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Dandenong bis Danebrogsorden (Bd. 4, Sp. 474 bis 476)
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Artikelverweis Dandenong, Ort im britisch-austral. Staat Victoria, 30 km südöstlich von Melbourne, Station der Gippsland-Eisenbahn, hat in dem nahen Staatsforst die höchsten Riesenbäume der Erde und in der Schlucht Ferntree-Gully prachtvolle Farnbäume.
 
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Dandin (franz., spr. dangdäng), der Held einer Molièreschen Komödie, ein reicher Bauer, der infolge seiner Heirat mit einer Adligen in allerlei Fatalitäten gerät. Sein Ausruf: »Vous l'avez voulu (nicht: Tu l'as voulu), George Dandin!« ist sprichwörtlich geworden für selbstverschuldete Widerwärtigkeiten. Das Wort D. bedeutet »alberner Mensch« (von dandiner, sich in den Hüften wiegen), daher das englische Danny (s. d.).

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Dandit, Ort im Distrikt Mit-Ghamr der ägypt. Provinz (Mudirieh) Dakalieh, mit (1897) 6718 Einw.
 
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Dändliker, Karl, schweizer. Historiker, geb. 6. Mai 1849 zu Rorbas im Kanton Zürich, studierte Geschichte in Zürich und München, wurde 1872 Geschichtslehrer am Züricher Lehrerseminar in Küßnacht, habilitierte sich 1875 als Privatdozent der Schweizergeschichte am eidgenössischen Polytechnikum und an der Hochschule Zürich und wurde 1883 zum außerordentlichen Professor daselbst ernannt. Er schrieb: »Die drei letzten Bücher Herodians« (in Büdingers »Untersuchungen zur römischen Kaisergeschichte«, Bd. 3, Leipz. 1880); »Lehrbuch der Geschichte des Schweizervolkes« (Zürich 1875; franz.: »Histoire du Peuple Suisse«, Par. 1879); »Ursachen und Vorspiel der Burgunderkriege« (Zürich 1876); »Hans Waldmanns Jugendzeit und Privatleben« (das. 1878); »Bausteine zur politischen Geschichte Hans Waldmanns« (»Jahrbuch für schweizerische Geschichte«, Bd. 5, das. 1880); »Die Eidgenossen und die Grafen von Toggenburg« (ebenda, Bd. 8, 1883); »Die Berichterstattungen und Anfragen der Zürcher Regierung an die Landschaft« (ebenda, Bd. 21 u. 23,1896 u. 1898); »Der Ustertag und die politische Bewegung der 1830er Jahre im Kanton Zürich« (das. 1881); »Geschichte der Schweiz mit besonderer Rücksicht auf die Entwickelung des Verfassungs- und Kulturlebens« (das. 188391, 3 Bde.; 4. Aufl. 1900ff.), die beste Darstellung der ganzen Schweizergeschichte; »Kleine Geschichte der Schweiz« (das. 1889); »Hans Waldmann und die Zürcher Revolution von 1489« (das. 1889); »Ortsgeschichte und historische Heimatkunde« (das. 1897). Mit J. I. Müller gab er ein »Lehrbuch der allgemeinen Geschichte« (3. Aufl., Zürich 1891) heraus.
 
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Dandŏlo, eine der zwölf vornehmsten venezianischen Familien, von deren Angehörigen besonders bemerkenswert sind:
   1) Enrico, Gründer der Herrschaft Venedigs über das Mittelmeer, geb. um 1108, gest. 1. Juni 1205, ward, als er 1172 als Gesandter nach Konstantinopel ging. auf Befehl Kaiser Manuels schmählich mißhandelt, so daß er beinahe erblindete. Er ward 1193 Doge. Unter seiner Regierung wurde ein Teil der dalmatischen Küste unterworfen, über Padua und andre Städte des venezianischen Festlandes die Schutzherrlichkeit erworben, das mächtige Pisa aber bei Modone 1195 geschlagen. Mit Hilfe der Kreuzfahrer eroberte er 1202 Triest, Zara, die Ionischen Inseln und 18. Juli 1203 Konstantinopel, sodann dieselbe Stadt nach der Ermordung des Kaisers Alexios IV. nochmals 12. April 1204. Bei der Errichtung des lateinischen Kaisertums erwarb er für Venedig drei Achtel des byzantinischen Gebietes: die Südwestspitze des Peloponnes, die wichtigsten Küstenplätze vom Schwarzen Meer bis Epirus, Korfu, Kreta und andre Inseln des Archipels und des Ionischen Meeres sowie ein Quartier der Stadt Konstantinopel, und verfügte Handelsfreiheit durch das ganze Reich. Als 1205 die Griechen im Bunde mit den Bulgaren sich gegen die Lateiner erhoben, eilte D. herbei, vermochte aber die Niederlage der Kreuzfahrer in der Schlacht vom 15. April bei Adrianopel nicht zu verhindern.
   2) Francesco, Doge, 132939, bezwang das mächtige Haus della Scala (133438), wodurch Venedig, Treviso und Bassano freie Schiffahrt auf dem Po erlangten.
   3) Andrea, Doge 134354, schloß einen Bund mit dem Papste, dem König von Cypern und dem Johanniterorden gegen die Türken, stellte 1347 durch Verträge mit den Tataren die Handelsverbindungen Venedigs am Schwarzen Meer wieder her und unterwarf 1346 das abgefallene Zara und 1348 Capo d'Istria. D. schrieb eine wertvolle, von Muratori (»Scriptores rerum Italic.«, Bd. 12) herausgegebene Geschichte Venedigs. Vgl. Simonsfeld, Andrea D. und seine Geschichtswerke (Münch. 1876).
   4) Girolamo, Sohn des Silvestro D., des letzten Admirals der Republik Venedig (geb. 1766, gest. 1847 als österreichischer Vizeadmiral), geb. 26. Juli 1796, nahm 1848 an der Erhebung Venedigs teil, ward Direktor des großen Staatsarchivs dei Frari und starb 26. März 1866 als letzter seines Stammes. Er schrieb: »La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant' anni« (Vened. 1855).
 
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Dandŏlo, 1) Vincenzo, Graf, Chemiker und Agronom, geb. 26. Okt. 1758 in Venedig, gest. 12. Dez. 1818, studierte in Padua, errichtete in Venedig ein Lehrinstitut, war später Mitglied des Großen Rates der Zisalpinischen Republik, dann fünf Jahre Gouverneur von Dalmatien und lebte hierauf auf seinen Gütern bei Varese. D. verbesserte die Straßen, Acker- und Weinbau in der Lombardei und namentlich die Seidenraupenzucht. Er schrieb: »Fondamenti della fisico-chimica applicati alla formazione de' corpi e de' fenomeni della natura« (Vened. 1796, in 6. Aufl.); »Les hommes nouveaux, ou moyens d'opérer une régénération morale« (1799, 2. Aufl. 1801); »Enologia« (Mail. 1812, 2 Bde.); »Il buon governo de' bachi da seta« (das. 1816, 2 Bde.); »Storia de' bachi da seta« (das. 181819, 3 Bde.). Seine Memoiren gab Compagnoni heraus (Mail. 1820).
   2) Tullio, Graf, ital. Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. im September 1801, gest. 6. April 1870, studierte in Zara, Varese und Pavia und suchte dann seine Bildung durch Reisen zu erweitern, deren Eindrücke er in zahlreichen Schriften niederlegte. Hierher gehören: »Viaggio per la Svizzera occidentale« (Mail. 182935, 11 Bde.); »Schizzi di costumi« (1836); »Reminiscenze e fantasie« (1841, 2 Bde.) u. a. Später wendete er sich geschichtlichen Studien zu, während sich gleichzeitig in seinen Schriften ein streng kirchlicher Charakter immer entschiedener ausprägte. Wir erwähnen davon: »Studii sul secolo di Pericle« (1835); »Studii sul secolo d'Augusto« (1837); »Roma el'impero sino a Marco Aurelio« (1844), wovon das 6. Buch u. d. T.: »Cristianesimo nascente« (1854) besonders erschien; »San Francesco d'Assisi e due suoi discepoli« (1847); »I secoli de' due sommi italiani Dante e Colombo« (1852, 2 Bde.); »L'Italia nel secolo passato sino 1789« (1854, 2 Bde.); »Il pensiero pagano ed il pensiero cristiano ai giorni dell' impero« (1855, 3 Bde.); »Monachismo e leggende« (1856); »Storia del pensiero nel medioevo« (1857); »Roma pagana e Roma cristiana« (1860); »Il secolo di Leone X« (186168, 3 Bde.); »Storia del pensiero nei tempi moderni« (1864; 2. Aufl. 1870, 3 Bde.).
   3) Emilio, ital. Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 1831 in Varese, gest. 20. Febr. 1859, beteiligte sich 1848 an der Revolution zu Mailand, kämpfte dann gegen die Österreicher in der Lombardei und in Tirol, späterhin in Rom gegen die Franzosen und schrieb eine Geschichte dieser zweijährigen Kämpfe. Darauf bereiste er 185051 den Orient und legte seine Beobachtungen in »Viaggio in Egitto, nel Su-

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dan, in Siria ed in Palestina 18501851« (Mail. 1854) nieder. Seine Biographie schrieb G. Carcano (Turin 1872).
 
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Dandy (engl., spr. dänndĭ, Mehrzahl: Dandies, vom franz. Dandin, s. d.), ein seiner Herr der eleganten Welt, der sich auffallend kleidet und benimmt; dann soviel wie tonangebender Modeherr, Geck. Das deutsche »Stutzer« entspricht dem englischen D., als dessen Urtypus den Engländern George Brummel (s. d.) gilt, nur unvollkommen, mehr das wienerische »Gigerl« (s. d.). In neuerer Zeit ist es mehr und mehr durch den Ausdruck Swell und Masber, in Amerika außerdem durch Dude verdrängt worden.
 
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Dandy-fever (spr. -fīwer), soviel wie Denguefieber.
 
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Dandywalze, eine Walze der Papiermaschine zur Hervorbringung von Wasserzeichen, s. Meyers Papier.
 
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Danebrog (von Brog, »Fahne«), das dänische Reichsbanner, fiel nach der Sage während der Schlacht bei der Estenburg Lindanissa (Lindanos oder Lyndanis) in der Landschaft Revele (1219), wo später Reval erbaut ward, vom Himmel herab (s. folgenden Artikel).
 
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Danebrogsorden (Orden des dänischen Reichsbanners), der zweite der dänischen Ritterorden, wurde von Christian V. 12. Okt. 1671 gestiftet, erhielt 1. Dez. 1693 seine Statuten, die aber von Friedrich VI. (28. Juni 1808) bedeutend erweitert wurden, indem er den D. in drei Klassen teilte: Großkommandeure, Großkreuze, Kommandeure, 1864 in zwei Grade geteilt, mit und ohne Bruststern, und Ritter, wozu noch Danebrogsmänner kommen, d. h. solche, zu deren bescheidener Lebensstellung ein Ritterkreuz nicht passend gefunden war, und die, wenn in bedrängter Lage, Unterstützung erhalten. Das Ordenszeichen ist ein längliches goldenes Kreuz, weiß emailliert mit roten Rändern und schmaler goldener Einfassung, darüber der Namenszug des regierenden Königs und eine goldene Krone. Auf dem Avers des Kreuzes steht auf den vier Armen: »Gud og Kongen« (»Gott und der König«), in der Mitte die gekrönte Chiffer C v, auf dem Revers in der Mitte W, oben Fiv, gekrönt, und auf den vier Armen 1219,1671,1693 und 1808. Das Kreuz der Danebrogsmänner ist dasselbe, nur ganz von Silber. Die Großkommandeure tragen das Kreuz ohne Inschrift, statt dessen mit Diamanten verziert, an silberner Kette um den Hals; die Großkreuze das Kreuz ohne Krone, aber mit Brillanten, am Band von der rechten Schulter nach der linken Hüfte; die Kommandeure das Kreuz um den Hals, die Ritter im Knopfloch. Der Bruststern der ersten Klassen ist ein vielstrahliger silberner Stern, auf dem das einfache Kreuz mit dem W, der Krone und der Devise liegt. Das Band ist weiß mit schmalen roten Rändern. Ordenstage sind des Königs Geburtstag, ferner der 28. Januar, 15. April und 28. Juni. S. Tafel Meyers »Orden II«, Fig. 2. Vgl. Werlauff, Om Danebrog og Danebrogsordenen (Kopenh. 1872).

 

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