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Damaskĭos bis Damaszēner Stahl (Bd. 4, Sp. 433 bis 435)
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Artikelverweis Damaskĭos, der letzte Lehrer des Neuplatonismus zu Athen, geb. um 470 n. Chr. zu Damaskus, in Athen und Alexandria von den Neuplatonikern Marinos, Isidoros von Gaza, Zenodotos und Ammonios unterrichtet, Nachfolger der letztgenannten auf dem Lehrstuhl, begab sich, als Justinian 529 die Akademie zu Athen schließen ließ, mit sechs andern Platonikern nach Persien zum König Chosroes, kehrte jedoch um 533 ins oströmische Reich zurück. D.' weitere Lebensschicksale sind unbekannt. Seine Spekulation ging namentlich dahin, das Urwesen über alle Gegensätze zu erheben. Von seinen Schriften wurden die »Quaestiones de primis principiis« von I. Kopp herausgegeben (Frankf. a. M. 1826). Vgl. Ruelle, Le philosophe D. (Par. 1861); Heitz, Der Philosoph D. (in den »Straßburger Abhandlungen zur Philosophie«, Festschrift für E. Zeller, Freib. 1884).
 
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Damaskus (arab. esch Scham, auch Dimischk), Hauptstadt der asiatisch-türk. Provinz Syrien, fünftgrößte Stadt des osmanischen Reiches, in entzückender Lage am östlichen Fuß des Antilibanon, 690 m ü. M., in weiter, fruchtbarer Ebene (El Ghuta, mit 134 Dörfern), die von den Orientalen als das schönste der vier irdischen Paradiese gepriesen wird. Der Barada (Chrysorrhoas) durchströmt in mehreren Armen die Stadt, bewässert die stundenweit ausgedehnten Gärten und Felder und verliert sich endlich gegen O. hin in Sümpfen. Die von alten Mauern mit Türmen und Gräben umgebene Stadt hat neun Tore und krumme, staubige, unsaubere Straßen. Die schnurgerade, 1,6 km lange Hauptstraße soll dieselbe sein, die in der Apostelgeschichte (9,11) als die »gerade« erwähnt wird. Im übrigen hat D. trotz seines hohen Alters nur wenig Altertümer aufzuweisen. Unter den zahlreichen Moscheen (angeblich 248) ist die berühmteste die Moschee der Omaijaden oder die Große Moschee, ursprünglich eine Kirche des heil. Johannes, die an der Stelle eines heidnischen Tempels errichtet und später von Welid (705715), dem sechsten Kalifen des Hauses der Omaijaden, in das jetzige, durch seine Pracht und Schönheit ausgezeichnete Wunderwerk arabischer Baukunst umgewandelt wurde. Von den drei Minarets genießt »Mâdinet'-Isâ« besondere Verehrung wegen der Sage, daß am Jüngsten Tage Jesus sich auf dieses Minaret vom Himmel herablassen werde. Das größte Heiligtum der Moschee ist die Kapelle, wo das Haupt Johannis des Täufers ruhen soll, obschon es zur Zeit des byzantinischen Reiches nach Konstantinopel gebracht wurde. An nichtmohammedanischen Gotteshäusern besitzt D. 14 Synagogen, je eine griechische, maronitische, syrische und armenische Kirche, dazu 3 römisch-katholische Klöster. Merkwürdig ist die umfangreiche, 1219 erbaute Zitadelle im NW. der Stadt. Die Basare von D. (über 30 an der Zahl), die originellsten im Morgenland, ziehen sich in unendlichen Verzweigungen bedeckter Passagen um die Moschee der Omaijaden herum. In ihnen findet man Chane, wo sich der Großhandel konzentriert, eine Börse, Bäder, Kaffeehäuser und Brunnen. Im N., W. und S. breiten sich vor den Toren drei große Vorstädte aus; die bedeutendste ist die südliche, der Meidan. Die Zahl der Einwohner beträgt etwa 154,000, bestehend aus 7000 Juden und 10,000 Christen (Armeniern, Griechen etc.), im übrigen aus fanatischen Mohammedanern. Vor dem großen Christengemetzel 1860 zählte man 32,000 Christen. Industriell ist D. berühmt durch Backwaren, Rosenöl, Seidenmanufakturen, Arbeiten in ziseliertem Metall und inkrustiertem Holz. Der schwere Damast wird zwar noch hier verfertigt, jedoch von ähnlichen Fabrikaten in Westeuropa übertroffen. Die Anzahl der Webstühle für seidene Zeuge und gemischte Baumwolle wird auf 8765 angegeben. Ferner werden Gold- und Silberfäden und-Stoffe, Sattelzeug, feine Öle, Parfümerien, Balsame, Teppiche etc. verfertigt. Von Bedeutung sind Gerberei, Seilerei, Stärke- und Albuminfabrikation. Ehe Tamerlan die Waffenschmiede von D. nach Samarkand fortführte,

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hatten auch seine Säbelklingen Weltruf. Auch die Garküchen von D. (etwa 400) sind nicht zu vergessen. Der Handel der Stadt, der über Beirut (Eisenbahn von 147 km Länge) geht, sinkt unaufhaltsam. Eingeführt werden namentlich Reis, Holz, Eisen, Salz, Zucker, Petroleum, baumwollene und wollene Stoffe, Kram- und Kurzwaren, ausgeführt vor allem Mehl, Aprikosenteig, Wolle, Getreide, Früchte, Süßholz, Schafbutter, Gewebe. Die Eisenbahn beförderte 1899: 90,903 Ton. Waren. Die große Pilgerkarawane für Mekka sammelt sich hier alljährlich im September. Von der projektierten Bahn D.-Mekka ist eine ca. 95 km lange Teilstrecke im Betrieb. D. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
   Geschichte. In der Geschichte erscheint D. (Dimaschki), die einzige aramäische Staatsgründung größern Stils, zuerst zur Zeit des Königs David, der die Stadt nach einem blutigen Krieg eroberte. Doch machte sie sich unter Rezon schoie von Salomo wieder unabhängig, und die Könige von D. benutzten die Teilung des Reiches, um auf die nördlichen Teile Israels Angriffe zu machen. Besonders Bir-idri (885844; der Benhadad der Bibel) und Hazael bedrängten das Reich Israel wiederholt; Versuche Salmanassars, D. zu bezwingen (854839), schlugen sechsmal fehl. Das Reich von D. umfaßte den ganzen Osten Syriens, ward aber unter Mari' (Benhadad II.) um 806 v. Chr. von den Assyrern vorübergehend und 732 durch Tiglat-Pileser III. dauernd unterworfen. Sowohl unter der assyrischen als später unter der neubabylonischen und persischen Herrschaft blieb D. eine blühende Stadt und Hauptstadt Syriens, der Stapelplatz des arabischen und babylonischen Handels mit Syrien und Palästina. Erst unter den Seleukiden verlor es diese Stellung. Als Antiochos Dionysios 85 im Kriege gegen die Araber fiel, ward deren Anführer Aretas I. von den Damaszenern zur Herrschaft berufen. Seine Nachkommen herrschten seit 64 v. Chr. unter römischer Oberhoheit, bis 105 n. Chr. Trajan D. der römischen Provinz Syria einverleibte. Das Christentum faßte in D. frühzeitig Wurzel, und Paulus wurde hier zum Christentum bekehrt. Seit Hadrian führte die Stadt den Ehrentitel Metropolis; Philippus Arabs machte sie zu einer römischen Kolonie, Diokletian legte daselbst gegen die Sarazenen bedeutende Waffenfabriken, Magazine und Festungswerke an. Später wurde D. der Sitz eines Bischofs und dem oströmischen Reich einverleibt. 635 eroberten es die Araber unter Omar nach zweimonatiger Belagerung. Moâwija, der Stammvater der omaijadischen Kalifen, verlegte seine Residenz hierher, und seine Nachkommen sowie die ersten Abbasiden residierten von 660753 daselbst. Nachdem Manssur I. Bagdad zu seiner Residenz gemacht, wurde D. durch Statthalter verwaltet, von denen mehrere ein eignes Sultanat begründeten. So ward es 877 von dem Tuluniden Ahmed dem Kalifat entrissen, wechselte aber öfters die Dynastie. Um 1100 residierten hier einige Zeit Seldschuken aus Tutusch' Familie, 1148 belagerten die Kreuzfahrer D. ohne Erfolg. 1154 ward es von dem Atabeg Nureddin erobert, nach dessen Tod es 1174 von Saladin, dem Ejjubiden, erobert wurde; doch wurde dessen Urgroßneffe Saladin Yusuf 1260 von dem Mongolen Hulagu, dem Beherrscher von Persien, getötet. Timur schlug 5 Jan. 1401 die Ägypter unter den Mauern von D., legte der Stadt eine Brandschatzung von 1 Mill. Dukaten auf, verheerte sie aber trotzdem noch (25. März 1401). Wegen seiner wichtigen Lage für den Handel des Orients ward D. von neuem aufgebaut. Später waren die Mamelucken als Herrscher Ägyptens auch Herren von D., bis es im Herbst 1516 von Selim I. dem osmanischen Reich einverleibt ward. Seit dieser Zeit war D. als Sitz eines türkischen Statthalters ein wichtiger Bestandteil des Reiches. Am 14. Juni 1832 eroberten es die Ägypter unter Ibrahim Pascha, und 1833 trat es die Pforte nebst Syrien und Palästina an Ägypten ab; aber schon 1840 nötigten die europäischen Großmächte Mehemed Ali, Syrien dem Sultan zurückzugeben. Seitdem ist D. wieder türkisch. 1840 (noch unter ägyptischer Herrschaft) fand hier eine große Judenverfolgung statt, bei welcher der fanatische französische Konsul Graf Ratti-Menton die Hauptrolle spielte, und 9.16. Juli 1860 eine furchtbare Metzelei der Christen durch die fanatisierte mohammedanische Bevölkerung, infolge deren die christliche Bevölkerung aus D. und den benachbarten Orten meist nach Aleppo und in andre sichere Plätze übersiedelte und erst nach genügenden Bürgschaften für ihre Sicherheit zurückkehrte. Im November 1898 wurde D. von dem deutschen Kaiser Wilhelm II. gelegentlich einer Orientfahrt besucht. Vgl. Kremer, Topographie von D. (Wien 1855); Porter, Five years in Damascus (2. Aufl., Lond. 1870); Macintosh, Damascus and its people (das. 1882).
 
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Damaskus: »Sein D. finden« oder: »Seinen Tag von D. erleben«, bildlicher Ausdruck, hergeleitet von der Bekehrung des Apostels Paulus (Apostelgesch. 9).
 
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Damassé, reichgemusterter Jacquardseidenstoff mit 6585 Ketten- und 4060 Schußfäden auf 1 cm, bei dem der Grund meist fünfbindigen Kettensatin arbeitet.
 
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Damast, ein figurierter Seidenstoff, bei dem behufs Erreichung großer Figuren 48 Fäden nebeneinander von einer Platine der Jacquardmaschine betätigt werden, die aber mit Hilfe von Hebe- oder Vorderzeugen getrennt im Gewebe arbeiten. Seidendamaste verwendet man zu Möbelstoffen, Kirchenornamenten, Tapeten etc.; sie zählen zu den prachtvollsten Geweben. Seidener Möbeldamast enthält 28,000 einfache Fäden auf 130 cm Breite. Leinendamast dient zu Tafelgedecken und wird in abgepaßten Größen hergestellt, die Musterung besteht meist aus Einfassung, Mittel- und Eckstücken. Die Dichte und Garne sind: für starke Qualität 2430 Ketten- und 2430 Schußfäden auf 1 cm, Kette Leinen 1518,000 m, Schuß Leinen 1521,000 m; für mittlere Qualität 3540 Ketten- und 3550 Schußfäden auf 1 cm, Kette 2136,000 m, Schuß 2442,000 m; für seine Qualität 4560 Ketten- und 4580 Schußfäden auf 1 cm, Kette Leinen 4263,000 m, Schuß Leinen 4872,000 m auf 1 kg, wobei die starken und mittelstarken Gewebe 3/4 oder 4/4 weiß, die seinen jedoch roh gewebt werden. Wollendamaste dienen zu Möbelstoffen, Vorhängen etc. und werden aus harten, glänzenden Wollgarnen hergestellt; bei halbwollenen Damasten ist die Kette Baumwolle, der Schuß Kammgarn. Unter Halbdamast versteht man reichfigurierte Gewebe, bei denen von einer Platine der Jacquardmaschine 24. Fäden nebeneinander bewegt werden, die mit Hilfe von Vorderschäften etc. in den Figuren einzeln arbeiken, die glatte Grundbindung jedoch nicht beeinflussen (vgl. Ölsner, Die deutsche Webschule, 8. Aufl, Altona 1902) Baumwollendamaste erreichen nie die eigenartige Schönheit der leinenen. Ost enthalten die Baumwollendamaste nur eine reiche Musterung und werden mit einer gewöhnlichen Jacquardvorrichtung hergestellt; dergleichen

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Gewebe benutzt man zu weißen Bettüberzügen. Sie enthalten 36 Fäden auf 1 cm. Garne: Kette Nr. 26, Schuß Nr. 36 englisches Baumwollengarn. Unter D. (Damaschino, Drap de Damas) verstand man ursprünglich bunte und schwere Seidengewebe aus Damaskus, dem Hauptsitz orientalischer Seidenindustrie während der Kreuzzüge. Von hier aus verpflanzte sich die Webekunst nach Byzanz, und die mittelalterliche griechische Damastindustrie übertraf bald die Ursprungsstätte. Sie gelangte im 13. Jahrh. nach Lucca, und im 16. Jahrh. verstand man in Italien und Frankreich unter D. einfarbige Seidentapeten, deren Grund in glänzender (Atlasbindung), das Muster in matter (Köper- oder Taft-) Bindung gewebt ist. Diese heute allgemein als D. benannten Stoffe dürften ihren Ursprung in China haben, woher schon aus dem Altertum derartige leichte Seidengewebe für Futterstoffe bekannt sind. Durch die gesteigerte Ausbildung der Flachskultur, wie sie in der Renaissancezeit die italienische Spitzenindustrie hervorrief, kam der Leinendamast in Aufnahme, der seit dem Ende des 17. Jahrh. zu Bett- und Tischzeug mit abgepaßten Mustern Verwendung fand. Diese Industrie übertrug sich dann von Italien nach Frankreich, Holland und Belgien und fand gleichzeitig große Verbreitung in Sachsen und Schlesien, woselbst in besonders seinen Waren die glänzende Atlasfläche aus Fäden in hellem Rot, Blau oder lichtem Gelb gewebt wird. Wollendamast wurde im Anfang des 19. Jahrh. für Möbel- und Kleiderstoffe gebräuchlich. Vgl. E. Kumsch, Leinendamastmuster des 17. und 18. Jahrhunderts (Dresd. 1890); Kinzer und Walter, Theorie und Praxis der Ganzdamastweberei (Braunschw. 1901).
 
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Damastes, s. Prokrustes.
 
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Damastpapier, weißes und verschieden getöntes, durch Einpressen von Blumen dem Damastgewebe ähnliches Glanzpapier für Buchbinderei, Kartonnagen- und Luxuspapierfabrikation.
 
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Damăsus, Name zweier römischer Päpste: 1) D. I., geb. 305, Papst von 366384, aus Spanien gebürtig, gelangte, von Kaiser Valentinian I. unterstützt, nach blutigem Kampf mit seinem Gegner Ursinus auf den päpstlichen Stuhl und bewies sich, solange er denselben innehatte, als heftiger Gegner der Arianer. Er hat den Kirchenvater Hieronymus zur Abfassung der verbesserten lateinischen Bibelübersetzung (der sogen. Vulgata) veranlaßt, aber auch selbst zahlreiche uns erhaltene lateinische Epigramme gedichtet (gedruckt in Mignes »Patrologia latina«, Bd. 1). Sein Gedächtnistag ist der 11. Dezember. Vgl. Rade, D., Bischof von Rom (Freib. i. Br. 1882); Wittig, Papst D. I. Quellenkritische Studien etc. (Freiburg 1902). 2) D. II., vorher als Poppo Bischof von Brixen, ward vom Kaiser Heinrich III. 25. Dez. 1047 als Papst eingesetzt und 17. Juli 1048 in Rom geweiht, starb aber schon 9. Aug. d. I.
 
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Damaszēnen, s. Meyers Rosinen.
 
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Damaszēner Pflaumen, s. Meyers Chrysophyllum und Meyers Pflaumenbaum.
 
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Damaszēner Stahl (damaszierter Stahl), ein innig miteinander verschweißtes Gemenge verschiedener Stahlsorten, das beim Beizen der blank gefeilten und geschliffenen Oberfläche mit einer Säure eigentümliche, aus hellen und dunkeln Linien zusammengesetzte Zeichnungen (Damast, Damaszierung: Banddamast, Tabandamast mit gewässerten Linien, Rosendamast mit schraubenförmig gewundenen Rosen, Mosaikdamast mit sich wiederholenden Mustern) erhält, deren Entstehung aus der verschiedenen Widerstandsfähigkeit der Bestandteile gegen Säuren sich erklärt. Der Name wird gewöhnlich von der Stadt Damaskus hergeleitet, wo damaszierte Waren, besonders Waffen, von vorzüglicher Qualität gefertigt wurden. Das Wort damask bedeutet indes nur soviel wie bunt durchwunden, und die Stadt Damaskus soll ihren Namen dieser Grundbedeutung des Wortes um ihrer schönen Lage willen verdanken. D. S. ist sehr zäh, und dies beruht sowohl auf der Verwebung der Fasern als auch auf der Verbesserung des Materials durch das bei der Bereitung erforderliche fleißige Ausschmieden und Schweißen. Im Orient verarbeitet man sehr elastischen Stahl aus Golkonda mit sehr hartem und sprödem persischen Stahl und wickelt die rotglühenden Klingen zu langsamer Abkühlung in nasse Tücher oder steckt sie in trocknen Dünger. In Europa werden dünne Stäbchen von Schmiedeeisen und Stahl (oder auch von hartem und weichem Schmiedeeisen) zu einem Bündel parallel nebeneinander gelegt und zusammengeschweißt. Die erhaltene Stange wird in die Länge geschmiedet, in 23 Teile zerhauen, die man wieder auseinander legt und zusammenschweißt. Dies Verfahren liefert nach öfterer Wiederholung einen Stab aus wechselnden sehr dünnen Lagen von Eisen und Stahl. Wenn man nun den Stab rotglühend schraubenförmig um sich selbst windet und wieder glatt schmiedet, so kommen die Schraubenwindungen mehr oder weniger in eine gemeinschaftliche Ebene zu liegen, und beim Beizen des polierten Stahls erscheinen viele symmetrisch gestellte kleine Figuren, deren Linien um so zarter sind, je mehr beim Schmieden die Metalle zu seinen Fäden ausgearbeitet wurden. Man verwendet D. S. zu Klingen und Gewehrläufen. Der Materialaufwand zu diesen Läufen ist sehr groß wegen des beträchtlichen Abbrandes bei den vielen Schweißungen; ein fertiger Lauf von 11,5 kg erfordert manchmal 50 kg rohes Stabeisen. Beim echten D. S. kann man die Zeichnungen abschleifen und dann durch Beizen von neuem hervorrufen, nicht so bei Nachahmungen, bei denen z. B. glänzende, etwas erhabene Zeichnungen auf mattem Grunde (damaszierte Arbeit) erhalten werden, wenn man auf einer sein polierten Stahlfläche alle Stellen, die blank bleiben sollen, mit einer Lösung von Ätzgrund in Terpentinöl bedeckt und den Stahl alsdann Salzsäuredämpfen aussetzt, welche die freien Stahlstellen mattbeizen (vgl. Ätzen).
   Die sehr alte Herstellung des Damaszener Stahls wurde vielleicht durch Not veranlaßt, indem man aus Mangel an Stahl alte Eisenstücke zusammenschweißte. Herodots Kollesis bedeutet indes mehr eine Auflötung eines Metalls auf das andre, und der Erfinder dieses Verfahrens, Glaukos von Chios, kann daher nicht als Erfinder des Damaszierens genannt werden. Die zu Turin befindliche Isistafel ist eine Art Damaszierung. Alte Dolche und Schwerter deuten darauf hin, daß die Erfindung aus Nordindien stammt. Als unter Domitian Waffenfabriken zu Damaskus angelegt wurden und dieses sich zu einem Haupthandelsplatz erhoben hatte, erhielt das Damaszieren seinen jetzigen Namen. Durch die Kreuzzüge kam eine große Menge vortrefflicher Stahlarbeiten nach Europa, indes gelang es erst Clouet (178090), Bréant, Mille, Duc de Luynes (1835), Anosow (1841) und namentlich Crivelli (1820), Nachbildungen zu erzeugen, die den orientalischen Mustern weder in Güte noch in Schönheit der Form nachstehen. In Asien wird D. S. gegenwärtig besonders in Persien und weiterhin im Osten dargestellt. Vgl. Beck, Geschichte

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des Eisens (2. Aufl., Braunschw. 1891ff.); Falke, Metall- und Schmuckarbeiten des Orients (in der »Zeitschrift für bildende Kunst«, Bd. 13); Hendley, Damascening on steel or iron as practised in India (Lond. 1892).

 

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