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Damerghu bis Damianistinnen (Bd. 4, Sp. 436 bis 438)
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Artikelverweis Damerghu, Landschaft an der Südgrenze der Sahara gegen Bornu, unter 15° nördl. Br. und 8° östl. L., ein fruchtbares Oasenland, bewohnt von Negern, die das Kanuri sprechen, und Haussa. Die wichtigsten Orte sind die Handelsplätze Taghelel und Kulan'kerki.

[Bd. 4, Sp. 437]



 
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Damerow, Heinrich, Mediziner, geb. 28. Dez. 1798 in Stettin, gest. 22. Sept. 1866 in Halle, studierte seit 1817 in Berlin, habilitierte sich daselbst 1822 als Privatdozent, wurde 1830 außerordentlicher Professor, ging 1836 als Arzt und Direktor des provisorischen Irrenheilinstituts nach Halle, arbeitete dann mehrere Jahre in der Medizinalabteilung des Kultusministeriums und kehrte erst 1342 nach Halle zurück, um die Direktion der nach seinen Plänen erbauten Irren-, Heil- und Pfleganstalt für die Provinz Sachsen bei Halle zu übernehmen. Damerows Hauptverdienst beruht in einer wesentlichen Verbesserung der Anlagen der Irrenanstalten in Deutschland. Er schrieb: »Über die relative Verbindung der Irren-, Heil- und Pfleganstalten« (Leipz. 1840); »Sefeloge, eine Wahnsinnsstudie« (Halle 1853); »Zur Kretinen- und Idiotenfrage« (Berl. 1858); »Über die Grundlage der Mimik und Physiognomik, als freier Beitrag zur Anthropologie und Psychiatrie« (das. 1860). Mit Flemming und Roller gründete D. 1844 die »Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie« (Berl.).
 
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Damersamen, s. Meyers Daphne.
 
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Dames, Wilhelm, Paläontolog, geb. 9. Juni 1843 zu Stolp in Pommern, gest. 22. Dez. 1898 in Berlin, studierte seit 1863 in Breslau und Berlin, wurde 1870 Assistent an der Bergakademie daselbst, 1871 Assistent von Beyrich am mineralogischen Museum, habilitierte sich daselbst 1874 als Privatdozent und wurde 1878 außerordentlicher, 1891 ordentlicher Professor an der Universität, 1896 Direktor der paläontologischen Abteilung des Museums. Er beteiligte sich viele Jahre an der geologischen Landesaufnahme, untersuchte die silurischen Ablagerungen der russischen Ostseeprovinzen und Gotlands, die Schichtenglieder Helgolands, Glazialbildungen der norddeutschen Ebene etc. Namentlich aber arbeitete er über die Echiniten des Jura und Tertiär, über den Archäopteryx, die Ganoiden des deutschen Muschelkalks, über die Saurier und ihre Stellung zu den Vögeln, über die Zeuglodonten etc. Mit Berendt lieferte er die geognostische Beschreibung der Umgegend von Berlin in den »Abhandlungen zur geologischen Spezialkarte von Preußen« (Berl. 1885). Mit Kayser gab er die »Paläontologischen Abhandlungen« (Berl., seit 1883; neue Folge, Jena 1886ff.) heraus. Auch redigierte er jahrelang die »Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft« und das »Neue Jahrbuch für Mineralogie, Geologie etc.«
 
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Damespiel, Brettspiel sehr hohen Alters, wird zwischen zwei Personen, in Deutschland meist auf einem gewöhnlichen Schachbrette (Damenbrett) von 64 schwarzen und weißen Feldern mit 12 schwarzen und 12 weißen Steinen (Damensteinen) gespielt. In andern Ländern, z. B. in Frankreich, benutzt man dagegen ein Brett von 100 Feldern, und jeder Spieler nimmt 20 Steine. Das Brett wird so gestellt, daß man ein weißes Eckfeld zur Rechten hat. Der eine Spieler erhält die (12 oder 20) weißen Steine, die er auf die untern (12 oder 20) schwarzen Felder setzt, der andre die (12 oder 20) schwarzen Steine, womit er die obern (12 oder 20) schwarzen Felder belegt. Auf den leer gebliebenen zwei Reihen beginnt nun das Spiel durch schräges Gegeneinanderziehen der Steine auf den schwarzen Feldern, so daß die weißen Felder ganz unberührt bleiben: es gilt, mit seinen Steinen in die letzte feindliche Reihe, in die Dame, zu kommen, wodurch der Stein, mit dem dieses gelungen, zur Dame wird, d. h. freiere Bewegung erhält; dazu müssen einzelne Steine vom Brett weggenommen, »geschlagen«, werden. Durch die Weise, wie geschlagen wird, unterscheiden sich die Arten des Damespiels, von denen die bekanntesten die deutsche, polnische und Schlagdame sind. Bei den zwei ersten Arten siegt, wer dem Gegner alle Steine geschlagen hat, während bei der Schlagdame der gewinnt, dessen Steine alle geschlagen sind. Die Gelegenheit zum Schlagen muß benutzt werden. Ist ein Stein in die Dame gekommen, so wird dies dadurch bezeichnet, daß man auf einen solchen Stein einen andern gleichartigen setzt. Die Dame darf sowohl rückwärts als vorwärts (doch immer nur einen Schritt) ziehen und schlagen. Das Spiel heißt remis, wenn beide Spieler so geschwächt sind, daß keiner es gewinnen kann. Bei der polnischen Dame, die zuerst 1723 in Paris, und zwar auf einem Brett von 100 Feldern, gespielt wurde, dürfen die einfachen Steine zwar nur vorwärts ziehen, aber sowohl rückwärts als vorwärts schlagen. Die Dame aber kann in jeder schrägen Richtung vorwärts oder rückwärts gehen, soweit sie will, wenn nur nicht auf dem Wege zwei Steine (eigne oder fremde) hintereinander stehen, in dem Fall sie nur bis an diese ziehen kann. Anleitungen zum D. schrieben Dufresne (Wien 1888) und H. Credner (Leipz. 1889).
 
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Damgarten, Stadt im preuß. Regbez. Stralsund, Kreis Franzburg, an der Mündung der Recknitz in den Ribnitzer See, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Stralsund-Rostock und der Franzburger Kreisbahn, hat eine evang. Kirche, Glashütte, Kalkbrennerei, Schneidemühle, Fischerei, Reederei und (1900) 1691 fast nur evang. Einwohner. D. wurde 1258 vom Fürsten Jaromar II. von Rügen zur Stadt erhoben. 1322 wurde hier der Friede zwischen dem Fürsten Wizlaw III. von Rügen und Heinrich dem Löwen von Mecklenburg geschlossen.
 
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Damghau, Stadt in Persien, am Südabhang des Elburz und an der Straße von Teheran nach Meschhed, mit etwa 15,000 Einw., einst viel größer. Manche suchen in seiner Nähe das alte Hekatompylos.
 
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Damhirsch, s. Meyers Hirsche.
 
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Damiāna, s. Turnera.
 
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Damiāni, Petrus, einer der einflußreichsten Geistlichen des 11. Jahrh., geb. 1007 in Ravenna, gest. 23. Febr. 1072, verlor früh seine Eltern und verbrachte zunächst schwere Jugendjahre, bis ihm ein älterer Bruder die Mittel gewährte, in Faënza und Parma weltliche Studien zu treiben. Obwohl er selbst schon ein berühmter Lehrer geworden war, entsagte er plötzlich dem weltlichen Leben und trat um 1036 in das Kloster Fonte Avellana in der Diözese Gubbio, wo er sich durch seine strenge Askese und durch seine Predigten auszeichnete und um 1043 Abt wurde. Er wirkte nun aufs eifrigste für die Reform der verwilderten italienischen Kirche, insbes. der Klöster; 1049 übersandte er Leo IX. seinen »Liber Gomorrhianus«, der die Ausschweifungen des Klerus aufs rücksichtsloseste angriff. 1057 wurde D. von Stephan IX. zum Kardinalbischof von Ostia erhoben und kämpfte seitdem gemeinsam mit Hildebrand (später Gregor VII.) gegen Simonie und Priesterehe. 1059 verhalf er in Mailand der Reformpartei zum Sieg und wohnte dem römischen Laterankonzil bei, kehrte 1061 auf einige Zeit in sein Kloster zurück, wurde aber schon 1062 von Hildebrand genötigt, es wieder zu verlassen, und mußte seine Begabung in den Dienst der Politik Hildebrands stellen, obwohl er dessen hierarchischen Standpunkt keineswegs teilte. 1062 wirkte er für die Anerkennung Alexanders II. durch den deutschen Hof und nötigte 1069 als päpstlicher Legat Heinrich IV.

[Bd. 4, Sp. 438]


zum Verzicht auf seinen Ehescheidungsplan. Den Ausbruch des eigentlichen Investiturstreits hat er nicht mehr erlebt. Seine Schriften wurden vom Kardinal Cajetan gesammelt (beste Ausg., Vened. 1743, 4 Bde.). Vgl. Vogel, Peter D. (Jena 1856); Neukirch, Das Leben des P. D. (Götting. 1875); Guerrier, De Petro Damiano (Orléans 1881).
 
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Damianistinnen, s. Meyers Klarissinnen.

 

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