustadt enthält breite, schöne Straßen, die z. T. mit Alleen bepflanzt sind, sowie zahlreiche, mit hübschen Anlagen geschmückte Plätze und mehrere große, parkähnliche Gärten. Hauptverkehrsader der Stadt ist die Rheinstraße, die vom Bahnhof, dem gegenüber das Bankgebäude sich befindet und die Bronzebüste des Chemikers Justus v. Liebig steht, nach dem schönsten Platze der Stadt, dem Luisenplatz, und zum großherzoglichen Schloß führt. An dem Luisenplatz liegen das Postgebäude, das Kollegiengebäude (seit 1780), das Ständehaus und das Alte Palais; auf dem Platz erhebt sich das Ludwigsdenkmal, eine 43 m hohe Sandsteinsäule mit dem 7 m hohen, nach Schwanthalers Entwurf von Stiglmayr aus Erz gegossenen Standbild Ludwigs I., des ersten Großherzogs von Hessen. Von dem Luisenplatz nach S. führt die breite Wilhelminenstraße zur Rotunde der katholischen Kirche; in der Nähe liegt das Palais des Prinzen Karl, in dem sich das Original der von Holbein d. jüngern gemalten Madonna des Bürgermeisters Meyer befindet. Nach N. zu gelangt man auf den Mathildenplatz mit dem Denkmal des Tonkünstlers Abt Vogler, dem Neuen Kollegiengebäude, dem Justizgebäude und dem Marstall. Von hier nach NW. liegt einer der neuesten Stadtteile, das sogen Blumenthalviertel, in dem die evangelische Johanniskirche steht. Vom Luisenplatz nach O. schreitend, gelangt man zum großherzoglichen Schloß, einem aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden Komplex von Bauten, der von einem tiefen, jetzt in Gartenanlagen verwandelten Graben umgeben ist. Die ältesten Teile gehören noch dem Mittelalter an. Die andern entstammen der Regierung Georgs I. (15671596). Der Glockenspielbau wurde von Ludwig VI. (gest. 1678) errichtet, die neuern Schloßteile von 1717 an durch Landgraf Ernst Ludwig. Das Schloß enthält die dem Land gehörigen wissenschaftlichen und Kunstsammlungen. Solche sind: 1) die Hofbibliothek mit über 600,000 Bänden, darunter 1700 Inkunabeln, und vielen Holzschnittwerken; 2) das Alte Museum, ägyptische, römische und germanische Altertümer, eine Münzsammlung sowie kunstgewerbliche und ethnographische Gegenstände enthaltend; 3) das Kupferstichkabinett; 4) die Gemäldegalerie, besonders ausgezeichnet durch Werke der altdeutschen und niederländischen Schulen; 5) die naturwissenschaftlichen Sammlungen, darunter die paläontologische von besonderer Bedeutung; 6) der Antikensaal. Auch das Staatsarchiv befindet sich im Schloß.
   Nördlich vom Schlosse steht das nach dem Brande von 1871 neuerbaute Hoftheater, westlich von demselben erheben sich die Standbilder Philipps des Großmütigen und Georgs I., während weiter westlich das Monumentalgebäude des Neuen Museums entsteht, das nach seiner Fertigstellung (1905) die jetzt im Schlosse befindlichen Sammlungen aufnehmen soll. Südlich davon zieht sich an der Westseite des Schlosses entlang der Paradeplatz, auf der einen Seite mit dem 1879 enthüllten Kriegerdenkmal, auf der andern mit dem 1898 enthüllten, von F. Schaper modellierten Reiterstandbilde des Großherzogs Ludwig IV. Nördlich vom Hoftheater und Neuen Museum dehnt sich der Schloßgarten oder Herrengarten aus, ein Park in englischem Geschmack. Rechts vom Eingang am Hoftheaterplatz befindet sich das Grab der »großen Landgräfin« Karoline Henriette, Gemahlin des Landgrafen Ludwig IX. (gest. 1774), das die von Friedrich d. Gr. gestiftete Marmorurne mit der Inschrift: »Femina sexu, ingenio vir« trägt. Hier hat auch (seit 1903) das Denkmal des jungen Goethe (nach dem Entwurfe von Habich und Zeller) seinen Platz. Ostlich am Herrengarten ist (19031905) der Monumentalbau der Technischen Hochschule im Entstehen begriffen, nach dem südlichen Teile des Parkes wurde das früher auf dem Marienplatz befindliche Denkmal der in den Napoleonischen und Befreiungskriegen gefallenen hessischen Krieger versetzt. Östlich an die Stadt grenzt die Mathildenhöhe, früher eine große Gartenanlage, jetzt zu einer Villenkolonie in Umwandlung begriffen. Hier befinden sich das Diakonissenmutterhaus Elisabethenstift mit schöner Kirche, das Alicehospital, die vom Kaiser Nikolaus II. von Rußland 189899 erbaute russische Kapelle, zum Gedächtnis der Kaiserin Maria von Rußland (Gemahlin Alexanders II.) errichtet, und die vom Großherzog Ludwig ins Leben gerufene Künstlerkolonie.
   Auf der Südseite des Schlosses liegt der Marktplatz mit dem Rathaus, der neuerdings erweitert wird und den Namen Schillerplatz erhalten soll. Unweit davon erhebt sich die evang. Stadtkirche aus dem 15. Jahrh., im 17. Jahrh. umgebaut, mit dem Renaissancegrabmal von Georg I. (gest. 1596). Von den sieben evang. Kirchen sind noch erwähnenswert: die Bessunger- und Martinskirche. Die schon erwähnte kath. Kirche enthält die Grabmäler der Großherzogin Mathilde und des Prinzen Friedrich. An gottesdienstlichen Gebäuden hat die Stadt noch zwei Synagogen. Auf dem mit Anlagen gezierten Platze bei der kath. Kirche, dem Wilhelminenplatz, wurde 1902 der verstorbenen

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Großherzogin Alice, Gemahlin Ludwigs IV., ein Denkmal errichtet. In der Nähe befindet sich das Neue Palais, die Wohnung des Großherzogs. Eine Zierde der Stadt sind auch die schönen und wohleingerichteten Schulbauten. Als Vergnügungslokale sind der Saalbau, der Saal der Turngemeinde und der Kaisersaal zu nennen.
   Die Zahl der Einwohner betrug Ende des 18. Jahrh. erst 6700; 1816 zählte D. bereits 15,391 und 1900 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 115, zwei Dragonerregimenter Nr. 23 und 24, ein Feldartillerieregiment Nr. 25, eine Abteilung Feldartillerie Nr. 61 und ein Trainbataillon Nr. 18) 72,381 Einw., davon 12,320 Katholiken und 1689 Juden. Die Industrie ist nicht unbedeutend. D. hat Fabriken für Chemikalien, Schokolade, Fayenceöfen, eiserne Herde, Kassenschränke, Kessel, Knöpfe, Lederwaren, Maschinen, Möbel, musikalische Instrumente, Seife, Spielkarten, Strohhüte, Tabak, Tapeten, Wagen etc., große Kunstgärtnereien, Klenganstalten für land- und forstwirtschaftliche Sämereien, geographisch-lithographische Anstalten u. Buchdruckereien. Der Handel ist besonders lebhaft in Landesprodukten und wird unterstützt durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1902: 574,1 Mill. Mk.), die Bank für Handel und Industrie, die Bank für Süddeutschland, die Darmstädter Volksbank, die landwirtschaftliche Genossenschaftsbank, die hessische Hypothekenbank etc. Die Stadt ist Knotenpunkt der preußisch-hessischen Staatsbahnlinien Frankfurt a. M. Heidelberg, Mainz-Aschaffenburg, D.-Worms und anderer Linien. Zahlreiche elektrische Bahnlinien vermitteln den Verkehr in der Stadt und mit der Umgegend. An Bildungsanstalten besitzt D. außer der Bibliothek und den Sammlungen (s. oben) eine technische Hochschule (Sommersemester 1902: 1740 Studierende), zwei Gymnasien, ein Realgymnasium mit Realschule, eine Oberrealschule, Baugewerkschule, Gewerbeschule, kaufmännische Schule, landwirtschaftliche Winterschule etc., einen botanischen Garten, eine Zentralstelle für Gewerbe und den Gewerbeverein mit technischer Mustersammlung. Von Wohltätigkeitsanstalten sind besonders das städtische und das Landkrankenhaus, das Elisabethenstift, das Haus der Barmherzigen Schwestern, die Idiotenanstalt Alicestift und das Alicehospital zu nennen. D. ist Sitz der obersten Staatsbehörden, der Ministerien, des Oberkonsistoriums, der Oberrechnungskammer, der Regierung für die Provinz Starkenburg, eines Kreisamts, Oberpostamts, Hauptsteueramts, der hessisch-thüringischen Staatslotterie, einer Zentralstelle für Landesstatistik und Gewerbe, eines Oberlandes- und Landgerichts sowie des Stabes der 25. Division, der 49. Infanterie-, 25. Kavallerie- und 25. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 4 Magistratsmitglieder und 42 Stadtverordnete. In D. sind geboren: H. P. Sturz, Joh. Heinr. Merck (Goethes Freund), die Kupferstecher Heß und Jakob Felsing, der Orientalist F. E. Schul, Justus v. Liebig, General von der Tann u. a. Im benachbarten Oberramstadt ist der Humorist Lichtenberg geboren. Zum Oberlandesgerichtsbezirk D. gehören die 3 Landgerichte zu D., Gießen und Mainz, zum Landgerichtsbezirk D. die 19 Amtsgerichte zu Beerfelden, Bensheim, D. I und II, Fürth, Gernsheim, Großgerau, Groß-Umstadt, Hirschhorn, Höchst, Langen, Lorsch, Michelstadt, Offenbach a. M., Reinheim, Seligenstadt, Waldmichelbach, Wimpfen und Zwingenberg.
   In der waldreichen Umgebung sind besonders bemerkenswert: die Ludwigshöhe (242 m) mit großem Gast- und Pensionshaus und Aussichtsturm, ferner die Ausflugsorte Traisa, Ober- und Niederramstadt (Stationen der Odenwaldbahn), in größerer Nähe der Stadt der Karlshof, das Heilige Kreuz und die Rosenhöhe, letztere mit dem Mausoleum des großherzoglichen Hauses (Grabmal einer jung verstorbenen Prinzessin, von Rauch; Grabmal der Großherzogin Alice, von der Königin Viktoria von England gestiftet, ausgeführt von Böhm) u. einem Schlößchen des Prinzen Wilhelm von Hessen. 6 km westlich von D. liegt der Truppenübungsplatz für das 18. Armeekorps. Geschichte. In Urkunden des 8.11. Jahrh. erscheint ein Dorf Darmundestat und war bis 1257 im Lehnsbesitz der Reichsministerialen von Dornberg. Dann vom Grafen Diether III. von Katzenelnbogen eingezogen, erhielt es 1330 Stadtrecht, und bis 1375 war die alte Burg vollendet. Nach dem Erlöschen der männlichen Linie der Grafen von Katzenelnbogen 1479 kam D. durch Heirat an Hessen. 1518 hatte D. eine heftige Belagerung durch Franz v. Sickingen zu bestehen, die durch einen Vergleich endete. Im Schmalkaldischen Kriege (1546) ward die Stadt von einem niederländisch-spanischen Korps unter dem Grafen von Büren mit List eingenommen, geplündert und das Schloß in die Luft gesprengt. Die Stadt erholte sich erst unter dem Landgrafen Georg I. von Hessen, der D. zu seiner Residenz wählte (1567) und Stifter der hessen-darmstädtischen Linie wurde. Ihre glänzendste Zeit begann mit der Regierung Ludwigs X. (als Großherzog Ludwig I., 17901830). Die alten Mauern wurden größtenteils abgetragen, die Stadt nach allen Richtungen erweitert, ganze Straßen mit schönen Gebäuden und eine Menge trefflicher Bildungsanstalten gegründet. In D. wurde 182022 der sogen. Darmstädter Handelskongreß (zur Beratung über gemeinschaftliche Zölle) von den Bevollmächtigten

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mehrerer süddeutscher Staaten gehalten und 6. April 1852 die sogen. Darmstädter Koalition gegen den preußischen Zollverein (s. d.) geschlossen. Vgl. Walther, Darmstädter Antiquarius (Darmst. 1857); Derselbe, D. wie es war und wie es geworden (das. 1865); Mitzenius, D., seine Wälder und Höhen etc. (Führer, das. 1871); Zernin u. Wörner, D. und seine Umgebung (Zürich 1890).
 
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Darmsteine (Kotsteine), harte, steinähnliche Körper von sehr verschiedener Form und Größe, die sich zuweilen im Darmkanal bilden. Sie entstehen oft durch schichtweise Ablagerung von Kot um andersartige Fremdkörper und können durch Imprägnierung mit Kalksalzen eine besondere Härte erlangen. Beim Menschen finden sich solche D. am häufigsten in dem wurmförmigen Anhang des Blinddarms und verursachen nicht selten Blinddarmentzündung (s. d.). Bei gewissen Tieren, namentlich bei Pferden, sind D. im Blinddarm sehr häufig, meist mehrere zugleich und bis zu einem Gewicht von vielen Pfunden. Diese D. bestehen zu 90 Proz. aus phosphorsaurer Ammoniakmagnesia, außerdem aus phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk etc., sind rundlich oder facettiert, außen glatt, innen geschichtet und enthalten als Kern gewöhnlich einen zufällig mit dem Futter verschluckten fremden Körper. Auch kommen Zusammenballungen unverdaulicher Stoffe vor, die sich nur mit einer Schicht von Kalksalzen umhüllt haben (falsche D.). Die D. bedingen oft tödliche Verstopfung. Vgl. Haarballen.
 
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Darmstenōse, s. Meyers Darmverengerung und Meyers Darmverschluß.
 
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Darmtuberkulose, s. Meyers Darmschwindsucht.
 
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Darmverdauung, s. Meyers Verdauung.
 
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Darmverengerung (Darmstenose, Strictura, Stenosis intestinalis) kommt selten angeboren vor, meist ist sie bedingt durch chronische Verschwärungsprozesse und besonders durch die Narben abgeheilter Geschwüre (vgl. Darmgeschwüre), ferner auch durch Geschwülste. S. auch Meyers Darmverschluß.
 
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Darmverschlingung, s. Meyers Darmverschluß.
 
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Darmverschluß, Verhinderung der Weiterbeförderung des Darminhalts an einer Stelle des Darmrohres. Als direkte Folge der Undurchgängigkeit und der durch den gestauten Darminhalt bewirkten, durch reichliche Gasentwickelung verstärkten Dehnung weiter Darmstrecken entsteht eine starke Austreibung des Leibes, Kolikschmerzen, Aufstoßen, Erbrechen; das Erbrochene nimmt bei Fortdauer allmählich eine kotähnliche Beschaffenheit an (Kotbrechen, Miserere). Durch reflektorischen Nerveneinfluß wird ferner die Herztätigkeit und Zirkulation schwer geschädigt; infolgedessen zeigen die schwer leidenden Kranken spitze, verfallene, mit kaltem Schweiß bedeckte Gesichtszüge, blasse, kalte Extremitäten, kleinen Puls. Wird der D. nicht, sei es natürlich, sei es durch Kunsthilfe, beseitigt, so führt das Leiden meist durch Herzschwäche, oft kompliziert mit Bauchfellentzündung, zum Tode. Man bezeichnet diesen Zustand als Ileus. Derselbe tritt um so heftiger auf und ist um so gefährlicher, je plötzlicher die Unwegsamkeit entsteht; erfolgt der D. langsamer, etwa durch allmähliches Unwegsamwerden einer bereits vorhandenen Darmverengerung, so treten die Ileuserscheinungen milder auf, insbes. fehlen die schweren Herzerscheinungen. Die Ursache des Darmverschlusses kann eine mechanische sein (völlige Aufhebung des Darmlumens), sie kann in Lähmung (Paralyse) der den Darminhalt weiter befördernden Darmmuskulatur bestehen oder, etwa bei Erlahmung der letztern oberhalb einer Verengerung, eine Kombination von mechanischem Verschluß und Lähmung sein. Man unterscheidet dementsprechend einen mechanischen, paralytischen (oder dynamischen) oder einen mechanisch-dynamischen Ileus. Die verschiedenartigsten anatomischen Vorgänge können hierbei zu Grunde liegen. Es können Geschwüre der Darmschleimhaut zu allmählich schrumpfenden Verengerungen führen, durch die eine Zeitlang durch besondere Anstrengung der Darmmuskulatur der Darminhalt hindurchgepreßt wird, die aber eines Tages durch Erlahmung desselben oder durch Verlegung mit festerm Darminhalt in D. umgewandelt werden. Ferner können (seltener) sich größere feste Körper, wie Gallensteine, festklemmen. Besonders häufig entsteht D. durch Einklemmung einer Darmschlinge in einer Bruchpforte und zwar bei äußern Brüchen wie auch bei innern, d. h. in taschenförmige Einstülpungen des Bauchfelles eintretenden, daher in der Bauchhöhle verbleibenden Brüchen. Bestehen alte Narbenstränge infolge früherer entzündlicher Vorgänge am Bauchfell, so können die beweglichen Darmschlingen über solche straff hinweggezogen werden und dadurch Knickungen entstehen, oder sie treten unter solchen durch oder gleiten durch einen Spalt im Netz, oder bilden unter sich oder mit Netzanhängen, mit dem Wurmfortsatz knotenförmige Verschlingungen, oder eine lange Darmschlinge dreht sich um ihre Längsachse, so daß das Darmrohr abgeklemmt wird (Darmverschlingungen). Die Einklemmungen und Verschlingungen entstehen oft ganz plötzlich, führen daher zu den schwersten Ileuserscheinungen. Bei Kindern und Greisen ist die sogen. Invagination, Einscheidung oder Intussuszeption eine häufige Ursache des Darmverschlusses: ein lebhaft sich bewegendes Darmstück wird in einen tiefer gelegenen, erweiterten Darmabschnitt eingestülpt, von diesem erfaßt, mit dem zugehörigem Gekröse darmabwärts gezerrt. Eine meist rasch erfolgende Blutstauung führt zu starker Anschwellung, oft auch zu Entzündung und Brand der eingestülpten und fest umschnürten Darmstrecke. Die Invagination kann auch entstehen, indem eine von der Darmwand ausgehende und in das Darmlumen hereinragende Geschwulst von der peristaltischen Bewegung des Darmes erfaßt und so die Darmwand herabgezerrt wird. Auch selbständig können in das Darmrohr hereinragende Geschwülste zu D. führen. Endlich kann umschriebene Lähmung der Darmmuskulatur (infolge Gewalteinwirkung, lokaler Bauchfellentzündung, nach Operationen) die Weiterbeförderung des Darminhalts unmöglich machen und eine Ansammlung desselben bis zum D. herbeiführen. Die Behandlung richtet sich vor allem nach der Ursache, die im einzelnen Fall oft schwer erkennbar ist. Meist wird möglichst bald der Bauchschnitt auszuführen und das Hindernis zu beseitigen sein (Zurückbringen von Verschlingungen, Einklemmungen, Lösung einschnürender Stränge). Manchmal wirkt die Entleerung des Magens mit dem Magenschlauch günstig, indem hierdurch der Druck in dem über dem D. gelegenen Darmabschnitt vermindert und die freiwillige Reposition des um seine Achse gedrehten Darmteils begünstigt wird. Die neuerdings empfohlene Behandlung des Darmverschlusses mit Atropin, bez. Belladonna kann den operativen Eingriff nur selten unnötig muchen, leicht aber zu unheilvoller Verzögerung desselben führen. Angeborner D., Verschluß des Afters, s. Atresie.
 
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Darmwandbruch (Littréscher Bruch), s. Meyers Bruch, S. 472.

[Bd. 4, Sp. 527]



 
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Darmwunden entstehen 1) ohne gleichzeitige Eröffnung der Bauchhöhle durch Einwirkung sehr starker stumpfer Gewalt, wie z. B. durch Hufschlag gegen den Leib, durch heftigen Stoß mit einer Wagendeichsel etc., wobei äußerlich an der Stelle der Verletzung in der Regel höchstens eine relativ geringe Blutunterlaufung an der Bauchhaut sichtbar ist, während der dahinter liegende Dünndarm vollkommen zerrissen sein kann. In diesem Falle wird der Darminhalt in die Bauchhöhle austreten, sich schnell verbreiten und, oft schon wenige Stunden nach der Verletzung, allgemeine Bauchfellentzündung hervorrufen. In solchem Falle kann die Verletzung nur durch Bauchschnitt mit Erfolg behandelt werden, indem man die ausgesuchte Darmwunde in geeigneter Weise vernäht und eventuell die Bauchhöhle von Darminhalt oder Eiter reinigt. D. entstehen 2) mit gleichzeitiger Eröffnung der Bauchhöhle durch Stoß, Stich, Hieb, Schuß. Bei allen diesen Fällen kann durch Mitverletzung eines größern Blutgefäßes dec Tsd dacch Verblutung drohen, und zwar ohne daß das Blut durch die Wunde in der Bauchwand nach außen abfließt. Erkennbar ist diese Gefahr durch Blaßwerden, zunehmendes Schwächegefühl, starken Durst, dann Ohnmachtsanwandlung, Schwächerwerden des Pulses. Hier kann nur Eröffnung der Bauchhöhle, Aufsuchen und Unterbinden des blutenden Gefäßes, alsdann Reinigung der Bauchhöhle von dem bereits in dieselbe ergossenem Blut Rettung bringen. Nächst der Blutung droht, besonders bei größerer Wunde der Bauchwand, die Gefahr des Vorfalls, wobei der Dünndarm am meisten in Betracht kommt. Ist der vorgefallene Darmteil nicht eingeklemmt, so kann man ihn, nach Abwaschung mit steriler Kochsalzlösung, sofort reponieren. Ein bereits einige Zeit vorliegendes oder gar eingeklemmtes Darmstück wird man in vielen Fällen, immer dann, wenn blaurote Verfärbung und Brand begonnen hat, durch Darmresektion entfernen und die hierdurch entstandenen Querschnitte des Darmrohres sorgfältig aneinander nähen (s. Meyers Darmnaht). Durch dieselbe Operation werden schwerer verletzte, z. B. stark zerrissene Darmstücke entfernt, ebenso solche, deren Wunden brandig geworden sind. Dagegen können kleinere Stich- und Schußwunden des Darmes häufig durch Anlegung einer seinen Naht geschlossen werden. Seltener legen sich sofort nach Entstehung der Wunde deren Ränder aneinander und heilen von selbst, besonders bei kleinen Wunden und in dem straffern Gewebe der Dickdarmwand. Dies ist aber die Ausnahme, und man muß daher alle D. aufsuchen und schließen, wobei stets zu berücksichtigen ist, daß bei den vielfach neben-, über- und untereinander gelagerten Darmschlingen eine Stich- oder eine Schußwunde mehrere Darmverletzungen verursachen kann. War der Darm im Augenblick der Verletzung gefüllt, so wird viel leichter, als wenn er leer war, Darminhalt in die Bauchhöhle austreten und eine Bauchfellentzündung hervorrufen, die in günstigen Fällen lokal beschränkt sein und fernerhin durch Verwachsungen abgekapselt werden kann, in ungünstigen Fällen eine allgemeine und tödliche wird. (Daher vermeidet man vor Pistolenduellen Nahrungsaufnahme.) Wo, wie häufig im Krieg, wohleingerichtete chirurgische Anstalten nicht zur Verfügung stehen, beobachtet man neuerdings (im südafrikanischen Krieg) vielfach ein möglichst konservatives, abwartendes Verhalten (vollkommene Ruhe, Opium, Nahrungsenthaltung).

 

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