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Damespiel bis Damîri (Bd. 4, Sp. 437 bis 438)
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Artikelverweis Damespiel, Brettspiel sehr hohen Alters, wird zwischen zwei Personen, in Deutschland meist auf einem gewöhnlichen Schachbrette (Damenbrett) von 64 schwarzen und weißen Feldern mit 12 schwarzen und 12 weißen Steinen (Damensteinen) gespielt. In andern Ländern, z. B. in Frankreich, benutzt man dagegen ein Brett von 100 Feldern, und jeder Spieler nimmt 20 Steine. Das Brett wird so gestellt, daß man ein weißes Eckfeld zur Rechten hat. Der eine Spieler erhält die (12 oder 20) weißen Steine, die er auf die untern (12 oder 20) schwarzen Felder setzt, der andre die (12 oder 20) schwarzen Steine, womit er die obern (12 oder 20) schwarzen Felder belegt. Auf den leer gebliebenen zwei Reihen beginnt nun das Spiel durch schräges Gegeneinanderziehen der Steine auf den schwarzen Feldern, so daß die weißen Felder ganz unberührt bleiben: es gilt, mit seinen Steinen in die letzte feindliche Reihe, in die Dame, zu kommen, wodurch der Stein, mit dem dieses gelungen, zur Dame wird, d. h. freiere Bewegung erhält; dazu müssen einzelne Steine vom Brett weggenommen, »geschlagen«, werden. Durch die Weise, wie geschlagen wird, unterscheiden sich die Arten des Damespiels, von denen die bekanntesten die deutsche, polnische und Schlagdame sind. Bei den zwei ersten Arten siegt, wer dem Gegner alle Steine geschlagen hat, während bei der Schlagdame der gewinnt, dessen Steine alle geschlagen sind. Die Gelegenheit zum Schlagen muß benutzt werden. Ist ein Stein in die Dame gekommen, so wird dies dadurch bezeichnet, daß man auf einen solchen Stein einen andern gleichartigen setzt. Die Dame darf sowohl rückwärts als vorwärts (doch immer nur einen Schritt) ziehen und schlagen. Das Spiel heißt remis, wenn beide Spieler so geschwächt sind, daß keiner es gewinnen kann. Bei der polnischen Dame, die zuerst 1723 in Paris, und zwar auf einem Brett von 100 Feldern, gespielt wurde, dürfen die einfachen Steine zwar nur vorwärts ziehen, aber sowohl rückwärts als vorwärts schlagen. Die Dame aber kann in jeder schrägen Richtung vorwärts oder rückwärts gehen, soweit sie will, wenn nur nicht auf dem Wege zwei Steine (eigne oder fremde) hintereinander stehen, in dem Fall sie nur bis an diese ziehen kann. Anleitungen zum D. schrieben Dufresne (Wien 1888) und H. Credner (Leipz. 1889).
 
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Damgarten, Stadt im preuß. Regbez. Stralsund, Kreis Franzburg, an der Mündung der Recknitz in den Ribnitzer See, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Stralsund-Rostock und der Franzburger Kreisbahn, hat eine evang. Kirche, Glashütte, Kalkbrennerei, Schneidemühle, Fischerei, Reederei und (1900) 1691 fast nur evang. Einwohner. D. wurde 1258 vom Fürsten Jaromar II. von Rügen zur Stadt erhoben. 1322 wurde hier der Friede zwischen dem Fürsten Wizlaw III. von Rügen und Heinrich dem Löwen von Mecklenburg geschlossen.
 
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Damghau, Stadt in Persien, am Südabhang des Elburz und an der Straße von Teheran nach Meschhed, mit etwa 15,000 Einw., einst viel größer. Manche suchen in seiner Nähe das alte Hekatompylos.
 
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Damhirsch, s. Meyers Hirsche.
 
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Damiāna, s. Turnera.
 
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Damiāni, Petrus, einer der einflußreichsten Geistlichen des 11. Jahrh., geb. 1007 in Ravenna, gest. 23. Febr. 1072, verlor früh seine Eltern und verbrachte zunächst schwere Jugendjahre, bis ihm ein älterer Bruder die Mittel gewährte, in Faënza und Parma weltliche Studien zu treiben. Obwohl er selbst schon ein berühmter Lehrer geworden war, entsagte er plötzlich dem weltlichen Leben und trat um 1036 in das Kloster Fonte Avellana in der Diözese Gubbio, wo er sich durch seine strenge Askese und durch seine Predigten auszeichnete und um 1043 Abt wurde. Er wirkte nun aufs eifrigste für die Reform der verwilderten italienischen Kirche, insbes. der Klöster; 1049 übersandte er Leo IX. seinen »Liber Gomorrhianus«, der die Ausschweifungen des Klerus aufs rücksichtsloseste angriff. 1057 wurde D. von Stephan IX. zum Kardinalbischof von Ostia erhoben und kämpfte seitdem gemeinsam mit Hildebrand (später Gregor VII.) gegen Simonie und Priesterehe. 1059 verhalf er in Mailand der Reformpartei zum Sieg und wohnte dem römischen Laterankonzil bei, kehrte 1061 auf einige Zeit in sein Kloster zurück, wurde aber schon 1062 von Hildebrand genötigt, es wieder zu verlassen, und mußte seine Begabung in den Dienst der Politik Hildebrands stellen, obwohl er dessen hierarchischen Standpunkt keineswegs teilte. 1062 wirkte er für die Anerkennung Alexanders II. durch den deutschen Hof und nötigte 1069 als päpstlicher Legat Heinrich IV.

[Bd. 4, Sp. 438]


zum Verzicht auf seinen Ehescheidungsplan. Den Ausbruch des eigentlichen Investiturstreits hat er nicht mehr erlebt. Seine Schriften wurden vom Kardinal Cajetan gesammelt (beste Ausg., Vened. 1743, 4 Bde.). Vgl. Vogel, Peter D. (Jena 1856); Neukirch, Das Leben des P. D. (Götting. 1875); Guerrier, De Petro Damiano (Orléans 1881).
 
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Damianistinnen, s. Meyers Klarissinnen.
 
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Damianitsch, Martin, Militärjurist, geb. 26. Dez. 1807 zu Falkenstein in Mähren, gest. 29. Jan. 1899 in Wien, trat 1832 in die Auditoriatpraxis, war 183847 bei einem Regiment in Galizien tätig, dann beim Landesmilitärgericht in Prag, wurde 1849, als praktischer Lehrer für die Auditoriatskandidaten nach Wien berufen und 1863 zum Referenten beim Militärobergerichte daselbst ernannt. 1869 trat er als Generalauditor in den Ruhestand. D. hat durch seine wissenschaftliche Behandlung den Grundstein zur modernen Militärstrafrechtswissenschaft in Österreich und Deutschland gelegt. Unter seinen Schriften sind besonders zu nennen: »Handbuch der Strafgesetze für die k. k. österreichische Armee« (Wien 1849); »Das Militärstrafgesetzbuch vom 15. Jan. 1855 für das Kaisertum Österreich« (das. 1855,2. vermehrte Ausg. 1861); »Handbuch des Strafverfahrens bei den k. k. Militärgerichten« (2. Ausg., das. 1860); »Studien über das Militärstrafrecht in seinem materiellen und formellen Teile« (das. 1862). Vgl. Dangelmaier, Die Literatur des Militärrechtes (Wien 1897).
 
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Damiens (spr. damjäng), Robert François, bekannt durch den Mordversuch gegen Ludwig XV., geb. 9. Jan. 1715 in Tieuloy bei Arras, gest. 28. März 1757, war Schlosserlehrling, trieb aber in einem unordentlichen Leben vielerlei Gewerbe, wozu er in einem Jesuitenkollegium einige Kenntnisse gesammelt hatte. Der allgemeine Tadel, den die despotische und ruhmlose Regierung Ludwigs XV. erfuhr, versetzte D. in große Aufregung; in Versailles wartete er 5. Jan. 1757 die Ausfahrt des Königs nach Trianon ab und versetzte diesem, hinter einer Säule vorspringend, einen Messerstich in die rechte Seite. In den Verhören und unter der Folter leugnete er jede Mitwissenschaft andrer und blieb dabei, daß er den König nur auf bessere Gedanken habe bringen wollen. Er wurde auf dem Grèveplatz zu Paris hingerichtet.
 
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Damiette (arab. Dumyât), ägypt. Gouvernorat am Mittelmeer, begrenzt von den Provinzen (Mudiriehs) Gharbieh und Dakalieh, 904 qkm, wovon 11,71 qkm Kulturland, mit (1897) 43,751 Einw., darunter 114 Ausländer. Einteilung in 2 Distrikte. Der gleichnamige Hauptort, am rechten Ufer des phatnitischen Nilarmes, 8 km von dessen Mündung in das Mittelmeer (Mündung von D.), 4 km vom Mensalehsee, Endstation der Bahn Tanta-D., hat schöne Moscheen, mehrere Basare und Marmorbäder, Kasernen, ist Sitz eines koptischen Bischofs, eines deutschen Konsuls und eines Gerichtshofs und hat (1897) 31,288 Einw., die Weberei von groben Baumwollenstoffen, Töpferei und Kleingewerbe wie auch ansehnlichen Handel mit Reis aus der Umgebung, Salz und gesalzenen Fischen treiben. Die durch zwei Forts geschützte Flußmündung ist sehr seicht und gefährlich. In der Nähe von D. stand das alte Thamiatis (Damyat), das zur Zeit der Kreuzzüge, wo es als Schlüssel Ägyptens galt, mehrmals belagert, zuletzt 1249 von Ludwig dem Heiligen erobert, aber kurze Zeit darauf von den Mamelucken des Ejjubiden Saleh wieder genommen und später von dem Sultan Beibars völlig zerstört wurde. Die Stadt wurde darauf etwas südlicher an der jetzigen Stelle wieder aufgebaut. Die Franzosen eroberten D. 1798 und siegten hier 1. Nov. 1799 unter Kléber über die Türken; aber die Briten unter Sidney Smith entrissen es ihnen wieder und gaben es den Türken zurück, unter deren Botmäßigkeit es blieb, bis es 1833 Mehemed Ali erhielt.
 
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Damîri, Kamâl ald in Abul bakâ Mohammed ben Musa, Naturhistoriker und schafiitischer Rechtsgelehrter, geb. 1349 in Kairo, gest. im November 1405, war Professor der Traditionen an der Kapelle Ruknia und an der Moschee El Azhar (beide in Kairo) und machte mehrere Male die Pilgerfahrt nach Mekka. Er schrieb ein »Leben der Tiere« (»Hayât-alhaiwân«), das 931 Tiere eingehend beschreibt, und veranstaltete eine größere (Bulak 1867; Kairo 1887, 2 Bde.) und eine kleinere Ausgabe davon, von denen er erstere schon 1371 vollendet haben soll. Bochart in seinem »Hierozoicon« hat dieses Tierleben fleißig benutzt; Tychsen, de Sacy u. a. haben kleinere Texte daraus veröffentlicht. Eine persische Übersetzung des Werkes befindet sich in der Bibliothek des Arsenals zu Paris; eine ungedruckte französische Übersetzung hat Petit de la Croix angefertigt.

 

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