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Damăsus bis Dame (Bd. 4, Sp. 435 bis 436)
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Artikelverweis Damăsus, Name zweier römischer Päpste: 1) D. I., geb. 305, Papst von 366384, aus Spanien gebürtig, gelangte, von Kaiser Valentinian I. unterstützt, nach blutigem Kampf mit seinem Gegner Ursinus auf den päpstlichen Stuhl und bewies sich, solange er denselben innehatte, als heftiger Gegner der Arianer. Er hat den Kirchenvater Hieronymus zur Abfassung der verbesserten lateinischen Bibelübersetzung (der sogen. Vulgata) veranlaßt, aber auch selbst zahlreiche uns erhaltene lateinische Epigramme gedichtet (gedruckt in Mignes »Patrologia latina«, Bd. 1). Sein Gedächtnistag ist der 11. Dezember. Vgl. Rade, D., Bischof von Rom (Freib. i. Br. 1882); Wittig, Papst D. I. Quellenkritische Studien etc. (Freiburg 1902). 2) D. II., vorher als Poppo Bischof von Brixen, ward vom Kaiser Heinrich III. 25. Dez. 1047 als Papst eingesetzt und 17. Juli 1048 in Rom geweiht, starb aber schon 9. Aug. d. I.
 
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Damaszēnen, s. Meyers Rosinen.
 
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Damaszēner Pflaumen, s. Meyers Chrysophyllum und Meyers Pflaumenbaum.
 
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Damaszēner Stahl (damaszierter Stahl), ein innig miteinander verschweißtes Gemenge verschiedener Stahlsorten, das beim Beizen der blank gefeilten und geschliffenen Oberfläche mit einer Säure eigentümliche, aus hellen und dunkeln Linien zusammengesetzte Zeichnungen (Damast, Damaszierung: Banddamast, Tabandamast mit gewässerten Linien, Rosendamast mit schraubenförmig gewundenen Rosen, Mosaikdamast mit sich wiederholenden Mustern) erhält, deren Entstehung aus der verschiedenen Widerstandsfähigkeit der Bestandteile gegen Säuren sich erklärt. Der Name wird gewöhnlich von der Stadt Damaskus hergeleitet, wo damaszierte Waren, besonders Waffen, von vorzüglicher Qualität gefertigt wurden. Das Wort damask bedeutet indes nur soviel wie bunt durchwunden, und die Stadt Damaskus soll ihren Namen dieser Grundbedeutung des Wortes um ihrer schönen Lage willen verdanken. D. S. ist sehr zäh, und dies beruht sowohl auf der Verwebung der Fasern als auch auf der Verbesserung des Materials durch das bei der Bereitung erforderliche fleißige Ausschmieden und Schweißen. Im Orient verarbeitet man sehr elastischen Stahl aus Golkonda mit sehr hartem und sprödem persischen Stahl und wickelt die rotglühenden Klingen zu langsamer Abkühlung in nasse Tücher oder steckt sie in trocknen Dünger. In Europa werden dünne Stäbchen von Schmiedeeisen und Stahl (oder auch von hartem und weichem Schmiedeeisen) zu einem Bündel parallel nebeneinander gelegt und zusammengeschweißt. Die erhaltene Stange wird in die Länge geschmiedet, in 23 Teile zerhauen, die man wieder auseinander legt und zusammenschweißt. Dies Verfahren liefert nach öfterer Wiederholung einen Stab aus wechselnden sehr dünnen Lagen von Eisen und Stahl. Wenn man nun den Stab rotglühend schraubenförmig um sich selbst windet und wieder glatt schmiedet, so kommen die Schraubenwindungen mehr oder weniger in eine gemeinschaftliche Ebene zu liegen, und beim Beizen des polierten Stahls erscheinen viele symmetrisch gestellte kleine Figuren, deren Linien um so zarter sind, je mehr beim Schmieden die Metalle zu seinen Fäden ausgearbeitet wurden. Man verwendet D. S. zu Klingen und Gewehrläufen. Der Materialaufwand zu diesen Läufen ist sehr groß wegen des beträchtlichen Abbrandes bei den vielen Schweißungen; ein fertiger Lauf von 11,5 kg erfordert manchmal 50 kg rohes Stabeisen. Beim echten D. S. kann man die Zeichnungen abschleifen und dann durch Beizen von neuem hervorrufen, nicht so bei Nachahmungen, bei denen z. B. glänzende, etwas erhabene Zeichnungen auf mattem Grunde (damaszierte Arbeit) erhalten werden, wenn man auf einer sein polierten Stahlfläche alle Stellen, die blank bleiben sollen, mit einer Lösung von Ätzgrund in Terpentinöl bedeckt und den Stahl alsdann Salzsäuredämpfen aussetzt, welche die freien Stahlstellen mattbeizen (vgl. Ätzen).
   Die sehr alte Herstellung des Damaszener Stahls wurde vielleicht durch Not veranlaßt, indem man aus Mangel an Stahl alte Eisenstücke zusammenschweißte. Herodots Kollesis bedeutet indes mehr eine Auflötung eines Metalls auf das andre, und der Erfinder dieses Verfahrens, Glaukos von Chios, kann daher nicht als Erfinder des Damaszierens genannt werden. Die zu Turin befindliche Isistafel ist eine Art Damaszierung. Alte Dolche und Schwerter deuten darauf hin, daß die Erfindung aus Nordindien stammt. Als unter Domitian Waffenfabriken zu Damaskus angelegt wurden und dieses sich zu einem Haupthandelsplatz erhoben hatte, erhielt das Damaszieren seinen jetzigen Namen. Durch die Kreuzzüge kam eine große Menge vortrefflicher Stahlarbeiten nach Europa, indes gelang es erst Clouet (178090), Bréant, Mille, Duc de Luynes (1835), Anosow (1841) und namentlich Crivelli (1820), Nachbildungen zu erzeugen, die den orientalischen Mustern weder in Güte noch in Schönheit der Form nachstehen. In Asien wird D. S. gegenwärtig besonders in Persien und weiterhin im Osten dargestellt. Vgl. Beck, Geschichte

[Bd. 4, Sp. 436]


des Eisens (2. Aufl., Braunschw. 1891ff.); Falke, Metall- und Schmuckarbeiten des Orients (in der »Zeitschrift für bildende Kunst«, Bd. 13); Hendley, Damascening on steel or iron as practised in India (Lond. 1892).
 
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Damaszieren (franz. damasquiner), das Einhämmern von Silber oder Gold in Eisen-, Stahl- oder Messingarbeiten, besonders in Schwertklingen. Richtiger bezeichnet man diese Technik jedoch als Tauschierarbeit (s. d.). Vgl. Damaszener Stahl. In der Heraldik heißt Damaszierung das Mustern leerer Wappenschilder oder-Felder mit Kreuz- und Querstrichen, mit Arabesken u. dgl. m.
 
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Dambach, Stadt im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis Schlettstadt, am Fuße der Vogesen und an der Eisenbahn Schlettstadt-Zabern, hat eine kath. Kirche, Synagoge, Weinbau und (1900) 2616 Einw. (140 Juden). Über der Stadt die Schloßruine Bernstein. D. erhielt 1340 Stadtrecht.
 
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Dambach, Otto, Rechtsgelehrter, geb. 16. Dez. 1831 in Querfurt, gest. 18. Mai 1899 in Berlin, war anfangs im Justizdienst angestellt, bis er 1862 als Justitiarius in das Generalpostamt berufen ward, bei welcher Behörde er später die Stelle eines Geheimen Oberpostrats und ersten Justitiarius der Reichspost-und-Telegraphenverwaltung bekleidete. In dieser Stellung hat er an allen großen Entwickelungsphasen des deutschen Post- und Telegraphenwesens teilgenommen und namentlich das Reichspostgesetz vom 28. Okt. 1871 abgefaßt. 1873 wurde er zum außerordentlichen Professor der Rechte an der Universität Berlin, 1891 zum Wirklichen Geheimrat, Kronsyndikus und Mitglied des Herrenhauses ernannt. Er schrieb unter anderm: »Die Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes, betreffend das Urheberrecht an Schriftwerken« (Berl. 1871); »Das Telegraphenstrafrecht« (das. 1872; 2. Aufl. 1897; ins Französische übersetzt, Bern 1872); »Das Gesetz über das Postwesen des Deutschen Reichs vom 28. Okt. 1871 erläutert« (Berl. 1872, 6. Aufl. 1901); »Das Musterschutzgesetz vom 11. Jan. 1876« (das. 1876); »Das Patentgesetz für das Deutsche Reich« (das. 1877); »Der deutsch-französische Literarvertrag« (das. 1883). Mit Heydemann veröffentlichte er: »Die preußische Nachdrucksgesetzgebung, erläutert durch die Praxis des literarischen Sachverständigenvereins« (Berl. 1863); als Fortsetzung dazu gab D. heraus: »Gutachten des königlich preußischen literarischen Sachverständigenvereins über Nachdruck und Nachbildung aus den Jahren 18641873« (Leipz. 1874) und »in den Jahren 18741889« (das. 1891). Auch bearbeitete er in Holtzendorffs »Handbuch des deutschen Strafrechts« (Bd. 34, Berl. 187477) die Materie »Nachdruck und Nachbildung«.
 
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Damböck, Marie, s. Meyers Straßmann-Damböck.
 
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Dambose, soviel wie Inosit, findet sich im Kautschuk von Gabun in der Form des Dimethyläthers (Dambonit) C6H6 (OH)4 (OCH3)2, der farblose, in Wasser lösliche Prismen bildet, bei 195° schmilzt und bei 200210° sublimiert. Der Monomethyläther (Bornesit), im Kautschuk von Borneo, schmilzt und sublimiert leichter.
 
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Dambowitza, Fluß, s. Meyers Dimbowitza.
 
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Dame (franz.; ital. Dama, Donna, v. lat. domina, »Herrin«), Ehrentitel, der ursprünglich nur den adligen Franen zustand und als Notre Dame sogar der Mutter Gottes gegeben wurde. Später setzte man meist das zueignende Fürwort ma (Madame) davor. Die Königin von Frankreich wurde Madame angeredet (hier also gleichbedeutend mit Majestät), und die königlichen Prinzessinnen Frankreichs hießen Dames oder Mesdames de France (vgl. Madame). D. d'honneur ist Bezeichnung einer Hofdame, der diese Würde aus Rücksicht auf ihren Stand oder den ihres Mannes verliehen ist (s. Meyers Ehrendame), während D. de la cour jede D. genannt wird, die Zutritt bei Hofe hat. Unter Dames du palais (Palastdamen) verstand man am französischen Hofe früher alle Damen, die zum Hofstaate der Prinzessinnen gehörten und ihnen je nach der Art ihres Dienstes und gemäß ihrer Rangordnung aufwarten mußten. Den ersten Platz unter ihnen nahm die Oberhofmeisterin (D. d'honneur) ein; diejenige, die speziell mit der Toilette beauftragt war, hieß D. d'atours. Ironisch, aber allgemein nennt man schon seit langer Zeit die Fisch- und Hökerweiber der großen Pariser Markthalle, überhaupt sämtliche Marktweiber Damen (les dames de la halle), weil sie dem König bei gewissen Gelegenheiten gratulieren und einen Blumenstrauß überreichen durften. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. kam der Titel D. auch nach Deutschland, wurde anfangs nur in anrüchiger Bedeutung gebraucht und gelangte erst allmählich zu Ehren. Jetzt gebraucht man das Wort D., besonders in Frankreich, für Frauen der bessern Stände (vgl. Dietrich, Frau und D., Marb. 1864). In den französischen Spielkarten heißt D. die im Rang zwischen dem König und dem Buben stehende Figur, im Schachspiel die Königin; vgl. Damespiel.

 

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