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Daniel bis Danilow (Bd. 4, Sp. 490 bis 492)
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Artikelverweis Daniel, 1) Samuel, engl. Dichter und Historiker, geb. 1562, gest. im Oktober 1619, studierte zu Oxford, widmete sich dann der Poesie und Geschichte und soll von Elisabeth 1599 zum Dichter gekrönt worden sein. Jedenfalls spielte er eine nicht unbedeutende Rolle am Hofe Jakobs I. In Prosa schrieb er eine »History of England« (Lond. 161318, 2 Bde., u. ö.; fortgesetzt von I. Trussell bis 1488, das. 1636). Als Dichter ist D. durch seine lyrischen Poesien (Sonette) nicht ohne Bedeutung. Dagegen sind seine größern Gedichte, namentlich die »History of the civil wars between the houses of York and Lancaster« (15951609), wenig mehr als gereimte Prosa. Seine »Poetical works« erschienen London 1623 und 1718, 2 Bde.
   2) Gabriel, franz. Historiograph, geb. 8. Febr. 1649 in Rouen, gest. 23. Juni 1728 in Paris, ward Jesuit und lehrte in den Kollegien des Ordens Philosophie, Humaniora und Theologie, kam zuletzt als Bibliothekar in das Profeßhaus seines Ordens nach Paris und erhielt von Ludwig XIV. den Charakter eines königlichen Historiographen. Seine »Voyage du monde de Descartes« (Par. 1691) ward auch ins Lateinische, Englische und Italienische übersetzt (neue Aufl., das. 1696; durch die »Nouvelles difficultes touchant la connaissance des bêtes« vermehrt, zum letztenmal 1739, 2 Bde.). Gegen Pascals »Lettres provinciales« verteidigte er die Jesuiten in den »Entretiens de Cléandre et d'Eudoxe sur les lettres provinciales« (Rouen 1694; auch ins Lateinische, Spanische, Italienische u. Englische übersetzt). Sein Hauptwerk: »Histoire de France« (erste Ausg. 1713, 3 Bde. in Folio, beste Ausg. mit Fortsetzung bis 1715 von P. Griffet, Par. 175557, 17 Bde., und von Lombard, Amsterd. 175558, 24 Bde.; deutsch, Nürnb. 175663, 16 Bde.; einen Abrégé in 9 Bdn. gab der Verfasser 1724 heraus), zeigt kritische Gelehrsamkeit und Scharfsinn, ist aber trocken, gesucht elegant und für die neuern Zeiten stark klerikal parteilich. Bekannt ist noch seine »Histoire de la milice française« (Par. 1721, 2 Bde.; im Auszug von Allatz, das. 1780, 2 Bde.).
   3) Hermann Albert, Schulmann und geograph. Schriftsteller, geb. 18. Nov. 1812 in Köthen, gest. 13. Sept. 1871 in Leipzig, studierte 183034 in Halle Theologie und wirkte bis 1870 als Professor am Pädagogium daselbst. Sein Hauptverdienst ist es, der Geographie, die er im Sinne Ritters behandelte, durch geschmackvolle Darstellungsweise die Schulen und die gebildete Welt gewonnen zu haben. Schon 1841 veröffentlichte er ein »Lehrbuch der Geographie für höhere Unterrichtsanstalten« (80. Aufl. von Wolkenhauer, Halle 1902), dann 1850 einen »Leitfaden« (233. Aufl. 1903) und das »Handbuch der Geographie« (Leipz. 185963, 3 Tle.; 6. Aufl., 4 Bde.), von dem ein Auszug von Wolkenhauer 1899 in 6. Auflage (daneben illustr. Ausg. in 2 Bdn., 3. Aufl. 1900) erschien. Band 3 und 4 des Handbuchs erschienen

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unter dem Sondertitel: »Deutschland nach seinen physischen und politischen Verhältnissen geschildert« (6. Aufl. von Volz, 1893). Einige dieser Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Auf theologischem Gebiet hat sich D. als Hymnolog durch die Werke: »Thesaurus hymnologicus« (Halle 184156, 5 Bde.) und »Codex liturgicus« (das. 184755, 4 Bde.) verdient gemacht. Vgl. »Hermann Albert D., ein Lebensbild« (Halle 1872).
   4) Ernst, Baron, ungar. Großgrundbesitzer und Politiker, geb. 3. Mai 1843 zu Elemér im Torontáler Komitat, studierte in Budapest die Rechte, wurde 1867 Stuhlrichter, 1870 liberales Mitglied des Reichstags und war im Abgeordnetenhaus Referent über Handels- und Finanzfragen. Unter Bánffy wurde er im Januar 1895 Handelsminister, 1896 erbliches Mitglied der Magnatentafel und beim Schluß der Millenniums-Ausstellung Baron. Am 26. Febr. 1899 erhielt er mit Bánffy den Abschied.
   5) Troubadour, s. Meyers Arnaut Daniel.
 
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Daniell, Einheit der elektromotorischen Kraft, s. Meyers Elektrische Maßeinheiten.
 
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Daniellsches Element, s. Meyers Galvanisches Element.
 
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Danielson, 1) Anders Peter, schwed. Politiker, geb. 1. Dez. 1839 auf der Insel Oland, gest. 18. Dez. 1897 in Stockholm, ergänzte nach Übernahme des väterlichen Erbgutes (1861) seine mangelhafte Schulbildung durch Privatstudien und erwarb sich in seinem Heimatsbezirk bald eine einflußreiche politische Stellung. Seit 1873 Mitglied, 189194 und 1897 auch Vizepräsident der Zweiten Reichstagskammer, gehörte er anfangs zu den Oppositionellen der Landmannpartei, ging aber nach deren Sprengung (1887) als Führer der schutzzöllnerischen Neuen Landmannpartei ins Regierungslager über und war am Zustandekommen des Wehrpflichtgesetzes von 1892 hervorragend beteiligt. Mit der ohne sein Zutun durch die Regierung Anfang 1895 veranlaßten Wiedervereinigung der beiden Flügel der Landmannpartei söhnte er sich erst nach längerer Zeit aus.
   2) Johan Richard, finnländ. Historiker und Politiker, geb. 7. Mai 1853 im Kirchspiel Hauho, seit 1878 Dozent, seit 1880 Universitätsprofessor der Geschichte zu Helsingfors, veröffentlichte die auf langjährigen Studien in den Hauptarchiven Europas fußenden Werke: »Zur Geschichte der sächsischen Politik 17061709« (Helsingf. 1878); »Bidrag tillen framställning af Englands socialpolitik och ekonomisktsociala utveckling« (das 12. bis 16. Jahrh. umfassend, das. 1880); »Die nordische Frage 17461751« (das. 1888). Nicht minder wertvoll sind seine Beiträge zur neuern Geschichte Finnlands, besonders »Handlingar vörande forvaltningen i Finland år 1808« (Helsingf. 189395, 2 Bde.), »Viborgs läns återförening med det öfriga Finland« (das. 1894) und »Finska kriget och Finlands krigare 18081809« (das. 1897). Im Ständelandtag (Geistlichkeit), dem er seit 1885 ununterbrochen als Führer der Fennomanen (s. d.) angehörte, bez. in den weitverbreiteten Broschüren »Finnlands Vereinigung mit dem russischen Reiche« (Helsingf. 1891; auch schwed., finn., russ. u. engl.) und »Finlands inre själfständighet« (das. 1892) verfocht er energisch die innere Selbständigkeit seines Vaterlands, so daß sein plötzlicher Übergang ins russenfreundliche Lager Ende 1901 allgemein überraschte. Zur Belohnung erhielt er Anfang 1903 den Posten eines Universitäts-Vizekanzlers.
 
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Danien (spr. danĭäng), s. Meyers Kreideformation.
 
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Danila, russ. Wallfahrtsort, s. Meyers Danilow 2).
 
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Daniléwskij, 1) Nikolaj Jakowlewitsch, russ. Schriftsteller, geb. 16. Dez. (28. Nov.) 1822 in Moskau, gest. 19. (7.) Nov. 1885 in Tiflis, studierte an der Petersburger Universität Naturwissenschaften, trat dann ins Ministerium der Reichsdomänen, von dem er mehrfach zu wissenschaftlichen Untersuchungen abberufen wurde. Durch sein Hauptwerk: »Rußland und Europa« (Petersb. 1871, 3. Aufl. 1888), trat er in die erste Reihe der jüngern Slawophilen, die dies Werk als die Grundlage ihrer Lehre betrachten (s. Meyers Slawophilen). Außerdem machte er sich durch seine kritische Untersuchung über den Darwinismus (Petersb. 188587, 2 Bde.) als dessen Gegner bekannt.
   2) Grigorij Petrowitsch, russ. Schriftsteller, geb. 26. (14.) April 1829 auf dem Gute Danilowka im Gouv. Charkow, gest. 18. (6.) Dez. 1890 in Petersburg, wurde in der »adligen Pension« zu Moskau erzogen, studierte darauf in Petersburg Jura und erhielt 1850 eine Anstellung im Ministerium der Volksaufklärung, in dessen Auftrag er Reisen in die Krim und nach Finnland unternahm und in den Klosterarchiven der Gouvernements Charkow, Kursk und Poltawa arbeitete. 1856 wurde er vom Marineministerium mit Untersuchung der Küsten des Asowschen Meeres beauftragt und zog sich dann, nachdem er 1857 seinen Abschied genommen, auf seine Besitzung im Gouv. Charkow zurück, wo er zwölf Jahre blieb; seit 1869 lebte er wieder in St. Petersburg und zwar als Redakteur des offiziellen »Regierungsanzeigers«. Die ersten schriftstellerischen Versuche von D. datieren aus dem Jahr 1841; einen Ruf aber erwarb er sich erst später durch seine Erzählungen, die durch ein gewisses ethnographisches Element charakterisiert sind, und seine historischen Romane. Von den Erzählungen der erstern Art nennen wir: »Die Flüchtlinge«, »Die Rückkehr der Flüchtlinge«, »Die Freiheit«, die 186263 in der »Epocha« und im »Vremja« unter dem Pseudonym Skawronskij erschienen, und endlich das nach einer langen Pause (1874) geschriebene »Die neunte Welle« (deutsch als »Die Nonnenklöster in Rußland« in Reclams Universal-Bibliothek). Es folgten dann die historischen Romane »Mirowitsch« (1879, deutsch in Reclams Universal-Bibliothek), »Das verbrannte Moskau« (188586), »Das schwarze Jahr« (1888) etc. Außerdem schrieb D.: »Das ukrainische Altertum. Materialien zur Geschichte und Kultur der Ukraine« (1866, von der Akademie der Wissenschaften mit dem Uwarowschen Preis gekrönt). Die Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1889 in Petersburg in 6. Auflage in 8 Bänden.
   3) Basile, Physiolog, geb. 1852 in Charkow, studierte daselbst und in Würzburg, wurde 1880 Professor an der Veterinärschule in Charkow und 1883 Professor der Physiologie an der dortigen Universität. Er arbeitete auf den verschiedensten Gebieten der Physiologie (Thermomyologie, Nerven, Gehirn, Hypnotismus, Kraftvorräte der Nahrungsmittel, Blut, Lecithin, Malariamikroben etc.) und schrieb: »Über den Ursprung der Muskelkraft« (russ., 1876); »Untersuchungen zur Physiologie des Gehirns« (affektivomotorische Zentra, russ., 1876); »Untersuchungen über den tierischen Hypnotismus« (russ., 1878); »La parasitologie comparée du sang« (Charkow 1889, 2 Bde.); »Versuche, die Gültigkeit des Prinzips der Erhaltung der Energie bei der Muskelarbeit experimentell zu beweisen« (Wiesbad. 1889).
 
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Danilo, Petrović Njegos, Fürst von Montenegro, geb. 25. Mai 1826 in einem Dorfe bei Cattaro, gest. 13. Aug. 1860, wurde nach dem Tode seines

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Oheims, des Vladika (obersten Geistlichen) Peter II. Petrović, 31. Okt. 1851 Fürst. Um die bisher vereinigte geistliche und weltliche Würde zu trennen, ließ er mit russischer Unterstützung die geistliche Metropolitanwürde an einen Verwandten übertragen, sich selbst aber 21. März 1852 vom Volk als Fürst von ganz Montenegro anerkennen. Seine Regierung war, wie die seiner Vorgänger, sehr bewegt. Ein Versuch der Pforte, Montenegro, das 1852 einen Krieg mit den Türken begonnen, durch Omer Pascha zu unterjochen, scheiterte 1853 an dem Einschreiten Österreichs. D. unterdrückte das System der kleinen Tyrannen, die für willkürliche Besoldung einzelne Bezirke verwalteten, richtete Schulen ein und suchte auch die Beziehungen der Kirche zum Staat zu regeln. Als Rußland die zugesagten Hilfsgelder nicht mehr zahlte, gewann D. durch persönliche Anwesenheit 1857 Frankreichs Sympathien; zugleich aber gedachte er auch von der Pforte gegen Anerkennung ihrer Oberhoheit Vergrößerungen und Handelserleichterungen zu erreichen. Dies veranlaßte die Bildung mehrerer Verschwörungen gegen D. Am 12. Aug. 1860 ward D. zu Cattaro von Todoro Kadić aus Lorana, der als der Teilnahme an einer Verschwörung verdächtig aus Montenegro hatte fliehen müssen, durch eine Kugel tödlich getroffen. Da seine Ehe mit Darinka Kvekvičova (gest. 1892), der Tochter eines Triester Großhändlers, nur mit einer Tochter (Olga, gest. 1896) gesegnet war, folgte ihm der von ihm adoptierte älteste Sohn seines Bruders Mirko, Nikolaus (Nikita) Petrović Njegoš.
 
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Danilo-Orden, montenegrin. Militär- und Zivilorden, wurde gestiftet von Fürst Danilo zum Gedächtnis der »czernagorischen Unabhängigkeit« 1853 und hat fünf Klassen: Großkreuze, Kommandeure erster und zweiter Klasse, Offiziere und Ritter. Das Großkreuz besteht in einem blauen, rot und weiß eingefaßten Goldkreuz, in dessen Mittelschild die gekrönte Chiffer ΔΙ (Danilo I.) von Gold steht. Es umgibt ein blauer, weiß eingefaßter Reif mit der Umschrift: »Fürst der Schwarzen Berge«. Die Großkreuze tragen dazu auf der linken Brust einen silbernen Stern mit acht brillantierten Strahlen, zwischen denen glatte Silberstrahlen hervorgehen. Auf dem Stern liegt obiges Kreuz. Die Kommandeure erster Klasse tragen das gleiche Kreuz und den gleichen Stern, nur kleiner, die Kommandeure zweiter Klasse das Kreuz ohne Stern. Die Offiziere tragen das gleiche Kreuz, nur kleiner. Die Ritter tragen ein silbernes, ausgeschweiftes, schwarz emailliertes Kreuz mit demselben roten Mittelschilde. Das Band ist weiß und rot gestreift.
 
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Danilovgrad, Stadt in Montenegro, an der Zeta, mit Wasserleitung, Post- und Telegraphenamt und (1896) 1122 Einw.; erst 1871 angelegt.
 
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Danilow, 1) Kreisstadt im russ. Gouv. Jaroslaw, am Fluß Pelenda und an der Eisenbahn Jaroslaw-Archangel, hat 2 Kirchen, ein Kreisgericht und zählt (1897) 4288 Einw., die Handel mit Leinwand und Getreide treiben. 2) (Danila) Ehemals berühmtes Kloster der Altgläubigen im russ. Gouv. Olonez, am Wygosee, ist seit 1855 aufgehoben.

 

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