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Damnonĭa bis Dämonismus (Bd. 4, Sp. 442 bis 443)
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Artikelverweis Damnonĭa, s. Meyers Cornwall (Grafschaft).
 
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Damnum (lat.), Schaden, s. Meyers Schadenersatz.
 
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Damoiseau (spr. -mŭasō, Damoisel), in Frankreich Edelknappe, Junker, der reiche Edelleute begleitete und ihnen bei Tisch aufwartete, selbst aber von den untern Knechten bedient wurde. Der in adliger Zucht und Sitte ausgebildete D. wurde Schildknappe, dann Ritter; jetzt soviel wie Schöntuer, Stutzer.
 
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Damoiselle (Demoiselle, spr. -mŭasell'), ursprünglich Bezeichnung für adlige Fräulein, die bei vornehmen Damen eine ähnliche Stellung einnahmen wie die Edelknappen (s. Meyers Damoiseau) bei den Rittern; dann auch für die Frauen der Schildknappen. Vorzugsweise hieß Mademoiselle später in Frankreich die dem König am nächsten verwandte unverheiratete Prinzessin, während jetzt dort jedes erwachsene ehrbare Mädchen so genannt wird. In Deutschland wurde bis ins zweite Viertel des 19. Jahrh. jede unverheiratete Dame des bessern Bürgerstandes Demoiselle oder Mademoiselle (volkstümlich verkürzt Mamsell) genannt im Gegensatze zu dem adligen »Fräulein«. Demoiselle d'honneur, soviel wie Brautjungfer. La grande Demoiselle, Beiname der Herzogin von Montpensier (s. d.), der Tochter Gastons von Orléans, des Bruders Ludwigs XIII. Mamsell heißt jetzt noch im besondern die Wirtschafterin auf Gütern, kalte Mamsell die Büfettdame.
 
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Damŏkles, Günstling des ältern Dionysios von Syrakus. Einst rühmte er diesen als den glücklichsten aller Sterblichen, worauf ihn der Tyrann in den Besitz aller seiner Herrlichkeiten und Genüsse setzte. Als D. aber, über sich blickend, ein Schwert gewahrte, das von der Decke herab an einem Pferdehaar gerade über seinem Haupt hing, erkannte er die Unsicherheit und Gefahr des irdischen Glückes und beschwor den Tyrannen, ihn zu entlassen. Daher »das Schwert des D.« sprichwörtlich für eine mitten im Besitz äußern Glückes unablässig drohende Gefahr.
 
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Dämon (griech.), Bezeichnung für Mittelwesen zwischen Gottheit und Menschen, teils guter, teils böser Natur. Die religiöse Phantasie und Spekulation fast aller alten Völker war bemüht, die Stufenleiter von den niedrigsten Produkten der Erde bis herauf zum Menschen durch Annahme von Wesen zu ergänzen, die vom Menschen bis hinauf zur obersten Gottheit fortführten. So nahmen Ägypter, Inder, Chaldäer und Perser Dämonen in großer Zahl an; die Perser haben sogar die Dämonologie (Dämonenlehre) in ein förmliches System gebracht. Bei den Juden sind die ursprünglich schwachen Ansätze zum Dämonenglauben seit der Berührung mit fremden Völkern während des Exils zur vollsten Ausbildung gekommen. Die Geister wurden nun in gute und böse (s. Meyers Teufel) geschieden, beide in Klassen geteilt, mit Namen belegt und mit Ämtern betraut. Auf böse Dämonen führte man jede Krankheit, besonders Epilepsie und Geistesgestörtheit zurück. Dies die »unsaubern Geister« und »Besessenen« des Neuen Testaments. Noch vollständigere Ausbildung und eine erschöpfende Terminologie bildete der Gnostizismus und Kabbalismus aus, so daß es zuletzt keinen Teil der Natur und Lebensverhältnisse gab, über den man nicht Geister gesetzt hätte. Bei den Griechen bezeichnet im alten Sprachgebrauch D. die Gottheit überhaupt als waltende und auf den Menschen einwirkende Macht. Der D. ist es daher, der bald mit höherm Sinn erfüllt, bald mit Wahnsinn und Unheil schlägt, und alles hervorragende, unbegreifliche Tun wird dämonisch genannt, da es für Wirkung der

[Bd. 4, Sp. 443]


Gottheit galt. Indes schon früh erscheinen die Dämonen als Mittelwesen zwischen Göttern und Menschen, teils als dienende Kräfte und begleitende Umgebung der einzelnen Kultgötter (wie die Satyrn und Silene des Dionysos), teils als den einzelnen Menschen zugesellte Geister, die diese von Geburt an begleiten. Der allgemeine Glaube war, daß von dem D. jedes einzelnen Gutes oder Böses komme, daß der D. des einen mächtig oder wohlwollend, der des andern schwach oder übelwollend sei; später nahmen manche auch zwei Dämonen für jeden einzelnen an, einen guten und einen bösen. Eine große Rolle spielt die Dämonologie in der neuplatonischen Philosophie, in der die Dämonen als Untergötter der Natur und allen Lebensbeziehungen vorstehen und zwischen den hilfsbedürftigen Menschen und der Gottheit vermitteln. Bei den Römern vertreten die Stelle der Dämonen die sogen. Genien (s. Genius); im Laufe der Zeit fanden bei ihnen nicht bloß die griechischen Ideen, sondern auch orientalische Aufnahme und Weiterbildung. Bei den Christen der ersten Jahrhunderte lebten nicht nur die alten heidnischen Götter als Dämonen noch lange fort, sie glaubten auch in Anlehnung an altjüdische Vorstellungen an zahlreiche auf die Menschen einwirkende, durch Menschen auch zu bannende Mittelmächte, die als gefallene Engel oder als deren Kinder von Töchtern der Menschen gedacht wurden. Alle diese Geister galten für böse und Gott wie Menschen feindlich; man hielt sie für die Urheber des Übels in der Natur (Erdbeben, Seuchen etc.) wie in der sittlichen Welt; ja, sie sind selbst die Urheber des ganzen Heidentums, wozu sie die Menschen verführt haben. Auch bei fast allen übrigen Völkern finden wir in den verschiedenartigsten Ausprägungen den Glauben an gute und böse Geister. Der Glaube an Gespenster, Kobolde, Poltergeister, Nixen, Bergmännchen, Windgeister, Werwölfe u. a., auch der gesamte Hexenglaube etc, gehört mehr oder weniger hierher. Vgl. Ukert, Über Dämonen, Heroen und Genien (Leipz. 1850); Gerhard, Über Wesen, Verwandtschaft und Ursprung der Dämonen und Genien (Berl. 1852); O. Ribbeck, D. und Genius (Kiel 1868); Lehrs, Populäre Aufsätze (2. Aufl., Leipz. 1875); Hild, Étude sur les démons (Par. 1881).
 
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Damon und Phintĭas, zwei durch ihre Freundschaft berühmt gewordene Pythagoreer zu Syrakus. Phintias, eines Anschlags auf den Tyrannen Dionysios beschuldigt und zum Tode verurteilt, bat um Frist, damit er seine Angelegenheiten ordne, und Damon verbürgte sich mit seinem Leben für die rechtzeitige Wiederkehr des Freundes. Schon war die Frist fast verstrichen, als Phintias, an früherer Rückkehr verhindert, ankam. Erstaunen ergriff alle Anwesenden, Phintias wurde begnadigt und Dionysios, von diesem Freundschaftsbeweis ergriffen, bat die Freunde, ihn als dritten in ihren Bund aufzunehmen. Schillers »Bürgschaft« folgt der Erzählung des Hyginus (Fabel 257), der die Freunde Mörus und Selinuntius nennt.
 
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Dämonelix (Teufelsschraube, Teufelspfropfenzieher), ein Gebilde in den Badlands von Nebraska und Dakota, ähnelt einem großen, senkrecht in der Erde steckenden steinernen Pfropfenzieher von oft mehr als 2,3 m Höhe mit bis 13 an der untern Spitze sich verjüngenden Windungen, die mitunter aus dem abgewitterten Boden frei herausragen. Diese teils für Tiere, teils für Pflanzen gehaltenen sonderbaren Gebilde dürften vielleicht die mineralischen Ausgüsse der Gänge eines Nagetieres sein.
 
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Dämōnion, s. Meyers Sokratischer Dämon.
 
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Dämōnisch wird im modernen Sprachgebrauch jeder geistige Einfluß genannt, der dem Menschen als eine Macht, der man nicht entrinnen kann, entgegentritt und ihm hierdurch verhängnisvoll wird oder doch zu werden droht. D. können ihm daher auch die Fügungen der äußern Geschicke erscheinen, insofern sich in ihnen ein innerer, geistiger Zusammenhang offenbart, nicht minder der geistige Einfluß, der von der bloßen persönlichen Erscheinung oder von den Willensäußerungen eines Menschen ausgeht, sowie endlich die Triebe, Begierden, Leidenschaften des eignen Herzens und Geistes (Dämonie eines Blickes, der Leidenschaft, des Geistes etc.). In der Kunst ist der Schein des Dämonischen besonders in der Tragödie (»Richard III«, »Lady Macbeth«) wirksam verwendet worden. Vgl. Dämon.
 
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Dämonismus (griech.), Glaube an Dämonen.

 

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