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Darmeingießung bis Darmgeschwülste (Bd. 4, Sp. 521 bis 522)
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Artikelverweis Darmeingießung, s. Meyers Eingießung.
 
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Darmeinklemmung (Incarceratio intestinalis), s. Meyers Bruch und Meyers Darmverschluß.
 
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Darmentzündung (Enteritis), Entzündung der Schleimhaut des Darmes und ihrer Drüsen etc. D. tritt hauptsächlich als katarrhalische D. oder Darmkatarrh und als diphtheritische D. auf. Der Darmkatarrh wird gewöhnlich veranlaßt durch Diätfehler, Vergiftungen (z. B. durch Genuß verdorbenen Fleisches, verdorbener Fische etc., wobei Fäulnisalkaloide [Ptomaïne] wirksam sind), ferner durch Alkoholmißbrauch, durch gewisse Leberkrankheiten, Geschwulstbildungen in der Bauchhöhle, durch Kotstauungen, fremde Körper, Eingeweidewürmer, Erkältungen des Unterleibes, etc. Selten wird das ganze Darmrohr vom Katarrh befallen; bald ist nur oder vorzugsweise der Dünndarm, bald vorzugsweise oder ausschließlich der Dickdarm, selten bloß der Zwölffingerdarm ergriffen. Die Darmschleimhaut zeigt beim akuten Katarrh Rötung und Schwellung und ist mit einer dicken Schicht trüben, leicht abstreifbaren Schleimes überzogen. Dieser Schleim enthält massenhafte Zylinderepithelzellen, deren schnelle Bildung und Abstoßung zum Wesen des Katarrhs gehört. Nicht selten findet man, besonders bei kleinen Kindern, eine Schwellung der in der Schleimhaut eingebetteten solitären Lymphfollikel und der Peyerschen Drüsenhaufen. Bei chronischem Katarrh treten Rötung und Schwellung der Schleimhaut mehr zurück, dagegennimmt letztere häufig eine graue, schieferähnliche Farbe an und sondert spärlichern zähen Schleim ab. Selten entstehen in den geschwollenen Lymphfollikeln Abszeßbildungen (s. Meyers Darmgeschwüre). Bei ganz kleinen Kindern findet man nach langwierigen, tödlich verlaufenden Darmkatarrhen oft nur auffallende Blässe, Dünnheit und leichte Zerreißbarkeit des Darmrohrs.
   Die Symptome des akuten Darmkatarrhs sind verschieden nach dem Sitz der Affektion. Bei den seltenen Katarrhen des Zwölffingerdarms entsteht außer Appetitlosigkeit und Stuhlverstopfung Gelbsucht, indem durch Schwellung der Darmschleimhaut die in letzterer belegene Mündung des Gallenganges sich verschließt und also der Galle nicht erlaubt, sich in den Darm zu ergießen. Das wichtigste Symptom beim akuten Katarrh des Dünn- und Dickdarms ist Durchfall. Die Stuhlentleerungen sind flüssiger, weil eine starke wässerige Ausscheidung aus den Blutgefäßen der Darmwand in den Darm stattfindet, und sie folgen auch schneller auseinander, weil die wurmförmigen Bewegungen des Darmes beim akuten Katarrh sehr lebhaft sind. Der Katarrh des Dickdarms ist in der Regel mit kolikartigen kneipenden Schmerzen verbunden, die anfallsweise eintreten und nach erfolgter Stuhlentleerung sich bessern. Die Kräfte und der Ernährungszustand des Patienten bleiben normal, wenn die Ausleerungen nicht zu massenhaft und zu häufig sind. Verlieren aber die Ausleerungen das Aussehen und den Geruch nach Kot, werden sie wässerig, dünnflüssig, farblos, und wiederholen sie sich sehr oft, so bewirken sie, zumal bei kleinen Kindern, einen hohen Grad von Erschöpfung und Abmagerung. Der Leib ist beim akuten Darmkatarrh zuweilen mäßig ausgetrieben, und es entleeren sich mit dem Durchfall große Mengen übelriechender Gase. Schwere Darmkatarrhe gehen mit dem Fieber einher. Setzt sich die Entzündung bis auf den Mastdarm fort, so sind beständiger Stuhldrang und schmerzhafte Gefühle im After (Stuhlzwang) vorhanden. Der chronische Darmkatarrh ist bei Erwachsenen gewöhnlich nicht von Durchfall begleitet, im Gegenteile leiden die Kranken häufig an Stuhlverstopfung, die abgehenden Kotmassen sind aber in reichlichen zähen Schleim eingehüllt. Es treten leicht abnorme Versetzungen des Darminhalts mit reichlicher Entwickelung stinkender Gase, Austreibung des Leibes, Beklemmung, Blähungen etc. ein. Die Kranken verlieren dabei die Kräfte, magern ab, haben eine bleiche, schmutzig graugelbe Gesichtsfarbe, sind häufig verstimmt und werden von hypochondrischen Stimmungen heimgesucht. Krankheitszustände dieser Art sind lästig und schwer zu beseitigen, aber meist ohne besondere Gefahr. Der chronische Darmkatarrh der Kinder verläuft bald mit, bald ohne Fieber, fast immer aber in Gestalt eines hartnäckigen und erschöpfenden Durchfalles, infolgedessen die Kinder im höchsten Grad abmagern und häufig dem Leiden erliegen. Besonders sind ganz kleine Kinder, kurz nach dem Entwöhnen, dieser gefährlichen Krankheit (Diarrhoea ablactatorum) ausgesetzt.
   Bei der diphtheritischen D. entstehen infolge der Entzündung der obersten Schleimhautschicht zu einer Art Pseudomembran gerinnende Ausschwitzungen, unter diesen stirbt die entzündete Schleimhaut stellenweise ab und wird losgestoßen, wodurch Substanzverluste und nach Ausheilung dieser Prozesse strahlige, den Darm oft beträchtlich verengernde Narben entstehen. Diese Form der D., am häufigsten im Dickdarm, entsteht besonders als epidemische Erkrankung, als Ruhr oder Dysenterie, oder nach Quecksilber- und Arsenikvergiftung.
   Die Behandlung des Darmkatarrhs hat sich zunächst mit der Beseitigung seiner Ursachen zu beschäftigen. Liegt dem akuten Darmkatarrh eine Erkältung zu Grunde, so hat der Kranke das Bett zu hüten, er mag einige Tassen warmen Tee (Kamillen- oder Pfefferminzausguß) genießen und warme Tücher auf den

[Bd. 4, Sp. 522]


Leib legen. In einem rauhen Klima wird man sich durch wollene Strümpfe, durch eine Leibbinde aus Flanell (namentlich die Frauen), durch das Tragen von Beinkleidern aus Barchent und andern dichten Stoffen gegen Darmkatarrhe schützen können. Ist der Darmkatarrh die Folge von Diätfehlern oder einer unzweckmäßigen Ernährungsweise, so muß die Diät reguliert werden. Über die Verhaltungsmaßregeln bei dem Darmkatarrh kleiner Kinder, der stets als ernste Krankheit, bei der rasche ärztliche Hilfe nicht zu entbehren ist, angesehen werden muß, vgl. Kinderernährung. Sind harte, zurückgehaltene oder, wie oft im Sommer, gärende Kotmassen die Ursache des Katarrhs, so hat die Kur mit einem Abführmittel zu beginnen, das in gewissen Fällen wiederholt werden muß; auch kann durch Klistiere nachgeholfen werden. Eine Hauptaufgabe bei der Behandlung des Darmkatarrhs ist die Bekämpfung des Durch falles, wenn dieser Gefahr zu bringen droht. Man versucht es zunächst mit schleimigen Getränken (Hafer- oder Gerstenschleim), mit Suppen von gebranntem Mehl u. dgl. Unter den Arzneien ist Opium das souveräne Mittel, das aber nur vom Arzt verordnet werden darf und bei Kindern, die es schlecht vertragen, im allgemeinen nicht zu reichen ist. Auch Wismut- und Tanninverbindungen sind bewährte Mittel. Bei chronischer Diarrhöe stehen die Bäder von Kissingen, Ems, Karlsbad, Marienbad in gutem Ruf.
   Über Blinddarmentzündung s. d.
 
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Darmesteter, 1) Arsène, franz. Philolog, geb. 5. Jan. 1846 in Château-Salins, gest. 16. Nov. 1888 in Paris, lehrte anfangs an der Pariser Ecole des hautes études, dann (seit 1883) an der Sorbonne. Seine durch philosophischen Tiefblick hervorragenden Hauptwerke sind: »Formation des mots composés« (1874); »De la création actuelle des mots nouveaux« (1877); »La vie des mots« (1887, 4. Aufl. 1893); »Le XVI. siècle en France« (mit Hatzfeld, 1878; 6. Aufl. 1895); »Dictionnaire général de la langue française« (mit Hatzfeld begonnen, von A. Thomas fortgeführt, 1889ff.). Nach seinem Tod erschien der »Cours de grammaire historique de la langue française« (Par. 189197, 4 Bde.; auch ins Englische übersetzt). Seine kleinern Schriften sind von seinem Bruder James gesammelt (»Reliques scientifiques de A. D.«, Par. 1890, 2 Bde.).
   2) James, franz. Orientalist, Bruder des vorigen, geb. 28. März 1849 in Château-Salins, gest. 19. Okt. 1894 in Maisons-Laffitte bei Paris, seit 1885 Professor am Collège de France; schrieb: »Ormazd et Abriman« (1877), »Essais orientaux« (1883), »Études iraniennes« (1883, 2 Bde.), »Les origines de la poésie persane« (1888), »Lettres sur l'Inde, et la frontière afghane« (1888), »Chants populaires des Afghans« (1890), »Les prophètes d'Israel« (1892, neue Ausg. 1895); »The Zend-Avesta« (Oxford 188087, 3 Tle.; Teil 1 in 2. Aufl. 1895), in den »Sacred books of the East«; »Le Zend-Avesta. Trad. nouv.« (Par. 189293, 3 Bde.) u. a. Seine Witwe A. Mary F. Robinson, geb. 27. Febr. 1857 in Leamington, erzogen in Brüssel und Italien, seit 1888 mit D. und in zweiter Ehe seit 1901 mit Professor Emile Duclaux, dem Direktor des Institut Pasteur in Paris, vermählt, machte sich als Schriftstellerin und Dichterin durch formvollendete und phantasiereiche Schöpfungen einen geachteten Namen. Sie veröffentlichte (unter ihrem Mädchennamen) »präraffaelitische« Gedichte: »A handful of honeysuckles« (1878); eine Übersetzung von Euripides' »Hippolytos« (1881, mit neuen Gedichten); »The new Arcadia« (1884), ein Stoff, dem sie nicht ganz gewachsen war; ferner das Meisterwerk »An Italian garden« (1886), wogegen ihr nächstes Buch, die »Songs, ballads, and a garden play« (1888) abfielen. Sie versuchte sich auch mit wenig Erfolg im Roman »Arden« (1883) und in historischen Studien. Ihnen folgten: »Retrospect and other Poems« (1893), »Life of Renan« (1897), »A mediaeval Garland« (1897), »La reine de Navarre« (1900) und »Grands écrivains d'Outremanche« (1901). Unter dem Namen D. ließ sie 1892 historische Erzählungen: »Marguerites du temps passé«, erscheinen.
 
Artikelverweis 
Darmfaserblatt (Darmmuskelblatt), s. Meyers Keimblätter.
 
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Darmsäule, s. Meyers Fäule.
 
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Darmfeuer, soviel wie Milzbrand.
 
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Darmfistel, Eitergang, der das Innere des Darmrohrs mit der äußern Körperoberfläche oder mit einem benachbarten Hohlorgan, z. B. dem Magen, der Harnblase, oder mit einem andern Darmstück in Verbindung setzt. Die D. stellt meistens einen engen Kanal dar, durch den während der Verdauung Darminhalt entleert wird. Je nach der Stelle, an der die D. liegt, unterscheidet man Dünndarm-, Dickdarm- und Mastdarmfistel. Erstere sind sehr selten, Mastdarmfisteln (s. d.) ungleich häufiger. Fisteln zwischen Magen, Dünn- oder Dickdarm und der äußern Körperoberfläche entstehen nach einer Verletzung (Schuß oder Messerstich) oder durch eine langsame, zuweilen auch krebsige Verschwärung, die im Darm beginnt. Fisteln, die man z. B. bei Mastdarmkrebs durch Eröffnung des gesunden Darmes oberhalb des Mastdarms oder bei Bruchoperationen durch Entfernung brandiger Darmschlingen absichtlich anlegt, indem man die gesunden Darmwände mit der Haut vernäht und mit dieser verwachsen läßt, nennt man künstlichen After. Die Behandlung der D. ist meist sehr langwierig, da der hervorquellende Darminhalt die Heilung des Fistelganges stört; bei tuberkulösen oder krebsigen Geschwüren ist selbst eine zeitweilige Heilung wegen der Allgemeinkrankheit kaum möglich.
 
Artikelverweis 
Darmgase, s. Meyers Verdauung.
 
Artikelverweis 
Darmgegend, s. Meyers Bauch.
 
Artikelverweis 
Darmgeschwülste, s. Meyers Darm (Krankheiten).

 

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