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Daimiat bis Dajarmur (Bd. 4, Sp. 420 bis 422)
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Artikelverweis Daimiat, s. Meyers Daimyo.
 
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Daimiel, Bezirkshauptstadt in der span. Provinz Ciudud Real, in der Mancha, an der Eisenbahn Ciudad Real-Manzanares, mit (1900) 11,825 Einw., die Weinbau, Woll- und Leinweberei, Ziegel-, Drainageröhren- und Seifenfabrikation und Branntweinbrennerei betreiben. 10 km nordöstlich von D. entspringen die sogen. Ojos de Guadiana.
 
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Daimler, Gottlieb, Maschinenbauer, geb. 17. März 1834 in Schorndorf, gest. 6. März 1900 in Kannstatt, besuchte 185759 die polytechnische Schule in Stuttgart, arbeitete 186163 in England, wurde dann Werkstättenvorsteher der Karlsruher Maschinenbaugesellschaft und übernahm 1872 die technische Leitung der neugegründeten Gasmotorenfabrik Deutz bei Köln, der er Weltruf verschaffte. Unter seiner Leitung entstand in Dentz der erste Gasmotor mit einer Kraft von 100 Pferdekräften. 1882 ging D. nach Kannstatt und widmete sich der Konstruktion eines Automobilmotors, der bei geringstem Eigengewicht, einfacher Bauart, großer Kraft und billigem Betrieb Fahrzeuge jeder Gattung auf Land- und Wasserstraßen vorteilhaft bewegen sollte. Nach Erfindung des Motors und der Antriebsvorrichtungen begann D. den Bau von Fahrzeugen, die er unablässig zu vervollkommnen suchte. Besonders große Verbreitung fanden die Motordroschken und Motorboote. 1891 ging der Geschäftsbetrieb und das Eigentum der Erfindungen an die Daimler Aktiengesellschaft über.

[Bd. 4, Sp. 421]



 
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Daimyo (»großer Name«) hießen in Japan unter der Regierung der Tokugawa-Shogune die dem Shogun (s. d.) untertänigen Territorialfürsten. Hervorgegangen waren die D. aus den Shugo, den vom Shogun Yoritomo (118590) und den Ashikaga-Shogunen (13381573) eingesetzten Militärstatthaltern. Während der Fehden, die das Ende der Ashikaga-Herrschaft herbeiführten, benutzten diese Statthalter die Ohnmacht des kaiserlichen Hofes und des Shoguns, um sich unabhängig zu machen (um 1500), und nannten sich nun D. Die Schlacht bei Sekigahara 1600 brachte sämtliche D. unter die Herrschaft der Tokugawa, deren Shogunat bis 1868 bestand. Zur Zeit der Tokugawa gab es etwa 260270 D. (bei der Aufhebung der Daimiate 1871: 270), darunter 50 mit einem jährlichen Einkommen von über 100,000 Koku Reis (1 Koku = 180 Lit.). Diesen allein kam ursprünglich der Titel »D.« zu; die kleinern hießen ursprünglich »Shomyo«, d. h. »kleiner Name«. Die größten D., die Herren einer ganzen Provinz waren, hießen Kokushu. Der reichste D. war der D. von Kaga (Haus Maëda) mit 1,022,700 Koku Einkünften; dann folgten Satsuma und Sendai mit 770,800 und 625,600 Koku. Eine Anzahl D. (bei der Aufhebung 179) waren direkte Vasallen des Tokugawa-Hauses. Sie hießen Fudai-D.; die übrigen Tozama. Erstere hatten unter den Tokugawa alle höhern Regierungs- (Bakufu-) Ämter inne. Von den Fudai-D. waren 23 Mitglieder des Tokugawa-Hauses (Kamon). Die an Rang vornehmsten D. waren die Fürsten von Owari, Kii (aus diesen Häusern sollte bei Aussterben der direkten Shogun-Linie der Shogun genommen werden) und der D. von Mito (der Fuku oder Vizeshogun). Sie stammten von drei Söhnen des Shoguns Jyeyasu ab und bildeten das Go-san-ke. Die D. bildeten in der Feudalzeit die Buke oder den Schwertadel im Gegensatze zur Kuge, dem Hofadel am kaiserlichen Hofe zu Kyoto; sie übten die Militär-, Justiz- und Zivilverwaltung in ihren Daimiaten aus, waren aber dem Shogun pflichtig.
 
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Dainos (Plural von Daina), Name der litauischen Volkslieder, von denen eine Anzahl von Nesselmann übersetzt wurde (Berl. 1853); vgl. Litauische Sprache und Literatur.
 
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Dainties (engl., spr. dēntis), Leckerbissen.
 
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Daira (arab.), der Privatgrundbesitz des Chedive sowie dessen Verwaltung; vgl. Ägypten, S. 188.
 
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Dairi (japan., »großes Innere«), alte Bezeichnung des Palastes (»Hohe Pforte«) und im übertragenen Sinne der Person des Mikado (s. d.), früher von den Jesuiten und Holländern gebraucht, aber seit 1868 nicht mehr üblich.
 
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Daisios, der achte Monat im makedonischen Kalender.
 
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Dajak (Olo- Ngadschu), zur malaiischen Rasse gehöriger Volksstamm auf Borneo, Hauptmasse und zugleich ältester Teil der Bevölkerung der Insel (s. Tafel Meyers »Asiatische Völker II«, Fig. 5), zerfallen in die Bladschu an der Südküste von Borneo (wozu die Olo-Pulopetak, Olo-Mengkatip, Olo-Sampit), die Ot- Danom im Innern an den Flüssen und die D.-Paré an der Ostseite. Sie sind mittelgroß, schlank, kräftig und unermüdliche Fußgänger. Ihre Hautfarbe ist ein helleres oder dunkleres Braun, das Haar ist schwarz und lang. Sie sind im allgemeinen ehrlich und zuverlässig, gereizt jedoch rachsüchtig und grausam. Ihre Zahl wird auf 21/2 Mill. geschätzt. Die Männer tragen einen schmalen Lendengurt (Tschawat) und einen Streifen um Stirn und Hinterkopf, die Frauen einen engen, bis zum Kniee reichenden Rock und einen großen, aus Stroh oder Nipablättern geflochtenen Hut. Hauptnahrungsmittel ist der sorgsam angebaute Reis. Haustiere sind Schweine, Hunde und Hühner; doch wird ihr Fleisch, wie das der Affen und Krokodile, nur bei festlichen Gelegenheiten gegessen. Die Verfassung der D. entspricht der der übrigen malaiischen Völker. An der Spitze der Stämme stehen erbliche oder gewählte Häuptlinge; doch werden alle wichtigern Angelegenheiten durch Volksversammlungen geregelt, und das Recht wird nach überlieferten Gesetzen gesprochen. Die D. sind kriegerisch, Hauptwaffen sind das dolchähnliche Parang, säbelartige Messer (Mandau, s. d.) und Blasrohr (Sipet, s. d.), aus dem sie hölzerne vergiftete Pfeile schießen. Blutrachefehden vererben sich von Geschlecht zu Geschlecht; dabei besteht als Ehrensache die Sitte des Koppensnellens, der Kopfjagd, indem man Wehrlosen beider Geschlechter den Kopf abschneidet, um ihn als Kriegstrophäe aufzubewahren. Wer noch keinen Kopf aufweisen kann, darf nicht heiraten, und nach der Zahl solcher Köpfe, deren manches Haus über 100 aufweist, richtet sich das Ansehen des Besitzers. Als Schutzwaffen dienen mit Baumwolle wattierte Jacken und eine Art Harnisch aus Fellen oder Baumrinde, außerdem hölzerne Schilde. Die Wohnungen sind bis 70 m lange, schuppenartige, auf 26 m hohen Pfählen ruhende Gebäude mit niedrigen Wänden und spitzem Dach, doch ohne Fenster. Darin wohnen meist mehrere Familien getrennt. Zur Verteidigung der Dörfer gegen feindliche Angriffe dienen kleine, gespitzte Bambuspfähle, die im hohen Gras in kleinen Abständen angebracht werden. Die D. verfertigen trotz ihrer unvollkommenen Werkzeuge gute Schwerter; das Eisen wird von ihnen selbst gegraben und geschmolzen. Ihre Arbeiten in Holz, Bambus, Knochen, ihre Gewebe, namentlich aber deren Verzierungen zeigen hohen Kunstsinn (s. Tafel Meyers »Geräte der Naturvölker I«, Fig. 3,11,16, Tafel II, Fig. 41; Tafel Meyers »Kunst der Naturvölker I«, Fig. 16 und 20, und »Malaiische Kultur I«, Fig. 11, Tafel II, Fig. 23,24 und 28). Die Frauen werden gut behandelt, und es herrscht durchweg Monogamie. Die Toten wurden früher verbrannt, jetzt werden sie in der Regel begraben, seltener in hölzernen Kisten im Wald über der Erde aufbewahrt. Den Verstorbenen werden Menschenopfer, den Geistern der Verstorbenen, die man in den hohen Bergen wohnend denkt, Speise- oder Hühneropfer dargebracht. Viele Stämme im O. verehren auch Sonne, Mond und Sterne. An den frühern Buddhismus erinnern Ruinen von Buddhatempeln, manche Inschriften und heilige antike Gefäße (Tapayan), von denen einzelne im Rufe besonderer Wunderkraft stehen, so daß förmliche Wallfahrten zu ihnen unternommen und blutige Kämpfe um ihren Besitz geführt werden. Auch verehrt man Talismane (Steine, Krokodilzähne); Gottesurteile sind noch Brauch. Eine große Rolle spielen die Balians, Frauen, die zugleich öffentliche Sängerinnen, Tänzerinnen, Priesterinnen, Wahrsagerinnen, Zauberinnen sowie Hebammen und Ärztinnen sind. Die Sprache der D. gehört nach Fr. Müller zur malaio-javanischen Gruppe der malaiischen Sprache und zerfällt in zahlreiche Dialekte; eine Grammatik derselben lieferte H. C. v. d. Gabelentz (Leipz. 1852), Grammatik und Wörterbuch Hardeland (1850). Schrift und Literatur fehlen; aber in mündlicher Überlieferung sind Geistesprodukte, z. T. Erzählungen aus alter Zeit, erhalten worden. Val. Perelaer, Ethnographische beschrijving der D. (Zalt-Bommel

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1870); Bock, Unter den Kannibalen auf Borneo (Jena 1882); Hein, Die bildenden Künste bei den D. (Wien 1890); auch die Verhandlungen des 5. Naturforscherkongresses zu Amsterdam 1895 und die wissenschaftlichen Zeitschriften für Niederländisch-Indien und die Literatur bei Art. »Borneo«.
 
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Dajarmur, Berg im Himalaja, s. Meyers Nanga Parbat.

 

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