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Dalberg bis Daler (Bd. 4, Sp. 424 bis 425)
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Artikelverweis Dalberg, altes Geschlecht, genannt nach der in der Nähe von Kreuznach gelegenen Burg D. oder Dalburg. Durch Heirat kam diese Burg im letzten Drittel des 14. Jahrh. an die Kämmerer von Worms, d. h. das Geschlecht, das seit 1239 erblich das Kämmereramt des Hochstiftes Worms besaß, und auch der Name ging nun auf diese Familie über. Den Freiherrentitel bekam das Geschlecht 1654. Im 17. Jahrh. teilte es sich in die Mainzer oder D.-Dalbergsche Linie, die 1848 erlosch, und jüngere Mannheimer oder D.-Herrnsheimer Linie, die 1833 ausstarb. Jetzt besteht noch die Speziallinie (Heßloch). Besonders nennenswert sind:
   1) Johann von D., Kämmerer von Worms, eifriger Beförderer der wieder auflebenden Wissenschaften, seit 1482 als Johann III. Bischof von Worms, geb. 1445 in Oppenheim, gest. 23. Juli 1503, brachte als Geheimrat des Kurfürsten Philipp von der Pfalz die Universität Heidelberg zu hoher Blüte: die Berufung des Rudolf Agricola, die Gründung der Universitätsbibliothek, die Errichtung der Neuen Börse, eines besondern Kollegiums für Juristen zur Beförderung des Studiums der bürgerlichen Rechte, sind ihm zu verdanken. Er war Vorsteher der von dem Humanisten Celtes (s. d.) gestifteten Societas Celtica und stand mit den namhaftesten Gelehrten seiner Zeit im Verkehr. Vgl. Morneweg, Johann von D., ein deutscher Humanist und Bischof (Heidelb. 1887).
   2) Karl Theodor Anton Maria, Freiherr von, Kämmerer von Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler, geb. 8. Febr. 1744 auf dem Stammschloß Herrnsheim als Sohn des kurfürstlich mainzischen Geheimrats Franz Heinrich v. D. (171676), gest. 10. Febr. 1817 in Regensburg, trat zur Geistlichkeit über, wurde 1762 zu Heidelberg Doktor der Rechte und 1768 Domkapitular zu Mainz, Domherr zu Würzburg und Worms, 1772 Wirklicher Geheimer Rat und Statthalter zu Erfurt. Ohne tiefere Bildung, aber wohlwollend und liebenswürdig, wirkte er hier erfolgreich für die Handhabung des Rechts, für Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, für die Wiedererhebung der gesunkenen Universität und für die Einigkeit der katholischen und lutherischen Landesbewohner. Mit Wieland, Herd er, Goethe und Schiller sowie andern geistig angeregten Männern stand D. in Verkehr. 1787 ward er Koadjutor im Erzstift Mainz und im Hochstift Worms, 1788 auch im Bistum Konstanz und Erzbischof von Tarsos. Doch blieb er in Erfurt. Am 1. Jan. 1800 folgte er im Bistum Konstanz und 25. Juli 1802 dem Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal im Erzbistum Mainz, aber nur in dem Überrest des Kurstaates, dem Fürstentum Aschaffenburg, dem Gebiet Erfurt und dem Eichsfeld, da die linksrheinischen mainzischen Besitzungen an Frankreich gekommen waren. D. war durch die Gunst Frankreichs, dem er sich fortan anschloß, der einzige geistliche Fürst des Reiches und erhielt durch den Reichsdeputationshauptschluß einen Staat und die Würde eines Kurerzkanzlers. Bei der Kaiserkrönung Napoleons I. verweilte er in Paris, um sich mit dem Papst über die Angelegenheiten der katholischen Kirche in Deutschland zu besprechen, und er wurde von demselben zum Metropoliten von ganz Deutschland außer Preußen und Österreich ernannt. D. glaubte aufrichtig daran, durch engen Anschluß an Napoleon Deutschland wieder ausrichten zu können. Bei der Errichtung des Rheinbundes mußte er sein Amt als Kurerzkanzler niederlegen, wurde aber unter Beibehaltung seiner erzbischöflichen Würde souveräner Fürst-Primas dieses Bundes und Vorsitzender in der Bundesversammlung; zugleich wurde ihm ein Gebiet mit der Stadt Frankfurt, dem Sitze des Rheinbundes, zugesprochen, wo er seit 1807 residierte. Im J. 1810 trat er Regensburg an Bayern ab und erhielt dafür die Fürstentümer Hanau und Fulda mit dem Titel eines Großherzogs von Frankfurt und der Bestimmung, den Vizekönig Eugen als Regierungsnachfolger anzunehmen. D. besaß, nachdem er sich einmal dem bewunderten Napoleon untergeordnet hatte, weder die Einsicht, die Ziele des Eroberers zu erkennen, noch die Energie, das immer drückendere Joch abzuschütteln; er ließ alle Demütigungen ohne Widerspruch über sich ergehen. Im November 1813 legte er die Großherzogswürde nieder und zog sich später in sein Erzbistum Regensburg zurück. Er war kein bedeutender Kopf, aber ein Mann von edler Gesinnung und besten Absichten, der namentlich Gelehrte und Dichter gern unterstützte. Als Schriftsteller war D. sehr fruchtbar und zwar auf den verschiedensten Gebieten; von ihm rührt die Schrift her: »Beiträge zur Geschichte der Erfurter Handlung« (1780). Im Dom zu Regensburg, wo er begraben ist, ließ ihm sein Neffe ein Denkmal aus carrarischem Marmor setzen. Vgl. I. Müller, Karl Theodor von D., der letzte

[Bd. 4, Sp. 425]


Fürstbischof (Dissertation, Würzb. 1874); v. Beaulieu-Marconnay, Karl v. D. und seine Zeit (Weimar 1879, 2 Bde.).
   3) Wolfgang Heribert, Freiherr von, Bruder des vorigen, geb. 18. Nov. 1750 in Herrnsheim, gest. 27. Sept. 1806 in Mannheim, war 17781803 Intendant des Mannheimer Theaters, das er zuhoher Blüte erhob. Gegen Schiller, dessen erste Dramen er zu Mannheim ausführen ließ, zeigte er sich teils entgegenkommend, teils kleinlich. D. schrieb mehrere eigne und bearbeitete fremde, namentlich Shakespearesche Dramen für die Bühne. An ihn sind Schillers »Briefe an den Freiherrn v. D.« (Karlsr. 1819) gerichtet (vgl. dazu M. Bernays, Die Urschriften der Briefe Schillers an D., in Bernays' »Schriften zur Kritik und Literaturgeschichte«, Bd. 1, Stuttg. 1895). Über Dalbergs Beziehungen zu Iffland, dem besten Schauspieler der Mannheimer Bühne, vgl. Koffka, Iffland und D. (Leipz. 1865); einen guten Einblick in Dalbergs Tätigkeit gewährt Martersteig, Die Protokolle des Mannheimer Nationaltheaters unter D. aus den Jahren 17811789 (Mannh. 1890). Sein Bruder Johann Friedrich Hugo, Freiherr von D., geb. 17. Mai 1752 in Koblenz, Domkapitular zu Trier, Worms und Speyer, gest. 26. Juli 1812 in Aschaffenburg, machte sich als Komponist und Musikschriftsteller bekannt. Von seinen dahin gehörigen Arbeiten sind zu nennen: »Untersuchungen über den Ursprung der Harmonie etc.« (Erfurt 1801) und »Über die Musik der Inder« (a. d. Engl. des William Jones, das. 1802).
   4) Emmerich Joseph, Herzog von, Kämmerer von Worms, Diplomat, Sohn von D. 3), geb. 30. Mai 1773 in Mainz, gest. 27. April 1833 in Herrnsheim, trat 1803 in badische Staatsdienste und ging als badischer Gesandter nach Paris, wo er mit Talleyrand in nähere Beziehung kam. Während des Feldzugs von 1809 leitete er in Baden die auswärtige Politik, trat aber nach dem Frieden in den französischen Staatsdienst und wurde von Napoleon I., dessen Heirat mit Marie Luise er einleitete, 1810 zum Herzog und Staatsrat ernannt. Als Talleyrand in Ungnade fiel, zog sich auch D. zurück, ward aber im April 1814, als jener an die Spitze der provisorischen Regierung getreten war, eins der fünf Regierungsmitglieder, welche die Restauration der Bourbonen beförderten. Als bevollmächtigter Minister Frankreichs nahm er am Wiener Kongreß teil und unterzeichnete 1815 auch die Ächtung des Kaisers, wogegen dieser nach seiner Rückkehr ihm als einem der zwölf Verbannten sein Vermögen konfiszierte. D. erhielt jedoch nach der zweiten Restauration der Bourbonen das Verlorne zurück, wurde Staatsminister und Pair von Frankreich und 1816 Gesandter am Turiner Hof. In den letzten Jahren lebte er auf seinem Schloß Herrnsheim.
 
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Dalberg-Acton, John Emerich, s. Meyers Acton 2).
 
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Dalbergĭa L. til., Gattung der Leguminosen, Bäume und kletternde Sträucher mit unpaarig gefiederten Blättern, end- oder achselständigen Blütentrauben mit kleinen purpurnen, violetten oder weißen Blüten und dünnen, flachen, ein- oder mehrsamigen Hülsen. Über 80 Arten im tropischen Asien, Afrika und Amerika. D. latifolia Roxb. (ostindischer Rosenholzbaum), in Vorderindien und Ceylon, gibt dunkel purpurrotes, sehr schweres, feinkörniges Holz, das gute Politur annimmt (Blackwood, ostindisches Rosenholz). D. Sissoo Roxb., im nördlichen Indien, gibt ein gröberes, sehr dauerhaftes, dunkelbraunes Holz zu Lafetten, Eisenbahnschwellen und als Schiffbauholz. Von D. melanoxylon Guill. et Perr., in Westafrika, stammt das Ebenholz vom Senegal.
 
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Dalbosee, der südwestliche Teil des Wenersees (s. d.) in Schweden.
 
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Dale (schweizer.), die gemeine Kiefer (Pinus silestris).
 
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Dalechampĭa L., Gattung der Euphorbiazeen, schlingende oder kletternde, seltener aufrechte Sträucher oder Halbsträucher mit abwechselnden, ganzen, gelappten oder fingerförmig zusammengesetzten Blättern, oft großen Nebenblättern, von zwei großen weißen oder lebhaft gefärbten, ganzen oder gelappten Brakteen eingehüllten Blütenständen und harten, krustigen Kapseln. Etwa 60 Arten in den Tropen beider Hemisphären. D. Roezliana Müll. Arg. in Mexiko, s. Tafel Meyers »Euphorbiazeen«, Fig. 5.
 
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Dalekarlĭen, Landschaft, s. Meyers Dalarne.
 
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Dalelf, Hauptfluß der schwed. Landschaft Dalarne, entsteht aus zwei Armen, der Österdalelf und der Westerdalelf. Jene kommt aus der Alp Salfjallet an der norwegischen Grenze sowie aus dem See Gröfvelsjö, bildet dann den Siljansee (s. d.) bei Mora, verläßt denselben wieder bei Leksand und vereinigt sich bei Djurås mit der reißenden Westerdalelf, die sich aus der Vereinigung der Flüsse Löra und Fulu bildet, von denen jener an der norwegischen Grenze, dieser in den Fuluseen seinen Ursprung hat. Die ungemein fischreiche D. durchfließt sodann das südwestliche Dalarne, bildet mehrere Wasserfälle, weshalb sie nur streckenweise schiffbar ist, erweitert sich mehrmals zu ansehnlichen Seen und mündet östlich von Gefle bei Elfkarleby nach einem Laufe von 450 km in den Bottnischen Meerbusen. Ihr Stromgebiet beträgt 28,930 qkm (525,4 QM.). Kurz vor seiner Mündung bildet der Fluß noch einen berühmten Wasserfall (s. Meyers Elfkarleby). Der Lachsfang unterhalb des Wasserfalles ist der ergiebigste in Schweden.
 
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D'Alembertsches Prinzip, s. Meyers Alembert.
 
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Daleminzi (Dalaminzi; slaw. Glomaci, noch im Namen der Stadt Lommatzsch fortlebend), ein sorbischer, von Heinrich I. tributpflichtig gemachter Stamm; von ihm hat einer der beiden Gaue der alten Mark Meißen (der andre hieß Nisani) seinen Namen erhalten. Der Gau Daleminza erstreckte sich von der Chemnitz ostwärts über die Elbe bis zur Pulsnitz und grenzte im S. an das Erzgebirge; der nördlichste Punkt war Strehla. Heinrich I. begründete 928 durch Eroberung der daleminzischen Hauptfeste Jahna und Erbauung der Burg Meißen (s. d.) in ihrer unmittelbaren Nähe dauernd die deutsche Herrschaft. Vgl. E. O. Schulze, Die Kolonisierung und Germanisierung der Gebiete zwischen Saale und Elbe (Leipz. 1896).
 
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Daler, schwed. Geldrechnungseinheit, bis 1776 zu 4 Mark oder 32 Or, seit dem 17. Jahrh. in Silber- oder 1/3 so großer Kupferwährung; 1 D. Silber zu 11 hie Lot sein = 0,771 Mark norddeutsch wurde dann auf 8 Schilling oder 1/3 Speziestaler bestimmt.

 

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