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Dalling and Bulwer bis Dalmatien (Bd. 4, Sp. 427 bis 430)
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Artikelverweis Dalling and Bulwer, William Henry Lytton Earle Bulwer, Lord, engl. Diplomat und Schriftsteller, geb. 13. Febr. 1801, gest. 24. Mai 1872, älterer Bruder des nachmaligen ersten Lord Lytton, war seit 1827 Attaché der englischen Gesandtschaften in Berlin, Wien, Brüssel und im Haag, ward 1835 Legationssekretär in Brüssel und 1837 in Konstantinopel, wo er einen Handelsvertrag mit der Pforte zustande brachte, 1839 Botschaftssekretär in Paris, 1843 bevollmächtigter Minister am spanischen Hof, wo er 1844 den Frieden zwischen Marokko und Spanien vermittelte. Im Mai 1848 mußte er wegen eines gegen die Gewaltakte des Ministeriums Narvaez erhobenen Protestes und wegen angeblicher Begünstigung republikanischer Aufstände Madrid verlassen. Das Unterhaus billigte Bulwers Benehmen, der in den Ritterstand erhoben ward, und später erkannte das spanische Kabinett seine Übereilung an. Im August 1848 ging Bulwer in geheimer Mission nach Paris, ward 1849 Gesandter in Washington, wo er den sogen. Clayton-Bulwer-Vertrag schloß (s. Meyers Clayton), fungierte 185255 als Gesandter in Toskana und seit Ende 185766 als Botschafter in Konstantinopel, wo er großen Einfluß auf den Sultan Abd ul Asis gewann. Im März 1871 wurde er als Baron Dalling and Bulwer zum Peer erhoben. Als Schriftsteller hat D. sich einen geachteten Namen erworben durch die Schriften: »France, social, literary, political« (Lond. 1833, 2 Bde.; deutsch 183536, 2 Bde.); »The monarchy of the middle classes« (1836, 2 Bde.; deutsch, Aachen 1836, 3 Bde.); »Historical characters« (1867, 2 Bde.; 5. Aufl. 1875; deutsch, Leipz. 1871. Bd. 1 Talleyrand; Bd. 2: Mackintosh, Cobbett, Canning), eine Biographie Palmerstons (bis 1846 reichend; 3. Aufl., 1871, 2 Bde.; deutsch [nur Bd. I] von Ruge, Berl. 1871), die von Ashley (Bd. 35,187479) beendet wurde, und eine Biographie Sir Robert Peels (1874).
 
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Dallmann, Eduard, deutscher Seefahrer, geb. 18. März 1830 in Blumenthal an der Unterweser, gest. daselbst 23. Dez. 1896, wurde 1855 Steuermann auf einem Walfischfänger in der Südsee, betrieb seit 1860 als Kapitän den arktischen Walfischfang und führte im Auftrag der in Hamburg gegründeten Polarfischereigesellschaft mit dem Schiff Grönland 1873 bis 1874 die erste deutsche Fahrt ins Südpolarmeer aus, auf der er besonders im Südshetland-Archipel mehrere Entdeckungen machte und zwischen Palmer- und Grahamland die Bismarckstraße fand. Von 1877 bis 1883 unternahm D. mehrere Fahrten durch das Karische Meer zum Jenissei. Im Dienste der Neuguinea-Kompagnie führte D. 188485 auf dem Dampfer Samoa die Expedition von Finsch (s. d.) nach Neuguinea, welche die deutschen Besitzergreifungen daselbst zur Folge hatte. Zwei weitere Reisen im Dienste derselben Gesellschaft führte er auf dem Dampfer Ysabel aus und kehrte 1894 in die Heimat zurück.
 
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Dallmannhafen, Hafen an der Hansemannküste des deutschen Kaiser Wilhelms-Landes (Neuguinea). Ihm sind die Gressien- u. die Metainsel vorgelagert, zwischen denen die Dallmannstraße hindurchführt.
 
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Dalloah, s. Meyers Palmzucker.
 
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Dall' Oca Bianca, Angelo, ital. Maler, geb. 1853 in Verona als Sohn eines Lackierers, der ihn erst zu einem Holzschnitzer und dann zu einem Dekorationsmaler in die Lehre gab. Später besuchte er die Akademie zu Verona, und schnell gelang es ihm, dank seiner glücklichen Beobachtungsgabe und seinem keinen

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Farbensinn, sich in die erste Reihe der italienischen Genremaler emporzuschwingen. Venedig und Verona sind seine beliebtesten Studienplätze, auf denen er sich die Motive zu seinen anmutigen, meist von liebenswürdigem Humor erfüllten Bildern aus dem Volksleben sucht. Am meisten bevorzugt er Darstellungen in vollem Licht, auf denen er trotz der grellsten Wirkungen der Sonne die leuchtenden Lokalfarben zu einem Bukett von feinstem koloristischen Reiz zusammenzustimmen weiß. Seine Hauptwerke sind die (mehrfach wiederholten) beiden Waisen, Ave Maria (in der Brera zu Mailand), ein Kuß im Fluge, zwischen Ja und Nein, der Vortrab des Tages, die Lästermäuler, das erste Licht (im Museum zu Triest), zur ersten Messe, der Reigentanz, Frühling (Blumenmarkt in Verona) und das moderne Parisurteil.
 
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Dall' Ongăro, Francesco, ital. Dichter und Patriot, geb. 1808 in Mansuè (Provinz Treviso), gest. 10. Jan. 1873 in Neapel, studierte Theologie, wurde Priester und ließ sich 1836 in Triest nieder, wo er eine große literarisch-patriotische Tätigkeit entwickelte, bis er 1847 infolge einer freisinnigen Rede aus Triest ausgewiesen wurde. Von nun an führte D. das Leben eines Verbannten und lebte in Siena, Florenz, Mailand, Turin, Rom, Venedig. Hier gab er 1848 eine kleine populäre Zeitung: »Fatti e non Parole«, heraus (das Priestergewand hatte er längst abgelegt) und war der Haupturheber der Bewegung vom 11. Aug. Dann wurde er in Rom Mitglied der Konstituierenden Versammlung und organisierte als Garibaldis Kommissar die »erste italienische Legion«. Nach Roms Fall weilte er in der Schweiz, in Belgien und Paris, bis ihm das Jahr 1859 die Rückkehr nach Italien eröffnete. Er wurde Professor der Literatur in Florenz und folgte 1869 einem Ruf an die Universität Neapel. Dall' Ongaros zahlreiche Schriften sind alle von demselben edlen, liberalen und patriotischen Geiste durchdrungen. Wir nennen: »Poesie« (1840, 2 Bde.); die Dramen »Il Fornaretto«, »I Dalmati« und »Marco Cralievic« (1834), »Bianca Capello« und »L'ultimo de' baroni« (1864); die Lustspiele »Fasma« und »Il Tesoro«, ein glücklicher Versuch der Wiederherstellung zweier Menanderscher Stücke; ferner: »Novelle vecchie e nuove« (Flor. 1869); »Fantasie drammatiche e liriche« (das. 1866); »Racconti« (das. 1870); die sehr populär gewordenen »Stornelli italiani« (Mail. 1863), eine Art Volkslieder; »Alghe della laguna«, Lieder im venezianischen Dialekt; »Poesie e scene vernacole« und »Storia del diavolo«, eine Dante-Studie. Ein Band »Scritti d'arte« erschien nach seinem Tode (Mail. 1873). Biographien schrieben Barbiera (Vened. 1873), Mongeri (Mailand 1873) und De Gubernatis (Flor. 1875).
 
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Dallwitz, Dorf in Böhmen, Bezirksh. Karlsbad, am linken Ufer der Eger, an der Lokalbahn D.-Merkelsgrün, hat ein Schloß, Braunkohlenbergbau, Porzellanfabrik, Bierbrauerei und (1900) 2066 deutsche Einwohner. Dabei die von Th. Körner besungenen »Dallwitzer Eichen«.
 
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Dalm., bei Tiernamen Abkürzung für J. W. Dalmann (geb. 1787 in Heinseberg, gest. 1828 in Stockholm; Entomolog).
 
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Dalmanĭa, s. Trilobiten.
 
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Dalmatĭen, Königreich, südlichstes Kronland Österreichs (s. Karte »Österreich-Ungarn« und Karte »Bosnien etc.«), umfaßt ein gegen SO. immer schmäler werdendes Küstengebiet (390 km lang, 270 km breit) an der Ostseite des Adriatischen Meeres, das zwischen 44°25'42°6' nördl. Br. und zwischen 15°6' bis 19°5'östl. L. liegt, im N. von Kroatien, im O. von Bosnien, der Herzegowina und Montenegro, im S. und W. vom Meer begrenzt wird und durch die bis zur Meeeresküste reichenden herzegowinischen Landstriche Klek und Sutorina in drei Teile getrennt wird. Außerdem umfaßt D. 20 größere Inseln nebst zahlreichen kleinen Felseneilanden (Scoglien) und hat zusammen einen Flächeninhalt von 12,835 qkm (233 QM.).
   D. bildet im allgemeinen ein Karstplateau mit zahlreichen von NW. nach SO. verlaufenden Gebirgsketten (s. Meyers Karst). Der Hochkette des Velebit an der kroatischen Grenze (Vakanski Vrh 1758 m), den eine Kunststraße (in 1008 m Höhe) überschreitet, folgt nach dem Einschnitte der Zermanja die Kette der Dinarischen Alpen (s. d., mit dem Troglav, 1913 m). Parallel mit dem Grenzgebirge zieht die kahle Küstenkette hin, deren höchste Gipfel Kozjak (780 m), Mosor (1339 m) und Biokovo (1762 m) sind. Zwischen den Dinarischen Alpen und der Küstenkette erheben sich mehrere isolierte Berge und Bergketten, darunter der Monte Promina (1155 m) und die Svilaja (1509 m). Die höchsten Erhebungen finden sich in dem wilden Berglande von Cattaro (Orjen 1898 m). Von den Inseln zeigen nur die größern südlichen bedeutendere Höhen (San Vito auf Brazza 778 m). Größere Flüsse besitzt D. nicht; die bedeutendsten sind die Zermanja, die Kerka mit der Cikola, die Cetina und die Narenta; die letztere gehört aber nur mit ihrem untersten Laufe dem Land an. Alle sind tief eingeschnitten; die Kerka und Cetina bilden Wasserfälle. Außer dem salzigen Vranasee (29 qkm) besitzt D. periodisch trockne Becken, die das Regenwasser füllt; Sumpfstrecken gibt es fast an jedem Fluß, die ausgedehntesten im Delta der Narenta. Das Adriatische Meer bespült in einer Länge von 560 km die Küste von D. Durch die vielen Vorgebirge, Halbinseln und Landengen werden eine Menge Meerengen und Buchten gebildet, welche die Schiffahrt bei der Steilheit der Küste sehr erleichtern. Längs der Küste zieht eine schwache Strömung von SO. nach NW.; Ebbe und Flut machen sich wenig bemerkbar. Von den Inseln sind die bedeutendsten (von N. nach S.): Arbe, Pago, Brazza (die größte und bevölkertste Insel), Lesina, Lissa, Curzola, Lagosta und Meleda. Im allgemeinen hat D., besonders das Küstenland, das wärmste Klima aller österreichischen Länder, obschon es durch die Seeluft bedeutend gemildert wird. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Zara 14,9°, in Ragusa 17,1°; die mittlere Regenmenge stellt sich auf 7080 cm. Schnee fällt selten. Der Südost (Schirokko) ist der vorherrschende Wind, seltener weht der Nordwest (Mistral) und der Nordost (Bora). Gewitter sind häufig, über 40 im Jahresdurchschnitt.
   D. zählte 1890: 527,426,1900: 593,784 Einw., so daß die jährliche Zunahme der Bevölkerung 1891 bis 1900: 1,26 Proz. beträgt und auf 1 qkm 46 Einw. entfallen. Auf 1000 männliche kommen in D. 963 weibliche Einwohner. Der Nationalität nach sind 96,65 Proz. Serbokroaten und 2,61 Proz. Italiener, letztere vorzugsweise in den Hafenstädten und auf den Inseln ansässig. In religiöser Beziehung bekennen sich 83,7 Proz. der Bewohner zur katholischen und 16,2 Proz. zur orthodoxen griechischen Kirche. Die römisch-katholische Kirche untersteht einem Erzbischof (zu Zara) und fünf Bischöfen (zu Ragusa, Spalato, Sebenico, Lesina und Cattaro). Die orientalischen Griechen haben zwei Bistümer (zu Zara und Cattaro), die der Czernowitzer Metropolie unterstehen. An Bildungsanstalten bestehen 6 theologische Lehranstalten, 5 Gymnasien, 2 Realschulen, eine Lehrer-

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und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Ackerbau- und 2 nautische Schulen, endlich 367 öffentliche und 20 private Volksschulen. Auf 100 schulpflichtige Kinder kamen 1900: 90 schulbesuchende.
   Das Ackerland nimmt in D. nur 10,7 Proz. der Oberfläche ein, dagegen die Weiden (darunter freilich viel wüste Strecken) 46,3 Proz. Die Weingärten bedecken 6,4 Proz., Gärten und Wiesen 3,7 Proz., der Wald, der aber großenteils nur Mittel- und Niederwald umfaßt, 30 Proz. Die kargen Erträgnisse des Ackerbaues (1901: 695,000 metr. Ztr. Kornfrüchte, hauptsächlich Mais, 22,000 hl Hülsenfrüchte, 192,800 metr. Ztr. Kartoffeln) reichen für den Bedarf nicht hin; dagegen bleibt von dem erzeugten, mitunter vorzüglichen Wein (1,155,800 hl) und vom Olivenöl (66,200 metr. Ztr.) ein Teil zur Ausfuhr übrig. Vortrefflich gedeihen Weichseln (die den Maraskino liefern), Mandeln, Melonen, Feigen, Granatäpfel; auch wird Tabak (16,700 metr. Ztr) und Chrysanthemum (5100 metr. Ztr.) zur Bereitung von Insektenpulver gebaut. Das Grasland liefert 255,500 metr. Ztr. Heu und die Wälder 415,000 Festmeter Holz. Die Viehzucht kann sich bei dem Mangel an Futterbau und dem geringen Ertrag des Graslandes nicht heben; man zählte 1900: 26,368 Pferde, 38,506 Esel, Maulesel und Maultiere, 108,216 Rinder, 888,039 Schafe, 187,676 Ziegen, 56,748 Schweine. Die Jagd, die in D. frei ist, findet besonders an dem zahlreichen Wassergeflügel (namentlich im Narentadelta) einen ergiebigen Ertrag. Bienenzucht (24,413 Stöcke) wird namentlich auf den Inseln betrieben (Honig von Solta). Die Seidenraupenzucht lieferte 1900: 20,000 kg Kokons. Von hoher Bedeutung für D. ist die Seefischerei. 1901 waren hierbei 8461 Fischer mit 1958 Booten tätig; die Ausbeute (außer Fischen auch Mollusken, Schaltiere und Schwämme) hatte einen Wert von 2,417,000 Kronen. Mineralische Produkte sind 1901: 1,320,955 metr. Ztr. Braunkohlen (hauptsächlich am Monte Promina bei Siveric), Kalksteine und Marmor, dann Seesalz (auf den Inseln Arbe und Pago und zu Stagno, 69,653 metr. Ztr.).
   Die Industrie ist in D. mit Ausnahme der Likörfabrikation (Maraskino, Rosoglio) und der Erzeugung der Flaschen für dieselbe, der Kalk- und Ziegelbrennerei, der Seifenfabrikation, der Ölpressen, der Mühlen, der Fischkonservenerzeugung und des Schiffbaues noch wenig entwickelt. Schiffahrt ist ein Hauptgewerbe der Dalmatiner, die seit Jahrhunderten für die geübtesten Seefahrer im Adriatischen Meer gelten. Die Handelsmarine von D. umfaßte Ende 1900: 7832 Schiffe mit 42,109 Ton. und einer Bemannung von 19,330 Personen. Der Schiffsverkehr in den 67 dalmatinischen Häfen umfaßte 1900 im Einlauf 50,366 handelstätige beladene Schiffe von 7,320,341 Ton. Das Land besitzt (1900) 126 km Staatsbahnlinien, 169 Postämter, 110 Telegraphenstationen mit 1745 km Linien, 3 Banken, 2 Sparkassen und 16 Vorschußkassen.
   Der Landtag von D. ist zusammengesetzt aus dem katholischen Erzbischof und dem griechisch-orientalischen Bischof von Zara und 41 Abgeordneten (10 aus den Höchstbesteuerten, 8 der Städte, 3 der Handelsund Gewerbekammern und 20 der Landgemeinden). In das Abgeordnetenhaus des Reichsrates wählt D. 11 Abgeordnete. Im Wappen (s. Tafel Meyers »Österreichisch-Ungarische Länderwappen«, Fig. 17) führt D. drei gekrönte goldene Leopardenköpfe im blauen Felde. Die Landesfarben sind Blau und Gelb. Hauptstadt ist Zara. Die politische Einteilung zeigt folgende Tabelle:

[Geschichte.] D. bildete in vorchristlicher Zeit einen Teil Illyriens und umfaßte das Gebiet zwischen dem Adriatischen Meer, dem Fluß Titius (Kerka) und dem Bebischen Gebirge, in dem die Hauptfestung Delminium (Dl'm'no, Dumno, jetzt upanjac bei Duvno in der Herzegowina) hieß (s. Karte »Germanien etc.«). Nach dem Kriege der Römer gegen die Illyrier (229 v. Chr.) und infolge fortschreitender Versuche der erstern die dalmatinische Küste zu kolonisieren, erhoben sich die binnenländischen Dalmatier, wurden aber 156 v. Chr. besiegt. Die Kämpfe erneuerten sich jedoch immer wieder, und kaum hatte Oktavian die vollständige Eroberung Dalmatiens durchgeführt, als schon im I. 6 n. Chr. der große Aufstand der Dalmatier und Pannonier ausbrach, nach dessen Bewältigung erst die Provinz Illyricum, zu der auch Dalmatien gehörte, eingerichtet wurde. Die großartige und glänzende Kultur, die sich hier in der römischen Kaiserzeit entwickelte, fiel dann mit dem Auftreten der Goten und dem Vordringen der Hunnen in Trümmer. Seit der Teilung des Römischen Reiches bildete D. Jahrhunderte hindurch einen Zankapfel zwischen Ost- und Westrom. Nach den verheerenden Avaren- und Slaweneinfällen im 6. Jahrh. besiedelten es im 7. Kroaten im Norden, Serben im Süden, während die einheimische Bevölkerung auf einige Küstenstädte zurückgedrängt wurde. Die dalmatinischen Kroaten, die bis ca. 1000 ein eignes Fürstengeschlecht besaßen, gerieten zu Ende des 8. Jahrh. unter fränkische, sodann unter byzantinische und schließlich unter venezianische Oberhoheit. Nachdem Kaiser Ladislaus I. von Ungarn zunächst das heutige Kroatien und sein Nachfolger Koloman auch D. sich unterworfen hatte (1100), blieben durch das ganze Mittelalter hindurch die dalmatinischen Küstenstädte ein Gegenstand des Streites zwischen Venedig und Ungarn. Seit 1420 gehörte aber fast das ganze Küstengebiet zu Venedig, außer Narenta und dem autonomen Ragusa. Gegen die türkischen Angriffe schützte sich D. lange Zeit durch Tributleistungen, doch geriet der größte Teil des Binnenlandes im Verlaufe des 16. Jahrh. in die Hände der Türken und verblieb es bis zu den Friedensschlüssen von Karlowitz (1699) und Poscharewatz (1718). Von dieser Zeit bis zum Friedenvon Campo Formio (1797) gehörte D. in seinen heutigen Grenzen zu Venedig, worauf es, ebenso wie Venedig, an Österreich fiel. Im Frieden zu Preßburg (1805) trat Österreich das venezianische Gebiet an Napoleon ab, der aus D. und benachbarten, 1809 abgetretenen Gebieten 1810 die sogen. illyrischen Provinzen bildete. 1814 fiel D. an Österreich zurück und ward 1816 zu einem Königreich erhoben. Die seit 1843 bestehende nationale Bewegung, aus Kroatien, Slawonien und Dalmatien ein einheitliches südslawisches »dreieiniges« Königreich zu bilden, führte wiederholt zu Demonstrationen und Unruhen (so 1869 anläßlich der allgemeinen Landwehrrekrutierung), scheiterte aber bisher stets an dem Widerstande der Italiener und der österreichischen Verfassung von 1867, nach der D. mit zu den »im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern« gehört.

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Vgl. Petter, D. in seinen verschiedenen Beziehungen (Gotha 1857); Noë, D. und seine Inselwelt (Wien 1870); »Die Österreichisch-Ungarische Monarchie in Wort und Bild«, Bd. 11 (das. 1892); Petermann, Führer durch D. (illustriert, das. 1899, reichhaltig) und den kleinern »Führer durch D.« von Hartleben (4. Aufl., das. 1898); v. Eitelberger, Die mittelalterlichen Kunstdenkmäler Dalmatiens (Bd. 4 der »Gesammelten kunsthistorischen Schriften«, das. 1884); Jackson, Dalmatia, the Quarnero and Istria (Baudenkmäler etc., Oxford 1887, 3 Bde.), und das seit 1871 in Zara erscheinende Jahrbuch »Manuale del regno di Dalmazia«. Zur Geschichte außer den ältern Geschichtswerken von Bomann (Vened. 1778), Lago (Zara 1809), Kreglianovich-Albinoni (das. 1809): Cattalinich, Storia della Dalmazia (Zara 1835, 3 Bde.); Solitro, Documenti storici sull' Istria e la Dalmazia raccolti e annotati (Vened. 1844); Maschek, Prospetto cronologico della storia della Dalmazia (2. Aufl., Zara 1878); Pacor, Die Operationen in den Bocche von Cattaro 1869 (Wien 1870); Cons, La province romaine de Dalmatie (Par. 1882); Pisani, Les possessions vénitiennes en Dalmatie (das. 1890); Derselbe, La Dalmatie de 1797 à 1815 (das. 1893); Royle, Dalmatia illustrata (Lond. 1900).
 
Artikelverweis 
Dalmatien, Herzog von, s. Meyers Soult.

 

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