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Dar Banda bis Dardanellengeschirr (Bd. 4, Sp. 512 bis 513)
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Artikelverweis Dar Banda, Landschaft in Zentralafrika, mitten durchschnitten vom 7.° nördl. Br. und 23.° östl. L., bildet die Wasserscheide zwischen dem Flußgebiete des Schari und dem des Uëlle, wird von Niam-Niam bewohnt.
 
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Darbhangah, Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts (8637 qkm mit [1891] 2,801,955 Einw.) der Provinz Bihar der britisch-ind. Präsidentschaft Bengalen, mit prächtigem Palast des Maharadscha von D., betreibt starke Ausfuhr von Ölsaat, Ghi (flüssige Butter) und Bauholz und zählt (1901) 65,990 Einw. (meist Hindu).
 
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Darboux (spr. -bū), Jean Gaston, Mathematiker, geb. 14. Aug. 1842 in Nimes, besuchte seit 1861 die Pariser Normalschule, wurde 1873 Maître de conferences an dieser Anstalt und Professeur suppléant an der Sorbonne, 1881 Professor der höhern Geometrie ebenda und ist seit 1900 ständiger Sekretär der Pariser Akademie. Sein Hauptwerk sind die »Leçons sur la théorie générale des surfaces« (Par. 188796, 4 Bde.), das den gegenwärtigen Stand der Flächentheorie erschöpfend darstellt und auch viele eigne Untersuchungen von ihm enthält. Eine Fortsetzung dieses Werkes sind die »Leçons sur les systèmes orthogonaux« (Par. 1898, Bd. 1). Auch lieferte er eine Ausgabe der Werke von Fourier (1890, 2 Bde.). Von 18701902 gab er das »Bulletin des sciences mathématiques« heraus.
 
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Darboy (spr. -bŭa), Georges, Erzbischof von Paris, geb. 16. Jan. 1813 in Fayl-Billot (Obermarne), gest. 24. Mai 1871, wurde 1836 Pfarrgehilfe von St.-Dizier, 1840 Professor an dem Seminar in Langres und, nachdem er sich durch eine treffliche Übersetzung der Werke des Dionysius Areopagita (Par. 1845) bekannt gemacht, 1846 Almosenier des Collège Henri IV und Titularkanonikus der Metropole. 1855 wurde er zum Titulargeneralvikar von Paris, 1859 zum Bischof von Nancy, 10. Jan. 1863 zum Erzbischof von Paris befördert. Auch wurde er 8. Jan. 1864 Großalmosenier des Kaisers, 5. Okt. 1864 Senator, im August 1866 Mitglied des öffentlichen Unterrichtsrats. Er war von gemäßigter Haltung und ein Feind der jesuitischen Richtung, weswegen sich Pius IX. auch hartnäckig weigerte, dem vom kaiserlichen Hof sehr begünstigten Bischof die Kardinalswürde zu verleihen. Auf dem vatikanischen Konzil bestritt D. offen das Unfehlbarkeitsdogma, doch nach dessen Proklamierung fügte er sich stillschweigend. Nach seiner Rückkehr nach Paris im Juli 1870 blieb er sowohl während der Belagerung als nach dem Aufstande der Kommune auf seinem Posten. Am 4. April wurde D., um als Geisel für gefangene Kommunisten zu dienen, verhaftet und später nebst dem Präsidenten Bonjean, dem Pfarrer Deguerry und drei andern Geistlichen in dem Hofe des Gefängnisses von La Roquette erschossen. Am 5. Juni ward das feierliche Leichenbegängnis Darboys gehalten. Unter seinen Schriften sind noch zu erwähnen: »Les femmes de la Bible« (8. Aufl., Par. 1876); »Les saintes femmes« (4. Aufl. 1877); »La vie de saint Thomas Becket« (1860); »Œuvres pastorales« (1876, 2 Bde.). Seine Biographie schrieben Guillermin (Par. 1889) und Foulon (das. 1889).
 
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Darbysten (Darbychristen oder Plymouthbrüder), eine zwischen 1820 und 1830 in England entstandene Sekte, nach ihrem Stifter John Nelson Darby, vormaligem anglikanischen Geistlichen (geb. 18. Nov. 1800 in London, gest. 29. April 1882 zu Bournemouth in Südengland), benannt, erblickt in dem gegenwärtigen Kirchenwesen nur einen allgemeinen Abfall vom Christentum, eine »Bileamskirche«, erwartet die Wiederkunft Christi als demnächst bevorstehend und sucht sich in freier gottesdienstlicher Vereinigung ohne alle kirchliche Organisation und in Zurückgezogenheit vom weltlichen Treiben auf dieselbe vorzubereiten. Den Namen Plymouthbrüder erhielten die D., die sich selbst nur »Brüder« nennen, von der Stadt Plymouth, wo sie sich zuerst in größerer Anzahl um Darby sammelten. Vom anglikanischen Klerus verfolgt, wandte sich Darby 1838 nach Genf und 1840 nach Lausanne, wo er, durch die damaligen waadtländischen Dissidentenbewegungen unterstützt, zahlreiche Anhänger fand. In spätern Jahren machte er auf zahlreichen Reisen Propaganda; auch Deutschland hat er öfter besucht. Darbys Schriften sind in bis jetzt 34 Bänden (Lond., seit 1866) erschienen. 1902 wurden in Westfalen und im Rheinland je 800, in Nassau 1100 D. gezählt, in Württemberg, Bayern, Thüringen nur vereinzelte Gemeinden. Verlag darbystischer Schriften bei Brockhaus in Elberfeld. In den Vereinigten Staaten zählt man 1902: 6661 mit 314 Gemeinden. Dort erscheint die Zeitschrift. »Botschafter des Heils in Christo«. Vgl. Loofs in der »Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche« (4. Bd., Leipz. 1898); Neatby, History of the Plymouth Brethren (2. Aufl., Lond. 1902); Sandmann, John Nelson Darby (Mülheim 1902).
 
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Darc, s. Meyers Jeanne d'Arc.
 
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D'Arcet (spr. darßä), Jean Pierre Joseph, Chemiker, geb. 31. Aug. 1777 in Paris, gest. daselbst 2. Aug. 1844 als Generalmünzwardein und Mitglied des Generalkonseils der Fabriken und Manufakturen und des Salubritätskonseils im Depart. Seine. Er verbesserte die Pulverfabrikation und die Darstellung der Bronze und bronzeartigen Legierungen, entdeckte, daß zinnreiche Bronze durch wiederholtes Ablöschen hämmerbar und sehr zäh wird, gab die Zusammensetzung eines sehr leichtflüssigen Metalls an und erfand 1802 das Verfahren zur Scheidung des Goldes vom Silber mit Hilfe von Schwefelsäure. Auch untersuchte er die nährenden Bestandteile der Knochen, lehrte die Darstellung von Knochenleim, die Benutzung der Knochen als Dünger und die Verarbeitung der Kastanien auf Zucker; ferner bemühte er sich um die Beseitigung der schädlichen Einflüsse bei verschiedenen Gewerben und schrieb über die gesundheitsgemäße Einrichtung der Hospitäler.
 
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D'Arcets Metall, s. Meyers Wismutlegierungen.
 
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Dardanariāt, Getreidewucher, abgeleitet von Dardanarius, einem berüchtigten römischen Kornwucherer. S. Meyers Wucher.
 
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Dardanellen, die nach der alten Stadt Dardanos (s. d.) benannten vier festen Schlösser beiderseits der Meerenge Hellespont, die als Schlüssel von Konstantinopel geuen (s. das Sonderkärtchen auf der Karte »Mittelmeerländer«). Den 4 km breiten Eingang aus dem Agäischen Meer bewachen die 1658 von Mohammed IV. angelegten neuen Schlösser Seddil Bahr auf europäischer und Kum Kalessi auf

[Bd. 4, Sp. 513]


asiatischer Seite. 20 km nordöstlich davon liegen an der engsten Stelle die alten Dardanellenschlösser, die Mohammed II. gleich nach der Eroberung Konstantinopels erbauen ließ: Kilid Bahr (»Meeresriegel«) in Europa und Kale Sultanîe (Tschanak-Kalessi) in Asien. Weiter nördlich wurden seit 1867 Küstenbatterien erbaut: auf asiatischer Seite die Batterie Medschidîe, unweit nördlich von Kale Sultanie, und Nagara, an der Stelle des alten Abydos, auf europäischer Seite Namasigja südlich und Degirmenburun und Tscham Burun nördlich von Kilid Bahr. Der seit 1878 erheblich angewachsene Handel der D. konzentriert sich im Hafen von Kale Sultanîe (Dardanellia), wo sich ein deutsches Konsulat befindet. Die Ufer zieren in reichem Wechsel Weingärten, Hecken und Dörfer. Am Ausgang liegt als bedeutendste Uferstadt Gallipoli, nach der die Meerenge auch Straße von Gallipoli genannt wird, gegenüber in Asien Lapsaki (Lampsakos), ein unbedeutendes Dorf mit schöner Moschee. Die Dardanellenstraße wird gebildet durch die kleinasiatische Küste und die schmale, geologisch zu Asien gehörende Halbinsel von Gallipoli und ist nach Alter und Entstehung eine dem Bosporus (s. d.) ähnliche Talfurche von 1,37,4 km Breite und 71 km Länge. Sie hat einige Untiefen und eine nach dem Mittelmeer gerichtete Strömung von 2,57 km Geschwindigkeit, der eine entgegengesetzt fließende Unterströmung entspricht.-
   405 v. Chr. wurde hier am Ägospotamoi (»Ziegenfluß«), südlich von Gallipoli, durch Wegnahme der athenischen Flotte seitens der Spartaner unter Lysandros der Peloponnesische Krieg entschieden. Am Eingang der D. wurden die Türken 1499 und 20. Juli 1657 von den Venezianern besiegt; dagegen wurde die venezianische Flotte 1694 dort geschlagen. Trotz der Dardanellenschlösser drang 1770 ein russisches Geschwader unter Admiral John Elphinston in die Meerenge ein, und 20. Febr. 1807 erschien der englische Admiral Sir John Th. Duckworth mit acht Linienschiffen, vier Fregatten nebst mehreren Brandern und Bombardierbooten vor Konstantinopel. Wie schon früher, so willigte auch in dem Friedensvertrag von 1809 England in die Forderung der Pforte, daß kein nichttürkisches Kriegsschiff in die Dardanellenstraße und in den Bosporus einlaufen dürfe. Und 13. Juli 1841 wurde zu London ein Vertrag zwischen den fünf europäischen Großmächten und der Pforte unterzeichnet, kraft dessen in Friedenszeiten kein nichttürkisches Kriegsschiff in die D. einlaufen dürfe; nur durften die Vertragsmächte je ein leichtes Kriegsschiff im Dienste der Gesandten (Kommissionsschiff, mit Konstantinopel als Station) durchfahren lassen. Benn Beginn des orientalischen Krieges (Juni 1853) ankerte die englisch-französische Flotte im S. von Kum Kale in der Besikabai, von wo sie Ende Oktober in die Dardanellenstraße einlief und 3. Nov. in der Beikosbai Anker warf. Im ersten Anhang zu den Pariser Friedensartikeln von 1856 wurde der Vertrag von 1841 der Hauptsache nach bestätigt; doch behielt sich der Sultan vor, je zwei weitern leichten Kriegsschiffen der fremden Mächte die Durchfahrt zu gestatten, damit sie an den Donaumündungen die Schiffahrtsfreiheit auf der untern Donau überwachen könnten; die Befestigungen an den D. wurden darauf von der Pforte bedeutend erweitert und verstärkt. Nachdem das Londoner Protokoll vom 13. März 1871 die seit 1856 bestehende Schließung der D. für Kriegsschiffe aufgehoben hatte, indem die D. und der Bosporus im Frieden den Kriegsschiffen aller befreundeten und verbündeten Mächte geöffnet werden durften, legte der Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878 (Art. 63) dem Sultan von neuem die Pflicht auf, kein fremdes Kriegsschiff die D. passieren zu lassen. 1891 schloß die Pforte mit Rußland ein Abkommen, das den Schiffen der unter Handelsflagge fahrenden, nicht armierten sogen. Freiwilligen russischen Flotte die Durchfahrt, nach vorheriger Anzeige auch mit Soldaten oder Sträflingen, gestattete. 1895 räumte die Türkei den Signatarmächten von 1878 (nicht aber Nordamerika, Spanien, Holland und Griechenland) das Recht ein, je ein zweites leichtes Kriegsschiff als Kommissionsschiff durch die D. laufen zu lassen, ohne Anker werfen zu dürfen. Vgl.***, La mer Noire et les détroits de Constantinople (Par. 1900).
   Kleine D. heißen die beiden alten venezianischen Festen am Eingang des Meerbusens von Lepanto, der den Peloponnes von Mittelgriechenland scheidet: Kastro Rumelias auf dem Festland und Kastro Moreas im Peloponnes, im Altertum Antirhion und Rhion.
 
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Dardanellengeschirr, glänzend und farbenreich glasierte Fayencegefäße, die an der Dardanellenküste und im Innern Kleinasiens für den Hausgebrauch verfertigt werden. Bemerkenswert sind langhalsige Krüge mit blaugrüner, gelber und brauner Glasur und mit rohen Malereien, Vergoldungen und Reliefs. Hauptfabrikationsort ist Kutahia, wo die alte Fabrik, deren Blüte in das 14. und 15. Jahrh. fällt, wieder in Betrieb gesetzt worden ist.

 

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