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Danaīden bis Dancla (Bd. 4, Sp. 473 bis 474)
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Artikelverweis Danaīden (Danaidae), Gruppe der Tagfalter (Diurna), zu der die Gattung Danais Boisd, gehört. Sie umfaßt Schmetterlinge mit zu Putzpfoten verkümmerten Vorderbeinen, kurzen, divergierenden Tastern und undeutlichen Afterklauen an den Hintertarsen. Tropische Arten in allen Erdteilen, oft weit verbreitet, von sehr übereinstimmender Form und Färbung. Zur Gattung Hestia Hübn., mit riesigen Arten auf den Sundainseln, gehört H. Jasonia Hübn. auf Ceylon. S. Tafel Meyers »Schmetterlinge II«, Fig. 7
 
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Danaīden, s. Danaos.
 
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Danaīt, Mineral, ein kobalthaltiger Arsenkies.
 
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Danakil (Einzahl: Dankali), der arabische und allgemein gebräuchliche Name für die zahlreichen Nomaden- und Fischerstämme, welche die Küstenstrecken und Inseln am Ostrand Afrikas südlich von der Adulisbai bis zum Tadschurragolf und von da nach SW. bis gegen Schoa bewohnen. Sie nennen sich selbst Afer (Einzahl: Afri), d. h. Freie, und werden in Abessinien Adâl, in Tadschurra Adali, Adaiel genannt. Die D. gehören zu den äthiopischen Hamiten, sind wohlgebaut, hager und mittelgroß, weizengelb oder kaffeebraun. Das krause Haar wird in der Mitte hoch emporgekämmt und hängt an den Seiten herab; die Weiber flechten es in zahlreiche Strähnen. In Brust und Magengrube werden drei- und viereckige Figuren eingeschnitten. Als Bewohner eines wasser- und vegetationsarmen Landes sind die D. Nomaden, halten Kamele, Schafe und Ziegen und beschäftigen sich mit Karawanentransport und Sklavenhandel, auf den Dahlakinseln mit Fischfang; nur im seenreichen Aussatal wird Ackerbau betrieben. Sie sind fanatische Mohammedaner und in etwa 40 Stämme zersplittert, die zwei Hauptstämme bilden: die Adahianmara, zu denen die Damholta, Dahimela und Modeito gehören, und die Asahianmara mit den Debenei-Uéma, Adali und Hadarem. Ihre Sprache gehört zu der äthiopischen Gruppe der hamitischen Sprachen und ist daher mit dem Altägyptischen, entfernt auch mit den semitischen Sprachen verwandt; zuerst wurde sie lexikalisch und grammatisch bearbeitet von Salt (»Voyage to Abyssinia«, Lond. 1814), dann von Isenberg (»Vocabulary on the Dankali language«, das. 1840) und L. Reinisch (»Die Afarsprache«, Wien 188687, 3 Tle.). Vgl. Scaramucci und Giglioli, Notizie sui D. (1884); Licata, Assab ei Danàchili (Mail. 1885); Paulitschke, Ethnographie Nordostafrikas (Berl. 189396, 2 Bde.).
 
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Danăos, im griech. Mythus Sohn des Bel os und der Anchinoë, Zwillingsbruder des Ägyptos, floh vor dessen Nachstellungen aus Libyen mit seinen 50 Töchtern, den Danaiden, über Rhodos nach Argos, der Heimat seiner Ahnmutter Jo (s. d.), und gewann hier die Herrschaft. Er lehrte die Bewohner des wasserarmen Landes Brunnen zu graben; auch seine Töchter machten sich durch Auffindung von Quellen verdient (der Amymone zuliebe ließ Poseidon den unerschöpflichen Quell von Lerna hervorsprudeln) sowie durch Einführung der Thesmophorien (s. d.). Da kommen die 50 Söhne des Ägyptos und zwingen D., ihnen seine Töchter zu vermählen. In der Brautnacht erdolchen diese auf D. ' Geheiß ihre Verlobten; Hypermnestra allein verschont den Lynkeus und verhilft ihm zur Flucht. Da sich für die übrigen keine Freier wieder fanden, so stellte D. Wettkämpfe an und teilte den Siegern die Töchter ohne Brautkauf zu. Später gibt D. dem Lynkeus, wenn auch widerwillig, Gattin und Herrschaft, oder dieser erobert sich beide und tötet D. und die Töchter, die in der Unterwelt verdammt wurden, beständig Wasser in ein durchlöchertes Faß zu schöpfen (daher Faß der Danaiden, ein Bild nie endender, vergeblicher Arbeit). Die Sage von D. und den Danaiden behandelt Äschylos' Drama »Die Schutzflehenden«.

[Bd. 4, Sp. 474]



 
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Danapur, Stadt in Britisch-Indien, s. Meyers Dinapur.
 
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Danastris, antiker Name des Dnjestr (s. d.).
 
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Danbury (spr. dännbörĭ), Stadt in Connecticut, Grafschaft Fairfield, am Still River, mit Hut-, Hemden- und Nähmaschinenfabrikation und (1900) 16,537 Einw. Es wurde im Befreiungskampf 27. April 1777 von den Engländern verwüstet und der amerikanische General Wooster dabei tödlich verwundet.
 
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Danby (spr. dännbĭ), s. Meyers Leeds (Herzöge).
 
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Danckelmann, 1) Eberhard Christoph Balthasar, Freiherr von, brandenburg. Staatsmann, geb. 23. Nov. 1643 in Lingen, gest. 31. März 1722 in Berlin, studierte in Utrecht, unternahm dann größere Reisen, ward 1663 Erzieher des nachmaligen Königs Friedrich I. von Preußen und blieb auch nach beendeter Erziehung als Geheimer Sekretär und vertrauter Ratgeber beim Prinzen. 1688, nach dem Regierungsantritt seines einstigen Pfleglings, ward er Geheimer Staats- und Kriegsrat, 1692 Präsident der Regierung zu Kleue und 1695 Premierminister und Oberpräsident. Kaiser Leopold I. versetzte ihn mit seinen Brüdern in den Reichsfreiherrenstand. Die auswärtige Politik leitete D. im Sinne des Großen Kurfürsten, als Finanzminister suchte er Manufakturen und Fabriken zu heben, schuf, um den Ertrag der Domänen zu erhöhen, eine eigne Hofkammer, aus der später das Domänendirektorium wurde, und leitete Friedrichs Hang zu übermäßigen Ausgaben auf nützliche Gegenstände, wie die Gründung der Universität Halle und der Akademie der Künste und die Prachtbauten in Berlin. Die Einsetzung seiner sechs Brüder in einflußreiche Ämter erweckte Neid und Haß gegen das »Danckelmannsche Siebengestirn«, und als sich D. auch die Feindschaft der Kurfürstin Sophie Charlotte durch seine Opposition gegen die welfische Hauspolitik zuzog, erhielt er 27. Nov. 1697 plötzlich seine Entlassung mit 10,000 Tlr. Pension, ward jedoch kurz darauf in strenge Hast gebracht und in förmliche Untersuchung gezogen. Er verteidigte sich mit Erfolg gegen die meist unbegründeten 290 Beschuldigungen, die überdies zu der Strenge des Verfahrens außer Verhältnis standen; ein Strafurteil erging nicht, aber dennoch verlor er, durch Kabinettsorder Friedrichs I. zu lebenslänglicher enger Hast verurteilt, seine Güter, Pension und die ihm erblich zugesagten Würden. Erst 1702 erhielt er einige Festungsfreiheit, 1707 erlaubte ihm der König, in Kottbus zu wohnen, und bewilligte ihm eine jährliche Rente von 2000 Tlr.; eine Aussöhnung kam nicht zustande. Friedrich Wilhelm I. berief D. nach seiner Thronbesteigung 1713 auf ehrenvolle Weise an den Hof, aber ohne eine Revision seines Prozesses und eine Rückgabe seiner Güter anzuordnen. Von seinen sechs Brüdern, die in seinen Sturz nicht verwickelt wurden, war Nikolaus Bartholomäus, geb. 25. Mai 1650, kurfürstlich brandenburgischer Gesandter in Wien und beim Friedensschluß zu Ryswyk und starb 27. Okt. 1739 zu Lodersleben in Thüringen. Er ist Stammvater aller jetzt lebenden Glieder des Geschlechts. Vgl. Breßlau und Isaacsohn, Der Fall zweier preußischer Minister: D. und der Großkanzler Fürst (Berl. 1878); Breysig, Der Prozeß gegen Eberhard D. (in Schmollers »Forschungen«, Bd. 8, Leipz. 1889).
   2) Bernhard, Forstmann, geb. 5. April 1831 im Forsthaus Obereimer bei Arnsberg, gest. 19. Jan. 1931 in Eberswalde, studierte 185052 in Eberswalde und 185556 in Berlin, wurde 1862 Oberförster zu Hambach bei Jülich, 1864 Forstinspektor in Potsdam, 1866 Direktor der Forstakademie in Eberswalde. Die Einrichtung des forstlichen Versuchswesens in Preußen und der dafür geschaffenen wissenschaftlichen Zentralstelle zu Eberswalde (unter der Bezeichnung »Hauptstation des forstlichen Versuchswesens«) ist von D. angeregt und durchgeführt worden. Er war auch hervorragend tätig bei der Schöpfung des Verbandes der forstlichen Versuchsstationen Deutschlands. Seit 1869 gab er die »Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen, zugleich Organ für forstliches Versuchswesen« (Berl.) und das »Jahrbuch der preußischen Forst- und Jagdgesetzgebung und Verwaltung« heraus. D. schrieb: »Forstakademien oder allgemeine Hochschulen?« (Berl. 1872); »Die Ablösung und Regelung der Waldgrundgerechtigkeiten« (das. 188088, 3 Tle.); »Die Forstakademie Eberswalde von 18301880« (das. 1880); »Gemeindewald und Genossenwald« (das. 1882); »Über die Grenzen des Servitutrechts und des Eigentumsrechts bei Waldgrundgerechtigkeiten« (das. 1884).
 
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Dancla, Jean Charles, Violinspieler und Komponist, geb. 19. Dez. 1317 in Bagnéres-de-Bigorre, Schit ler Baillots, seit 1857 Lehrer des Violinspiels am Pariser-Konservatorium, ist geschätzt wegen seiner instruktiven Werke für Violine (»Méthode élémentaire et progressive de violon«, »École de l'expression«, »École de la mélodie« etc.), schrieb aber auch Violinkonzerte und Kammermusikwerke. Er veröffentlichte: »Notes et souvenirs« (2. Aufl., Par. 1898, mit Verzeichnis seiner Werke). Auch seine jüngern Brüder, Arnaud (gest. 1862) und Léopold D. (gest. 1895), haben sich, ersterer als Cellist, letzterer als Geiger, Ruf erworben.

 

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