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Danastris bis Dandŏlo (Bd. 4, Sp. 474 bis 475)
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Artikelverweis Danastris, antiker Name des Dnjestr (s. d.).
 
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Danbury (spr. dännbörĭ), Stadt in Connecticut, Grafschaft Fairfield, am Still River, mit Hut-, Hemden- und Nähmaschinenfabrikation und (1900) 16,537 Einw. Es wurde im Befreiungskampf 27. April 1777 von den Engländern verwüstet und der amerikanische General Wooster dabei tödlich verwundet.
 
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Danby (spr. dännbĭ), s. Meyers Leeds (Herzöge).
 
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Danckelmann, 1) Eberhard Christoph Balthasar, Freiherr von, brandenburg. Staatsmann, geb. 23. Nov. 1643 in Lingen, gest. 31. März 1722 in Berlin, studierte in Utrecht, unternahm dann größere Reisen, ward 1663 Erzieher des nachmaligen Königs Friedrich I. von Preußen und blieb auch nach beendeter Erziehung als Geheimer Sekretär und vertrauter Ratgeber beim Prinzen. 1688, nach dem Regierungsantritt seines einstigen Pfleglings, ward er Geheimer Staats- und Kriegsrat, 1692 Präsident der Regierung zu Kleue und 1695 Premierminister und Oberpräsident. Kaiser Leopold I. versetzte ihn mit seinen Brüdern in den Reichsfreiherrenstand. Die auswärtige Politik leitete D. im Sinne des Großen Kurfürsten, als Finanzminister suchte er Manufakturen und Fabriken zu heben, schuf, um den Ertrag der Domänen zu erhöhen, eine eigne Hofkammer, aus der später das Domänendirektorium wurde, und leitete Friedrichs Hang zu übermäßigen Ausgaben auf nützliche Gegenstände, wie die Gründung der Universität Halle und der Akademie der Künste und die Prachtbauten in Berlin. Die Einsetzung seiner sechs Brüder in einflußreiche Ämter erweckte Neid und Haß gegen das »Danckelmannsche Siebengestirn«, und als sich D. auch die Feindschaft der Kurfürstin Sophie Charlotte durch seine Opposition gegen die welfische Hauspolitik zuzog, erhielt er 27. Nov. 1697 plötzlich seine Entlassung mit 10,000 Tlr. Pension, ward jedoch kurz darauf in strenge Hast gebracht und in förmliche Untersuchung gezogen. Er verteidigte sich mit Erfolg gegen die meist unbegründeten 290 Beschuldigungen, die überdies zu der Strenge des Verfahrens außer Verhältnis standen; ein Strafurteil erging nicht, aber dennoch verlor er, durch Kabinettsorder Friedrichs I. zu lebenslänglicher enger Hast verurteilt, seine Güter, Pension und die ihm erblich zugesagten Würden. Erst 1702 erhielt er einige Festungsfreiheit, 1707 erlaubte ihm der König, in Kottbus zu wohnen, und bewilligte ihm eine jährliche Rente von 2000 Tlr.; eine Aussöhnung kam nicht zustande. Friedrich Wilhelm I. berief D. nach seiner Thronbesteigung 1713 auf ehrenvolle Weise an den Hof, aber ohne eine Revision seines Prozesses und eine Rückgabe seiner Güter anzuordnen. Von seinen sechs Brüdern, die in seinen Sturz nicht verwickelt wurden, war Nikolaus Bartholomäus, geb. 25. Mai 1650, kurfürstlich brandenburgischer Gesandter in Wien und beim Friedensschluß zu Ryswyk und starb 27. Okt. 1739 zu Lodersleben in Thüringen. Er ist Stammvater aller jetzt lebenden Glieder des Geschlechts. Vgl. Breßlau und Isaacsohn, Der Fall zweier preußischer Minister: D. und der Großkanzler Fürst (Berl. 1878); Breysig, Der Prozeß gegen Eberhard D. (in Schmollers »Forschungen«, Bd. 8, Leipz. 1889).
   2) Bernhard, Forstmann, geb. 5. April 1831 im Forsthaus Obereimer bei Arnsberg, gest. 19. Jan. 1931 in Eberswalde, studierte 185052 in Eberswalde und 185556 in Berlin, wurde 1862 Oberförster zu Hambach bei Jülich, 1864 Forstinspektor in Potsdam, 1866 Direktor der Forstakademie in Eberswalde. Die Einrichtung des forstlichen Versuchswesens in Preußen und der dafür geschaffenen wissenschaftlichen Zentralstelle zu Eberswalde (unter der Bezeichnung »Hauptstation des forstlichen Versuchswesens«) ist von D. angeregt und durchgeführt worden. Er war auch hervorragend tätig bei der Schöpfung des Verbandes der forstlichen Versuchsstationen Deutschlands. Seit 1869 gab er die »Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen, zugleich Organ für forstliches Versuchswesen« (Berl.) und das »Jahrbuch der preußischen Forst- und Jagdgesetzgebung und Verwaltung« heraus. D. schrieb: »Forstakademien oder allgemeine Hochschulen?« (Berl. 1872); »Die Ablösung und Regelung der Waldgrundgerechtigkeiten« (das. 188088, 3 Tle.); »Die Forstakademie Eberswalde von 18301880« (das. 1880); »Gemeindewald und Genossenwald« (das. 1882); »Über die Grenzen des Servitutrechts und des Eigentumsrechts bei Waldgrundgerechtigkeiten« (das. 1884).
 
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Dancla, Jean Charles, Violinspieler und Komponist, geb. 19. Dez. 1317 in Bagnéres-de-Bigorre, Schit ler Baillots, seit 1857 Lehrer des Violinspiels am Pariser-Konservatorium, ist geschätzt wegen seiner instruktiven Werke für Violine (»Méthode élémentaire et progressive de violon«, »École de l'expression«, »École de la mélodie« etc.), schrieb aber auch Violinkonzerte und Kammermusikwerke. Er veröffentlichte: »Notes et souvenirs« (2. Aufl., Par. 1898, mit Verzeichnis seiner Werke). Auch seine jüngern Brüder, Arnaud (gest. 1862) und Léopold D. (gest. 1895), haben sich, ersterer als Cellist, letzterer als Geiger, Ruf erworben.
 
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Dancourt (spr. dangkūr), eigentlich Floreut Carton, franz. Schauspieler und Bühnendichter, geb. 1. Nov. 1661 in Fontainebleau, ward Advokat, dann Schauspieler und zog sich 1718 auf sein Gut nach Courcelles (Indre-et-Loire) zurück, wo er 7. Dez. 1725 starb. Die besten seiner Lustspiele oder Possen, die amüsante Tagesgeschichten behandeln und sich durch lebendigen Dialog und nicht eben seine, aber meist glückliche Einfälle auszeichnen, sind: »Le chevalier à la mode« (1687), »Les vendanges de Suresnes«, »Mari retrouvé«, »Bourgeoises de qualité«, »Les trois cousines«, »Le galant jardinier«. Seine Werke erschienen am vollständigsten Parss 1760, 12 Bde. in Auswahl 1810, 5 Bde., 1822 und 1884. D. hat mit großer Geschicklichkeit und Naturtreue den Charakter des Dorfes und seiner Bewohner darzustellen gewußt, die er im Patois sprechen läßt; Voltaire räumt ihm nach Moliere den ersten Rang in der Posse ein. Seine Frau Thérèse Lenoir de la Thorilliere und ihre beiden Tochter waren namhafte Schauspielerinnen. Vgl. Ch. Barthélemy, La comédie de D. (Par. 1882); Lemaître, La comédie après Molière et le théâtre de D. (das. 1882).
 
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Dandenong, Ort im britisch-austral. Staat Victoria, 30 km südöstlich von Melbourne, Station der Gippsland-Eisenbahn, hat in dem nahen Staatsforst die höchsten Riesenbäume der Erde und in der Schlucht Ferntree-Gully prachtvolle Farnbäume.
 
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Dandin (franz., spr. dangdäng), der Held einer Molièreschen Komödie, ein reicher Bauer, der infolge seiner Heirat mit einer Adligen in allerlei Fatalitäten gerät. Sein Ausruf: »Vous l'avez voulu (nicht: Tu l'as voulu), George Dandin!« ist sprichwörtlich geworden für selbstverschuldete Widerwärtigkeiten. Das Wort D. bedeutet »alberner Mensch« (von dandiner, sich in den Hüften wiegen), daher das englische Danny (s. d.).

[Bd. 4, Sp. 475]



 
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Dandit, Ort im Distrikt Mit-Ghamr der ägypt. Provinz (Mudirieh) Dakalieh, mit (1897) 6718 Einw.
 
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Dändliker, Karl, schweizer. Historiker, geb. 6. Mai 1849 zu Rorbas im Kanton Zürich, studierte Geschichte in Zürich und München, wurde 1872 Geschichtslehrer am Züricher Lehrerseminar in Küßnacht, habilitierte sich 1875 als Privatdozent der Schweizergeschichte am eidgenössischen Polytechnikum und an der Hochschule Zürich und wurde 1883 zum außerordentlichen Professor daselbst ernannt. Er schrieb: »Die drei letzten Bücher Herodians« (in Büdingers »Untersuchungen zur römischen Kaisergeschichte«, Bd. 3, Leipz. 1880); »Lehrbuch der Geschichte des Schweizervolkes« (Zürich 1875; franz.: »Histoire du Peuple Suisse«, Par. 1879); »Ursachen und Vorspiel der Burgunderkriege« (Zürich 1876); »Hans Waldmanns Jugendzeit und Privatleben« (das. 1878); »Bausteine zur politischen Geschichte Hans Waldmanns« (»Jahrbuch für schweizerische Geschichte«, Bd. 5, das. 1880); »Die Eidgenossen und die Grafen von Toggenburg« (ebenda, Bd. 8, 1883); »Die Berichterstattungen und Anfragen der Zürcher Regierung an die Landschaft« (ebenda, Bd. 21 u. 23,1896 u. 1898); »Der Ustertag und die politische Bewegung der 1830er Jahre im Kanton Zürich« (das. 1881); »Geschichte der Schweiz mit besonderer Rücksicht auf die Entwickelung des Verfassungs- und Kulturlebens« (das. 188391, 3 Bde.; 4. Aufl. 1900ff.), die beste Darstellung der ganzen Schweizergeschichte; »Kleine Geschichte der Schweiz« (das. 1889); »Hans Waldmann und die Zürcher Revolution von 1489« (das. 1889); »Ortsgeschichte und historische Heimatkunde« (das. 1897). Mit J. I. Müller gab er ein »Lehrbuch der allgemeinen Geschichte« (3. Aufl., Zürich 1891) heraus.
 
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Dandŏlo, eine der zwölf vornehmsten venezianischen Familien, von deren Angehörigen besonders bemerkenswert sind:
   1) Enrico, Gründer der Herrschaft Venedigs über das Mittelmeer, geb. um 1108, gest. 1. Juni 1205, ward, als er 1172 als Gesandter nach Konstantinopel ging. auf Befehl Kaiser Manuels schmählich mißhandelt, so daß er beinahe erblindete. Er ward 1193 Doge. Unter seiner Regierung wurde ein Teil der dalmatischen Küste unterworfen, über Padua und andre Städte des venezianischen Festlandes die Schutzherrlichkeit erworben, das mächtige Pisa aber bei Modone 1195 geschlagen. Mit Hilfe der Kreuzfahrer eroberte er 1202 Triest, Zara, die Ionischen Inseln und 18. Juli 1203 Konstantinopel, sodann dieselbe Stadt nach der Ermordung des Kaisers Alexios IV. nochmals 12. April 1204. Bei der Errichtung des lateinischen Kaisertums erwarb er für Venedig drei Achtel des byzantinischen Gebietes: die Südwestspitze des Peloponnes, die wichtigsten Küstenplätze vom Schwarzen Meer bis Epirus, Korfu, Kreta und andre Inseln des Archipels und des Ionischen Meeres sowie ein Quartier der Stadt Konstantinopel, und verfügte Handelsfreiheit durch das ganze Reich. Als 1205 die Griechen im Bunde mit den Bulgaren sich gegen die Lateiner erhoben, eilte D. herbei, vermochte aber die Niederlage der Kreuzfahrer in der Schlacht vom 15. April bei Adrianopel nicht zu verhindern.
   2) Francesco, Doge, 132939, bezwang das mächtige Haus della Scala (133438), wodurch Venedig, Treviso und Bassano freie Schiffahrt auf dem Po erlangten.
   3) Andrea, Doge 134354, schloß einen Bund mit dem Papste, dem König von Cypern und dem Johanniterorden gegen die Türken, stellte 1347 durch Verträge mit den Tataren die Handelsverbindungen Venedigs am Schwarzen Meer wieder her und unterwarf 1346 das abgefallene Zara und 1348 Capo d'Istria. D. schrieb eine wertvolle, von Muratori (»Scriptores rerum Italic.«, Bd. 12) herausgegebene Geschichte Venedigs. Vgl. Simonsfeld, Andrea D. und seine Geschichtswerke (Münch. 1876).
   4) Girolamo, Sohn des Silvestro D., des letzten Admirals der Republik Venedig (geb. 1766, gest. 1847 als österreichischer Vizeadmiral), geb. 26. Juli 1796, nahm 1848 an der Erhebung Venedigs teil, ward Direktor des großen Staatsarchivs dei Frari und starb 26. März 1866 als letzter seines Stammes. Er schrieb: »La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant' anni« (Vened. 1855).

 

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