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Dansville bis Danubĭus (Bd. 4, Sp. 500 bis 506)
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Artikelverweis Dansville (spr. dännswill), Ort im NW. des Staates New York, Grafschaft Livingston, im Geneseetal, mit Kaltwasserheilanstalt und (1900) 3633 Einw.
 
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Dantan (spr. dangtāng), 1) Jean Pierre, franz. Bildhauer, geb. 28. Dez. 1800 in Paris, gest. 6. Sept. 1869 in Baden-Baden, Schüler Bosios, bildete sich auf der Akademie in Paris und dann zu Rom, wo er sich dem Porträt zuwendete. Schon in Italien schuf er Karikaturstatuetten, in denen er das physisch Lächerliche in Physiognomie oder Gestalt hervorhob, und durch die er sich, besonders nach seiner Rückkehr nach Frankreich (1830), einen großen Ruf erwarb. Unter ihnen befinden sich die von Talleyrand, Wellington, Brougham, d'Orsay, O'Connell, dem Herzog von Cumberland, König Wilhelm IV., Rossini, Victor Hugo, Soulier und Liszt. Fast von allen Berühmtheiten Frankreichs fertigte er kleine Porträtgipsbüsten und große Büsten.
   2) Edouard, franz. Maler, Neffe des vorigen, geb. 26. Aug. 1848 in Paris, gest. durch Sturz aus dem Wagen 7. Juli 1897 in Villerville bei Trouville, trat in das Atelier von Pils ein und stellte 1869 sein erstes Bild, eine Episode aus dem Untergang von Pompeji, im Salon aus. Nach dem Kriege malte er teils Szenen aus der antiken Mythologie und Geschichte, keils, angeregt durch die Überlieferungen seiner Familie, Darstellungen von Bildhauerateliers, die sich durch Zartheit des Tones, durch naturwahre Charakteristik des Stofflichen und durch seine Lichtführung auszeichnen. 1872 erschien im Salon das Porträt seines Vaters (des Bildhauers Ant. Laurent D.), der an einer Marmorbüste arbeitet, 1874 ein Mönch als Holzbildhauer (Museum von Nantes), 1875 das Diskosspiel (Museum von Rouen), 1876 die Nymphe Salmacis, 1880 ein Atelierwinkel, in dem wiederum sein Vater, an einem Relief arbeitend, dargestellt ist (im Luxembourg-Museum zu Paris), 1881 das Frühstück des Modells im Maleratelier, 1884 eine Gipsformerei, 1887 der Abguß über der Natur (an einem weiblichen Modell), eine Töpferwerkstatt (in der Neuen Pinakothek zu München), 1890 der Bau eines Gewächshauses und 1893 eine Frauenprozession.
 
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Dante Alighieri (spr. alighjēri), der größte Dichter Italiens und einer der tiefsinnigsten Dichter aller Zeiten und Völker, wurde 1265, wahrscheinlich 30. Mai, in Florenz geboren und starb 14. Sept. 1321 in Ravenna. Er erhielt den Namen Durante, der in Dante abgekürzt wurde. Seine Familie gehörte zu den ältesten florentinischen Geschlechtern und stand auf seiten der Guelfen. D. selbst nennt als seinen Stammvater Cacciaguida (geb. um 1090, gefallen 1147 im Kreuzzug), der eine Alighieri zur Frau hatte. Einer ihrer Söhne (gest. um 1200) nahm den Namen der Mutter an und ward so Stifter des Geschlechts der Alighieri zu Florenz. Von dem Leben des Dichters

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ist nur wenig bekannt. Erst durch die gründlichen Forschungen der Neuzeit ist eine ganze Reihe unbegründeter Überlieferungen beseitigt worden. Von den Eltern Alighieris wissen wir nur, daß sein Vater, der zweimal vermählt war, gegen 1280 starb, und daß seine Mutter Bella, die erste Frau Alighieris, noch jung war, als sie den Ihrigen durch den Tod geraubt wurde. Auf Dantes geistige Entwickelung übte bedeutenden Einfluß der gelehrte Staatssekretär der Republik, Brunetto Latino, der ihm ein väterlicher Freund war. Der Studiengang des Dichters läßt sich nicht genauer verfolgen, doch zeigt sein Jugendwerk, das 1292 beendete »Neue Leben«, schon eine Menge Kenntnisse, z. B. eingehende Belesenheit in den provenzalischen Trobadors. D. beschäftigte sich auch mit den heitern Künsten; er war Freund des Sängers Casella, der Maler Giotto und Oderisi und zeichnete selbst. Sein erstes erhaltenes Sonett dichtete er mit 18 Jahren. Es war an alle Dichter gerichtet und wurde von Guido Cavalcanti (gest. 1300) freundlich beantwortet, der dadurch Dantes innigster Freund wurde, dagegen höhnisch von Dante da Majano (s. d.). Dantes erste Lyrik hat ihre Quelle in der idealen Liebe zu der Tochter des angesehenen Florentiner Bürgers Folco Portinari, Beatrice, über die er selbst in seinem Erstlingswerk: »La vita nuova«, berichtet. Von dieser Jugendliebe blieb ihm der tiefste Eindruck, der sich allmählich zur völligen Verklärung Beatrices in seinem großen Gedicht gestaltete; sie war rein ideal, sie erstrebte nicht den Besitz der Geliebten und wurde auch nicht durch Beatrices Verheiratung beeinträchtigt. Da eine solche Neigung vielfach nicht verstanden wurde, suchte man Beatrice als bloße Allegorie oder Abstraktion zu fassen (vgl. dagegen D'Ancona, La Beatrice di D., in der »Vita nuova«, Pisa 1884, und Del Lungo, Beatrice nella vita e nella poesia del sec. XIII, Mail. 1891). In seiner Jugend nahm D. an den Kriegszügen seiner Vaterstadt teil, 1289 beteiligte er sich an der Schlacht bei Campaldino, in der die Florentiner Guelfen die Aretiner Ghibellinen besiegten. Bald darauf war er im Kriege gegen die Pisaner bei der Übergabe der Burg Caprona zugegen. Nach dem Tode Beatrices (19. Juni 1291) suchte D. in der Philosophie Trost und legte die poetischen Reflexe dieser Studien in seiner allegorischen und moralischen Lyrik nieder. Etwa um 1295 vermählte er sich mit Gemma dei Donati, die noch 1333 lebte. Dieser Che entstammten drei Kinder: Pietro, Jacopo und Antonia; Beatrice, die Nonne war, wird mit Antonia identisch sein. Fortan nahm der Dichter, der in die Zunft der Ärzte und Apotheker eintrat, eifrig am öffentlichen Leben seiner Vaterstadt teil. So saß er 1300 vom 15. Juni bis 15. Aug. im Kollegium der sechs Prioren, welches Amt für ihn die Quelle alles spätern Unglücks wurde. Florenz war in zwei, seit 1301 die »Weißen« und die »Schwarzen« genannten, Parteien geteilt, von denen die erstern mehr ghibellinisch gesinnt, die letztern dagegen unbedingte Anhänger des Papstes waren. Als die erbetene Vermittelung des Papstes scheiterte und die Haltung der Parteien bedrohlich wurde, wurden ihre angesehensten Mitglieder verbannt (24. Juni), aber bald darauf zurückberufen. Nach der Entdeckung einer Verschwörung der Schwarzen wurden deren Häupter im Juni 1301 aufs neue verbannt. Während dieser stürmischen Zeit (1301) trat D. noch mehrfach öffentlich auf. Von den Schwarzen gedrängt, schickte der Papst einen neuen »paciere« in der Person Karls von Valois, des Bruders Philipps des Schönen von Frankreich, nach Florenz. Dieser zog 1. Nov. in die Stadt ein und begünstigte die Schwarzen so sehr, daß sie in kurzer Zeit zur Herrschaft gelangten und die Gegenpartei schonungslos unterdrückten. Nach dem Scheitern eines abermaligen Versöhnungsversuches wurden 1302 über 600Weiße meist wegen erdichteter Vergehen zum Tod oder zur Verbannung verurteilt. Unter letztern befand sich D. Am 27. Jan. wurde ihm ein Dekret zugestellt, das seine Verbrechen aufzählte und ihn zur Zahlung von 5000 Fiorini piccioli, zum Schadenersatz für begangene Unterschlagungen etc., zu 2 Jahren Verbannung aus der Toskana und zum Ausschluß von allen Ämtern für immer verurteilte. Wenn er nicht nach 3 Tagen bezahle, verliere er sämtliche Güter. Am 10. März verdammte ihn ein neues Dekret zum Feuertode, wenn er in die Hände der Gemeinde falle. Die Fassung der Urteile setzt voraus, daß D. zurzeit der Katastrophe in Florenz anwesend war. Noch weniger als von Dantes Leben in Florenz wissen wir aus der Zeit seiner Verbannung. Die vertriebenen Weißen vereinigten sich mit den seit langem verbannten Ghibellinen und suchten sich der Stadt Florenz mit Waffengewalt zu bemächtigen. Am 8. Juni 1302 kam eine Anzahl hervorragender Familien im Chor der Kirche San Godenzo im Mugello zusammen, wobei auch D. zugegen war. Als Zwietracht innerhalb der Partei ausbrach, trennte sich D. von ihr, wahrscheinlich 1303, nach der Niederlage der Verbannten bei Castel Pulicciano (März). Zunächst wendete er sich nach Verona, wo ihm Bartolomeo della Scala Schutz gewährte (wohl schon 1303). Nach dessen Tode (8. März 1304) irrte D. in Italien umher, und die bitterste Not zwang ihn oft zum Betteln. Am 6. Okt. 1306 ist er urkundlich in Sarzana in der Lunigiana nachzuweisen, von wo er sich nach dem Casentino begab. Zwischen 1307 und 1310 scheint er sich in Lucca aufgehalten zu haben. Villani, Boccaccio u. a. sprechen auch von einer Reise nach Paris, die manche 1308 ansetzen; doch diese Reise ist zweifelhaft. Unsinnig ist die Annahme eines Aufenthalts in Oxford. Die Kunde von dem Römerzuge König Heinrichs VII. (Oktober 1310) erweckte neue Hoffnungen in D. Er eilte ihm entgegen und schrieb einen lateinischen Brief an die Fürsten und Völker Italiens, sich dem Kaiser zu unterwerfen. Aber gerade Florenz wurde der Herd der Widersacher des Kaisers. Da schleuderte D. 31. März 1311 von den Arnoquellen aus einen furchtbaren Brief gegen seine Vaterstadt und schrieb an Heinrich 18. April einen Brief, der ihn aufforderte, ungesäumt die Axt an die Wurzel alles Übels, Florenz, zu legen. Die Florentiner antworteten auf Dantes Brief damit, daß sie ihn nebst etwas über 1000 Guelfen ausdrücklich von einer Amnestie vom 2. Sept. 1311 ausschlossen. Die Belagerung ihrer Stadt im Sommer 1313 hatte keinen Erfolg, und schon 24. Aug. 1313 ereilte den Kaiser bei Siena der Tod. D. war nicht im Lager von Florenz. Nach ihrer Niederlage durch die Pisaner bei Montecatini 29. Aug. 1315 erneuerten die Florentiner 6. Nov. das Verbannungsdekret gegen D., seine Söhne und die andern Verbannten und schlossen sie 1316 auch von einer Amnestie aus. Die Siege der Ghibellinen in der Toskana waren aber nur vorübergehend. Die letzten Lebensjahre, sicher mehrere Jahre, verbrachte D. in Ravenna bei seinem Freunde Guido Novello da Polenta, dem Neffen der Francesca da Rimini, der seit seines Onkels Lamberto Tode (22. Juni 1316) Herr der Stadt war. Der Verkehr mit Can Grande della Scala, dem Herrn von Verona, um diese Zeit bestand in kürzern

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Besuchen. D. dachte sehr hoch von ihm und widmete ihm das »Paradies«, noch ehe es vollendet war (Brief vor 1318). Über den Zeitpunkt der Niederlassung Dantes in Ravenna fehlen genaue Angaben. Seine Söhne zogen mit ihm, und Pietro erhielt dort zwei Pfründen. Im Sommer 1321 ging D. in einer diplomatischen Mission seines Gastfreundes nach Venedig, erkrankte dort und wurde, dem Tode nahe, nach Ravenna zurückgebracht. Dort starb er 14. Sept. 1321 (vgl. Ricci, L'ultimo rifugio di D., Mail. 1891) und ward in der Marienkapelle der Kirche San Pietro Maggiore (jetzt San Francesco) in einem steinernen Sarge feierlich bestattet. Der Fürst selbst hielt ihm eine Leichenrede, und nur seine eigne Vertreibung im folgenden Jahre vereitelte seine Absicht, ihm ein prächtiges Denkmal zu errichten. 1329 wollte der Kardinallegat Bertrand du Poyet Dantes Gebeine als ketzerisch verbrennen lassen. Erst nach 1353 wurden bei einer Ausbesserung zwei Inschriften angebracht, die eine von Menghino Mezzano, die andre von Bernardo Canaccio. 1483 ließ Bernardo Bembo, Vater des Kardinals, die Grabstätte mit dem noch vorhandenen Relief von Pietro Lombardi schmücken. Als Leo X. die Gebeine 1519 nach Florenz überführen lassen wollte, fand man den Sarg schon leer. Durch den Kardinallegaten Domenico Maria Corsi ward 1692 die verfallene Grabstätte umfassend wiederhergestellt; 1780 erfuhr sie durch Luigi V. Gonzaga eine gründliche Umwandlung nach den Plänen Morigias. 1813 stellte Canova Dantes Marmorbüste im Pantheon zu Rom auf. Florenz forderte die Gebeine des Dichters, der in seinem letzten Willen ausdrücklich verlangt hatte, daß sie unter keinen Umständen an seine undankbare Vaterstadt ausgeliefert werden sollten, wiederholt (zuletzt noch 1864) zurück, aber immer vergeblich, und hat erst 1829 in Santa Croce ein Kenotaph von der Hand Riccis aufstellen lassen. 1373 errichtete Florenz einen besondern Lehrstuhl zur Erläuterung der Göttlichen Komödie, auf den Boccaccio berufen ward, und andre Städte, wie Pisa, Bologna, Mailand, folgten dem Beispiel nach. Raffael hat Dantes Bild im Vatikan in der Disputa und im Parnaß angebracht. Ein Freskobildnis des jugendlichen Dichters (wie man annimmt, von Giotto) wurde 1840 an einer Wand der Cappella del Podesta zu Florenz wieder aufgefunden. Vgl. zu den Dantebildern das Werk von F. X. Kraus (s. d.) und I. Krauß, Das Porträt Dantes (Berl. 1901).
   Dantes Tochter Antonia ist in einer Urkunde von 1332 erwähnt, Beatrice in einer von 1371. Von seinen Söhnen war der jüngere, Jacopo di D., bei dem Tode des Vaters in Ravenna und lebte noch 1342 in Florenz. Er verfaßte unter anderm einen unbedeutenden Kommentar zum »Inferno« (hrsg. Flor. 1848), eine Inhaltsangabe der »Commedia« in Terzinen und ein Lehrgedicht »Dottrinale« (kritische Ausg., Città di Castello 1895). Pietro lebte zuletzt als Richter in Verona und machte 1364 sein Testament. Er schrieb einen wichtigen lateinischen Kommentar zur »Komödie« (1340 gedruckt, Flor. 1845). Mit seiner Urenkelin Ginevra, die 1549 den Grafen Marcantonio Serego in Verona heiratete, ist Dantes direkte Nachkommenschaft erloschen. Wie über Dantes Leben genaue Nachrichten fehlen, so auch über die Abfassungszeit der einzelnen Werke. 1) Die früheste Schrift ist »Das neue Leben« (»La vita nuova«), eine zarte, innige Schilderung der Jugendliebe des Dichters. Eine Anzahl ihr entsprungener Gedichte sind durch einen Kommentar in Prosa verbunden, der teils über Anlaß und Bedeutung jedes einzelnen Gedichtes in schwungvoller, ergreifender Sprache Auskunft gibt, teils in trocken scholastischer Weise die Gedichte zergliedert. Die Verbindung der im Laufe der Jahre entstandenen Gedichte durch Prosatext fällt ins Jahr 1292. Die zum erstenmal Florenz 1576 gedruckte »Vita nuova« erlebte viele Ausgaben. Die besten sind die von d'Ancona (Pisa 1872, 2. Aufl. 1884), von Witte (Leipz. 1876) und von Casini (Flor. 1885, 2. Aufl. 1891). Becks kritische Ausgabe (Münch. 1896) ist völlig unzureichend. Deutsche Übersetzungen sind vorhanden von v. Oeynhausen (Wien 1824), Förster (das. 1841), Jacobson (Halle 1877), Wege (Leipz. 1879), Federn (Halle 1897). 2) »Das Gastmahl« (»Il convivio«) ist zwischen 1306 und 1309 verfaßt. Es wäre eine Enzyklopädie des Gesamtwissens der damaligen Zeit geworden, wäre es vollendet. Es sollte 14 philosophische und didaktische Kanzonen Dantes erklären und 15 Bücher enthalten, aber nur das einleitende Buch und drei weitere Traktate sind geschrieben. Die Darstellungsweise ist die schwerfällige und umständliche der Scholastik. Den Namen »Gastmahl« gab D. dem Buch, dem ersten Beispiel wissenschaftlicher italienischer Prosa, weil er die Erklärung gleichsam als Brot zu den Gerichten der Kanzonen auftischen wollte. Es ward zum erstenmal gedruckt Florenz 1490, am besten von Fraticelli (»Opere minori di D.«, s. unten) und mit reichhaltigem Kommentar von Giuliani (Flor. 1874, 2 Bde.); eine deutsche Übersetzung verfaßte Kannegießer (»Dantes prosaische Schriften«, Leipz. 1845). 3) Die lyrischen Gedichte Dantes (»Il Canzoniere«). Unter diesem Titel sind die Gedichte der »Vita nuova« und des »Convivio« und die dort nicht verwendeten gesammelt. Die Untersuchungen, ob alle D. zugeschriebenen Gedichte ihm angehören, sind noch nicht abgeschlossen. Die erste, ziemlich vollständige Ausgabe dieser lyrischen Gedichte bilden die vier ersten Bücher der »Sonetti e canzoni di diversi autori toscani« (Flor. 1527 u. ö.); neuere Ausgaben besorgten Fraticelli (das. 1861), Giuliani (das. 1863 u. 1868). Als Anhang zu den »Rime« und auch gesondert findet man »Rime spirituali« gedruckt, die jedoch unecht sind. Deutsche Übersetzungen der »Rime« veröffentlichten Kannegießer (»Dantes lyrische Gedichte«, mit einer Abhandlung von Witte, worin Echtes und Unechtes zu unterscheiden versucht wird; 2. Aufl., Leipz. 1842), Krafft (»Dantes lyrische Gedichte und poetischer Briefwechsel«, Regensb. 1859) und Wege (Leipz. 1879). Echtheit der Briefe ist noch nicht abgeschlossen. Deutsche Übersetzung ist von Kannegießer (Leipz. 1845). 6) Auch zwei lateinische »Eklogen« hinterließ D. Zuerst vollständig, aber fehlerhaft in »Carmina illustrium poetarum italorum« (Flor. 1718); besser nebst den beiden dazu gehörigen Gedichten des Giovanni del Virgilio bei Fraticelli (das. 1836 u. ö.), Giuliani (das. 1882), Pasqualigo (Lonigo 1887) und Wicksteed u. Gardner (Lond. 1901); deutsch von Kannegießer (Leipz. 1842) und Krafft (Regensb. 1859). Sie fallen frühestens in das Jahr 1318. 7) »De monarchia« (»Über die Monarchie«), Dantes politisches Glaubensbekenntnis, worin er das Kaisertum der Kirche ebenbürtig gegenüberstellt und eine weltliche Universalmonarchie fordert. Die Abfassung des Werkes fällt wohl sicher in Dantes letzte Lebensjahre (zuerst gedruckt Basel 1559). Die beste Ausgabe ist die Wittes (2. Aufl., Wien 1874); Übersetzungen von Heroldt (Basel 1559), Kannegießer (Leipz. 1845) und Hubatsch (Berl. 1872). Vgl. Hegel, Dante über Staat und Kirche (Rostock 1842); Böhmer, Über Dantes Monarchie (Halle 1866), und Buscaino Campo, D. e il potere temporale de' papi (Trapani 1893). 8) Die Abhandlung »Quaestio de aqua et terra« (»Über Wasser und Land«) ist wohl eine Fälschung des ersten Herausgebers, Moncetti. Zum jetzigen Stand der Frage vgl. Moore, Studies in Dante II (Oxf. 1899), und Boffito, Intorno alla »Quaestio de aqua et terra« (Turin 1902); zuerst gedruckt Venedig 1508; neu herausgegeben von Fraticelli (Flor. 1861) und von Giuliani (das. 1882). Eine Gesamtausgabe der »Opere minori« Dantes lieferte Fraticelli (Flor. 186162, 3 Bde.), der lateinischen Schriften Giuliani (das. 187882, 2 Bde.). Alle Werke Dantes (auch die zweifelhaften und unechten) in einem dünnen Bande von Moore (Oxf. 1894). Das Werk, das Dantes Namen unsterblich gemacht hat, ist die »Divina Commedia«. D. nennt es Komödie, »weil es furchtbar und häßlich beginnt und mit dem Schönen und Wünschenswerten endet« und in niedrigerm, anspruchsloserm Stil (in italienischer Sprache) verfaßt ist. Der Zusatz »divina« entstand erst nach des Dichters Tod und findet sich zuerst in Boccaccios »Vita di D.«; die erste Ausgabe mit der Bezeichnung »Divina Commedia« ist die von Venedig 1555. Vgl. Zenatti, La »divina« Commedia e il »divino« poeta (Bologna 1895). Das Gedicht ist eine Vision, die den Zustand und das Leben der Seelen nach dem Tod in den drei Reichen des Jenseits schildert, Hölle (Inferno), Fegefeuer (Purgatorio) und Paradies (Paradiso). Jede »Cantica« oder »Canzone« besteht aus 33 canti. Das Ganze umfaßt mit dem einleitenden Gesange 100 Gesänge in Terzinen, eine Form, die D. aus dem Serventese (s. d.) schuf. Die »Commedia« hat einen bis ins einzelnste ausgeführten architektonischen Bau. Das »Inferno« enthält (außer dem Vorhof) neun Höllenkreise, desgleichen das »Purgatorio« neun Räume: den Vorhof, sieben Büßerterrassen und das irdische Paradies auf dem Gipfel des Läuterungsberges. Das »Paradiso« endlich besteht aus neun kreisenden Himmeln, über denen das Empyreum als der unbewegliche Sitz der Gottheit ruht. Der Dichter unternimmt auf höheres Geheiß eine Wanderung durch diese drei Reiche des Jenseits. Er findet sich um die Mitte seines Lebens (1300) in einem wilden Wald verirrt; als er bei Tagesanbruch dessen Ende erreicht und einen sonnigen Berg erklimmen will, hindert ihn dacan die Erscheinung eines Panthers, eines Löwen und einer Wölfin. Im Begriff, wieder in die Tiefe des Waldes zurückzukehren, erscheint ihm der Schatten Vergils (die menschliche Vernunft und die Philosophie) und verkündet ihm, zu seiner Rettung müsse ein andrer Weg eingeschlagen werden; er selbst werde ihn führen und ihm auf dem Wege die verdammten Seelen in der Hölle und die büßenden im Purgatorium zeigen; wolle er noch höher, zu den Seligen emporsteigen, so müsse ihn dann eine würdigere Seele (Beatrice, Offenbarung und Theologie) geleiten. Die Ausführung dieser Wanderung bildet den Inhalt der Komödie. Während ihres Verlaufes werden Gespräche mit geschichtlich bekannten, zumeist erst kürzlich verstorbenen Menschen geführt, die bald Abscheu und Entsetzen, bald tiefe Wehmut erregen; tiefsinnige Fragen der Theologie und Philosophie werden gelegentlich erörtert, und die bürgerlichen und sittlichen Verhältnisse Italiens, die entarteten Zustände der Kirche wie des Staates werden mit edlem sittlichen Zorn geschildert, so daß sich die Dichtung zu einem umfassenden, erhabenen und ergreifenden, die ganze Subjektivität Dantes widerspiegelnden Zeitgemälde gestaltet. Namentlich sind es die beiden ersten Abteilungen des Gedichts, die durch die Kunst ihrer Anlage, die Mannigfaltigkeit und Anschaulichkeit ihrer Gestalten und das Interesse ihrer historischen Bezüge den denkenden und im Besitz der erforderlichen Vorbildung befindlichen Leser fortwährend fesseln, während sich die letzte Abteilung zwar durch höchste Erhabenheit der Gesinnung und Empfindung auszeichnet, aber doch wegen ihres durch und durch abstrakten Inhalts ermüden kann. An der Deutung des Gedichts als eines allegorischen Ganzen und seiner Allegorien im einzelnen haben sich die verschiedensten Denker auf die verschiedenartigste Weise versucht. Die moraltheologische Deutung, wie wir sie bei den ältesten Erklärern finden, ist die einzig haltbare. D. ist das Sinnbild der menschlichen Seele. Um den Weg der Sünde zu verlassen, muß sie sich selbst, vermittelst der durch die göttliche Gnade in Tätigkeit gesetzten Vernunft, erkennen. Diese gewährt ihr dann die Mittel, durch Reue und Übung der Tugend zur irdischen Glückseligkeit zu gelangen. Die Offenbarung und die Theologie erschließt ihr den Himmel. Ein Bestandteil dieser moralischen Allegorie ist die politische. Dem anarchischen Zustande der Welt kann nur die römische Universalmonarchie ein Ende machen. Vergil, ihr Symbol, verkündet einen Messias, der die Wölfin, die Begierde, den Ursprung alles Unrechts auf Erden, in die Hölle zurückjagen wird. Mit großer Kunst ist die Darstellung so eingerichtet, daß auch der Leser, der alles bloß als Geschichte, als poetische Darstellung der menschlichen Natur und des menschlichen Lebens betrachtet, gefesselt und von Bewunderung erfüllt wird; nur ist es erforderlich, daß er mit der Wissenschaft und der Denkweise des Mittelalters vertraut sei, wenn er zu wirklichem Verständnis und Genuß gelangen will. Vgl. Flamini, I significati reconditi della »Divina Commedia« e il suo fine supremo (Livorno 1903, Bd. 1).
   Wann D. sein großes Werk angefangen und wann er die einzelnen Teile vollendet habe, diese Fragen werden verschieden beantwortet. Selbst die historischen Bezüge im »Inferno« und »Purgatorio« können nicht als vollgültige Beweise für die Abfassungszeit gelten, da sie später hinzugefügt sein können. Vermutlich wurden die beiden ersten Gesänge noch zu Lebzeiten des Dichters veröffentlicht, das »Paradies« aber erst nach seinem Tode. Die »Divina Commedia« wurde

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bald in unzähligen Abschriften verbreitet. Die Zahl der erhaltenen Codices beträgt an 600. Vgl. de Batines, Bibliografia Dantesca (s. unten); Monaci, Sulla classificazione dei manoscritti della »Divina Commedia« (Rom 1888); Täuber, I capostipiti dei manoscritti della »Divina Commedia« (Winterthur 1889); Fiammazzo, I codici veneti della »Divina Commedia« (Wien 1889); Auvray, Les manuscrits de D. des bibliothèques de France (Par. 1893); Morpurgo, I codici riccardiani della »Divina Commedia« (Flor. 1893).
   [Ausgaben.] Die Zahl sämtlicher Ausgaben des berühmten Gedichts wurde 1882 auf 347 angegeben, wovon 15 auf das 15. Jahrh., 30 auf das 16. Jahrh., 3 auf das 17. Jahrh., 31 auf das 18. und 268 auf das 19. Jahrh. entfallen. Von größter Seltenheit sind die vier ältesten Drucke: Foligno, Jesi und Mantua (1472) und Neapel (wohl 1477). Alle vier sind diplomatisch abgedruckt von Lord Vernon (Lond. 1858). Wichtig sind die von Vendelin (Vened. 1477), die Nidobeatina (Mail. 1478) und die Giuntina (Flor. 1506). Auch die Ausgabe Florenz 1481, mit Landinos Kommentar, ist selten und wegen der in den vollständigen Exemplaren enthaltenen 19 Botticelli zugeschriebenen Kupfer (s. unten) geschätzt. Unverdientes Ansehen erwarb sich die Aldina (Vened. 1502), deren Text nunmehr von sämtlichen Ausgaben des 16. Jahrh. wiederholt und im wesentlichen auch der ersten Ausgabe der Crusca (Flor. 1595) zu Grunde gelegt wurde. Der Crusca-Text blieb zwei Jahrhunderte lang in ausschließlicher Geltung. Der erste, der seine Mängel erkannte, war Lombardi; seine Ausgabe erschien Rom 1791, 3 Bde. Noch mehr tat Dionisi für die Reinigung des Textes in seiner Ausgabe (Parma 1795, 3 Bde.). Die erste kritische Ausgabe ist die Wittes (Berl. 1862), die auf sorgfältigster Vergleichung vier korrekter Codices beruht (auch Textausgabe, 2. Aufl., Berl. 1892). Darauf und teilweise auf Moores »Contributions to the textual criticism of the, Divina Commedia'« (Cambridge 1889) beruhen die neuern Ausgaben, darunter die von Scartazzini (Leipz. 1874 bis 1882, 3 Bde., mit Kommentar, Bd. 1, neu 1900), der auch eine Handausgabe besorgte (Mail. 1893 u. ö., zuletzt von Vandelli, 1902), Casini (4. Aufl., Flor. 1895), Poletto (Rom 1894, 3 Bde.), Passerini (Flor. 189798), Toynbee (Lond. 1900), Moore (Oxf. 1900).
   Zur Illustration von Dantes »Göttlicher Komödie« vgl. Volkmann, Bildliche Darstellungen zu Dantes »Divina Commedia« bis zum Ausgang der Renaissance (Leipz. 1892); F. X. Kraus, D., sein Leben und sein Werk, sein Verhältnis zur Kunst und Politik (Berl. 1897).
   [Übersetzungen.] Zu den Übersetzungen der »Komödie« in die verschiedenen Sprachen vgl. Scartazzini, Dante-Handbuch (Leipz. 1892), S. 498ff., und »Dantologia« (Mail. 1894), S. 251ff., wo die Legende von altprovenzalischen Übersetzungen (es sind altfranzösische) wiederholt ist. Zu den französischen Übersetzungen vgl. auch Oelsner, D. in Frankreich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (Berl. 1898). Zu den deutschen Übersetzungen vgl. ferner Scartazzini, D. in Germania (Mail. 188183, 2 Bde.); Locella, Zur deutschen Dante-Literatur (Leipz. 1889). Wir erwähnen als die besten Übersetzungen die von Philalethes (König Johann von Sachsen) in reimlosen Jamben (Dresd. 182849, 3 Bde.; neue Ausg., Leipz. 186566, 3 Bde.; 4. Abdruck 1891); von Witte (Berl. 1865, 3. Aufl. 1876) in reimlosen Jamben; von Fr. Notter (Stuttg. 187172, 2 Bde.); von K. Bartsch (Leipz. 1887); von K. Bertrand (»Hölle« und »Fegefeuer«, Heidelb. 1887 u. 1891) in reimlosen Versen; wieder in Terzinen von O. Gildemeister (Berl. 1888, 2. Aufl. 1891), von Bassermann (»Hölle«, Heidelb. 1892) und die freie Bearbeitung in Stanzen von Pochhammer (Leipz. 1901).
   [Kommentare etc.] Es gibt zahllose Kommentare. Schon viele Manuskripte sind mit Kommentaren und Randglossen versehen, und die meisten Ausgaben sind erläutert. Die ältesten Kommentare sind der lateinische des Graziuolo de' Bambaglioli zum »Inferno« (1324; hrsg. von Fiammazzo, Udine 1892; eine ital. Übersetzung bereits Flor. 1848 von Lord Vernon), des Jacopo di Dante (1323 oder 1324 zum »Inferno«. hrsg. von Lord Vernon, Flor. 1848), des Jacopo della Lana (vor 1328, gedruckt in der Ausgabe der »Divina Commedia« von Vendelin de Spira, 1477; neue Ausg., Mail. 1865, Quart, und Bologna 1866), der unter dem Namen: »L'antico, il buono, l'ottimo« bekannte (spätestens 1338; hrsg. von Torri, Pisa 182729, 3 Bde.), der eines Anonimo zur »Hölle« (vor 1349, hrsg. von Selmi, Turin 1865, und Avalle, Città di Castello 1900, beide Male schlecht) und der lateinische des Pietro di Dante (1349, hrsg. von Nannucci, Flor. 1845). Dem 14. Jahrh. gehören ferner an der Kommentar des Boccaccio (hrsg. von Milanesi, Flor. 1863, 2 Bde.), der lateinische von Benvenuto Rambaldi von Imola (ital. Übersetzung, Imola 185556, 3 Bde.; lat. Text, Flor. 1887, 5 Bde.), der des Francesco da Buti (Pisa 185862, 3 Bde.) und vielleicht der des Florentiner Anonymus (hrsg. von Fanfani, Bologna 186674). Aus dem 15. Jahrh. stammt der von Guiniforte delli Bargigi zur »Hölle« (hrsg. von Zacheroni, Marseille 1838), der oben schon erwähnte Kommentar des Landino (zuerst Flor. 1481) und der 1886 von Promis und Negroni veröffentlichte von Stefano Talice da Ricaldone (2. Aufl., Mail. 1888, 3 Bde.); aus dem 16. Jahrh. sind Vellutello (Vened. 1544 u. ö.) und Bern. Daniello da Lucca (das. 1568) als Kommentatoren zu erwähnen. Vgl. Hegel, Über den historischen Wert der ältern Dante-Kommentare (Leipz. 1878); Rocca, Di alcuni commenti della Divina Commedia etc. (Flor. 1891). Von den neuern Erklärern sind als die wichtigsten hervorzuheben: Lombardi (Rom 1791, 3 Bde., u. ö.; am besten Padua 1822, 5 Bde.), Rossetti (Lond. 182627, 2 Bde.; nur die »Hölle«, unhaltbare Erklärung der Allegorie); Philalethes in seiner erwähnten Übersetzung, Tommaseo (Vened. 1837 u. ö., am besten Mail. 1865), Bianchi (9. Aufl., Flor. 1886), Fraticelli (3. Aufl., das. 1871; letzte 1886), de Marzo (das. 186482, 3 Bde.), Scartazzini (in seiner erwähnten Textausgabe), der das gesamte vorliegende Material kritisch verarbeitet; Lubin (Padua 1881), Casini (Flor. 1889), Berthier (Freiburg i. S. 1891ff.), Poletto (Rom 1894). Zu erwähnen ist auch die »Lectura Dantis« (Flor. 1900ff.), Erklärung einzelner Gesänge der »Göttlichen Komödie« von verschiedenen Forschern. Die Vorläufer Dantes behandelt d'Ancona (»I precursori di D.«. Flor. 1874). Von neuern deutschen Werken über D. sind, von den Biographien (s. unten) abgesehen, hervorzuheben: Ruth, Studien über D. (Tübing. 1853); Schlosser, Dante-Studien (Leipz. u. Heidelb. 1855); Pfleiderer, Dantes Göttliche Komödie, übersichtlich dargestellt (Stuttg. 1871); ferner Wittes gesammelte Aufsätze zur Dante-Literatur, »Dante-Forschungen« (Halle 1869 u. Heilbr. 1879, 2 Bde.); Scartazzini, Abhandlungen über D. (Frankf. 1880); vom katholischen Standpunkt.

[Bd. 4, Sp. 505]


Hettinger, Die Göttliche Komödie des D. etc. (2. Aufl., Freib. i. Br. 1889) u. a. In Frankreich brachten nicht unwichtige Beiträge zur Kenntnis Dantes und seiner Zeit: Fauriel in »D. et les origines de la littérature italienne« (Par. 1854, 2 Bde.), Ozanam in »D. et la philosophie catholique an XIII. siècle« (5. Aufl., das. 1869), K. Hillebrand in »Dino Compagni, étude historique et littéraire sur l'époque de D.« (das. 1862). In Deutschland gab das Dante-Jubiläum Anlaß zur Gründung der Dante-Gesellschaft, die sich 1865 in Dresden unter der Förderung des Königs Johann von Sachsen bildete und vier Bände ihres »Jahrbuchs« (Leipz. 186777) herausgegeben hat. In Amerika besteht seit 1881 die Dante-Society (Cambridge, Mass.), die einen »Annual Report« herausgibt. 1888 bildete sich die Società dantesca italiana, die ein sehr wichtiges Bullettino erscheinen läßt (seit 1890) und sämtliche Werke Dantes unter Mitwirkung der hervorragendsten Gelehrten kritisch herausgeben wird.
   Als Hilfsmittel zum Studium der »Divina Commedia« und der Werke Dantes dienen Blancs »Vocabolario Dantesco« (Leipz. 1852, ital. Übersetzung von Carbone, Flor. 1859,2. Ausg. 1877) nebst dem »Versuch einer bloß philologischen Erklärung mehrerer dunkeln u. streitigen Stellen der »Göttlichen Komödie« (Halle 186065, unvollendet; ital. von Occioni und Vassallo, Triest u. Bologna 186577), G. I. Ferraris »Enciclopedia Dantesca« (Mail. 186577, 5 Bde.), Boccis »Dizionario storico, geografico, universale della, Divina Commedia'« (Turin 1873), Polettos »Dizionario Dantesco« (Siena 188587, 7 Bde.); Scartazzinis »Enciclopedia Dantesca« (Mail. 189699, 2 Bde.); Toynbees »A dictionary of proper names and notable matters in the works of D.« (Oxford 1898). Bibliographische Verzeichnisse aller Ausgaben, Übersetzungen und Erläuterungsschriften geben de Batines' »Bibliografia Dantesca« (Prato 1846, 2 Bde.) mit den Ergänzungen von Bacchi della Lega (Bologna 1883), Biagi (Flor. 1888) und Ferrazzis »Manuale Dantesco« (Bassano 1865 bis 1877, 5 Bde.). Die Dante-Literatur von 18651879 enthält die »Bibliographia Dantea« von Petzholdt (2. Ausg., Dresd. 1880); speziell die deutsche: Scartazzinis Werk »D. in Germania« (Mail. 18811883, 2 Bde.). Der »Saggio di Bibliografia dantesca« von Perroni-Grande (Messina 19011903) enthält die Dante-Literatur von 19011902. Vgl. auch Lane, The Dante collection in the Harvard College etc. (Cambridge [Mass.] 1890); Koch, Catalogue of the Dante collection presented by W. Fiske (das. 18981900, 2 Bde.). Eine enzyklopädische Übersicht der ganzen Dante-Forschung bieten Scartazzinis »Dantologia« (Mail. 1883, 2. Aufl. 1894) und dessen »Prolegomeni della Divina Commedia« (Leipz. 1890; deutsche Bearbeitung u. d. T.: »Dante-Handbuch«, das. 1892). In Italien widmet sich der Dante-Forschung die Zeitschrift »L'Alighieri« (hrsg. von Pasqualigo, Verona 188993, 4 Bde.), die seit 1893 mit der »Rivista critica e bibl. della letteratura dantesca« zum »Giornale Dantesco« (hrsg. vom Grafen Passerini in Rom) verschmolzen ist, das erwähnte Bullettino della Società Dantesca italiana, die Collezione di opuscoli Danteschi (Città di Castello 1893ff., bis jetzt 76 Nummern) und die Biblioteca storico-critica della letteratura dantesca (Bologna 1899ff., bis jetzt 13 Nummern).
   [Biographische Literatur.] Die Lebensumstände des Dichters sind von keinem seiner Zeitgenossen ausführlich ausgezeichnet worden. Am zuverlässigsten sind die Angaben seines langjährigen Bekannten und Nachbarn Giovanni Villani in seiner »Chronik der Stadt Florenz« (IX, 136), und Boccaccios »Vita« (zwei Redaktionen, kritische Ausgabe von Macrì-Leone, Flor. 1888, und Rostagno, Bologna 1899) verdient vielmehr Glauben, als sie fand. Was Spätere, wie Filippo Villani, Bardini, Polentone, über D. veröffentlicht haben, hat geringe Bedeutung. Weit wichtiger ist die Biographie Dantes von Leonardo Bruni (Perugia 1617, Flor. 1672). Vgl. E. Moore, D. and his earlier biographers (Lond. 1890). Unterden neuesten Werken sind hervorzuheben: Todeschinis »Scritti su D.« (Vicenza 1872), I. Del Lungos (s. d.) verschiedene Schriften, Bartolis »Storia della letteratura italiana« (Flor. 188187, Bd. 46), Riccis »L'ultimo rifugio di D.« (Mail. 1891); Scherillos »Alcuni capitoli della biografia di D.« (Turin 1896): D'Ovidios »Studii sulla, Divina Commedia'« (Mailand-Palermo 1901) und Zingarellis »Dante« (Mail. 1903). Vgl. auch Biagi und Passerini, Codice diplomatico Dantesco (Rom 1895ff., bisher 7 Hefte Großfolio). Unter den deutschen biographisch-literarischen Werken über D. sind hervorzuheben: Wegele, Dantes Leben und Werke (3. Aufl., Jena 1879); Scheffer-Boichorst, Aus Dantes Verbannung (Straßb. 1882); Derselbe, D. im Exil (das. 1885); Gaspary in seiner »Geschichte der italienischen Literatur«, Bd. 1 (Berl. 1885; ital. Übersetzung, Turin 1887); Bassermann, Dantes Spuren in Italien (Heidelb. 1896, mit 67 Tafeln; kleine Ausg. 1898) und F. X. Kraus, Dante, sein Leben u. sein Werk etc. (Berl. 1897).
 
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Dante da Majāno, ital. Dichter, aus Majano bei Fiesole, blühte um 1290. Seine Gedichte gehören durch Inhalt und Form der Sizilianischen Dichterschule an. Seine Sprache ist roh und voll provenzalischer Wendungen, sein Ausdruck gezwungen, seine Bilder sind trivial, und der Inhalt seiner Poesien geht nicht über die gewöhnlichen Liebesbeteurungen und Liebesklagen hinaus. In einem Sonett verhöhnt er den jungen Dante Alighieri (s. d., S. 501). Seine Gedichte, darunter auch zwei Sonette in provenzalischer Sprache, sind neu herausgegeben mit vollständigen Literaturangaben von Bertacchi, Le rime di D. da M. (Bergamo 1896).
 
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Dante-Gesellschaft, s. Dante (S. 505).
 
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Dann, Vincenzo, ital. Bildhauer, geb. 1530 in Perugia, gest. 24. Mai 1576 in Florenz, war anfangs Goldschmied und bildete sich dann unter dem Einflusse A. Sansovinos und Michelangelos. Seine Hauptwerke sind die sitzende Bronzestatue des Papstes Julius III. beim Dom in Perugia, die Redlichkeit, die den Betrug entlarvt (Marmorgruppe im Garten Boboli zu Florenz) und die Bronzegruppe der Enthauptung Johannes des Täufers am Baptisterium zu Florenz.
 
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Dantier (spr. dangtjē), Henri Alphonse, franz. Historiker, geb. 1810 in Noyon, widmete sich dem Lehrfach und wurde von der Regierung wiederholt zu wissenschaftlichen Untersuchungen nach Italien, nach Belgien, Deutschland, England etc. entsendet. Von seinen Werken nennen wir: »Histoire du moyen-âge« (1852); »Études sur les Bénédictins« (1864, 2 Bde.); »Les monastères bénédictins d'Italie« (1866, 2 Bde.); »L'Italie, études historiques« (1874, 2 Bde.) und »Les femmes dans la société chrétienne« (1878, 2 Bde.), die drei letztgenannten preisgekrönt.
 
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Dantiscus, Johannes (poln.: Jan Dantyszek), eigentlich Flachsbinder, auch von Höfen

[Bd. 4, Sp. 506]


(a Curiis), neulatein. Dichter, geb. 31. Okt. 1485 in Danzig (daher D.), gest. 27. Okt. 1548 in Frauenburg, trat noch vor 1501 in die Dienste des polnischen Hofes, bereiste 15041505 die Küsten Griechenlands, Palästina, Italien, studierte dann in Krakau, war seit 1509 Sekretär und Botschafter des polnischen Königs Siegmund I., erhielt 1530 das Bistum Kulm und wurde 1537 Fürstbischof von Ermeland. Seine Gedichte, z. T. gesammelt von Böhm (Bresl. 1764), meist Gelegenheitsgedichte, zeichnen sich durch Klarheit der Gedanken und Reinheit der Sprache aus. Vgl. Czaplicki, De vita et carminibus J. de Curiis Dantisci (Bresl. 1855).
 
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Danton (spr. dangtong), Georges Jacques, einer der hervorragendsten Männer der französischen Revolution, geb. 28. Okt. 1759 in Arcis-sur-Aube, gest. 5. April 1794, beim Beginn der Revolution 1789 Advokat in Paris, vergeudete in grenzenloser Liederlichkeit seine geringen Einnahmen. Mirabeau aber erkannte in ihm eine bedeutende Stütze seiner Pläne. Dantons Gestalt war kolossal, seine Stimme von durchdringender Gewalt, das Gesicht häßlich, von Pockennarben zerrissen, aber doch imponierend, das kleine Auge stechend und kühn, seine Rede phantastisch und ergreifend. Er besaß eine rücksichtslose Energie und einen scharfen, praktischen Blick. Am 14. Juli 1789 begeisterte er die Massen zum Angriff auf die Bastille. Bald darauf klagte er im Sinne der Jakobiner 10. Nov. 1790 die Minister bei der Nationalversammlung an und stiftete mit Camille Desmoulins, Fabre d'Eglantine und Marat den Klub der Cordeliers, der den Klub der Jakobiner bald in politischem Fanatismus überbot. Mit dem Herzog von Orléans trat er in engere Verbindung und ward ein Genosse seiner wüsten Orgien. Die Erstürmung der Tuilerien und den Sturz des Königtums 10. Aug. 1792 bereitete er hauptsächlich vor, und nach dem Sieg des Pariser Pöbels setzte er seine Ernennung zum Justizminister durch. Das Vorrücken der feindlichen Heere in der Champagne und das Wiederauftauchen der royalistischen Partei in Paris gaben ihm den Vorwand zur Organisierung der Septembermorde. D. ließ sich hierbei nicht von Grausamkeit und Blutdurst leiten, denn einzelnen, die ihn um Rettung anflehten, z. B. Dupont, Barnave, Lameth und dem Abbé Barthélemy, ließ er solche angedeihen, vielmehr wollte er durch die Bluttat den Royalisten Angst einjagen. Als der Konvent zusammentrat, legte D. sein Ministerium nieder und begab sich 30. Nov. 1792 mit Lacroix nach Belgien, um das revolutionäre Element auch dort auszubreiten. Da seine Anerbietungen eines engern Bundes zur Bekämpfung der Pöbelherrschaft von den Girondisten mit Abscheu zurückgewiesen wurden, trug er zum Sturze der letztern bei, aber wünschte nicht deren Hinrichtung. Diese Mäßigung machte ihn verdächtig; obgleich er das Gesetz des Maximum (Brottaxe) sowie die Besoldung der Sansculotten noch durchsetzte, sank sein Ansehen täglich. Er begab sich nun nach seiner Heimat Arcis und heiratete. Im November 1793 kam er nach Paris zurück, entschlossen, dem widerlichen Treiben der Hébertisten ein Ende zu machen. Er vertraute auf die Mitwirkung Robespierres, doch dieser benutzte den Kampf zwischen den Dantonisten und den Hébertisten, um erst diese, dann jene zu stürzen. In der Nacht vom 31. März zum 1. April 1794 wurde D. verhaftet. Am 3. April erschien er mit seinen Freunden Desmoulins, Westermann, Lacroix, Phélipeaux etc. vor dem Revolutionstribunal unter willkürlichen Anschuldigungen. D. behandelte die Richter mit Verachtung und rief bei der Verkündigung des Todesurteils: »Man opfert uns einigen feigen Räubern, aber sie werden ihren Sieg nicht lange genießen; ich ziehe Robespierre nach. Der Feige! ich allein besaß die Macht, ihn zu retten.« D. bestieg mit seinen Freunden das Schafott. Als das Volk an der Guillotine Beifall brüllte, rief er: »Schweig still, undankbares Volk!« Sein Geschick gab G. Büchner Stoff zu einem Drama. 1891 wurde ihm in Paris ein Standbild errichtet. Vgl. Bougeart, Danton; documents authentiques (Brüssel 1861); Robinet, D., homme d'État (Par. 1889); Beesley, Life of D. (Lond. 1899).
 
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Dantschenko, s. Nemirowitsch-Dantschenko.
 
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Danubĭus, Fluß, s. Meyers Donau.

 

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