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Dardanellengeschirr bis Dareikos (Bd. 4, Sp. 513 bis 514)
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Artikelverweis Dardanellengeschirr, glänzend und farbenreich glasierte Fayencegefäße, die an der Dardanellenküste und im Innern Kleinasiens für den Hausgebrauch verfertigt werden. Bemerkenswert sind langhalsige Krüge mit blaugrüner, gelber und brauner Glasur und mit rohen Malereien, Vergoldungen und Reliefs. Hauptfabrikationsort ist Kutahia, wo die alte Fabrik, deren Blüte in das 14. und 15. Jahrh. fällt, wieder in Betrieb gesetzt worden ist.
 
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Dardanellenwind (Hellespontwind), ein aus ONO. wehender Wind, durch den in der trojanischen Ebene die Bäume nach WSW. geneigt sind.
 
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Dardăner, illyr. Volksstamm in Obermösien an der obern Morawa, der schließlich zur Bildung des rumänischen Volkstums mit beigetragen hat; in der Römerzeit wurden die D. stark zum Militärdienst herangezogen, was die Romanisierung dieses als Durchzugsgebiet wichtigen Landes beförderte. Kaiser Claudius H. war wahrscheinlich ein D., auch Konstantin stammte aus Naissus (Nisch) in diesem Gebiete. D. hießen auch die Bewohner der früh zu Grunde gegangenen Stadt Dardania am Fuß des Ida in Kleinasien (s. Dardanos) sowie die mit den Trojanern verbundenen Teukrer.
 
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Dardanĭa, Stadt und Landschaft, s. Dardaner.
 
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Dardănos, im Altertum Stadt in Troas, am Hellespont zwischen Ilion und Abydos gelegen, Kolonie der Äolier. Hier fand im Peloponnesischen Krieg 411 v. Chr. eine Seeschlacht zwischen den Athenern und Peloponnesiern, später Friedensschluß zwischen Sulla und Mithradates (84 v. Chr.) statt. Im Frieden mit Antiochos d. Gr. wurde D. für frei erklärt. Nach ihr heißen die Dardanellenschlösser (s. Meyers Dardanellen).
 
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Dardănos, nach griech. Mythus Sohn des Zeus und der Pleiade Elektra, der Stammvater des troischen Königshauses, zog aus der Heimat seiner Mutter, Arkadien, nach Samothrake und richtete hier den Dienst der großen Götter ein, deren Heiligtümer nebst dem Palladion seine erste Gattin Chryse von Athene als Mitgift erhalten hatte. Von hier durch eine große Flut vertrieben, fand D. in Phrygien bei König Teukros freundliche Aufnahme, der ihm Land zur Gründung einer Stadt, Dardania am Fuß des Ida, gab und seine Tochter Bateia vermählte. Sein Sohn ist Erichthonios, sein Enkel Tros, Vater des Ilos, Assarakos und Ganymedes; von Ilos, dem Gründer von Ilion oder Troja, stammt Laomedon, Vater des Priamos,

[Bd. 4, Sp. 514]


von Assarakos Kapys, Vater des Anchises und Großvater des Äneas. Nach späterer Sage stammt D. aus der etruskischen Stadt Kortona, so daß Äneas nach Italien als der Urheimat seines Geschlechts zurückkehrt.
 
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Dardesheim, Stadt im preuß. Regbez. Magdeburg, Kreis Halberstadt, an der Kleinbahn Heudeber-Mattierzoll, hat eine evang. Kirche und (1900) 1490 Einwohner.
 
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Dardistan (Land der Dardu, früher Darada, auch Jaghistan, d. h. Rebellenland, und Beloristan, s. Karte »Zentralasien«), Land in Hochasien, an den Südhängen des Hindukusch und Karakorum, im westlichsten Teil zu Afghanistan, im östlichsten zu Kaschmir gehörig, ist im mittlern Hauptteil noch ganz unabhängig und in eine Menge kleiner Gebirgsstaaten (Kafiristan, Tschitral, Swat, Kohistan, Jassin, Gilgit) zersplittert. Die Darden oder Dardu (Darada, von den angrenzenden Völkern Kandschut genannt, mit dem Hauptstamme der Schinaki oder Schinalok) sind arischen Stammes, breitschulterig, wohlgebaut, mit braunem, auch schwarzem Haar und braunen Augen, früher Buddhisten, dann Schiiten. Ihre Sprache ist eine sanskritische mit vielen Dialekten und Beimischung persischer Wörter. Auch bedient man sich persischer Schriftzeichen. Vgl. Leitner, Results of a tour in D. etc. (Lahore 186770, 4 Bde.) und spätere Veröffentlichungen desselben Verfassers.
 
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Dardschiling (Darjiling), Distrikt der Division Radschschahi in der britisch-ind. Provinz Bengalen, im östlichen Himalaja, begrenzt im W. von Nepal, im N. von Sikkim, im O. von Bhutan, 3015 qkm mit (1891) 223,314 Einw. (170,156 Hindu, 40,597 Buddhisten, 2496 Christen, darunter 1218 Europäer). Das Land wird im N. erfüllt von den malerischen Vorbergen des Himalaja (Phalalum 4000 m), im S. von dem sumpfigen Terai und wird durchflossen von der zum Brahmaputra ziehenden, wegen Stromschnellen schwer fahrbaren Tista. Die Wälder bergen wertvolle Holzarten; an den untern Berghängen und im mehr und mehr bebauten Terai werden Tee, Cinchona, Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln u. a. gewonnen. Im Terai finden sich Tiger, Rhinozerosse, Hirsche, Elefanten; die Bewohner züchten große Herden von Schafen, Büffeln und Rindern. Von nutzbaren Mineralien hat man Kohle, Eisen, Kupfer, Kalk und Schiefer gefunden. Das Klima ist sehr regenreich. Die Hauptstadt D., 2184 m ü. M., durch Eisenbahn mit Kalkutta verbunden, mit (1891) 13,037 Einw., hat eine mittlere Jahrestemperatur von 12,5°, ist Sommerresidenz des Lieutenant-Gouverneurs von Bengalen, zugleich Gesundheitsstation mit großartiger Heilanstalt, dem Eden-Sanatorium, einem buddhistischen Tempel, Kirche, Moschee, vielen Schulen, darunter einer höhern anglikanischen, einem Pensionat zur Heranbildung von Forschungsreisenden und Dolmetschern. Die indische Regierung erwarb 1835 zur Anlage einer Gesundheitsstation vom Radscha von Sikkim 357,5 qkm gegen eine Jahresrente, die indes seit 1850 wegen Mißverhaltens einbehalten wurde. Zugleich ward das Gebiet um 1657,5 qkm vergrößert, 1869 ein von Bhutan erworbener Landstrich hinzugefügt. Vgl. Hathorn, Handbook of Darjiling (1863).
 
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Dardu, Volksstamm, s. Meyers Dardistan.
 
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Dareikos, s. Daricus.

 

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