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Dante da Majāno bis Danzel (Bd. 4, Sp. 505 bis 506)
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Artikelverweis Dante da Majāno, ital. Dichter, aus Majano bei Fiesole, blühte um 1290. Seine Gedichte gehören durch Inhalt und Form der Sizilianischen Dichterschule an. Seine Sprache ist roh und voll provenzalischer Wendungen, sein Ausdruck gezwungen, seine Bilder sind trivial, und der Inhalt seiner Poesien geht nicht über die gewöhnlichen Liebesbeteurungen und Liebesklagen hinaus. In einem Sonett verhöhnt er den jungen Dante Alighieri (s. d., S. 501). Seine Gedichte, darunter auch zwei Sonette in provenzalischer Sprache, sind neu herausgegeben mit vollständigen Literaturangaben von Bertacchi, Le rime di D. da M. (Bergamo 1896).
 
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Dante-Gesellschaft, s. Dante (S. 505).
 
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Dann, Vincenzo, ital. Bildhauer, geb. 1530 in Perugia, gest. 24. Mai 1576 in Florenz, war anfangs Goldschmied und bildete sich dann unter dem Einflusse A. Sansovinos und Michelangelos. Seine Hauptwerke sind die sitzende Bronzestatue des Papstes Julius III. beim Dom in Perugia, die Redlichkeit, die den Betrug entlarvt (Marmorgruppe im Garten Boboli zu Florenz) und die Bronzegruppe der Enthauptung Johannes des Täufers am Baptisterium zu Florenz.
 
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Dantier (spr. dangtjē), Henri Alphonse, franz. Historiker, geb. 1810 in Noyon, widmete sich dem Lehrfach und wurde von der Regierung wiederholt zu wissenschaftlichen Untersuchungen nach Italien, nach Belgien, Deutschland, England etc. entsendet. Von seinen Werken nennen wir: »Histoire du moyen-âge« (1852); »Études sur les Bénédictins« (1864, 2 Bde.); »Les monastères bénédictins d'Italie« (1866, 2 Bde.); »L'Italie, études historiques« (1874, 2 Bde.) und »Les femmes dans la société chrétienne« (1878, 2 Bde.), die drei letztgenannten preisgekrönt.
 
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Dantiscus, Johannes (poln.: Jan Dantyszek), eigentlich Flachsbinder, auch von Höfen

[Bd. 4, Sp. 506]


(a Curiis), neulatein. Dichter, geb. 31. Okt. 1485 in Danzig (daher D.), gest. 27. Okt. 1548 in Frauenburg, trat noch vor 1501 in die Dienste des polnischen Hofes, bereiste 15041505 die Küsten Griechenlands, Palästina, Italien, studierte dann in Krakau, war seit 1509 Sekretär und Botschafter des polnischen Königs Siegmund I., erhielt 1530 das Bistum Kulm und wurde 1537 Fürstbischof von Ermeland. Seine Gedichte, z. T. gesammelt von Böhm (Bresl. 1764), meist Gelegenheitsgedichte, zeichnen sich durch Klarheit der Gedanken und Reinheit der Sprache aus. Vgl. Czaplicki, De vita et carminibus J. de Curiis Dantisci (Bresl. 1855).
 
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Danton (spr. dangtong), Georges Jacques, einer der hervorragendsten Männer der französischen Revolution, geb. 28. Okt. 1759 in Arcis-sur-Aube, gest. 5. April 1794, beim Beginn der Revolution 1789 Advokat in Paris, vergeudete in grenzenloser Liederlichkeit seine geringen Einnahmen. Mirabeau aber erkannte in ihm eine bedeutende Stütze seiner Pläne. Dantons Gestalt war kolossal, seine Stimme von durchdringender Gewalt, das Gesicht häßlich, von Pockennarben zerrissen, aber doch imponierend, das kleine Auge stechend und kühn, seine Rede phantastisch und ergreifend. Er besaß eine rücksichtslose Energie und einen scharfen, praktischen Blick. Am 14. Juli 1789 begeisterte er die Massen zum Angriff auf die Bastille. Bald darauf klagte er im Sinne der Jakobiner 10. Nov. 1790 die Minister bei der Nationalversammlung an und stiftete mit Camille Desmoulins, Fabre d'Eglantine und Marat den Klub der Cordeliers, der den Klub der Jakobiner bald in politischem Fanatismus überbot. Mit dem Herzog von Orléans trat er in engere Verbindung und ward ein Genosse seiner wüsten Orgien. Die Erstürmung der Tuilerien und den Sturz des Königtums 10. Aug. 1792 bereitete er hauptsächlich vor, und nach dem Sieg des Pariser Pöbels setzte er seine Ernennung zum Justizminister durch. Das Vorrücken der feindlichen Heere in der Champagne und das Wiederauftauchen der royalistischen Partei in Paris gaben ihm den Vorwand zur Organisierung der Septembermorde. D. ließ sich hierbei nicht von Grausamkeit und Blutdurst leiten, denn einzelnen, die ihn um Rettung anflehten, z. B. Dupont, Barnave, Lameth und dem Abbé Barthélemy, ließ er solche angedeihen, vielmehr wollte er durch die Bluttat den Royalisten Angst einjagen. Als der Konvent zusammentrat, legte D. sein Ministerium nieder und begab sich 30. Nov. 1792 mit Lacroix nach Belgien, um das revolutionäre Element auch dort auszubreiten. Da seine Anerbietungen eines engern Bundes zur Bekämpfung der Pöbelherrschaft von den Girondisten mit Abscheu zurückgewiesen wurden, trug er zum Sturze der letztern bei, aber wünschte nicht deren Hinrichtung. Diese Mäßigung machte ihn verdächtig; obgleich er das Gesetz des Maximum (Brottaxe) sowie die Besoldung der Sansculotten noch durchsetzte, sank sein Ansehen täglich. Er begab sich nun nach seiner Heimat Arcis und heiratete. Im November 1793 kam er nach Paris zurück, entschlossen, dem widerlichen Treiben der Hébertisten ein Ende zu machen. Er vertraute auf die Mitwirkung Robespierres, doch dieser benutzte den Kampf zwischen den Dantonisten und den Hébertisten, um erst diese, dann jene zu stürzen. In der Nacht vom 31. März zum 1. April 1794 wurde D. verhaftet. Am 3. April erschien er mit seinen Freunden Desmoulins, Westermann, Lacroix, Phélipeaux etc. vor dem Revolutionstribunal unter willkürlichen Anschuldigungen. D. behandelte die Richter mit Verachtung und rief bei der Verkündigung des Todesurteils: »Man opfert uns einigen feigen Räubern, aber sie werden ihren Sieg nicht lange genießen; ich ziehe Robespierre nach. Der Feige! ich allein besaß die Macht, ihn zu retten.« D. bestieg mit seinen Freunden das Schafott. Als das Volk an der Guillotine Beifall brüllte, rief er: »Schweig still, undankbares Volk!« Sein Geschick gab G. Büchner Stoff zu einem Drama. 1891 wurde ihm in Paris ein Standbild errichtet. Vgl. Bougeart, Danton; documents authentiques (Brüssel 1861); Robinet, D., homme d'État (Par. 1889); Beesley, Life of D. (Lond. 1899).
 
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Dantschenko, s. Nemirowitsch-Dantschenko.
 
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Danubĭus, Fluß, s. Meyers Donau.
 
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Danvers (spr. dännwers), Stadt in Massachusetts, Grafschaft Essex, 4 km von Salem, mit Irrenhaus und Schuhfabriken, zählt (1900) 8542 Einw.
 
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Danville (spr. dännwill', 1) Hauptstadt der Grafschaft Vermillion im nordamerikan. Staat Illinois, am Vermillion River, Bahnknotenpunkt, mit einem Bundesinvalidenhaus, treibt Kohlengruben, Mühlen, Gießereien und hat (1900) 16,354 Einw. 2) Hauptstadt der Grafschaft Boyle in Kentucky, mit Taubstummeninstitut, höhern Schulen und (1900) 4285 Einw. 3) Hauptstadt der Grafschaft Montour in Pennsylvanien, am östlichen Susquehanna und am Pennsylvaniakanal, hat ein Irrenhaus, betreibt Eisenhütten, Walzwerke und hat (1900) 8042 Einw. 4) Stadt in Virginia, am schiffbaren Dan, dicht bei der Grenze von Nordcarolina, ist einer der hervorragendsten Tabakmärkte und Tabakindustrieplätze der Welt, mit (1900) 16,520 Einw.
 
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Danzel, Theodor Wilhelm, Literarhistoriker, geb. 4. Febr. 1818 in Hamburg, gest. 9. Mai 1850 in Leipzig, besuchte das Johanneum und akademische Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte seit 1837 in Leipzig, Halle und Berlin und habilitierte sich 1845 an der Universität Leipzig. Außer durch die Schriften »Über Goethes Spinozismus« (Hamb. 1843) und »Über die Ästhetik der Hegelschen Philosophie« (das. 1841) erwarb er sich Verdienste durch seine sehr gediegenen, aber schwerfällig geschriebenen Werke: »Gottsched und seine Zeit« (Leipz. 1848) und »G. C. Lessing, sein Leben und seine Werke« (Bd. 1, das. 1850; Bd. 2, hrsg. von Guhrauer, 185354; neue Aufl. von v. Maltzahn und Boxberger, Berl. 1881), die jetzt freilich längst überholt sind. »Gesammelte Aufsätze« von D. gab Otto Jahn (Leipz. 1855) heraus.

 

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