Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Daniléwskij bis Dänische Wiek (Bd. 4, Sp. 491 bis 498)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Daniléwskij, 1) Nikolaj Jakowlewitsch, russ. Schriftsteller, geb. 16. Dez. (28. Nov.) 1822 in Moskau, gest. 19. (7.) Nov. 1885 in Tiflis, studierte an der Petersburger Universität Naturwissenschaften, trat dann ins Ministerium der Reichsdomänen, von dem er mehrfach zu wissenschaftlichen Untersuchungen abberufen wurde. Durch sein Hauptwerk: »Rußland und Europa« (Petersb. 1871, 3. Aufl. 1888), trat er in die erste Reihe der jüngern Slawophilen, die dies Werk als die Grundlage ihrer Lehre betrachten (s. Meyers Slawophilen). Außerdem machte er sich durch seine kritische Untersuchung über den Darwinismus (Petersb. 188587, 2 Bde.) als dessen Gegner bekannt.
   2) Grigorij Petrowitsch, russ. Schriftsteller, geb. 26. (14.) April 1829 auf dem Gute Danilowka im Gouv. Charkow, gest. 18. (6.) Dez. 1890 in Petersburg, wurde in der »adligen Pension« zu Moskau erzogen, studierte darauf in Petersburg Jura und erhielt 1850 eine Anstellung im Ministerium der Volksaufklärung, in dessen Auftrag er Reisen in die Krim und nach Finnland unternahm und in den Klosterarchiven der Gouvernements Charkow, Kursk und Poltawa arbeitete. 1856 wurde er vom Marineministerium mit Untersuchung der Küsten des Asowschen Meeres beauftragt und zog sich dann, nachdem er 1857 seinen Abschied genommen, auf seine Besitzung im Gouv. Charkow zurück, wo er zwölf Jahre blieb; seit 1869 lebte er wieder in St. Petersburg und zwar als Redakteur des offiziellen »Regierungsanzeigers«. Die ersten schriftstellerischen Versuche von D. datieren aus dem Jahr 1841; einen Ruf aber erwarb er sich erst später durch seine Erzählungen, die durch ein gewisses ethnographisches Element charakterisiert sind, und seine historischen Romane. Von den Erzählungen der erstern Art nennen wir: »Die Flüchtlinge«, »Die Rückkehr der Flüchtlinge«, »Die Freiheit«, die 186263 in der »Epocha« und im »Vremja« unter dem Pseudonym Skawronskij erschienen, und endlich das nach einer langen Pause (1874) geschriebene »Die neunte Welle« (deutsch als »Die Nonnenklöster in Rußland« in Reclams Universal-Bibliothek). Es folgten dann die historischen Romane »Mirowitsch« (1879, deutsch in Reclams Universal-Bibliothek), »Das verbrannte Moskau« (188586), »Das schwarze Jahr« (1888) etc. Außerdem schrieb D.: »Das ukrainische Altertum. Materialien zur Geschichte und Kultur der Ukraine« (1866, von der Akademie der Wissenschaften mit dem Uwarowschen Preis gekrönt). Die Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1889 in Petersburg in 6. Auflage in 8 Bänden.
   3) Basile, Physiolog, geb. 1852 in Charkow, studierte daselbst und in Würzburg, wurde 1880 Professor an der Veterinärschule in Charkow und 1883 Professor der Physiologie an der dortigen Universität. Er arbeitete auf den verschiedensten Gebieten der Physiologie (Thermomyologie, Nerven, Gehirn, Hypnotismus, Kraftvorräte der Nahrungsmittel, Blut, Lecithin, Malariamikroben etc.) und schrieb: »Über den Ursprung der Muskelkraft« (russ., 1876); »Untersuchungen zur Physiologie des Gehirns« (affektivomotorische Zentra, russ., 1876); »Untersuchungen über den tierischen Hypnotismus« (russ., 1878); »La parasitologie comparée du sang« (Charkow 1889, 2 Bde.); »Versuche, die Gültigkeit des Prinzips der Erhaltung der Energie bei der Muskelarbeit experimentell zu beweisen« (Wiesbad. 1889).
 
Artikelverweis 
Danilo, Petrović Njegos, Fürst von Montenegro, geb. 25. Mai 1826 in einem Dorfe bei Cattaro, gest. 13. Aug. 1860, wurde nach dem Tode seines

[Bd. 4, Sp. 492]


Oheims, des Vladika (obersten Geistlichen) Peter II. Petrović, 31. Okt. 1851 Fürst. Um die bisher vereinigte geistliche und weltliche Würde zu trennen, ließ er mit russischer Unterstützung die geistliche Metropolitanwürde an einen Verwandten übertragen, sich selbst aber 21. März 1852 vom Volk als Fürst von ganz Montenegro anerkennen. Seine Regierung war, wie die seiner Vorgänger, sehr bewegt. Ein Versuch der Pforte, Montenegro, das 1852 einen Krieg mit den Türken begonnen, durch Omer Pascha zu unterjochen, scheiterte 1853 an dem Einschreiten Österreichs. D. unterdrückte das System der kleinen Tyrannen, die für willkürliche Besoldung einzelne Bezirke verwalteten, richtete Schulen ein und suchte auch die Beziehungen der Kirche zum Staat zu regeln. Als Rußland die zugesagten Hilfsgelder nicht mehr zahlte, gewann D. durch persönliche Anwesenheit 1857 Frankreichs Sympathien; zugleich aber gedachte er auch von der Pforte gegen Anerkennung ihrer Oberhoheit Vergrößerungen und Handelserleichterungen zu erreichen. Dies veranlaßte die Bildung mehrerer Verschwörungen gegen D. Am 12. Aug. 1860 ward D. zu Cattaro von Todoro Kadić aus Lorana, der als der Teilnahme an einer Verschwörung verdächtig aus Montenegro hatte fliehen müssen, durch eine Kugel tödlich getroffen. Da seine Ehe mit Darinka Kvekvičova (gest. 1892), der Tochter eines Triester Großhändlers, nur mit einer Tochter (Olga, gest. 1896) gesegnet war, folgte ihm der von ihm adoptierte älteste Sohn seines Bruders Mirko, Nikolaus (Nikita) Petrović Njegoš.
 
Artikelverweis 
Danilo-Orden, montenegrin. Militär- und Zivilorden, wurde gestiftet von Fürst Danilo zum Gedächtnis der »czernagorischen Unabhängigkeit« 1853 und hat fünf Klassen: Großkreuze, Kommandeure erster und zweiter Klasse, Offiziere und Ritter. Das Großkreuz besteht in einem blauen, rot und weiß eingefaßten Goldkreuz, in dessen Mittelschild die gekrönte Chiffer ΔΙ (Danilo I.) von Gold steht. Es umgibt ein blauer, weiß eingefaßter Reif mit der Umschrift: »Fürst der Schwarzen Berge«. Die Großkreuze tragen dazu auf der linken Brust einen silbernen Stern mit acht brillantierten Strahlen, zwischen denen glatte Silberstrahlen hervorgehen. Auf dem Stern liegt obiges Kreuz. Die Kommandeure erster Klasse tragen das gleiche Kreuz und den gleichen Stern, nur kleiner, die Kommandeure zweiter Klasse das Kreuz ohne Stern. Die Offiziere tragen das gleiche Kreuz, nur kleiner. Die Ritter tragen ein silbernes, ausgeschweiftes, schwarz emailliertes Kreuz mit demselben roten Mittelschilde. Das Band ist weiß und rot gestreift.
 
Artikelverweis 
Danilovgrad, Stadt in Montenegro, an der Zeta, mit Wasserleitung, Post- und Telegraphenamt und (1896) 1122 Einw.; erst 1871 angelegt.
 
Artikelverweis 
Danilow, 1) Kreisstadt im russ. Gouv. Jaroslaw, am Fluß Pelenda und an der Eisenbahn Jaroslaw-Archangel, hat 2 Kirchen, ein Kreisgericht und zählt (1897) 4288 Einw., die Handel mit Leinwand und Getreide treiben. 2) (Danila) Ehemals berühmtes Kloster der Altgläubigen im russ. Gouv. Olonez, am Wygosee, ist seit 1855 aufgehoben.
 
Artikelverweis 
Danim, Rechnungsmünze am Persischen Meerbusen, = 10 Flusch, 100 im Silber-Kran.
 
Artikelverweis 
Dänisch-deutsche Kriege, s. Meyers Schleswig-Holstein.
 
Artikelverweis 
Dänische Literatur. Dänemarks Literatur beginnt, ohne Verbindung mit der altnordischen (s. Meyers Nordische Sprache und Literatur), erst nach Einführung des Christentums und unter dessen Einfluß, in lateinischer Sprache. Aus Legenden und Klosterurkunden entwickelte sich um das Jahr 1100 eine dürftige Chroniken-Literatur. Erst in der Glanzperiode der Waldemare (11501250) gewinnt das Land in dem Bischof Själlands Absalon (gest. 1201) einen Förderer der Literatur, der auf kirchlicher Basis die Verbindung mit der europäischen Kultur und der Frührenaissance herstellt. Er veranlaßte einen seiner Gefolgsleute, Svend Aagesön, in lateinischer Sprache eine kurze Geschichte Dänemarks (ca. 1185) und seinen jungen Schreiber Saxo Grammaticus die »Historia Daniae« abzufassen, die, 1250 beendet, das wichtigste Quellenwerk für altnordische Geschichte und Sagen ist (Ausg. von A. Holder, Straßb. 1886; dän. Übersetzung von F. W. Horn, Kopenh. 1896). Ein Erzeugnis der scholastischen Bildung, welche die Geistlichkeit aus der Pariser Universität mit sich brachte, ist das »Hexaemeron« des Erzbischofs Anders Sunesön (gest. 1228), ein Gedicht über die Schöpfung u. a. In der Landessprache entstehen im 13. Jahrh. Sammlungen von Provinzialgesetzen, die uns aber nur in Aufzeichnungen des 14. Jahrh. bekannt sind (vgl. K. Maurer, Geschichte der nordgermanischen Rechtsquellen, 1870; K. Rosenwinge, Samlingar af gamle danske Love, 182146, 5 Bde.). Dagegen sind die etwas spätern Stadtrechte, Gildestatuten und der »Liber census Daniae«, das topographisch wichtige Verzeichnis der Güter und Einkünfte Waldemars 11., zum größten Teil in lateinischer Sprache abgefaßt.
   In der zweiten Periode des Mittelalters (1250 bis 1500), einer Zeit politischen und geistigen Niederganges, lieferten die Birgittenklöster Übersetzungen von erbaulicher Literatur, darunter das bekannte Volksbuch »Lucidarius«; ein »Arznei- und Kräuterbuch« wird dem Arzte Henrik Harpestreng (gest. 1244) zugeschrieben; aus dem 15. Jahrh. stammen die Sprüche Peder Laales, ein Schulbuch zur Unterweisung im Lateinischen, eine der ältesten und merkwürdigsten Sprichwörtersammlungen Europas und eine volkstümlich gehaltene Reimchronik nach Saxo, die auch ins Plattdeutsche übersetzt wurde (Falcks »Staatsbürgerliches Magazin«, Bd. 6). Aus der religiösen Dichtung heben sich Reimwerke hervor, die der Priester Michael nach lateinischen Originalen frei und nicht ohne dichterisches Gefühl bearbeitete. Übersetzt wurden die südeuropäischen Ritterromanzen, welche die norwegische Königin Eufemia für ihren Schwiegersohn, den ritterlichen Herzog Crich, ins Schwedische hatte übertragen lassen (»Eufemia-Lieder«). Dänemarks und des ganzen Nordens größter poetischer Schatz aus dieser Periode sind die Volkslieder, »Kämpeviser«. die zunächst nur mündlich fortgepflanzt und seit dem 15.16. Jahrh., oft sehr fehlerhaft, ausgezeichnet wurden, echte Volkspoesie episch-lyrischer Art, Romanzen und Balladen voll hoher Schönheit, schlicht im Ausdruck, schlicht in der Form, stimmungsvoll und sangbar. Nach den Stoffen zerfallen die Lieder in mythische und historische. Sie umfassen die Welt der Edden und der Sagen, bewahren den alten Glauben an Riesen und Zwerge und singen mit mehr oder weniger historischer Treue von Kriegen und Heldentaten. Sie sind gesammelt von A. S. Vedel (»Hundrede Viser«, 1591), P. Syv (1695) und besonders von Svend Grundtvig (»Danmarks gamle Folkeviser«, 185391; deutsch in Auswahl 1858), dessen Werk nach seinem Tode von A. Olrik abgeschlossen wurde. Vgl. Joh. Steenstrup, Vore Folkeviser fra Middelalderen (1891).
   Die Renaissance berührt den fernen Norden nur wenig und indirekt. 1479 wurde die Kopenhagener Universität gestiftet, 1495 verließ das erste gedruckte

[Bd. 4, Sp. 493]


dänische Buch die Offizin Gotfred von Ghemens: »Die Reimchronik«. Grundsätzlich bedienten sich aber erst die Reformatoren der Landessprache. Christiern Pedersen, der »Grundleger der dänischen Literatur« (um 14801554), übersetzte mit Hilfe andrer Reformatoren Teile der Bibel und Erbauungsschriften und gab humanistisch-weltliche Werke, wie die Geschichte Saxos, die Chroniken von Kaiser Karl und Holger dem Dänen heraus (Gesamtausgabe von Brandt und Fenger, Kopenh. 185056). Hans Taufen, der streitbare Reformator (geb. 1494), der in Wittenberg Lutheraner wurde und nach manchen Kämpfen 1561 als Bischof von Ribe starb, steht mit seiner Postille an der Spitze der dänischen Homiletik. Durch Übersetzung geistlicher Lieder wirkten Peder Lavrenssen, Jörgen Sadolin und später die Bischöfe Niels und Peder Palladius (150360), der Verfasser des Visitatsbuchs, eines geistlichen Hirtenbuchs, der Ausdruck einer höchst kraftvollen, menschen- und weltkundigen Persönlichkeit. Hans Thomissön sammelte die geistlichen Lieder der Reformation (1569), Hans Christensen Sthen, ein begabter Lyriker, sang in volkstümlichem Ton. Unter den Satiren, die der Religionsstreit zeitigte, ragt der anonyme »Dialog zwischen Peter Schmied und Adzen Bauer« hervor. Volksbücher, die aus dem Deutschen übertragen wurden, sind »Bruder Rus«, »Der Totentanz« und »Reineke Fuchs«, letzteres von Herman Weigere (1555). Aus derselben Zeit stammen die ersten Schauspiele: »Ludus de St. Canuto duce«, sowie ein Mysterium, eine Moralität und ein Fastnachtsspiel Chr. Hansens in Odense (um 1530). Katholischerseits war der einzige bedeutende Polemiker Paul Helgesen, »der dänische Erasmus«, ein humanistisch gebildeter und anfangs auch reformatorisch gesinnter Mönch, dem das Verdienst gebührt, in dem »Chronicon Skibyense« von der annalistischen Chronik zu wirklicher Geschichtschreibung den Übergang gemacht zu haben.
   Dem regen volkstümlichen Leben der Reformation folgt nach der Mitte des Jahrhunderts ein Kampf der Schriftgelehrten gegen Katholiken und Calvinisten, bis die Orthodoxie durch die Bischöfe Resen und Brochmand (1617) siegte. Nur die Wissenschaft hatte, trotz Zensur und Glaubenszwang, glänzende Namen aufzuweisen. Als Theologen wirkten im 16. Jahrh. Niels Hemmingsen und Holger Rosenkrands, die Medizin förderten im Geiste des Paracelsus Petrus Severinus sowie Kasper und Thomas Bartholin, der Astronomie erstand ein Bahnbrecher in Tycho Brahe (15461601), der als Streiter der Bibel Kopernikus befehdete, der Physik in Ole Römer (16441710), dem Entdecker der Gesetze der Lichtgeschwindigkeit; Niels Steno (gest. 1686) wurde der Schöpfer der Geognosie. Dieser kosmopolitischgelehrten Tätigkeit stand eine mehrnationale zur Seite. Ole Worm (15881654) begründete die dänische Altertumsforschung, A. S. Vedel (15421616) gab 100 »Kämpeviser« heraus u. übersetzte Saxos Chronik in gutes Dänisch, die Muttersprache wurde durch den Bischof E. Pontoppidan den ältern (16161678), Henrik Gerner und Peder Syv, gleichfalls einem Sammler von »Kämpeviser«, grammatisch behandelt, Brynjulf Sveinsson machte die isländische Sagaliteratur bekannt, Torsi Torfason schrieb seine große »Historia Norwegiae«, und Matthias Moth sammelte 24 unveröffentlichte Foliobände für ein dänisches Wörterbuch.
   Die Poesie des 17. Jahrh. entwickelte sich in ziemlicher Abhängigkeit von der deutschen Spätrenaissance und wurde nach Opitz' Vorgang Gegenstand und Produkt theoretischer Studien. Nach diesem Muster verpflanzte der Bischof Anders Arreboe (15871637) Versmaße wie den Alexandriner und den Hexameter nach Dänemark; Sören Terkelsens Übersetzungen von Opitz, Rist und dem Holländer Cats geben Proben des arkadischen Schäferstils; Anders Bording (161977), der Herausgeber der ersten dänischen Zeitung: »Den danske Mercurius«, bildet in humoristischer Gelegenheitspoesie die Sprache zu bisher ungekannter Leichtigkeit aus (»Poetiske Skrifter«, 1735, 2 Bde.). Unabhängig von deutschen Vorbildern erhob sich nur Thomas Kingo (16341703) als Psalmendichter zu hohem, bisweilen überschwenglichem Pathos. Auch die Sprache wurde mit deutschen, später französischen Clementen durchsetzt. Reiner Stil blüht nur noch in der Gesetzsammlung Christians V. (1683) und in der ergreifenden »Jammersminde«, den Memoiren der Tochter Christians IV. Leonora Ulfeld (1621 bis 1698) aus ihrer langen Gefängniszeit. Mehr und mehr erstickt die Frische und Innigkeit des Volkstümlichen in langweiliger, religiös didaktischer Tendenz und Gedankenleere (vgl. Paludan, Renaissancebevægelsen i Danmarks Literatur, 1887).
   Im Anfang des 18. Jahrh. beginnen allmählich neue Kultureinflüsse aus England u. Frankreich den im Norden fast karikaturhaften Schatten der Renaissance zu verdrängen. Ludwig v. Holberg (16841754) ist der Vermittler der Aufklärung und der rationalistischen Weltanschauung, die trotz ihrer Einseitigkeit auf allen Gebieten ein reges Leben hervorbringen sollte. Seine größte Bedeutung aber liegt darin, daß er mit seinen Komödien (seit 1722) der Begründer einer selbständigen dänischen Bühne wurde, nachdem die alte Schulkomödie längst abgestorben war, das Renaissancedrama nur in der Form von Opern und Ballett am Hof Wurzel gefaßt und deutsche Truppen das Volk mit Haupt- und Staatsaktionen belustigten. Holbergs Komödien verleugnen zwar den Einfluß von Molière nicht, zeigen aber zugleich das heimatliche Gepräge und den speziell dänischen Humor, der ihn zum ersten wirklich nationalen Dichter Dänemarks macht. Auch in der Wissenschaft führte Holberg eine neue Zeit herauf, indem er weltliche Bildung und populäre Darstellung in der Landessprache zur Zeitforderung erhob. Keiner war seinesgleichen, aber viele halfen ihm bei seinem Werke. Fr. Chr. Eilschow, der jugendliche Philosoph (17251750), wandelt in seinen Spuren. Mit dem ihm unsympathischen, deutsch schreibenden Andreas Höjer (16901739) verbreitete er die Ideen des Natur- und Völkerrechts. Beide wirkten auch für modernere, stilistisch als Kunst ausgebildete Geschichtschreibung. Durch Einführung der historischen Quellenkritik hat sich Hans Gram (1685 bis 1718), der Mitbegründer der königlich dänischen Gesellschaft der Wissenschaften (1742), unvergänglichen Ruhm erworben. Als Stifter der königlichen Gesellschaft für vaterländische Geschichte und Sprache (1745) und als Herausgeber ihres monatlich erscheinenden Organes »Das Dänische Magazin« ist sein Schüler Jakob Langebek (171075) zu nennen. Der Isländer Arne Magnussen (gest. 1730) leistete durch die kostbare Handschriftensammlung, die noch heute seinen Namen trägt, der Erforschung des Alt-Isländischen unschätzbare Dienste. Der Polyhistor Erik Pontoppidan der jüngere (16981764) war auf allen Gebieten tätig.
   Die revolutionären Ideen der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. fanden auch in Dänemark ihren Widerhall

[Bd. 4, Sp. 494]


und ihre Vertreter. Eine Periode deutsch reformierenden (etwa bis 1770) wird durch eine Periode französisch revolutionierenden Geistes abgelöst. Im Sinne Holbergs wirkten auf der von ihm dotierten Akademie zu Sorö die sogen. »Soröaner«, der Lehrer modernen Staatsrechts und der populäre Sittenschilderer Jens S. Sneedorf (172464), dessen Zeitschrift »Der patriotische Zuschauer« (176163) übrigens Voltaires Einfluß erkennen läßt, Andreas Schytte (1720 bis 1777) und Tyge Rothe (173195), dessen historisch-philosophische Schriften im Geiste der französischen Enzyklopädisten verfaßt sind. Ihnen gegenüber stehen die Vertreter deutscher Geistesrichtung: der Philosoph Jens Kraft (172065), Sneedorfs literarischer Widersacher, und der Staatsminister Bernstorff, der viele seiner deutschen Landsleute nach Dänemark berief, so den Pädagogen Basedow, den Botaniker Oeder, den Physiker Kratzenstein, endlich auch Klopstock (1751), dessen fast 20jähriger Aufenthalt für die d. L. bedeutsam wurde.
   In der Poesie überwog die Quantität die Qualität. Die satirische Dichtung war nach Holberg Mode geworden; doch vermochte nur der tüchtige Philolog Chr. Falster (16901752) eine gewisse Bedeutung zu erlangen. Aus der Menge der Gelegenheitsdichter treten der seine Lyriker Ambrosius Stub (170558) und Jörgen Sorterup hervor, der in dem altmodisch gewordenen Volksliederstil »Neue Heldengesänge« (1716) dichtete. Töger Reenberg (16561742) zeigt in seinen Revuen viel Geschmack und französische Zierlichkeit; als Psalmendichter in mild pietistischem Geiste wird der Bischof Joh. Adolf Brorson (1694 bis 1764) immer noch hoch geschätzt. Aber das Lehrgedicht war und verblieb die beliebteste Form. Als Ausnahme muß es gelten, daß der Norweger Krist. Tullin (172865) den Engländer I. Thomson nachbildete und für seinen naturschwärmenden »Maitag« den Preis der »Gesellschaft für schöne und nützliche Wissenschaften« (ein Name, der den literarischen Standpunkt der Zeit hinreichend charakterisiert) davontrug (1758, »Samtlige Skrifter« 177073, 3 Bde.). Erst der Lyriker Joh. Ewald (174381) brachte einen originellen freien Zug in diese Programmpoesie. Er fand in der nordischen Mythologie und Sage, in dem Volksleben und der Volksreligion lebendige Quellen, aus denen seine glühende Phantasie Nahrung schöpfte. Auf der Bühne wurde er durch die von Klopstock beeinflußte Wahl altnordischer Stoffe für Dramen wie »Rolf Krake« und »Balders Tod« und das volkstümliche Singspiel »Die Fischer« ein Vorläufer der dänischen Romantik, während viele seiner Lieder immer noch im Volksmunde leben. Eigentümlicherweise hatte Holberg im Drama keine Schule gebildet. Die gesunde Komödie Molières, die ihm als Muster gedient, wurde bald durch den Einfluß der Tragödien Voltaires, durch Rhetorik und Affektation abgelöst. Die Rührstücke Charlotte Biehls (173188), Niels Bredals (173378) »Thronfolgerin Sidon« (1772) und Nordal Bruns (17451816) mit überschwenglichem Lobe begrüßte »Zarine« (1772) riefen endlich die Reaktion hervor. Durch eine köstliche Parodie der französischen Trauer- und Singspiele »Liebe ohne Strümpfe« (1772) begrub der junge Norweger Herman Wessel (174285) diese lebensfremde Kunst in Gelächter. Die Folge war eine Wiederherstellung der nationalen Bühne, wo Dramatiker wie Christ. Olufsen (gest. 1790), Enewold de Falsen (17551808) und der begabteste unter ihnen, Ole Samsoe (175996), ein begeistertes Publikum fanden. Auch die italienische Oper mußte einheimischen Singspielen weichen; hier erwies sich Th. Thaarup (17491821) als geschickter volkstümlicher Nachahmer Ewalds. Im allgemeinen aber weist die Zeit ein trocknes, wenig begeisterndes Äußere auf, und es sind die journalistisch-kritischen Talente, wie K. L. Rahbek (17601830) und Chr. Pram (17561821), die Redakteure der »Minerva« und der unerschrockene Satiriker P. A. Heiberg (17581841), die das große Wort führen. Der einzige wirkliche Dichter war der scherzende, lachende, scheltende Jens Baggesen (17641826), der mit seiner graziösen Lyrik, seinen komischen Erzählungen und Operntexten zwischen der alten und der neuen Richtung steht, deren Kraft er unterlag.
   In diesem Zeitalter des politischen und sozialen Interesses, das die Dichtung vorzugsweise als Mittel zur Belehrung betrachtete, blühte selbstverständlich die populäre, aufklärende Wissenschaft. Um der freien Entfaltung des Gedankens alle Schranken zu öffnen, hatte das Ministerium Struensee (1771) sogar die Preßfreiheit gebracht, die aber nach seinem Sturze 1772 wieder aufgehoben wurde und eigentlich keine andre nachhaltige Wirkung hervorrief, als die Landesverweisung Heibergs und des berühmten Geographen M. K. Brunn (17751826). Unter den Verkündern des modernen rationalistischen Christentums ragen die Pfarrer Birckner und Bastholm (17401814) hervor im Gegensatze zu dem Vertreter der Orthodoxie Bischof Balle (17441816). Die Geschichte fand Förderer in dem Norweger Gerh. Schöning (172280), in dem fleißigen Sammler altdänischer Urkunden P. F. Suhm (172898), dem tendenziösen, geistvollen Riegels (17551802) und Ove Malling (17481829). W. H. F. Abrahamson (17441812) machte sich als der erste ästhetische Kritiker Dänemarks bemerkt, der Polyhistor Rasmus Nyerup (17591829) übte einen großen Einfluß als Literatur- und Sprachhistoriker aus; in der Medizin ragten Tode (17361806), in der Geographie, Zoologie und Nationalökonomie O. C. Olufsen (17641827), in der Botanik M. Wahl (1749 bis 1804) und in der Zoologie Es. Fleischer hervor. Vor allem aber ist das Wirken der Gebrüder Anders (17781860) und Hans Christian Örsted (17771851), der eine Jurist, der andre Entdecker des Elektromagnetismus, zu nennen. Von großer Tiefe und Klarheit der Darstellung war der norwegische Philosoph Niels Treschow (17511833).
   Am Ende des 18. Jahrh. hatte sich inzwischen in Europa ein neuer Geist, eine Reaktion gegen die trockne Verstandesherrschaft, Bahn gebrochen: die von Goethe und Schiller mittelbar vorbereitete, von den Schlegels, Tieck, Novalis vollendete und von Schelling in System gesetzte Romantik wurde in Kopenhagen 1802 von dem jungen norwegischen Naturforscher Henrik Steffens (17731845) verkündet. Die jungen Talente der Zeit fühlten sich mächtig hingerissen durch diese tiefere Auffassung der Kunst, in der man die Rettung aus dem geistesarmen Rationalismus und der Herrschaft des »guten Geschmacks« sah. Schneller als in irgend einem andern Lande drangen die Ideen von der Oberherrschaft des Gefühlslebens, der hohen Aufgabe der Poesie, durch die Phantasie das Gemüt über das Alltägliche zu heben, der Souveränität des frei schaffenden Künstlers allen Formen gegenüber durch. Man entdeckte in der Poesie Adolf Schack-Staffeldts (17691826) das innige Naturverständnis, die Gefühls- und Ideentiefe, nach denen man sich sehnte. Adam Gottlob Öhlenschläger (1779

[Bd. 4, Sp. 495]


1850) wandte sich von seiner bisher gepflegten rhetorisch-didaktischen Manier ab und fand in der altnordischen Poesie die Quellen und die Inspiration zu seinen epochemachenden Epen und Dramen. Ihm zur Seite trat N. F. S. Grundtvig (17831872) mit seiner von Öhlenschlägers Idealisierung unbeirrten Auffassung des derben altnordischen Heldenlebens und des dämonisch Schönen der alten Sagen. Seine volkstümliche Auffassung des Christentums, die Impulse zur Volksbildung und zu Volksschulen gab, hielt die neue Richtung fern von dem phantastischen Katholizismus der Romantik andrer Länder. B. S. Ingeman (17891862) wandte sich von seinen hyperromantischen Dramen und lyrischen Dichtungen dem historischen Roman zu und erwarb sich einen großen Namen als Schilderer der dänischen Königsgeschichten. J. C. Hauch (17901872) schloß sich in mystischen oder geistlichen Dramen Öhlenschläger an, Christ. Hviid Bredahl (14841860), den erst eine spätere Zeit anerkannt hat, ging seine eignen Wege und griff in seinen »Dramatischen Szenen«, die im Mondreich spielen, sowohl die überschwengliche Romantik als die Realistik der folgenden Periode an.
   Schon bei ihrem ersten Auftreten war die Romantik durch Baggesen, den Nebenbuhler Öhlenschlägers um die Gunst des Publikums, wegen ihrer Formlosigkeit und willkürlichen Phantastik bekämpft worden. Aber Baggesen unterlag. Ein Jahrzehnt später begann Johann Ludwig Heiberg (17911860), ein Kritiker feinster Schulung, in verschiedenen Zeitschriften eine erfolgreichere sachliche Opposition. Die Poesie sollte wohl, wie es die Romantik verlangte, souverän im Leben stehen, der Dichter aber nicht seiner eignen willkürlichen Phantasie unterliegen, sondern sie mit der Vernunft in den Schranken schöner künstlerischer Form halten, gleichgültig, woher seine Stoffe stammten. An seiner Seite stand in dem folgenden literarischen Streit Henrik Hertz (17981870), der die Kunsttheorien Heibergs in köstlichen, Baggesen täuschend nachgeahmten »Gjengangerbreve« wiedergab und wie Heiberg Theaterstücke mit aktuellen Kopenhagener Stoffen verfaßte, im Gegensatze zu den Romantikern, die nur »romantisch« fernliegende Zeiten für künstlerisch geeignet hielten.
   Inzwischen war der Landpfarrer Steen Blicher (17821848) in Gedichten und Bauernnovellen, die das Leben und die Natur seiner jütländischen Heimat zum Teil im Dialekt schilderten, zu einer Art Realistik gekommen, die an Frische und Unmittelbarkeit dem theoretischen Realismus der Schule Heibergs weit überlegen war. In derselben Art, nur heiterer und lebensfreudiger, dichtete Poul Möller (17841838). Als angeregt durch Blicher kann man in neuerer Zeit den sehr produktiven Carit Etlar (Karl Brosböll, geb. 1816) und die sogen Dorfschullehrerliteratur betrachten, die von Verfassern aus dem Bauernstande, wie K. Thyregod (geb. 1822), Anton Nielsen (geb. 1827), Mads Hansen (183480), Zakarias Nielsen (geb. 1844) gepflegt wird.
   Seine erste direkte Schülerin fand Heiberg in seiner Mutter, der geschiedenen Frau P. A. Heibergs, Komtesse Gyllembourg (17731856). Ihre »Alltagsgeschichten«, die anonym in der Zeitschrift ihres Sohnes erschienen, bahnten die intime bürgerliche Novellistik an, die in ihrem Neffen Karl Bernhard (Nie. de Saint-Aubain, 17981865) einen Nachahmer fand. Nach Heibergs Beispiel suchten auch Th. Overskou (17981873) und P. V. Jacobsen (17991848) mit Erfolg die umgebende Wirklichkeit in Schauspielen und Vaudevilles zu verwerten. Unker den Vertretern dieses zwischen Klassizismus und Romantik vermittelnden Realismus ist der genialste Denker und Stilist Frederik Paludan Müller (18091876), der mit seinem Roman in Versen »Adam Homo« (1841) ironisch realistisch die Geschichte eines Alltagsmenschen schildert. Als Lyriker ist der innige, naturfreudige Christian Winther (17961876) an erster Stelle zu nennen. Weniger produktiv, als Erotiker aber noch intensiver und farbenglühender ist Emil Aarestup (18001856), sein und mild Ludwig Bödtcher (17931874). Einen immer noch wachsenden Weltruf erwarb sich H. C. Andersen (180578) mit seinen Märchen, in denen sich romantische Zartheit mit psychologischer Wahrheit verbinden.
   Die politischen Interessen, die in den 1849er Jahren Europa bewegten, gaben dem Realismus, der seine Stoffe in der Welt der Tatsachen suchte, neue Impulse und einer Generation von jungen Dichtern ihr Gepräge. Der bedeutendste unter ihnen, Meïr Aaron Goldschmidt (181987), machte mit seinem satirisch-politischen Wochenblatt »Der Korsar« (18401846) viel Aufsehen. In seinen Novellen, die das intime Leben in den jüdischen Kreisen Kopenhagens zum Vorwurf haben, zeigt er eine Beobachtungsgabe und eine elegante Vollendung des Stils, die in der dänischen Prosa noch nicht erreicht war. Das Studentenleben und das skandinavische Einheits- und Freiheitsbestreben fanden einen begeisterten Sänger in Karl Parmo Ploug (181394) und I. Chr. Hostrup (181292), der seinen Komödien durch Humor und Lebenstreue dauernden Wert verlieh. Chr. Richardt (183192), H. P. Holst (181193) und Chr. K. F. Molbech (geb. 1821) pflegten die patriotische Kriegs- und Gelegenheitsdichtung. H. W. Kaalund (181885) wußte durch seine Gedichtsammlungen »Ein Frühjahr« und »Spätfrühling« sich die Achtung zu verschaffen, die ihm sogar seine Gegner in den literarischen Kämpfen der 1870er Jahre zollten. Auf der Bühne erwarb sich der launige Liederdichter und Feuilletonist Erik Bögh (geb. 1822) mit Possen und Singspielen große Popularität. Der Roman fand viele Förderer, unter denen hervorzuheben sind: Hans Egede Schack (182059), der in den »Phantasten« zeigte, wie ein romantisch überschwengliches Gefühlsleben die Tatkraft lähmte, Karl Bagger (180746), dessen Roman »Das Leben meines Bruders« Originalität und Wirklichkeitssinn beweisen, und der französisch-pikante Poul Chiewitz (181758) mit seinen unmaskierten, zuletzt manierierten Entschleierungen des Kopenhagener Privatlebens.
   Trotz ihres regen literarischen Lebens vermochte diese Zeit keinen ausgeprägten Stil zu schaffen. Allmählich war auf allen Gebieten eine Verflachung eingetreten, so daß schließlich nur der kräftige, eigenartige Dichter und Denker Sören Kierkegaard (181355) der Urbanität und dem ästhetischen Fürliebnehmen gegenüber einen eignen Standpunkt vertrat und zeigte, wie wenig die ästhetische Weltanschauung imstande sei, dem Menschen die Religion zu ersetzen. Wie es zu Anfang des Jahrhunderts Steffens getan, brachte auch jetzt ein junger Gelehrter, Georg Brandes (geb. 1842), der stagnierenden Kultur neue Anregungen aus Europa. In Vorlesungen, die er 1872 begann und später als »Hauptströmungen der Literatur des 19. Jahrhunderts« veröffentlichte, wies ernach, daß Dänemark in der zweiten Hälfte des 19. Jahrh. noch nicht die Reaktion gegen die Romantik überwunden habe, daß ein bornierter

[Bd. 4, Sp. 496]


Skandinavismus jeder äußern Anregung feindlich gegenüberstehe, und daß man immer noch die neuen Aufschlüsse entbehre, die einer gesunden Reaktion, sofern sie nicht Rückschritt bedeuten soll, folgen müßten. Der englisch-französische Positivismus, der naturalistische Roman Flauberts und Zolas und die gesellschaftskritische Dramatik der Augier und Dumas fils bezeichnete er als die Geistesbewegungen, die, aus dem Leben herauswachsend, auf das Leben zurückwirkten. Von seinem glühenden Enthusiasmus hingerissen, scharten sich bald eifrige Schüler um ihn. J. P. Jacobsen (184785) brachte in seinem glänzenden historischen Roman »Frau Marie Grubbe« (1876) und in »Niels Lyhne« (1880), der Geschichte eines jungen Mannes, die hervorragendsten Leistungen der naturalistischen Richtung und schuf in seiner Naturbeschreibung und psychologisch-pathologischen Analyse eine neue dichterische Sprache, an der fast alle folgenden Schriftsteller ihren Stil gebildet haben. Holger Drachmann (geb. 1846) begeisterte die Nation durch seine jugendfrische Lyrik, seine farbenschillernden Seeromane und seine Kriegsschilderungen »Von der Grenze drüben«. Sophus Schandorph (geb. 1837) entwickelte sich aus einem flachen Romantiker zu einem kräftigen, oft humorvoll derben Schilderer des niedern Volkes (»Aus der Provinz«, 1876; »Ohne Mittelpunkt«, 1878). Karl Gjellerup (geb. 1857) sagte sich von der Orthodoxie los und schloß sich mit seinem satirischen Roman »Der Germanenlehrling« den »Männern des Durchbruchs« an, zu denen Brandes in seinem »Det moderne Gjennembruds Maend« (1883), auch Erik Skram (geb. 1847) mit seinem Roman »Gertrude Coldbjörnson« (1879) zählt. Edward Brandes (geb. 1847) und Einar Christiansen (geb. 1861), die Dramatiker der Neuen, zeigten sich in all ihrer Verschiedenheit wesentlich von Björnson und Ibsen beeinflußt.
   Selbstverständlich erregte die Rücksichtslosigkeit, mit der die jungen Leute gegen das Bestehende und Althergebrachte ins Feld zogen, die erbittertste Opposition von Männern der ältern Richtung, wie Ploug, Kaalund, dem Dramatiker und Novellisten Rud. Schmidt (geb. 1836) und vielen Vertretern der Wissenschaft. Auch fehlte es nicht an Dichtern, welche die alten Traditionen fortsetzten; Karl Andersen (182683), Henrik Scharling (geb. 1836; »Nöddebo Pfarrhaus«), P. Mariager (182794), Johanne Schjörring (geb. 1836) pflegten die Novellistik; E. Lembcke (geb. 1815), Thom. Lange (182987), L. Budde (geb. 1836), E. v. d. Recke (geb. 1848) waren beliebte Lyriker. Im allgemeinen aber war das Feld mit den 1880er Jahren für die neue Richtung gewonnen. Herman Bang (geb. 1857) nahm den psychologischen Roman Jacobsens auf und versetzte ihn mit französischer Dekadenzmelancholie. Sein erstes Buch: »Schwere Melodien« (1880), widmete er Wilhelm Topsöe (1840 bis 1881), der außerhalb aller Parteieinflüsse zu der sein abschattierten Schilderung modernen Seelenlebens, dem konzisen Stil und dem Wahrheitsdrang der neuen Schule gekommen war. Von den jüngern Talenten sind Gustav Esmann (geb. 1860) und Peter Nansen (geb. 1861) in ihrem eleganten Prosastil auf Jacobsen, als Schilderer des dekadenten Kopenhagener Lebens auf Herman Bang zurückzuführen. Überhaupt gaben die eigentümlichen Kopenhagener Verhältnisse in den philiströs Bürgerlichen oder rücksichtslos Freisinnigen, in der lärmenden Bohême oder frivolen »guten« Gesellschaft den jungen Schriftstellern ihre beliebtesten Stoffe. Für die Bühne schreiben Lustspieldichter wie Oskar Benzon (geb. 1856), Emma Gad (geb. 1852), Gustav Esmann, Palle Rosenkrantz. In der Novellistik tritt eine immer wachsende Schar fleißiger Talente auf, unter denen sich Namen bemerkbar machen wie Frau Erna Juel-Hansen, die freisinnige, witzige Darstellerin des Kopenhagener jungen Mädchens, G. Wied (geb. 1858), der satirische, ausgelassen frivole Misogyne, und Karl Larsen (geb. 1860), dessen Sprachkunst den feinsten Stimmungen des unbewußten Seelenlebens Ausdruck verleiht. Die Bauernnovelle und Armeleutedichtung fanden Vertreter in dem kräftigen, zuverlässigen Henrik Pontoppidan (geb. 1857), dessen Familie drei Jahrhunderte hindurch die d. L. bereichert hat, in dem Pfarrer P. E. Benzon (geb. 1857), Joh. Sjkoldborg, Otto Aakjaer, Henning Jensen u. a. Der historische Roman wurde weitergeführt von Woldemar (Wiggo Holm; 185599), Ingv. Bondesen (geb. 1844), W. Östergaard (geb. 1852) und H. F. Ewald (geb. 1821), während der auf allen Gebieten tätige Sohn des letztern, Karl Ewald (geb. 1856), die Märchendichtung Andersens in eigenartiger, naturbeschreibender Weise fortsetzte.
   Waren die Aufklärung, die Romantik und ihr gemeinsames Erzeugnis, die Realistik, die in der Wirklichkeit die poetische Wahrheit suchte, in Einseitigkeit befangen, immer flacher und unbefriedigender geworden, so hat es auch der Naturalismus nicht vermeiden können, schließlich eine Literatur hervorzubringen, die wenig mehr war als ein immer dünnerer Ausguß der Schlagworte, Probleme unter Debatte zu bringen und die Natur möglichst getreu zu photographieren. Als ein Resultat der freien Entwickelung des Dichters ist es anzusehen, daß Holger Drachmann sich um das Jahr 1885 in Opposition zu der Theorie der Schule stellte. Andre, wie Gjellerup, Alfred Ibsen (geb. 1852), Karl Ewald, Oskar Madsen (geb. 1866), sind seinem Beispiel gefolgt. In den 1890er Jahren wollten Johannes Jörgensen (geb. 1866), Sophus Claußen (geb. 1865), Wiggo Stuckenberg (geb. 1863), Sophus Michaelis (geb. 1865) u. a. die dänische Dichtung in die Bahnen des Symbolismus und der Sprachmalerei lenken; indessen sind ihre Erzeugnisse noch keineswegs epochemachend, obgleich sie erkennen lassen, daß eine Art Romantik mit empfindlichem Schönheitskultus und Hang zum Mystizismus nach neuen künstlerischen Formen sucht. Als Merkmal der neuesten Dichtung gilt überhaupt, daß sie quantitativ sehr reich ist, und von den Dichtern, daß sie mit Fleiß und sprachlicher Sorgfalt aus Werk gehen. Die meisten stehen in reger Entwickelung und erlauben somit kein geschichtliches Urteil. Als Talente, von denen man viel erwartet, mögen hier Waldemar Rørdam (geb. 1872), Ludwig Holstein (geb. 1864), Johannes W. Jensen, Aage Ibsen und Frau Jenny Blicher-Clausen (geb. 1865) genannt werden. Die Leistungen auf allen Gebieten der Wissenschaft im 19. Jahrh. sind so zahlreich, daß hier nur hervorragender Erscheinungen gedacht werden kann. Auf dem Felde der Theologie wurde der Rationalismus der Aufklärung von H. N. Claussen (17931877) kritisch untersucht und von dem als Dichter genannten Grundtvig sowie von den Bischöfen J. P. Mynster (17751854) und H. L. Martensen, wenn auch von verschiedenem Standpunkt aus, bekämpft. Grundtvig wollte das Christentum mit dem Volkstümlichen in Einklang bringen und entfesselte in dem »Grundtvigianismus« eine mächtige Strömung, die

[Bd. 4, Sp. 497]


die Hebung des Volkes durch Religion und Schulbildung bezweckte. Mynster und Martensen dagegen faßten das Christentum ästhetisch und dogmatisch auf und versuchten einen Kompromiß zwischen Glauben und Wissen herbeizuführen, der in seiner Unzulänglichkeit von dem Denker und Dichter Sören Kierkegaard und Rasmus Nielsen (180984) erkannt wurde. In der Philosophie herrschte lange Zeit der Hegelianismus, vertreten durch F. Chr. Sibbern (17851872) und Hans Bröchner (182075). Die in der dänischen Kulturgeschichte so bedeutungsvollen 1870er Jahre brachten auch hier Neues: den englisch-französischen Positivismus, Utilitätsmoral und Evolutionstheorie, vertreten durch S. Heegard (18351884), Kr. Kromann (geb. 1846) und H. Höffding (geb. 1843), die als Universitätslehrer für die ethische Heranbildung der Jugend von großem Einfluß gewesen sind. Die Reihe berühmter Naturforscher hebt an mit H. Chr. Örsted (17771851), der 1820 den Elektromagnetismus entdeckte. Bedeutendes und Berühmtes haben in der Physiologie D. F. Eschricht (17981862), in der Geologie und Chemie G. Forchhammer (17941865), in der Zoologie Jap. Steenstrup (181397) und J. C. Schiödte (181584), in der Botanik J. F. Schouw (17891852) geleistet. Nordische Philologie und Altertumsforschung wurden infolge der wachsenden Begeisterung für die Vorzeit und alles Nationale mit besonderm Eifer getrieben. C. H. Thomsen (1788 bis 1865) begründete das Altnordische Museum in Kopenhagen und ersann die Einteilung der vorhistorischen Periode in eine Stein-, Bronze- und Eisenzeit. Seine Forschungen führte J. I. Worsaae (18211885) weiter und brachte die dänische Archäologie in wissenschaftliches System. Der gelehrte Isländer Finnur Magnusson (17811847) übersetzte die »Edda«. Als einer der ersten vergleichenden Sprachforscher erwarb Rasmus Rask (17871832) einen Weltruf durch die Zusammenstellung der europäischen Sprachen, zu der er unabhängig von seinem deutschen Zeitgenossen Franz Bopp gekommen war. Ihm zur Seite steht Wilh. Thomsen (geb. 1842) durch seinen Nachweis von dem Zusammenhang des finnischen und germanischen Sprachstammes. Als klassischer Philolog wurde J. N. Madvig (180486) geschätzt. Die archäologischen und philologischen Errungenschaften machte sich die Geschichtsforschung zu gute, die in P. E. Müller (17761834), dem Herausgeber der »Sagabibliothek« (181720), und E. C. Werlauff eifrige Förderer fand. Durch glänzende Darstellung zeichnen sich die leider unvollendet gebliebene »Geschichte der drei nordischen Reiche« von C. F. Allen (181171), durch gründliche Quellenkritik die Monographien C. P. Paludan-Müllers (185382) aus. Die jüngere Generation von Historikern, A. D. Jörgensen (184097), Edw. Holm (geb. 1833), Troels Lund (geb. 1840), I. Steenstrup (geb. 1841), I. Fredericia (geb. 1849), Kr. Erslev (geb. 1852) sind durch die Eröffnung der Staatsarchive zu einer sicherern Übersicht der gesamten historischen Quellen gekommen und haben sowohl die politische als die Kulturgeschichte vielfach in neues Licht zu stellen vermocht. Die Geschichte des Auslandes hat besonders Fredr. Schjern (184682) bearbeitet. Die Kunstgeschichte wurde von Georg Zoega (17551809) und P. O. Bröndsted (17801842) auf wissenschaftliche Höhe gebracht und fand in N. L. Hyen (17981870) und Jul. Lange (183896) hochbegabte Förderer. Langes Hauptwerk »Die Kunstgeschichte der menschlichen Gestalt« (»Menneskefigurens Kunsthistoria«) wurde nach seinem Tode von P. Köbke herausgegeben (1899). Auf psychologischer Grundlage hat der Nervenarzt C. Lange (18341900) »Beiträge zur Physiologie der Genüsse als Grundlage einer rationalen Ästhetik« (1899) veröffentlicht.
   Als Begründer der wissenschaftlichen dänischen Literaturgeschichte gelten R. Nyerup (17591829) und der als Journalist genannte K. L. Rahbek durch ihr Werk »Beiträge zur Geschichte der dänischen Dichtkunst« (18001828). Die Dichter Chr. Molbech und J. L. Heiberg setzten ihr Werk fort. Die erste zusammenfassende Literaturgeschichte als Ergebnis tiefgehender Untersuchungen verfaßte aber erst N. M. Petersen (17911862). In neuester Zeit hat Georg Brandes neue, kritisch vergleichende Methoden eingeführt und in seinen großen Werken Gesichtspunkte entwickelt, die seine Nachfolger in weitem Maße beeinflußt haben. Die einzelnen Perioden der literarischen Entwickelung fanden im 19. Jahrh. folgende besonders nennenswerte Bearbeiter: die Frühzeit behandelten Sv. Grundtvig, Heroisk Digtning (1867); A. Olrik, Sakses Oldhistorie (189294); N. M. Petersen, Danmarks Historie i Hedenold (2. Aufl. 1854); das Mittelalter: A. D. Jörgensen, Bidrag til Nordens Historie i Middelaldern (1871); Derselbe, Danske Helgeners Levned, übersetzt von H. Olrik (1892); S. Grundtvig, Danmarks gamle Folkeviser (185390, 5 Bde.; Fortsetzung von A. Olrik, 1895ff.); die Neuzeit: Rönning, Rationalismens Tidsalder (188690, 2 Bde.); Kr. Arentzen, Baggesen og Öhlenschläger (187078, 8 Bde.); L. Dietrichson, Indledning i Studiet af Danmarks Litteratur i vort aarh. (1860); W. Wedel, Guldaldern i dansk Digtning (1890); G. Brandes, Danske Digtere (1877), Essays (1889) und Det moderne Gennembruds Maend (1883); A. Matthison-Hansen, Nutids Lyrik (seit 1872) und Biografier (1889); C. E. Jensen, Vore Dages Digtere (1898).
   Allgemeine Literaturgeschichten veröffentlichten N. M. Petersen, Bidrag til den danske Literaturs historie (2. Aufl. 186771, 5 Bde.), und P. Hansen, Illustreret Dansk Literaturhistorie (neu ergänzt in 3 Bdn., 19011902). Theatergeschichtliche Werke schrieben Th. Overskou, Den danske Skueplads i dens Historie (185466, 5 Bde.), fortgeführt von Edgar Collin (187376, Bd. 6 u. 7), der auch mit A. Aumont eine alljährlich durch Jahrbücher ergänzte Geschichte des Hoftheaters, »Det danske Nationaltheater«, zustande gebracht hat. Der Schauspieler Karl Mantzius gibt mit Staatszuschuß eine »Weltgeschichte der Schauspielkunst« (»Skuespilkunstens historie«, 18981899, Bd. 1 u. 2) heraus.
   Deutsche Werke über d. L. sind: Strodtmann, Das geistige Leben in Dänemark (Berl. 1873); Wollheim da Fonseca, Nationalliteratur der Skandinavier (das. 187477); Schweitzer, Geschichte der skandinavischen Literatur (Leipz. 188689, 3 Bde.), und namentlich Winkel-Horn, Geschichte der Literatur des skandinavischen Nordens (das. 1880). Bibliographische Hilfsmittel gaben I. Worm (1784), Nyerup und Kraft (1820), Erslev (184353; 3 Supplementbände 185468), Chr. Bruun (»Bibliotheca danica, systematisches Verzeichnis der dänischen Literatur 14821830«, 1877ff.), und Bricka (»Dansk biografisk Lexikon«, 18871901, bisher 15 Bde.) heraus.

[Bd. 4, Sp. 498]



 
Artikelverweis 
Dänische Sprache, Die d. S. ist ein Glied der skandinavischen oder nordischen Sprachfamilie, und zwar bildet sie zusammen mit der schwedischen den südöstlichen (»ostnordischen«) Zweig dieses Stammes. Die d. S. der ältesten Denkmäler (Runeninschriften seit dem 4. Jahrh.) unterscheidet sich noch nicht von dem Urnordischen; erst seit dem Beginn des 8. Jahrh. zeigen diese Inschriften charakteristische Eigentümlichkeiten. Literarische Quellen besitzen wir erst aus dem 13. Jahrh. in den Gesetzbüchern der dänischen Provinzen, die bereits dialektische Spaltungen zeigen. Ihre heutige Schrift und Redegestalt erhielt die d. S. in der Mitte des 16. Jahrh. Aus dem seeländischen Dialekt hatte sich im 14. und 15. Jahrh. bereits eine allgemeine Schriftsprache gebildet, die mit der Reformation durch Buchdruck und größere literarische Tätigkeit sich auch im Laienstand befestigte und ausbildete. Als erstes bedeutenderes Denkmal der einheitlichen neudänischen Sprache darf die Übersetzung der Lutherbibel (1550) gelten. Seitdem beeinflußten ihre Entwickelung wesentlich zwei Faktoren: 1) Abschwächung der Lautform und Vereinfachung der Flexion durch Formübertragung, 2) das Eindringen fremder Wörter in den Sprachschatz. Am stärksten war der Einfluß des Deutschen, zuerst (seit dem 15. Jahrh.) der des Niederdeutschen (durch die Hansa und das deutsche Regentenhaus vermittelt), dann der des Hochdeutschen, der seit der Reformation, besonders mächtig aber im 18. Jahrh. unter Struensees Verwaltung sich geltend machte; daher ist trotz aller puristischen Bestrebungen, einer natürlichen Folge der durch die schleswigschen Kriege hervorgerufenen feindlichen Stimmung gegen Deutschland, noch heute mehr als ein Drittel der dänischen Wörter deutschen Ursprungs. Das Gebiet der dänischen Sprache ist das Königreich Dänemark, der nördlichste Teil von Schleswig und Norwegen, wo sie infolge der jahrhundertelangen Zugehörigkeit dieses Landes zur dänischen Krone Schrift- und höhere Gesellschaftssprache geworden ist. Auch die Volksmundarten der südschwedischen Landschaften Halland, Schonen und Blekinge, die ehemals zu Dänemark gehörten, sind zusammen mit dem Dialekt der Insel Bornholm zum dänischen Sprachgebiet zu rechnen; eine zweite Dialektgruppe bildet das Inseldänische (auf Seeland, Fünen etc.) und eine dritte das Jütische mit dem Nordschleswigschen. In Norwegen herrscht härtere Aussprache, und vieles ist aus der Volkssprache aufgenommen (vgl. Norwegische Volkssprache). Die d. S. ist die weichste und modernste unter den skandinavischen, doch nicht so wohllautend wie die schwedische. Das Alphabet ist wesentlich das deutsche, nur w fehlt (wofür v steht); dazu kommen noch ä (oder æ) und ö (oder ein durchstrichenes o: ø) und seit neuester Zeit, dem Schwedischen entlehnt, a (für aa). Der Gebrauch lateinischer Schrift (Antiqua) statt der deutschen (Fraktur) ist im Dänischen heute viel ausgedehnter als bei uns, sogar in politischen Zeitschriften (z. B. »Dagbladet« und »Politiken«). Die Geltung der Schriftzeichen ist aber vielfach verschieden: aa (a) = o, u (zum Teil) = o, y (zum Teil) = ö etc. Wissenschaftliche Grammatiken der dänischen Sprache lieferten Th. Möbius (»Dänische Formlehre«, Kiel 1871, worin auch die ältere Literatur verzeichnet ist) und Kr. Mikkelsen (»Dansk Sproglære«, Kopenh. 1894); zur ersten Einführung ist empfehlenswert das kleine »Lehrbuch der dänischen Sprache« von J. C. Poe sti on (2. Aufl., Wien 1898). Das WörterbuchDansk Ordbog«) der dänischen Akademie (Kopenh. 17931881) ist veraltet, ebenso Molbechs »Dansk Ordbog« (das. 1833; 2. Aufl. 1859, 2 Bde.); ein großes Wörterbuch der dänischen Sprache seit Holberg wird von V. Dahlerup vorbereitet. Etymologische Wörterbücher schrieben E. Jessen (Kopenh. 1893) sowie H. Falk und A. Torp (Christ. 1901ff.); ein Reimwörterbuch A. Sörensen (Kopenh. 1900). Von dänisch-deutschen Wörterbüchern sind besonders zu nennen die von Helms (2. Aufl., Leipz. 1871) und I. Kaper (4. Aufl., Kopenh. 1900); deutsch-dänische schrieben I. Kaper (3. Aufl., das. 1895) und I. Brynildsen (Christ. 1900), einen dänisch-norwegischen Sprachführer (Konversations-Wörterbuch für Deutsche) H. Nissen (Leipz. 1893); ein dänisch-isländisches Wörterbuch Gislason (Kopenh. 1851) und I. Jonasson (Reykjavik 1896); ein dänisch-norwegisch-schwedisches Dalin (Stockh. 1869), ein dänisch-französisches T. Sundby und E. Baruël (Kopenh. 188384, 2 Bde.), ein dänisch-englisches S. Rosing (7. Aufl., das. 1899) und A. Larsen (3. Aufl., das. 1897). Ein »Dansk Glossarium« (Kopenh. 18531866) für die veralteten Wörter gab Molbech heraus; Kalkars »Ordbog tildet ældre danske Sprog« (das. 1881ff.) ist noch nicht vollendet. Die von Molbech (»Dansk Dialektlexicon«, Kopenh. 1841) zuerst begonnene Erforschung der dänischen Mundarten wird gegenwärtig besonders durch »Universitäts-Jubiläets danske Samfund« eifrig gefördert (vgl. Feilberg, Bidrag tilen Ordbog over jyske Almuesmål, das. 1886ff. u. a.). P. E. Müller schrieb eine dänische Synonymik (Kopenh. 1829, 2 Bde.; 3. Aufl. von Dahl, 1872), Thortsen »Forsög tilen dansk Metrik« (das. 183335, 2 Bde.). Das neueste und beste Werk über dänische Metrik sind E. v. d. Reckes »Principerne for den danske Verskunst« (Kopenh. 1882, 2 Bde.). Die auf dem Stockholmer Orthographenkongreß von 1869 festgesetzten Regeln brachte in Anwendung Sv. Grundtvig in »Dansk Retskrivnings-Ordbog« (Kopenh. 1870). Auf Grund der später (1889) vom Kultusministerium angebahnten Ordnung der Rechtschreibung verfaßt ist V. Saabys »Dansk Retskrivnings-Ordbog« (3. Aufl., Kopenh. 1896); sie hat vielen Widerspruch erfahren und Gegenvorschläge hervorgerufen (»Den literaire Retskrivning«, Kopenh. 1889). Die Arbeiten über die Geschichte des Dänischen von Petersen (»Det danske, norske og svenske Sprogs Historie«, Kopenh. 182930, 2 Bde.) und Molbech (»Det danske Sprogs historiske Udvikling«, das. 1846) sind veraltet; vortrefflich ist die kurze Darstellung von V. Dahlerup: »Det danske sprogs historie« (das. 1896). Vgl. dazu A. Noreen, De nordiska språken, S. 39ff. (Upsala 1887).
 
Artikelverweis 
Dänische Wage, s. Meyers Besemer.
 
Artikelverweis 
Dänische Wiek, Einbuchtung des Greifswalder Boddens in das pommersche Festland bei Greifswald. An ihr liegen die Seebäder Wiek und Eldena (s. d.).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: