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Daktylolyse bis Dalasandstein (Bd. 4, Sp. 423 bis 424)
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Artikelverweis Daktylolyse (griech.), Absterben und Ablösung von Fingern und Zehen durch angeborne und zunehmende ringförmige Epitheleinsenkung. Vgl. Ainhum.
 
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Daktyloporenkalk, unter Mitwirkung von Daktyloporen (Kalkalgen, s. Meyers Algen, S. 317) entstandener Kalk, besonders in der Trias- und Tertiärformation.
 
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Daktyloskopie (griech.), s. Meyers Fingerabdrücke.
 
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Daktylus (griech., »Finger«), ein Versfuß, der aus einer langen und zwei kurzen Silben besteht: ; letztere können an gewissen Stellen mehrfüßiger Verse in eine Länge zusammengezogen werden. In angemessenem Wechsel mit dem so entstandenen Spondeus bildet der D. das größere epische und elegische Versmaß, den Hexameter und Pentameter, die wichtigsten unter den sogen. daktylischen Versen (vgl. Distichon). Auch die griechischen Lyriker bedienten sich gern des daktylischen Rhythmus, teils selbständig, teils in logaödischer Verbindung. Im Deutschen finden wir Daktylen vorzüglich zur Schilderung bewegten Natur- oder Seelenlebens angewendet, wie z. B. in dem Engelschor in Goethes »Faust« (Christ ist erstanden! Freude den Sterblichen etc.) oder in dem Gedicht »Lüfteleben« von Rückert.
 
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Dal (schwed.), Tal. Als Landschaftsname soviel wie Dalsland (s. d.).
 
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Dal (Dal' oder Dalj), Wladimir Iwanowitsch, russ. Schriftsteller, s. Meyers Dahl 2).
 
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Dalai Lama (»Priester-Ozean«), ursprünglich mongolische, dann in allgemeinen Gebrauch gekommene Bezeichnung des obersten Priesters aller Buddhisten, sofern diese dem Lamaismus (s. d.) anhängen. Nach einer in Tibet im 15. Jahrh. n. Chr. aufgekommenen Anschauung wird in ihm der Bodhisattva Avalokiteçvara immer von neuem wiedergeboren (vgl. Buddhismus). Seit dem 17. Jahrh. ist der D. zugleich der weltliche Herrscher von Tibet (s. d.), dessen Hauptstadt Lhassa auch der Sitz des D. ist. Doch sicherten sich die Chinesen von der Mitte des 18. Jahrh. an größere Gewalt in Tibet und über den D. Nach dem Glauben der Lamaisten findet die Wiedergeburt des D. als Kind statt; deshalb erfolgt nach dem Ableben des D. unter den tibetischen Kindern ein Suchen nach der neuen Verkörperung. Die chinesische Regierung hat Sorge getragen, daß nur ein Kind aus einer ihr ergebenen Familie als neuer D. anerkannt werde; die gröbsten Betrügereien kommen dabei vor. Als Regent ist der D. lediglich Puppe, die Regierung wird tatsächlich von chinesischen Mandarinen geführt. Der tibetische Titel des D. lautet Gyal-va-rin-po-tsche (»Kleinod der Majestät oder des Sieges«). Mit dem Papste darf er nicht verglichen werden; er ist von demselben unterschieden nicht bloß durch den Umstand, daß er als Verkörperung eines höchsten Wesens gedacht wird, sondern auch darin, daß gleichzeitig mehrere ihm ähnliche Verkörperungen existieren, von denen besonders der in Europa unter dem Namen Tescho Lama oder Bogdo Lama bekannte eine der seinen ziemlich analoge Gewalt ausübt, und daß er über die Priester nicht im entferntesten eine so allgemeine Gewalt besitzt wieder Papst. Vgl. Köppen, Die Religion des Buddha, Bd. 2 (Berl. 1859); Waddell, The Buddhism of Tibet or Lamaism (Lond. 1895; ebenda S. 233 ein Verzeichnis aller Dalai Lamas).
 
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Dalai-Nor, Name von zwei Seen in der östlichen Mongolei, von denen der nördliche (auch Kulun-Nor) unter 49° nördl. Br. nahe der sibirischen Grenze (Transbaikalien) 290 km Umfang hat und von SW. her den Kerulen, von S. den Ursun aufnimmt, im N. durch den Argnn zum Amur abfließt. Der südliche hat 65 km Umfang, nimmt vier kleine Zuflüsse auf, ist abflußlos, salzig und fischreich, liegt 1270 m ü. M. und ist den größten Teil des Jahres mit Eis bedeckt.
 
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Dalaminzi, s. Meyers Daleminzi.
 
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Dalarne (schwed., »die Täler«), nach der frühern, im Munde des Volkes noch jetzt gewöhnlichen Benennung das rauhe, aber auch an herrlichen Landschaften reiche, an den beiden Dalelfen und dem Siljansee gelegene Gebirgsland oder der nördlichste, das jetzige Län Kopparberg (s. d.) oder Falun umfassende

[Bd. 4, Sp. 424]


Teil des eigentlichen Schweden, wird von den Dalkarlar oder Dalekarliern (»Talkerlen, Talmännern«) bewohnt, nach denen man gewöhnlich, aber fälschlich, die Provinz Dalekarlien nennt. Die Bewohner, deren Zahl (1901) 220,116 beträgt, bilden einen kraftvollen, großen, wohlgebauten Schlag einfacher und biederer, abgehärteter und arbeitsamer Menschen, die sich durch Patriotismus, freien Sinn, Tapferkeit, Gastfreundschaft und Festhalten an ihren angestammten Rechten auszeichnen. Die Männer tragen einen niedrigen runden Hut mit breitem Rand, weiße oder blaue Überröcke, blaue Strümpfe und Schuhe, im Winter Pelze; Frauen und Mädchen weiße leinene Jacken und Häubchen, weiße stehende Halskragen, farbige wollene Schürzen und rotwollene Strümpfe. Die Schuhe haben hohe Absätze und meist Sohlen aus Birkenrinde (s. Tafel Meyers »Nordische Kultur I«, Fig. 6, und Tafel II, Fig. 9). Die Wohnhäuser sind mit Schindeln gedeckt und rot angestrichen. Die Dalekarlier sprechen ihren eignen Dialekt und reden jeden, selbst den König, vertraulich mit Du an. Außer dem Ackerbau herrscht rege Hausindustrie, in der besonders Webekämme, Wanduhren, hölzerne Geräte, Sensen, Sägen, Schleifsteine und künstliche Haararbeiten gefertigt werden. Im Frühjahr wandern viele aus, um in andern Provinzen Schwedens Arbeit zu suchen. In der schwedischen Geschichte spielen diese Bauern eine große Rolle; Gustav Wasa, Gustav Adolf und Karl XII. hatten ihnen oft ihre Siege zu danken.
 
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Dalasandstein, algonkischer Sandstein im mitlern Schweden, s. Meyers Algonkische Formation.

 

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