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Danew bis Danĭel (Bd. 4, Sp. 489 bis 490)
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Artikelverweis Danew, Stojan, bulgar. Politiker, geb. 1858 in Schumla, studierte in Böhmen, zu Heidelberg und Paris, war nach dem russisch-türkischen Krieg in Bulgarien Mitglied der Kodifikationskommission, quittierte aber als Zankowist den Staatsdienst und wurde Rechtsanwalt. Nach Zankows Rücktritt zuerst Vizepräsident der Nationalversammlung, wurde er 4. März 1901 zum Minister des Äußern und des Kultus ernannt und nach Karawelows Rücktritt (24. Dez. 1901) 3. Jan. 1902 mit der Bildung eines neuen Kabinetts betraut, worin D. selbst, außer dem Vorsitz, wieder das Äußere übernahm. Da dies Zankowistische Ministerium bei der damaligen Zusammensetzung der Sobranje auf keine Mehrheit rechnen konnte, wurde diese 5. Jan. aufgelöst; doch ergaben die Neuwahlen Anfang März keinen vollen Sieg der Regierung, und schon Ende März vollzog sich teilweise eine Umbildung des Kabinetts. Als gelegentlich der Wiederaufnahme des Prozesses gegen den Mörder Stambulows die Beziehungen einst nach Rußland geflüchteter Zankowisten zu jenem und andern politischen Morden enthüllt wurden, trat 14. Nov. das kompromittierte Ministerium zurück; aber nach drei Tagen übernahm D. wieder die Leitung eines neuen Kabinetts und das Auswärtige, bis er 18. Mai 1903 dem General Ratscho Petrow weichen mußte.
 
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Danewerk (dän. Dannevirke), alter Grenzwall der Dänen gegen die Deutschen in Schleswig, nördlich von der Eider, vom Dorf Hollingstedt bis südlich von der Stadt Schleswig in einer Länge von ca. 17 km mit einer Höhe von 1013 m sich erstreckend, ward vom Dänenkönig Gottfried (Götrik) zu Beginn des 9. Jahrh. errichtet. Zweimal im Mittelalter, unter Heinrich I. (934) und Otto II. (974), überschritten deutsche Heere das D., das seit der Verbindung Schleswigs mit Holstein allmählich in Verfall geriet und erst 1848 durch die Schlacht bei Schleswig (23. April), wo die Befestigungen dem ersten Angriff der Preußen erlagen, wieder eine historische Bedeutung erlangte. Obwohl seit 1850 mit großem Kostenaufwand und auf Grund eines wohldurchdachten Planes zu einer starken Position ausgebaut, ward das D. schon zu Anfang des deutsch-dänischen Krieges, nachdem die Deutschen die Schlei überschritten hatten, 6. Febr. 1864 von den Dänen unter de Meza ohne Schwertstreich geräumt und darauf von den Siegern geschleift. Die 1900 am D. vorgenommenen wertvollen Ausgrabungen sollen systematisch fortgesetzt werden. Vgl. Lorenzen, Dannevirke og Omegn (2. Aufl., Kopenh. 1864); Kaufmann, Der Rückzug von D. und dessen geheime Geschichte (Berl. 1865); Handelmann, Das D. (Kiel 1885); Philippsen u. Sünksen, Führer durch das D. (Hamb. 1903).
 
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Danforth's oil, sehr flüchtiger Bestandteil des Erdöls (s. d.).
 
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Dangast, Dorf in Oldenburg, Amt Varel, auf einer Geesthöhe am Jadebusen und in der Nähe der Eisenbahnstation Dangastermoor (Linie Oldenburg-Wilhelmshaven), hat ein Seebad und (1900) 262 Einw.
 
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Dange (spr. dannje), Fluß im preuß. Regbez. Königsberg, entspringt in Kurland, tritt bei Krottingen in Preußen ein und mündet nach 52 km langem Lauf (23 km schiffbar) bei Memel in das Tief von Memel.
 
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Danger-Inseln (spr. dēndscher-), zur polynes. Gruppe der Manihiki gehörige Lagunengruppe, auf deren Riff die Inseln Pukapuka, Koko und Ratoe, zusammen 3 qkm groß, liegen. Die 1892 von England in Besitz genommenen D., von 500 Polynesiern bewohnt, sind reich an Kokospalmen, aber ohne Ankerplatz.
 
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Danhauser, Joseph, Maler, geb. 18. Aug. 1805 in Wien, gest. daselbst 4. Mai 1845, bildete sich auf der Akademie daselbst unter Peter Krafft und trat zuerst als Historienmaler auf. Szenen aus Pyrkers »Rudolf von Habsburg« erwarben ihm die Gunst des Verfassers, der ihn für einige Zeit nach Venedig zog. Er trat hier mit Darstellungen aus dem modernen Künstlerleben (dem Scholarenzimmer eines Malers, dem Fleischerhund im Maleratelier etc.) auf. Nach Vollendung einiger historischer Gemälde und

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des Hauptaltarblattes für den Dom zu Erlau, die Marter des heil. Johannes darstellend, wandte er sich ausschließlich dem Genre zu, worin er sich mit Humor bewegte. Seine Hauptwerke sind: der Augenarzt, der geheilte Blinde, der Prasser (gestochen von Stöber), die Testamentseröffnung, die Klostersuppe (im Hofmuseum zu Wien), Wein, Weib und Gesang, die aufgehobene Pfändung, der Feierabend. D. hatte einen glücklichen Humor und scharfe Beobachtungsgabe; seine Ausführung ist sehr sorgfältig, seine unter dem Einfluß der Zeit stehende Farbe etwas glasig. Vgl. Ilg, D. und Raimund (Wien 1880).
 
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Dänholm, kleine Insel im Strelasund, der Rügen vom Festland scheidet, Stralsund gegenüber.
 
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Danĭa, neulat. Name für Dänemark.
 
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Daničić, Gjuro (spr. djuro dánitschitch), hervorragender serb. Philolog, geb. 6. April 1825 in Neusatz, gest. 17. Nov. 1882 in Agram, studierte seit 1846 in Wien Sprachwissenschaft als Schüler Miklosichs, ward 1856 Bibliothekar der Nationalbibliothek in Belgrad und 1859 Professor der Literaturgeschichte am dortigen Lyzeum (der spätern Hochschule). Da er 1865 als Freidenker von letzterm Lehrstuhl entfernt werden sollte, wurde er nach Agram berufen, wo er von der südslawischen Akademie zum Mitglied und Sekretär ernannt wurde. 187377 war er Professor der slawischen Philologie an der Belgrader Hochschule, und lebte seitdem wieder in Agram. Seine erste Arbeit war: »Rat za srpski jezik i pravopis« (»Kampf um die serbische Sprache und Rechtschreibung«, Ofen 1847), worin er sich auf die Seite Karadžićs (s. d.) stellte. Von seinen sonstigen ausgezeichneten sprachhistorischen Schriften sind zu nennen: »Mala srpska gramatika« (»Kleine serbische Grammatik«, Wien 1850), später gänzlich umgearbeitet u. d. T.: »Oblici srpskoga jezika« (»Formenlehre der serbischen Sprache«, Belgrad 1863; 8. Aufl., Agram 1892), »Srpska sintaksa« (»Serbische Syntax«, Bd. 1, Belgrad 1858), »Rječnik iz književnih starina srpskih« (»Altserbisches Wörterbuch«, das. 186364, 3 Bde.), »Istorija ohlika srpskoga i hrvatskoga jezika do svršetka XVII. vijeka« (»Geschichte der serbischen und kroatischen Sprachformen bis Ende des 17. Jahrhunderts«, das. 1874), »Osnove srpskoga ili hrvatskoga jezika« (»Stammbildung der serbischen und kroatischen Sprache«, das. 1876), »Korijeni u srpskom ili hrvatskom jeziku« (»Die Wurzeln in der serbischen oder kroatischen Sprache«, das. 1877) u. a. Außerdem gab D. mehrere altserbische Texte heraus, lieferte eine vortreffliche Übersetzung des Alten Testaments und half Vuk bei Herausgabe seines Wörterbuchs und seiner Nationallieder.
 
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Danĭel (hebr., »der Richter Gottes«, d. h. der im Namen Gottes Recht spricht), ein Hesek. 14,14. 20 und 28,3 mit Noah und Hiob zusammen genannter frommer Dulder der Vorzeit. Seine legendenhafte Geschichte erzählt das nach ihm genannte, in unsern lateinischen und deutschen Bibeln in die Zahl der sogen. vier großen Propheten aufgenommene Buch des hebräischen Kanons. Hiernach gehörte D. zu den unter Jojakim in das babylonische Exil weggeführten Juden, wo er schon unter Nebukadnezar eine hohe Stelle am Hof erlangte, die er auch unter Dareios und Kyros trotz aller gegen ihn gesponnenen Hofkabalen behauptete. Das halb chaldäisch, halb hebräisch geschriebene Buch D. ist erst unter Antiochos Epiphanes 165 v. Chr. geschrieben worden. Noch spätern Ursprungs sind einige griechische Zusätze (s. Meyers Bel). In der Weise der Apokalyptik (s. d.) wird die Verkündigung der Zeitereignisse bis auf die Gegenwart des Verfassers einem früher lebenden Seher als Weissagung in den Mund gelegt. Die Leser sollen dadurch in den Zeiten der syrischen Religionsnot getröstet und gestärkt werden, sofern alle scheinbaren Widerwärtigkeiten als vorausbedachte Teile des göttlichen Weltplans erscheinen, dessen letztes Ziel in einer demnächst anbrechenden Herrschaft des Volkes Gottes auf Erden besteht. Vgl. die Kommentare von Hitzig (Leipz. 1850), Kamphausen (das. 1893), Behrmann (Götting. 1894), Marti (Tübing. 1901), und A. v. Gall, Die Einheitlichkeit des Buches D. (Gießen 1895).

 

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