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Darmgegend bis Darmmuskelblatt (Bd. 4, Sp. 522 bis 523)
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Artikelverweis Darmgegend, s. Meyers Bauch.
 
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Darmgeschwülste, s. Meyers Darm (Krankheiten).
 
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Darmgeschwüre kommen im ganzen Darmrohr vom Beginn des Zwölffingerdarms bis zur Aftermündung vor. Man unterscheidet: 1) Traumatische D., die, durch spitze scharfe Fremdkörper, im Mastdarm durch ungeschickte Einführung von Klistierspritzen verursacht, bald nur oberflächliche Schrunden (Erosionen) bilden, bald die Darmwand in ihrer ganzen Dicke durchdringen und in diesem Falle gefährlich werden können. Sie sind verhältnismäßig selten, gefährlich, wenn sich Entzündungen der Darmwand anschließen. 2) Runde D., die in ihren Eigenschaften mit den runden Magengeschwüren übereinstimmen, im Darm aber nur im Bereich des Zwölffingerdarms vorkommen. 3) Follikulargeschwüre, im Dünn- und Dickdarm bei chronischer Darmentzündung, gehen aus entzündlicher Anschwellung und Vereiterung der Follikel in der Submukosa hervor. 4) Tuberkulöse D., meist im Dünndarm, seltener im Magen oder in den tiefern Dickdarmabschnitten. Sie entstehen, indem in den Lymphfollikeln der Schleimhaut gebildete Tuberkeln zerfallen und einen Substanzverlust zurücklassen, der sich an Grund und Rändern durch weitere Neubildung und Zerfall von Tuberkeln vergrößert, so daß oft große, ringförmig den Darm umgreifende

[Bd. 4, Sp. 523]


Verschwärungen zustande kommen. Auch Durchbruch in die Bauchhöhle kann eintreten. Diese Geschwüre sind bei Schwindsucht sehr häufig und beruhen meist auf Autoinfektion, indem die Kranken ihren bazillenhaltigen Auswurf verschlucken. Sie heilen sehr selten. 5) Typhöse D., vorwiegend in den Peyerschen Drüsenhaufen des tiefern Dünndarmabschnittes, seltener im Dickdarm, nehmen ihren Ausgang aus einer Anschwellung und Wucherung der genannten Drüsen; die Wucherung zerfällt und bildet einen Schorf, der nach seiner Abstoßung das Geschwür hinterläßt. Gewöhnlich oberflächlich, durchdringt der Substanzverlust zuweilen alle Schichten, so daß nicht so selten, besonders auch bei eintretender Genesung infolge grober Diätfehler, ein Durchbruch (Darmperforation) und damit allgemeine, in der Regel tödliche Bauchfellentzündung zustande kommt. An und für sich heilen typhöse D. am besten. 6) Diphtheritische D. befallen im Dünndarm am stärksten die Höhe der Schleimhautfalten und besonders im Dickdarm die hervorragenden Leisten der sogen. Tänien und Haustra. Den Anlaß zur Verschwärung bilden hier Bakterienwucherungen, welche die Schleimhaut zum Absterben und Zerfall bringen. Diese D. kommen vor unter epidemischen Einflüssen (Ruhr, Cholera), bei Kotstauungen und als Verstärkung chronischer einfacher Darmentzündung. Beim Heilen hinterlassen sie mitunter höchst beschwerliche und gefahrbringende Verengerungen (Stenosis, Strictura intestinalis). 7) Syphilitische D. sind selten im Dünndarm, häufiger im Mastdarm bei Frauen und durch Umfang, chronischen Verlauf und durch die Neigung zu starken Schrumpfungen ausgezeichnet, diese führen zuweilen zu völligem Verschluß (Atresia) des Darmrohrs und können nur operativ beseitigt werden. 8) Krebsige D. kommen gewöhnlich als flache Gallertkrebse am Dünndarm und vornehmlich am Mastdarm vor, wo sie ebenfalls starke Verengerungen verursachen können.
 
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Darmgicht, s. Meyers Kotbrechen.
 
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Darminvagination, s. Meyers Darmverschluß.
 
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Darmkanal, s. Meyers Darm.
 
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Darmkatarrh, s. Meyers Darmentzündung.
 
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Darmkrebs findet sich am häufigsten im untern Ende des Darmes von der Gegend der Bauhinschen Klappe an, besonders an den Biegungsstellen des Dickdarms, vor allem im Mastdarm, dann an der Flexura sigmoidea und im Blinddarm. D. tritt auf als isolierte fungöse Geschwulst, als zottige Wucherung oder als ringförmige Verdickung der Darmwand. Er ist sehr hart, kann aber auch sehr weich sein, sehr häufig ist die der Darmhöhle zugekehrte Seite geschwürig, und durch mechanische Verlegung der Höhle oder durch teilweise narbige Ausheilung geschwüriger Stellen kann Darmverengerung entstehen, die bisweilen durch erhebliche geschwürige Abstoßung wieder aufgehoben wird. Die Erkennung des Darmkrebses ist mit Ausnahme der leicht erreichbaren Mastdarmkrebse überaus schwierig. Die letztern verursachen Stuhlbeschwerden, Abgang von Blut und Eiter, dauernde nach dem Becken und Rücken ausstrahlende Schmerzen, bei tiefem Sitz Lähmung des Afterschließmuskels. Nur frühzeitige Erkennung des Darmkrebses und gründliche Entfernung des erkrankten Darmteils kann zur Heilung führen. Im andern Fall beschränkt sich die Behandlung auf Darreichung kräftigen der, narkotischer und mild abführender Mittel. Bisweilen legt man einen künstlichen After an, um durch Ableitung des reizenden Darminhalts möglichst schmerzlosen Verlauf zu erzielen. Der Tod erfolgt durch Kachexie, durch Verschwärung mit nachfolgender Durchbohrung des Darmes oder durch Metastasen in andern Organen, durch die Folgen von Darmverengerung etc.
 
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Darmlähmung, verminderte oder aufgehobene Darmbewegung, meist mit starker Erweiterung des Darmes, äußert sich in hartnäckiger Verstopfung, Aufblähung und eventuellem Erbrechen. D. kommt vor im Laufe von chronischen Darmentzündungen, bei langem Gebrauch von Abführmitteln, bei Bauchfellentzündung, nach Bauchoperationen und infolge von Gewalteinwirkung auf den Darm etc. Aber auch nervöse Einflüsse, z. B. bei gewissen Rückenmarkskrankheiten und bei habitueller Verstopfung hysterischer, neurasthenischer und melancholischer Personen, führen D. herbei. Die Behandlung richtet sich lediglich nach der Ursache.
 
Artikelverweis 
Darmlarve, s. Meyers Entwickelungsgeschichte.
 
Artikelverweis 
Darmmuskelblatt, s. Meyers Keimblätter.

 

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