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Dankwarderode bis Dannreuther (Bd. 4, Sp. 499 bis 500)
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Artikelverweis Dankwarderode, Burg, s. Meyers Braunschweig, S. 359 und S. 360.
 
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Dankwart, im Nibelungenliede der Bruder Hagens von Tronege, Marschall des Burgunderkönigs. Er tritt erst in der zweiten Hälfte des Gedichts mehr in den Vordergrund, als gegen ihn Blödel, Etzels Bruder, in der Herberge den Kampf beginnt, in dem D. durch Helferichs Hand fällt.
 
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Dannebrogsorden, s. Meyers Danebrogsorden.
 
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Dannecker, Johann Heinrich von, Bildhauer, geb. 15. Okt. 1758 in Waldenbuch bei Stuttgart, gest. 8. Dez. 1841 in Stuttgart, wurde seit 1771 in der Karlsschule gebildet und zwei Jahre später in die Bildhauerableitung aufgenommen, wo er den Unterricht Le Jeunes genoß. Seit 1780 Hofbildhauer, war er für die Ausschmückung der herzoglichen Schlösser mit Genien, Kindern und Karyatiden tätig. Einen engen Freundschaftsbund schloß er während dieser Zeit mit Schiller, Zumsteeg und dem Bildhauer Scheffauer. 1783 besuchte er mit Scheffauer Paris, wo er in Pajous Atelier arbeitete, und ging 1785 mit ihm nach Rom, wo das Studium der Antike und namentlich der Umgang mit Canova auf ihn einwirkten. Auch Herder und Goethe lernte er hier kennen. In Rom entstanden seine ersten Marmorwerke, die Statuen des Bacchus und der Ceres, jetzt im königlichen Schloß zu Stuttgart. 1790 kehrte er ins Vaterland zurück. Anfangs mußte er sich als Professor der bildenden Künste an der Karlsakademie den Anordnungen des Herzogs fügen und viele Zeit mit Anfertigung von Skizzen und Entwürfen für den Herzog hinbringen. Doch gestalteten sich seine Verhältnisse immer günstiger, je höher sein Künstlerruhm stieg, so daß die hervorragendsten Personen von ihm porträtiert wurden. Zu seinen Schülern gehören F. Distelbarth, F. S. Zwerger, H. Imhoff, Wagner u. v. a. Die letzten Jahre seines Lebens wurden getrübt durch Geistesschwäche, die sich bis zum Verlust des Gedächtnisses steigerte, weshalb er 1839 die Direktion der Kunstschule niederlegte. D. gehört zu den Bildhauern, die durch engen Anschluß an die Antike die plastische Kunst ihrer Zeit neu zu beleben suchten. Nur fand er zu monumentaler Betätigung wenig Gelegenheit. Das erste Werk Danneckers nach seiner Heimkehr von Rom war ein Mädchen, das um einen Vogel weint. Um 1795 entstanden: Psyche, die von dem Flußgott halbtot aus dem Wasser getragen wird, und Hektor, der den Paris der Weichlichkeit beschuldigt. 1797 vollendete er die erste Büste Schillers nach der Natur und in Lebensgröße (in der Bibliothek zu Weimar). Eine zweite kolossale Büste in carrarischem Marmor, ein geniales Werk, das er in seinem Atelier zurückbehielt, befindet sich, leider von dem schwachsinnig gewordenen Künstler selbst in dem herrlichen Lockenschmuck verstümmelt, im Dannecker-Kabinett des Museums zu Stuttgart; eine dritte Büste Schillers fertigte D. für den damaligen Kronprinzen Ludwig von Bayern. 1804 führte er das Grabmal des Grafen Zeppelin in Marmor aus (im Park zu Ludwigsburg). 1806 begann D. die in zahlreichen Kopien später weitverbreitete, nackte Ariadne auf dem Panther (im Bethmannschen Garten zu Frankfurt a. M.), ein Werk, das ihn mehr als andre seiner Schöpfungen volkstümlich gemacht hat. Zu derselben Zeit fertigte D. das Modell zu der Wasser- und Wiesennymphe am Bassin des obern Sees der Stuttgarter Anlagen und eine Statuette des Amor mit gesenktem Pfeil und Bogen. 1814 führte er das Modell zur Psyche für den englischen General Murray aus. Um diese Zeit faßte D. die Idee zu einer Christusstatue, die er acht Jahre lang mit sich herumtrug, bis ihm ein Traumgesicht das Urbild zu seinem Ideal zeigte. Das 1818 vollendete Werk versinnbildlicht Christus als den Mittler zwischen Gott und dem Menschen, indem er spricht: »Durch mich geht der Weg zum Vater«. Der Heiland deutet mit der Rechten auf sich selbst, mit der Linken zum himmlischen Vater. Das Werk wurde (1824 in Marmor vollendet) von der Kaiserin von Rußland für die neue Kirche in Moskau erworben; eine zweite Ausführung in Marmor, vom Künstler 1831 vollendet und von energischerm Ausdruck, befindet sich in der Thurn und Taxisschen Gruftkirche in Regensburg. Außer diesen Werken schuf D. noch das Grabmonument der Erbprinzessin Ida von Oldenburg, die Statue des Evangelisten Johannes, 1826 für die Begräbniskapelle auf dem Rothenberg gearbeitet, ferner eine Reihe Reliefs, bekannt als »Danneckers Traum«. D. steht zwischen Canova und Thorwaldsen; es fehlte ihm die geniale schöpferische Kraft, dafür aber war ihm im vollen Maß eine sein fühlende, harmonisch ausgeglichene Natur verliehen. Seine Hauptvorzüge sind das warme, sinnige Leben, das er aus seinem eignen Reichtum auf seine Gebilde übertrug, das zarte Naturverständnis, das sich bei ihm vom höchsten geistigen Ausdruck im Menschenantlitz bis zu den eigentümlichsten Gebärden des Tieres erstreckt, und der liebevolle technische Fleiß, von dem seine Werke Zeugnis geben. 1888 wurde ein Denkmal für D. von Curfeß auf dem Schloßplatz in Stuttgart enthüllt. Eine Auswahl seiner Werke, mit Biographie, wurde von Grüneisen u. Wagner (Hamb. 1841) herausgegeben. Vgl. Beyer-Boppard, Danneckers Ariadne (Frankf. a. M. 1902).
 
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Dannemarie (spr. dann'marī'), 1) Dorf im franz. Depart. Doubs, Arrond. Besançon, 13 km südwestlich von Besançon an der Straße und Eisenbahn nach Dôle gelegen, mit (1901) 180 Einw. Hier fand 23. Jan. 1871 ein Gefecht zwischen der deutschen 14. Division und dem französischen 20. Korps auf dem Rückzug von Belfort (s. d.) statt. 2) Stadt im Oberelsaß, s. Meyers Dammerkirch.
 
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Dannemōra, Kirchspiel im schwed. Län Upsala, nördlich von Upsala, durch Zweigbahn mit der Station Örbyhus an der Linie Upsala-Gefle verbunden, umfaßt 71,3 qkm mit (1898) 1300 Einw. und ist berühmt durch sein Eisenerzlager. Die Minen, gegen 80 an der Zahl, von denen jetzt jedoch nur 10 bearbeitet werden, liegen auf einem 2,1 km langen, 150210 m breiten, ziemlich ebenen Grund und bilden eine sogen. offene Pinge, einen Abgrund von mehr als 160 m Tiefe. Das Erz gibt eine Ausbeute von 4050 Proz. Roheisen und ist von so guter Beschaffenheit, daß es großenteils ohne allen Zusatz geschmolzen wird. Die Ausbeute beläuft sich jährlich auf 6070,000 Ton. Eisenerz, die zum großen Teil in mehreren naheliegenden Eisenwerken, unter denen Österby und Löfsta die größten sind, verschmolzen werden. In Bearbeitung sind die Minen von D. bereits seit 1480; sie sind im Privatbesitz einer Gewerkschaft. Bei D. findet sich auch der Dannemora-Granat, eine Abart des braunen Granats mit Streifungen auf den Kernflächen.
 
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Dannenberg, Kreisstadt im preuß. Regbez. Lüneburg, an der schiffbaren Jeetzel und der Staatsbahnlinie Wittenberge-Lüneburg, ist altertümlich gebaut, hat eine evang. Kirche, Synagoge, Schloß, einen alten Turm (Waldemarturm), ein Denkmal für die im Gefecht bei der Göhrde 16. Sept. 1813 verwundete und hier beerdigte Eleonora Prohaska, den Körnerstein,

[Bd. 4, Sp. 500]


auf dem Theodor Körner sein »Gebet vor der Schlacht« dichtete, Amtsgericht, betreibt Branntweinbrennerei, Möbelfabrikation und zählt (1900) 1899 Einw. In der alten Burg D. wurde König Waldemar II. von Dänemark 122325 durch den Grafen Heinrich von Schwerin in strenger Hast gehalten. Burg und Herrschaft D. gehörten seit dem 12. Jahrh. einem Grafengeschlechte, das 1306 die Grafschaft an den Herzog Otto von Braunschweig und Lüneburg verkaufte. Bereits im 13. Jahrh. ist die Stadt D. nachzuweisen. Bei der Länderteilung unter den Söhnen Ernsts des Bekenners kamen Stadt und Amt D. 1559 als Fürstentum an Herzog Heinrich von Braunschweig und fielen 1671 an die Linie Celle.
 
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Dannenberg, Hermann, Numismatiker, geb. 4. Juli 1824 in Berlin, wo er als Landgerichtsrat a. D. lebt, bearbeitete die Münzen des deutschen Mittelalters in zahlreichen Aufsätzen in Fachzeitschriften und schrieb das für die Münzkunde Deutschlands epochemachende Werk »Die deutschen Münzen der sächsischen und fränkischen Kaiserzeit« (Berl. 187698, 3 Bde.), ferner: »Grundzüge der Münzkunde« (2. Aufl., Leipz. 1899) und die »Münzgeschichte Pommerns im Mittelalter« (Berl. 1893, Nachtrag 1896).
 
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Danner, Luise Christine, Gräfin von, geb. 21. April 1815 in Kopenhagen als uneheliches Kind, gest. 6. März 1874 in Genua, hieß nach ihrer Mutter ursprünglich Rasmussen. 183042 Mitglied des Kopenhagener königlichen Ballettkorps, war sie zuerst die Geliebte des spätern Kammerherrn und königlichen Privatsekretärs Berling, mit dessen Beihilfe sie einen Putzladen eröffnete, dann die des Kronprinzen Friedrich, der als König 7. Aug. 1850 eine morganatische Ehe mit ihr einging und sie zur Lehnsgräfin erhob. Bei den dänischen Parteikämpfen spielte sie bis zum Tode Friedrichs VII. (1863) zeitweise eine Rolle. Ihr großes Vermögen vermachte sie dänischen Wohltätigkeitsanstalten.
 
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Danno (ital.), Schade, Verlust.
 
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Dannreuther, Edward, Klavierspieler, geb. 4. Nov. 1844 in Straßburg, wuchs in Cincinnati auf, wo ihn Fr. L. Ritter in der Musik ausbildete, besuchte 185963 das Leipziger Konservatorium (Moscheles, Richter) und ließ sich 1863 in London nieder, wo er als Lehrer und Virtuos bald eine hervorragende Stellung errang. D. machte sich durch sein energisches Eintreten für Wagner schnell bekannt, begründete 1872 den Londoner Wagner-Verein und trat auch als Schriftsteller fortschrittlicher Richtung hervor, übersetzte Wagners Schriften ins Englische etc. Eine vortreffliche Studie ist sein Werk über die musikalischen Verzierungen (»Musical ornamentation«, Lond. 189395, 2 Bde.).

 

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