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Darmesteter bis Darminvagination (Bd. 4, Sp. 522 bis 523)
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Artikelverweis Darmesteter, 1) Arsène, franz. Philolog, geb. 5. Jan. 1846 in Château-Salins, gest. 16. Nov. 1888 in Paris, lehrte anfangs an der Pariser Ecole des hautes études, dann (seit 1883) an der Sorbonne. Seine durch philosophischen Tiefblick hervorragenden Hauptwerke sind: »Formation des mots composés« (1874); »De la création actuelle des mots nouveaux« (1877); »La vie des mots« (1887, 4. Aufl. 1893); »Le XVI. siècle en France« (mit Hatzfeld, 1878; 6. Aufl. 1895); »Dictionnaire général de la langue française« (mit Hatzfeld begonnen, von A. Thomas fortgeführt, 1889ff.). Nach seinem Tod erschien der »Cours de grammaire historique de la langue française« (Par. 189197, 4 Bde.; auch ins Englische übersetzt). Seine kleinern Schriften sind von seinem Bruder James gesammelt (»Reliques scientifiques de A. D.«, Par. 1890, 2 Bde.).
   2) James, franz. Orientalist, Bruder des vorigen, geb. 28. März 1849 in Château-Salins, gest. 19. Okt. 1894 in Maisons-Laffitte bei Paris, seit 1885 Professor am Collège de France; schrieb: »Ormazd et Abriman« (1877), »Essais orientaux« (1883), »Études iraniennes« (1883, 2 Bde.), »Les origines de la poésie persane« (1888), »Lettres sur l'Inde, et la frontière afghane« (1888), »Chants populaires des Afghans« (1890), »Les prophètes d'Israel« (1892, neue Ausg. 1895); »The Zend-Avesta« (Oxford 188087, 3 Tle.; Teil 1 in 2. Aufl. 1895), in den »Sacred books of the East«; »Le Zend-Avesta. Trad. nouv.« (Par. 189293, 3 Bde.) u. a. Seine Witwe A. Mary F. Robinson, geb. 27. Febr. 1857 in Leamington, erzogen in Brüssel und Italien, seit 1888 mit D. und in zweiter Ehe seit 1901 mit Professor Emile Duclaux, dem Direktor des Institut Pasteur in Paris, vermählt, machte sich als Schriftstellerin und Dichterin durch formvollendete und phantasiereiche Schöpfungen einen geachteten Namen. Sie veröffentlichte (unter ihrem Mädchennamen) »präraffaelitische« Gedichte: »A handful of honeysuckles« (1878); eine Übersetzung von Euripides' »Hippolytos« (1881, mit neuen Gedichten); »The new Arcadia« (1884), ein Stoff, dem sie nicht ganz gewachsen war; ferner das Meisterwerk »An Italian garden« (1886), wogegen ihr nächstes Buch, die »Songs, ballads, and a garden play« (1888) abfielen. Sie versuchte sich auch mit wenig Erfolg im Roman »Arden« (1883) und in historischen Studien. Ihnen folgten: »Retrospect and other Poems« (1893), »Life of Renan« (1897), »A mediaeval Garland« (1897), »La reine de Navarre« (1900) und »Grands écrivains d'Outremanche« (1901). Unter dem Namen D. ließ sie 1892 historische Erzählungen: »Marguerites du temps passé«, erscheinen.
 
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Darmfaserblatt (Darmmuskelblatt), s. Meyers Keimblätter.
 
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Darmsäule, s. Meyers Fäule.
 
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Darmfeuer, soviel wie Milzbrand.
 
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Darmfistel, Eitergang, der das Innere des Darmrohrs mit der äußern Körperoberfläche oder mit einem benachbarten Hohlorgan, z. B. dem Magen, der Harnblase, oder mit einem andern Darmstück in Verbindung setzt. Die D. stellt meistens einen engen Kanal dar, durch den während der Verdauung Darminhalt entleert wird. Je nach der Stelle, an der die D. liegt, unterscheidet man Dünndarm-, Dickdarm- und Mastdarmfistel. Erstere sind sehr selten, Mastdarmfisteln (s. d.) ungleich häufiger. Fisteln zwischen Magen, Dünn- oder Dickdarm und der äußern Körperoberfläche entstehen nach einer Verletzung (Schuß oder Messerstich) oder durch eine langsame, zuweilen auch krebsige Verschwärung, die im Darm beginnt. Fisteln, die man z. B. bei Mastdarmkrebs durch Eröffnung des gesunden Darmes oberhalb des Mastdarms oder bei Bruchoperationen durch Entfernung brandiger Darmschlingen absichtlich anlegt, indem man die gesunden Darmwände mit der Haut vernäht und mit dieser verwachsen läßt, nennt man künstlichen After. Die Behandlung der D. ist meist sehr langwierig, da der hervorquellende Darminhalt die Heilung des Fistelganges stört; bei tuberkulösen oder krebsigen Geschwüren ist selbst eine zeitweilige Heilung wegen der Allgemeinkrankheit kaum möglich.
 
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Darmgase, s. Meyers Verdauung.
 
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Darmgegend, s. Meyers Bauch.
 
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Darmgeschwülste, s. Meyers Darm (Krankheiten).
 
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Darmgeschwüre kommen im ganzen Darmrohr vom Beginn des Zwölffingerdarms bis zur Aftermündung vor. Man unterscheidet: 1) Traumatische D., die, durch spitze scharfe Fremdkörper, im Mastdarm durch ungeschickte Einführung von Klistierspritzen verursacht, bald nur oberflächliche Schrunden (Erosionen) bilden, bald die Darmwand in ihrer ganzen Dicke durchdringen und in diesem Falle gefährlich werden können. Sie sind verhältnismäßig selten, gefährlich, wenn sich Entzündungen der Darmwand anschließen. 2) Runde D., die in ihren Eigenschaften mit den runden Magengeschwüren übereinstimmen, im Darm aber nur im Bereich des Zwölffingerdarms vorkommen. 3) Follikulargeschwüre, im Dünn- und Dickdarm bei chronischer Darmentzündung, gehen aus entzündlicher Anschwellung und Vereiterung der Follikel in der Submukosa hervor. 4) Tuberkulöse D., meist im Dünndarm, seltener im Magen oder in den tiefern Dickdarmabschnitten. Sie entstehen, indem in den Lymphfollikeln der Schleimhaut gebildete Tuberkeln zerfallen und einen Substanzverlust zurücklassen, der sich an Grund und Rändern durch weitere Neubildung und Zerfall von Tuberkeln vergrößert, so daß oft große, ringförmig den Darm umgreifende

[Bd. 4, Sp. 523]


Verschwärungen zustande kommen. Auch Durchbruch in die Bauchhöhle kann eintreten. Diese Geschwüre sind bei Schwindsucht sehr häufig und beruhen meist auf Autoinfektion, indem die Kranken ihren bazillenhaltigen Auswurf verschlucken. Sie heilen sehr selten. 5) Typhöse D., vorwiegend in den Peyerschen Drüsenhaufen des tiefern Dünndarmabschnittes, seltener im Dickdarm, nehmen ihren Ausgang aus einer Anschwellung und Wucherung der genannten Drüsen; die Wucherung zerfällt und bildet einen Schorf, der nach seiner Abstoßung das Geschwür hinterläßt. Gewöhnlich oberflächlich, durchdringt der Substanzverlust zuweilen alle Schichten, so daß nicht so selten, besonders auch bei eintretender Genesung infolge grober Diätfehler, ein Durchbruch (Darmperforation) und damit allgemeine, in der Regel tödliche Bauchfellentzündung zustande kommt. An und für sich heilen typhöse D. am besten. 6) Diphtheritische D. befallen im Dünndarm am stärksten die Höhe der Schleimhautfalten und besonders im Dickdarm die hervorragenden Leisten der sogen. Tänien und Haustra. Den Anlaß zur Verschwärung bilden hier Bakterienwucherungen, welche die Schleimhaut zum Absterben und Zerfall bringen. Diese D. kommen vor unter epidemischen Einflüssen (Ruhr, Cholera), bei Kotstauungen und als Verstärkung chronischer einfacher Darmentzündung. Beim Heilen hinterlassen sie mitunter höchst beschwerliche und gefahrbringende Verengerungen (Stenosis, Strictura intestinalis). 7) Syphilitische D. sind selten im Dünndarm, häufiger im Mastdarm bei Frauen und durch Umfang, chronischen Verlauf und durch die Neigung zu starken Schrumpfungen ausgezeichnet, diese führen zuweilen zu völligem Verschluß (Atresia) des Darmrohrs und können nur operativ beseitigt werden. 8) Krebsige D. kommen gewöhnlich als flache Gallertkrebse am Dünndarm und vornehmlich am Mastdarm vor, wo sie ebenfalls starke Verengerungen verursachen können.
 
Artikelverweis 
Darmgicht, s. Meyers Kotbrechen.
 
Artikelverweis 
Darminvagination, s. Meyers Darmverschluß.

 

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