Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Darley bis Darmatmung (Bd. 4, Sp. 519 bis 520)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Darley (spr. dārlĭ), Felix, nordamerikan. Zeichner und Illustrator, geb. 23. Juni 1822 in Philadelphia, gest. im März 1888, wuchs ohne Unterricht in der Kunst auf und machte sich zuerst durch Holzschnitte für das Saturday-Museum bekannt. 1848 ging er nach New York und wurde hier mit Illustrationen für Washington Irvings Werke beauftragt. Dann zeichnete er Illustrationen zu den Werken von Cooper, Dickens, Hawthorne und andern Schriftstellern, aber auch freie Kompositionen, z. B. Washingtons Einzug in New York, das erste Aufblühen der Freiheit, ein räuberischer Einfall in Virginia u. a. Später bereiste er Europa und brachte zahlreiche Zeichnungen aus dem Volksleben und Architekturbilder heim. Zu seinen letzten Arbeiten gehören: die von Indianern überfallenen Puritaner, der Schulknabe, die Wanderung zum Meer, der Kavallerieangriff bei Fredericksburg in Virginia, ein Zyklus von Zeichnungen zu Lossings »Geschichte der Vereinigten Staaten« (deutsche Ausg., Stuttg. 1878), Illustrationen zu Longfellows »Evangeline« und zu Shakespeares Dramen.
 
Artikelverweis 
Darling (engl.), Liebling.
 
Artikelverweis 
Darling, größter Nebenfluß des Murray in Australien und mit 2870 km längster Fluß des Erdteils, entsteht aus den Quellflüssen Culgoa (von seiner nur 96 km von der Ostküste entfernten Quelle in den Darling Downs Condamine genannt) und Barwan, der links den Macintyre, Gwydir, Namoi, Castlereagh, Macquarie und Bogan empfängt, nimmt, südwestlich fließend, (aber nur höchst selten) den Warrego auf, wendet sich dann südlich und mündet bei Wentworth in den Murray. Bei Hochwasser gehen Dampfer bis über Bourke (an der Eisenbahn nach Sydney) hinaus. An seinen Ufern wird nur Viehzucht betrieben; doch sind bereits mehrere ansehnliche Ortschaften (Bourke, Wilcannia, Menindie, Wentworth) entstanden.
 
Artikelverweis 
Darling Range (spr. rēndsch), Gebirgszug an der Südwestküste des Staates Westaustralien, läuft der Küste parallel und erreicht im Mount William 1097 m.
 
Artikelverweis 
Darlington, Stadt (municipal borough) im S. der engl. Grafschaft Durham, am Skerne, in fruchtbarer Gegend, mit einer im 12. Jahrh. erbauten, 1865 restaurierten Kirche (St. Cuthbert), einer Lateinschule, einem Lehrerinnenseminar, hat Werkstätten für den Bau von Lokomotiven, Eisenhütten und Walzwerke, hat lebhaften Verkehr und zählt (1900) 44,496 Einw., darunter zahlreiche Quäker. Zwischen Stockton und D. fuhr 1825 die erste Eisenbahn mit Lokomotiven.
 
Artikelverweis 
Darlington, William. Botaniker, geb. 28. April 1782 zu Birmingham in Pennsylvanien, gest. 23. April 1863 in Westchester, erforschte die Flora seiner Heimat (»Flora cestrica«, Philad. 1837), dann der Vereinigten Staaten (»Agricultural botany«, das. 1847) und machte 1806 als Schiffsarzt eine Reise nach Ostindien, deren Ergebnisse er in den »Letters tr om Calcutta« veröffentlichte.
 
Artikelverweis 
Darlingtonĭa Dec., Gattung der Sarraceniazeen, mit der einzigen Art D. californica Torr, et Gray, an sumpfigen Stellen der Sierra Nevada, ist ausdauernd, mit wurzelständigen, etwa 30 cm langen Schlauchblättern, deren Deckel mit einem geschwänzten Anfang versehen ist. Die Innenseite des Schlauches ist mit abwärts gerichteten Haaren besetzt, so daß hineinkriechende Insekten sicher gefangen werden, und besitzt Drüsen, die eine wässerige Flüssigkeit absondern. Die ansehnlichen, purpurrötlichen Blüten stehen einzeln nickend auf 60120 cm hohen, mit kleinen Blättchen besetzten Stengeln, und die Frucht ist eine längliche, vielsamige Kapsel. S. Tafel Meyers »Insektenfressende Pflanzen«, Fig. 10.
 
Artikelverweis 
Darm (Darmkanal, Darmrohr, Intestinum), der Verdauungskanal der Tiere, der sich meistens in drei Abschnitte sondert: Vorderdarm (mit Speiseröhre und Kaumagen), Mitteldarm (eigentlichen Magen) und Hinterdarm. Nur der Mitteldarm und ein Teil des Hinterdarms dienen alsdann zur Verdauung, während der vordere meist nur die Zuleitung (durch den Mund), die Zerkleinerung und Auflockerung (Vorverdauung) der Speisen besorgt. Die unverdauten Reste gelangen durch den Endabschnitt des Hinterdarius, den En d- oder Mastdarm, mittels des Afters nach außen. Im engern Sinne, namentlich bei den Wirbeltieren, versteht man unter D. die auf den Magen folgenden Teile des Darmkanals, die sich gewöhnlich von dem weiten Magen durch größere Enge (Dünndarm) unterscheiden und häufig sehr lang sind. Die Strecke des Dünndarms unmittelbar nach dem Magen wird bei den Säugetieren Zwölffingerdarm, der Rest Dünndarm im engern Sinne genannt, bis auf das letzte Stück, das nach seiner bedeutendern Weite Dickdarm heißt und meist auch einen Blinddarm zum Anhang hat, dessen Funktion dunkel ist. Drüsige Anhänge des Vorderdarms sind die Speicheldrüsen, des Mitteldarms Leber und Bauchspeicheldrüse. Bei manchen Fischen sitzen am Anfang des Mitteldarms dicht am Pförtner des Magens die sogen. Pförtneranhänge (appendices pyloricae), d. h. Blindschläuche von verschiedener Form und Gruppierung; auch hat wohl der ganze Mitteldarm innen eine spiralig verlaufende Schleimhautfalte (Spiralklappe), welche die innere Oberfläche des Darmes vergrößert und zugleich der Nahrung einen längern Weg vorschreibt, also ihre bessere Ausnutzung ermöglicht. Bei den Vögeln ist der Blinddarm paarig, bei den Säugern unpaarig oder fehlt auch ganz (Bären); sein Ende verkümmert oft und bildet so den Wurmfortsatz (Nager, Affen, Mensch). Das kurze Endstück des sehr verschieden langen Hinterdarms, der Mastdarm, mündet bei den meisten Wirbeltieren zusammen mit den Gängen der Harn- und Geschlechtswerkzeuge in einen besondern Raum, die Kloake, bei den Säugetieren (mit Ausnahme der Schnabeltiere) jedoch durch den Äster direkt nach außen; auch am Ende des Mastdarms befinden sich bei manchen Wirbeltieren drüsige Anhänge.
   Beim Menschen (s. die Tafeln »Eingeweide I-III« und Tafel Meyers »Blutgefäße«, Fig. 4) liegt der D. in der

[Bd. 4, Sp. 520]


Bauch- und Beckenhöhle und ist beim Erwachsenen im Durchschnitt 8 m, also etwa fünfmal so lang wieder Körper. Der vorderste Abschnitt heißt Zwölffingerdarm (intestinum duodenum), weil seine Länge etwa der Breite von zwölf Fingern entspricht. Er hat bei mittlerer Füllung einen Durchmesser von etwa 4 cm und umfaßt mit einer nach rechts gewendeten Schlinge die Bauchspeicheldrüse; in ihn münden der Ausführungsgang dieser Drüse sowie der Gallengang gemeinschaftlich ein. Der eigentliche Dünndarm ist ein 48,5, gewöhnlich 5,56 m langes, in vielfache Schlingen gelegtes Rohr; seine ersten zwei Fünftel heißen Leerdarm (i. jejunum), der Rest Krummdarm (i. ileum). Dem letztern folgt der Dickdarm (i. crassum) mit einer Länge von 1,12,3, meist 1,31,6 m und einer Weite von 46 cm; an der Grenze von beiden befindet sich innen eine kreisförmige Schleimhautfalte, die sogen. Bauhinsche oder Blinddarmklappe (valvula Bauhini s. coli). Der Dickdarm besitzt als sackförmigen Anhang den Blinddarm (i. coecum), von 68 cm Länge; dieser endet mit dem 57 mm weiten und etwa 58 cm langen Wurmfortsatz (processus vermiformis). Der Dickdarm steigt zunächst bis zur Leber empor (aufsteigen der Grimmdarm, colon ascendens); dann geht er als Quergrimmdarm (c. transversum) am Magen links zur Milz hinüber; hier biegt er um und verläuft als absteigen der Grimmdarm (c. descendens) links abwärts, bildet dann eine S-förmige Krümmung (flexura sigmoidea oder S romanum) und geht zuletzt in den etwa 16 cm langen Mastdarm (intestinum rectum) über. Dieser senkt sich gerade von oben nach unten und mündet durch den After nach außen. Die Darmwand besteht aus drei Schichten; die äußerste (sogen. seröse) Haut (s. Tafel Meyers »Eingeweide III«, Fig. 1 r) gehört dem Bauchfell an und befestigt den D. in der Bauchhöhle. Die mittlere oder Muskelhaut besteht aus einer äußern Längsfaser- und einer innern Ringfaserschicht; die durch sie hervorgerufenen (peristaltischen) Bewegungen des Darmes gleichen somit denen eines Wurmes und schreiten vom Magen her gegen den After hin fort. (In umgekehrter Richtung verlaufen die antiperistaltischen Bewegungen, die den Inhalt des Darmes nach dem Magen zurückdrängen, so daß selbst Kot erbrochen werden kann.) Die Ringfaserschicht bildet am Ende des Mastdarms den innern Schließmuskel des Afters (sphincter ani internus), der durch den äußern (innerhalb gewisser Grenzen der Willkür gehorchenden) Schließmuskel unterstützt wird und schon im Ruhezustande den After leicht geschlossen hält. Die Längsfaserschicht erstreckt sich kontinuierlich über den ganzen Dünndarm, am Dickdarm beschränkt sie sich auf drei etwa 9 mm breite Bänder (taeniae coli), die sich erst weiter hinten über den ganzen Umfang verbreiten. Die innerste oder Schleimhaut ist weich, etwa 1 mm dick, an Blut- (c) und Lymph- (resp. Chylus-) Gefäßen (l), die in der untersten Lage der Schleimhaut, der Submukosa s, Geflechte bilden, sowie an Drüsen überaus reich und an ihrer freien Fläche mit einer Lage von Epithelzellen e überkleidet. Die Schleimhaut des Dünndarms ist in zahlreiche Querfalten (sogen. Kerckringsche Falten) gelegt und in ihrer ganzen Länge mit kleinen Zotten, den Darmzotten (villi intestinales) z (den stärker vergrößerten Durchschnitt einer Darmzotte s. Tafel Meyers »Eingeweide III«, Fig. 2; vgl. Verdauung), besetzt; durch sie wird die innere Fläche des Darmes bedeutend (auf das Fünffache) vergrößert, sie saugen aus dem Speisebrei den Chylus (s. d.) auf und führen ihn der Säftemasse des Körpers zu. Überall zwischen den Darmzotten kommen die sogen. Lieberkühnschen Drüsen d (s. d.) zur Absonderung des Darmsaftes (succus entericus) in ungeheurer Anzahl vor. Auf das Anfangsstück des Zwölffingerdarms sind die traubenförmigen Brunnerschen Drüsen beschränkt, die eine dem Bauchspeichel ähnliche Flüssigkeit absondern. Im ganzen Dünndarm finden sich kleine Lymphdrüsen oder geschlossene (sogen. solitäre) Follikel f, etwa von der Größe eines Hirsekorns (s. Meyers Lymphdrüsen), die sich im hintern Abschnitt des Dünndarms zu den sogen. Peyerschen Drüsen ff (s. d.) anordnen. Der Dickdarm enthält viele Falten von geringer Höhe, aber keine Zotten und wenige Drüsen. In Fig. 1 der Tafel III, der ein ideales Bild des Dünndarms darstellt, gibt B den Durchschnitt, A die Ansicht der Oberfläche mit den frei hervorragenden Zotten und den Öffnungen der Lieberkühnschen Drüsen a a, die an den Stellen fehlen, wo die Follikel das Epithel vorwölben. Die Arterien des Darmes stammen aus den beiden Gekrösarterien; die Venen münden in die Pfortader (s. Tafel Meyers »Blutgefäße«, Fig. 4); die Nerven (nervi splanchnici) gehören zum Sympathikus (s. d.). Über die Verrichtungen des Dünndarms s. Meyers Verdauung.
   Die Krankheiten des Darmes sind größtenteils Erkrankungen der Schleimhaut, die auf die Muskelschicht und den serösen Überzug des Darmes übergreifen können; sie sind sehr selten auf die Muskel- und Nervenschicht des Darmes beschränkt, selten auch ist die seröse Haut einziger Sitz des Leidens, da dasselbe dann gewöhnlich Teilerscheinung einer allgemeinen Bauchfellentzündung zu sein pflegt. Katarrh, Amyloidentartung, Blutungen etc. kommen gleich häufig in allen Teilen des Darmes vor, während vorwiegend die runden Geschwüre im Zwölffingerdarm, die typhösen Veränderungen im untern Teil des Dünndarms, die Ruhr im Dickdarm, die Syphilis im Mastdarm, die Tuberkulose vorwiegend im untern Dünndarm beobachtet wird. Für Geschwulstbildungen sind die Blinddarmklappe und der Mastdarm besonders disponiert. Die Geschwülste sind so überwiegend krebsiger Natur, daß die wenigen Schleimhautpolypen, Myome, Fettgeschwülste, die sonst noch vorkommen, dagegen ganz zurücktreten. Vgl. Nothnagel, Die Erkrankungen des Darms und des Peritoneum (2. Aufl., Wien 1903).
 
Artikelverweis 
Darmamyloid, Amyloidentartung (s. d.) des Darmes, befällt namentlich den Dünndarm und hat starke Diarrhöen zur Folge. Die Behandlung beschränkt sich neben der Regelung der Diät auf Anwendung von Opiaten.
 
Artikelverweis 
Darmanhang, s. Meyers Darmdivertikel.
 
Artikelverweis 
Darmatmung, s. Meyers Atmung, S. 55.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: