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Danger-Inseln bis Danien (Bd. 4, Sp. 489 bis 491)
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Artikelverweis Danger-Inseln (spr. dēndscher-), zur polynes. Gruppe der Manihiki gehörige Lagunengruppe, auf deren Riff die Inseln Pukapuka, Koko und Ratoe, zusammen 3 qkm groß, liegen. Die 1892 von England in Besitz genommenen D., von 500 Polynesiern bewohnt, sind reich an Kokospalmen, aber ohne Ankerplatz.
 
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Danhauser, Joseph, Maler, geb. 18. Aug. 1805 in Wien, gest. daselbst 4. Mai 1845, bildete sich auf der Akademie daselbst unter Peter Krafft und trat zuerst als Historienmaler auf. Szenen aus Pyrkers »Rudolf von Habsburg« erwarben ihm die Gunst des Verfassers, der ihn für einige Zeit nach Venedig zog. Er trat hier mit Darstellungen aus dem modernen Künstlerleben (dem Scholarenzimmer eines Malers, dem Fleischerhund im Maleratelier etc.) auf. Nach Vollendung einiger historischer Gemälde und

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des Hauptaltarblattes für den Dom zu Erlau, die Marter des heil. Johannes darstellend, wandte er sich ausschließlich dem Genre zu, worin er sich mit Humor bewegte. Seine Hauptwerke sind: der Augenarzt, der geheilte Blinde, der Prasser (gestochen von Stöber), die Testamentseröffnung, die Klostersuppe (im Hofmuseum zu Wien), Wein, Weib und Gesang, die aufgehobene Pfändung, der Feierabend. D. hatte einen glücklichen Humor und scharfe Beobachtungsgabe; seine Ausführung ist sehr sorgfältig, seine unter dem Einfluß der Zeit stehende Farbe etwas glasig. Vgl. Ilg, D. und Raimund (Wien 1880).
 
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Dänholm, kleine Insel im Strelasund, der Rügen vom Festland scheidet, Stralsund gegenüber.
 
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Danĭa, neulat. Name für Dänemark.
 
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Daničić, Gjuro (spr. djuro dánitschitch), hervorragender serb. Philolog, geb. 6. April 1825 in Neusatz, gest. 17. Nov. 1882 in Agram, studierte seit 1846 in Wien Sprachwissenschaft als Schüler Miklosichs, ward 1856 Bibliothekar der Nationalbibliothek in Belgrad und 1859 Professor der Literaturgeschichte am dortigen Lyzeum (der spätern Hochschule). Da er 1865 als Freidenker von letzterm Lehrstuhl entfernt werden sollte, wurde er nach Agram berufen, wo er von der südslawischen Akademie zum Mitglied und Sekretär ernannt wurde. 187377 war er Professor der slawischen Philologie an der Belgrader Hochschule, und lebte seitdem wieder in Agram. Seine erste Arbeit war: »Rat za srpski jezik i pravopis« (»Kampf um die serbische Sprache und Rechtschreibung«, Ofen 1847), worin er sich auf die Seite Karadžićs (s. d.) stellte. Von seinen sonstigen ausgezeichneten sprachhistorischen Schriften sind zu nennen: »Mala srpska gramatika« (»Kleine serbische Grammatik«, Wien 1850), später gänzlich umgearbeitet u. d. T.: »Oblici srpskoga jezika« (»Formenlehre der serbischen Sprache«, Belgrad 1863; 8. Aufl., Agram 1892), »Srpska sintaksa« (»Serbische Syntax«, Bd. 1, Belgrad 1858), »Rječnik iz književnih starina srpskih« (»Altserbisches Wörterbuch«, das. 186364, 3 Bde.), »Istorija ohlika srpskoga i hrvatskoga jezika do svršetka XVII. vijeka« (»Geschichte der serbischen und kroatischen Sprachformen bis Ende des 17. Jahrhunderts«, das. 1874), »Osnove srpskoga ili hrvatskoga jezika« (»Stammbildung der serbischen und kroatischen Sprache«, das. 1876), »Korijeni u srpskom ili hrvatskom jeziku« (»Die Wurzeln in der serbischen oder kroatischen Sprache«, das. 1877) u. a. Außerdem gab D. mehrere altserbische Texte heraus, lieferte eine vortreffliche Übersetzung des Alten Testaments und half Vuk bei Herausgabe seines Wörterbuchs und seiner Nationallieder.
 
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Danĭel (hebr., »der Richter Gottes«, d. h. der im Namen Gottes Recht spricht), ein Hesek. 14,14. 20 und 28,3 mit Noah und Hiob zusammen genannter frommer Dulder der Vorzeit. Seine legendenhafte Geschichte erzählt das nach ihm genannte, in unsern lateinischen und deutschen Bibeln in die Zahl der sogen. vier großen Propheten aufgenommene Buch des hebräischen Kanons. Hiernach gehörte D. zu den unter Jojakim in das babylonische Exil weggeführten Juden, wo er schon unter Nebukadnezar eine hohe Stelle am Hof erlangte, die er auch unter Dareios und Kyros trotz aller gegen ihn gesponnenen Hofkabalen behauptete. Das halb chaldäisch, halb hebräisch geschriebene Buch D. ist erst unter Antiochos Epiphanes 165 v. Chr. geschrieben worden. Noch spätern Ursprungs sind einige griechische Zusätze (s. Meyers Bel). In der Weise der Apokalyptik (s. d.) wird die Verkündigung der Zeitereignisse bis auf die Gegenwart des Verfassers einem früher lebenden Seher als Weissagung in den Mund gelegt. Die Leser sollen dadurch in den Zeiten der syrischen Religionsnot getröstet und gestärkt werden, sofern alle scheinbaren Widerwärtigkeiten als vorausbedachte Teile des göttlichen Weltplans erscheinen, dessen letztes Ziel in einer demnächst anbrechenden Herrschaft des Volkes Gottes auf Erden besteht. Vgl. die Kommentare von Hitzig (Leipz. 1850), Kamphausen (das. 1893), Behrmann (Götting. 1894), Marti (Tübing. 1901), und A. v. Gall, Die Einheitlichkeit des Buches D. (Gießen 1895).
 
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Daniel, 1) Samuel, engl. Dichter und Historiker, geb. 1562, gest. im Oktober 1619, studierte zu Oxford, widmete sich dann der Poesie und Geschichte und soll von Elisabeth 1599 zum Dichter gekrönt worden sein. Jedenfalls spielte er eine nicht unbedeutende Rolle am Hofe Jakobs I. In Prosa schrieb er eine »History of England« (Lond. 161318, 2 Bde., u. ö.; fortgesetzt von I. Trussell bis 1488, das. 1636). Als Dichter ist D. durch seine lyrischen Poesien (Sonette) nicht ohne Bedeutung. Dagegen sind seine größern Gedichte, namentlich die »History of the civil wars between the houses of York and Lancaster« (15951609), wenig mehr als gereimte Prosa. Seine »Poetical works« erschienen London 1623 und 1718, 2 Bde.
   2) Gabriel, franz. Historiograph, geb. 8. Febr. 1649 in Rouen, gest. 23. Juni 1728 in Paris, ward Jesuit und lehrte in den Kollegien des Ordens Philosophie, Humaniora und Theologie, kam zuletzt als Bibliothekar in das Profeßhaus seines Ordens nach Paris und erhielt von Ludwig XIV. den Charakter eines königlichen Historiographen. Seine »Voyage du monde de Descartes« (Par. 1691) ward auch ins Lateinische, Englische und Italienische übersetzt (neue Aufl., das. 1696; durch die »Nouvelles difficultes touchant la connaissance des bêtes« vermehrt, zum letztenmal 1739, 2 Bde.). Gegen Pascals »Lettres provinciales« verteidigte er die Jesuiten in den »Entretiens de Cléandre et d'Eudoxe sur les lettres provinciales« (Rouen 1694; auch ins Lateinische, Spanische, Italienische u. Englische übersetzt). Sein Hauptwerk: »Histoire de France« (erste Ausg. 1713, 3 Bde. in Folio, beste Ausg. mit Fortsetzung bis 1715 von P. Griffet, Par. 175557, 17 Bde., und von Lombard, Amsterd. 175558, 24 Bde.; deutsch, Nürnb. 175663, 16 Bde.; einen Abrégé in 9 Bdn. gab der Verfasser 1724 heraus), zeigt kritische Gelehrsamkeit und Scharfsinn, ist aber trocken, gesucht elegant und für die neuern Zeiten stark klerikal parteilich. Bekannt ist noch seine »Histoire de la milice française« (Par. 1721, 2 Bde.; im Auszug von Allatz, das. 1780, 2 Bde.).
   3) Hermann Albert, Schulmann und geograph. Schriftsteller, geb. 18. Nov. 1812 in Köthen, gest. 13. Sept. 1871 in Leipzig, studierte 183034 in Halle Theologie und wirkte bis 1870 als Professor am Pädagogium daselbst. Sein Hauptverdienst ist es, der Geographie, die er im Sinne Ritters behandelte, durch geschmackvolle Darstellungsweise die Schulen und die gebildete Welt gewonnen zu haben. Schon 1841 veröffentlichte er ein »Lehrbuch der Geographie für höhere Unterrichtsanstalten« (80. Aufl. von Wolkenhauer, Halle 1902), dann 1850 einen »Leitfaden« (233. Aufl. 1903) und das »Handbuch der Geographie« (Leipz. 185963, 3 Tle.; 6. Aufl., 4 Bde.), von dem ein Auszug von Wolkenhauer 1899 in 6. Auflage (daneben illustr. Ausg. in 2 Bdn., 3. Aufl. 1900) erschien. Band 3 und 4 des Handbuchs erschienen

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unter dem Sondertitel: »Deutschland nach seinen physischen und politischen Verhältnissen geschildert« (6. Aufl. von Volz, 1893). Einige dieser Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Auf theologischem Gebiet hat sich D. als Hymnolog durch die Werke: »Thesaurus hymnologicus« (Halle 184156, 5 Bde.) und »Codex liturgicus« (das. 184755, 4 Bde.) verdient gemacht. Vgl. »Hermann Albert D., ein Lebensbild« (Halle 1872).
   4) Ernst, Baron, ungar. Großgrundbesitzer und Politiker, geb. 3. Mai 1843 zu Elemér im Torontáler Komitat, studierte in Budapest die Rechte, wurde 1867 Stuhlrichter, 1870 liberales Mitglied des Reichstags und war im Abgeordnetenhaus Referent über Handels- und Finanzfragen. Unter Bánffy wurde er im Januar 1895 Handelsminister, 1896 erbliches Mitglied der Magnatentafel und beim Schluß der Millenniums-Ausstellung Baron. Am 26. Febr. 1899 erhielt er mit Bánffy den Abschied.
   5) Troubadour, s. Meyers Arnaut Daniel.
 
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Daniell, Einheit der elektromotorischen Kraft, s. Meyers Elektrische Maßeinheiten.
 
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Daniellsches Element, s. Meyers Galvanisches Element.
 
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Danielson, 1) Anders Peter, schwed. Politiker, geb. 1. Dez. 1839 auf der Insel Oland, gest. 18. Dez. 1897 in Stockholm, ergänzte nach Übernahme des väterlichen Erbgutes (1861) seine mangelhafte Schulbildung durch Privatstudien und erwarb sich in seinem Heimatsbezirk bald eine einflußreiche politische Stellung. Seit 1873 Mitglied, 189194 und 1897 auch Vizepräsident der Zweiten Reichstagskammer, gehörte er anfangs zu den Oppositionellen der Landmannpartei, ging aber nach deren Sprengung (1887) als Führer der schutzzöllnerischen Neuen Landmannpartei ins Regierungslager über und war am Zustandekommen des Wehrpflichtgesetzes von 1892 hervorragend beteiligt. Mit der ohne sein Zutun durch die Regierung Anfang 1895 veranlaßten Wiedervereinigung der beiden Flügel der Landmannpartei söhnte er sich erst nach längerer Zeit aus.
   2) Johan Richard, finnländ. Historiker und Politiker, geb. 7. Mai 1853 im Kirchspiel Hauho, seit 1878 Dozent, seit 1880 Universitätsprofessor der Geschichte zu Helsingfors, veröffentlichte die auf langjährigen Studien in den Hauptarchiven Europas fußenden Werke: »Zur Geschichte der sächsischen Politik 17061709« (Helsingf. 1878); »Bidrag tillen framställning af Englands socialpolitik och ekonomisktsociala utveckling« (das 12. bis 16. Jahrh. umfassend, das. 1880); »Die nordische Frage 17461751« (das. 1888). Nicht minder wertvoll sind seine Beiträge zur neuern Geschichte Finnlands, besonders »Handlingar vörande forvaltningen i Finland år 1808« (Helsingf. 189395, 2 Bde.), »Viborgs läns återförening med det öfriga Finland« (das. 1894) und »Finska kriget och Finlands krigare 18081809« (das. 1897). Im Ständelandtag (Geistlichkeit), dem er seit 1885 ununterbrochen als Führer der Fennomanen (s. d.) angehörte, bez. in den weitverbreiteten Broschüren »Finnlands Vereinigung mit dem russischen Reiche« (Helsingf. 1891; auch schwed., finn., russ. u. engl.) und »Finlands inre själfständighet« (das. 1892) verfocht er energisch die innere Selbständigkeit seines Vaterlands, so daß sein plötzlicher Übergang ins russenfreundliche Lager Ende 1901 allgemein überraschte. Zur Belohnung erhielt er Anfang 1903 den Posten eines Universitäts-Vizekanzlers.
 
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Danien (spr. danĭäng), s. Meyers Kreideformation.

 

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