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Dahlĭa bis Dahragrotten (Bd. 4, Sp. 417 bis 420)
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Artikelverweis Dahlĭa, violette Anilinfarbe, s. Meyers Hofmanns Violett.
 
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Dahlīn, soviel wie Inulin.
 
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Dahlmann, Friedrich Christoph, Geschichtschreiber und Staatsmann, geb. 13. Mai 1785 in Wismar, gest. 5. Dez. 1860 in Bonn, studierte seit 1802 in Kopenhagen, seit 1804 in Halle unter Friedr. Aug. Wolf Philologie. Nach längerm Aufenthalt in Wismar ging er 1809 nach Dresden, wo er mit Heinrich v. Kleist Freundschaft schloß. In Wittenberg erwarb er 1810 mit einer Abhandlung über Ottokar von Böhmen den philosophischen Doktorgrad; 1811 habilitierte er sich in Kopenhagen für Philologie, erhielt aber 1812 den Auftrag, in Kiel Geschichte zu lesen, und wurde 1813 daselbst außerordentlicher Professor. In der Festrede (Kiel 1815), die er bei der von der Universität veranstalteten Feier der Schlacht bei Waterloo hielt, mahnte er zuerst öffentlich zur Arbeit an der politischen Wiedergeburt Deutschlands. Als Sekretär der schleswig-holsteinischen Ritterschaft geriet er in eine oppositionelle Stellung zur dänischen Regierung, wurde deshalb nicht ordentlicher Professor und folgte daher 1829 einem Ruf nach Göttingen als Ordinarius der deutschen Geschichte und der Staatswissenschaften. Hier war er wieder politisch tätig: nach der sogen. Göttinger Revolution (Januar 1831) als Deputierter der Universität an den Generalgouverneur Herzog von Cambridge abgesandt, gewann er dessen Vertrauen, wurde bei Feststellung der Verfassung zu Rate gezogen und von der Universität zu ihrem Vertreter in der Zweiten Kammer gewählt. Aber sowohl seine Reden als auch seine Artikel in der »Hannöverschen Zeitung« erregten durch ihren rücksichtslosen Freimut und ihr nach allen Seiten selbständiges Urteil Anstoß, so daß er sich mit seinen politischen Ansichten isoliert fühlte. Eine Frucht seiner damaligen Studien in der Politik war: »Die Politik auf den Grund und das Maß der gegebenen Zustände zurückgeführt«, wovon nur der 1. Band (Götting. 1835; 3. Aufl., Berl. 1847) erschienen ist. Nach dem Verfassungsbruch des Königs Ernst August (1837) verfaßte D. den Entwurf einer Protestation, die das Verfahren des Königs für einen Staatsstreich erklärte, der niemand von dem auf das Staatsgrundgesetz geleisteten Eid entbinden könne; sechs von Dahlmanns Kollegen (s. Meyers Göttinger Sieben) unterschrieben diese Erklärung. Ihre Absetzung und Ausweisung war die Folge davon. D., der über die Verfassungsfrage noch das klassische Pamphlet »Zur Verständigung« schrieb, begab sich nach Leipzig, von da nach Jena, wo er seine vortreffliche »Geschichte von Dänemark« schrieb (Hamb. 184043, 3 Bde., nur bis zur Reformation), die von D. Schäfer (Bd. 4 u. 5, Gotha 18931902) fortgesetzt wurde. Nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. 1842 nach Bonn berufen, ward er einer der beliebtesten akademischen Lehrer. Weithin galt er als politische Autorität, und auch die Regierung holte in wichtigen Universitätsangelegenheiten seinen Rat ein. Die Vorlesungen über die englische u. französische Revolution besaßen hohe politische Bedeutung; als Bücher (»Geschichte der englischen Revolution«, Leipz. 1814; 7. Aufl. 1885; »Geschichte der französischen Revolution«, das. 1845; 3. Aufl. 1864) bestimmten sie das politische Urteil der gebildeten Mittelklassen. Bei Beginn der nationalen Bewegung des Jahres 1848 wurde D. von dem neu ernannten Minister Grafen Schwerin zur Teilnahme an den Beratungen über die preußische Verfassung aufgefordert, bald nachher als preußischer Vertrauensmann zum Bundestag nach Frankfurt geschickt, aber die Ernennung zum eigentlichen Bundestagsgesandten lehnte er ab. Der von Einheitsgedanken belebte Verfassungsentwurf der 17 Vertrauensmänner ist hauptsächlich Dahlmanns Werk. In der Frage der Hegemonie war er für die Einigung unter Preußens Führung mit Ausschluß Österreichs, fand aber damit weder beim König von Preußen noch bei der Mehrheit des Parlaments Beifall, wie er überhaupt für praktisch politische Arbeit sich wenig brauchbar erwies. Noch 1849 forderte er entschieden das preußische Kaisertum, nur widerwillig unterstützte er die preußischen Unionsbestrebungen, nahm aber am Erfurter Parlament teil und trat im Sommer 1850 in die preußische Erste Kammer ein, wo er den überstürzten Restaurationsbestrebungen mutig, aber erfolglos entgegentrat. Mehr und mehr vereinsamt, schöpfte er erst seit der Wendung der Dinge in Preußen 1858 neuen Mut. Sein Einfluß auf die politische Erziehung der Gebildeten ist von nachhaltiger Wirkung gewesen. Von seinen Schriften sind neben der Ausgabe von Neocorus' »Geschichte der Dithmarschen«, in sächsischer Sprache (Kiel 1827), noch zu erwähnen: »Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte« (Bd. 1, Altona 1821; Bd. 2: »Herodot«, 1824); »Quellenkunde der deutschen Geschichte« (Göttingen 1830; seit der 3. Aufl., 1869, bearbeitet von Waitz; 6. Aufl. 1894, besorgt von E. Steindorff). Seine 1826 in Kiel gehaltenen Vorlesungen über die Geschichte Dithmarschens gab Kolster (Leipz. 1873), seine »Kleinen Schriften und Neden« Varrentrapp (Stuttg. 1886) heraus. Vgl. A. Springer, Friedr. Christ. D. (Leipz. 187072, 2 Bde.).

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Dahme (Wendische Spree), linker Nebenfluß der Spree in der preußischen Provinz Brandenburg, entspringt im SO. der Stadt Dahme auf dem Fläming, wird unterhalb Golßen schiffbar, durchfließt mehrere Seen und mündet bei Köpenick. Mit dem Scharmützelsee ist sie durch den Storkowkanal, mit dem Teupitzer See durch den Körisschen Schiffahrtsgraben verbunden; von links fließt ihr bei Königswusterhausen die Notte zu.
 
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Dahme, 1) Stadt im preuß. Regbez. Potsdam, Kreis Jüterbog-Luckenwalde, an der Dahme, der Eisenbahn D.-Uckro und der Jüterbog-Luckenwalder Kreisbahn, hat 2 evang. Kirchen, Landwirtschaftsschule, agrikulturchemische Versuchsstation, Amtsgericht, Tuch-, Schuh-, Tabak- und Zigarrenfabrikation, Bierbrauerei und (1900) 5657 fast nur evang. Einwohner. Hier siegten 7. Sept. 1813 die Preußen über die Franzosen. 2) Dorf im preuß. Regbez. Schleswig, Kreis Oldenburg, an der Ostsee, hat einen Hafen, ein Seebad und 600 Einw. Südlich der Leuchtturm Dahmeshöft.
 
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Dahn, Flecken im bayr. Regbez. Pfalz, Bezirksamt Pirmasens, an der Lauter, in einem romantischen Tale der Vogesen, 204 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Burgruine, Amtsgericht, Forstamt, Sägemühlen und (1900) 1588 Einw. Nahebei der Felsen Jungfernsprung mit Aussicht (s. Tafel Meyers »Bergformen II«, Fig. 3, beim Art. »Berg«).
 
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Dahn, 1) Friedrich, Schauspieler, geb. 18. April 1811 in Berlin, gest. 9. Dez. 1889 in München, begann 1829 am Königsstädtischen Theater in Berlin seine Laufbahn, war dann als jugendlicher Liebhaber seit 1830 am Breslauer, von 183134 am Hamburger Stadttheater engagiert und gehörte seit 1834 dem Münchener Hoftheater an, als dessen Ehrenmitglied er sich 1878 von der Bühne zurückzog. Seine Hauptrollen in früherer Zeit waren: Don Carlos, Mortimer, Beaumarchais, Gaston; später: Tell, Egmont, Dunois, Lear, Wallenstein etc. Verheiratet war D. seit 1833 mit Konstanze Le Gay (geb. 12. Juni 1814 in Kassel, gest. 26. März 1894 in München), die aber 1850 wieder von ihm geschieden wurde. Durch Schönheit, Geist und Feuer ausgezeichnet, erzielte sie als jugendlich-tragische und heitere Liebhaberin anfangs in Hamburg, später in München, wo sie von 1834 bis zu ihrer Pensionierung (1865) auftrat, große Erfolge. Beider Sohn Ludwig D., geb. 12. März 1843 in München, gest. daselbst 20. Okt. 1898, bildete sich unter der Leitung seiner Eltern zum Schauspieler aus. Nachdem er 186078 an den Hoftheatern in Weimar, Berlin und St. Petersburg tätig gewesen, trat er 1878 in den Verband des Münchener Hoftheaters. Zu seinen besten Leistungen gehörten: Schiller (»Karlsschüler«), Mortimer, Leopold von Dessau, Gringoire.
   2) (D.-Hausmann) Marie, seit 1853 zweite Frau von D. 1), geb. 17. Juni 1830 in Wien, debütierte 1845 in Mannheim mit solchem Erfolg, daß sie sofort einen Engagementsantrag für Frankfurt a. M. erhielt, und nahm 1849 nach einem glänzenden Gastspiel ein lebenslängliches Engagement an der Hofbühne zu München. Im Besitz des ersten jugendlichen Faches hatte sie Gelegenheit, ihre Vielseitigkeit zu bewähren, und ihr Gretchen, Klärchen, ihre Julie, Luise, Jane Eyre wie ihre Rosalinde, Katharina, Margarete Western erhielten sie in der Gunst des Publikums. Später fand sie mit Glück den Übergang in sein- und chargiert-komische und edle Mütterrollen (Geheimrätin im »Störenfried«, Claudia in »Emilia Galotti«, die alte Feldern in »Hermann und Dorothea«).
   3) Julius Sophus Felix, Rechtsgelehrter, Geschichtsforscher und Dichter, geb. 9. Febr. 1834 in Hamburg als Sohn von D. 1) und dessen erster Gattin, Konstanze D. (gebornen Le Gay), studierte 1849 bis 1853 in München und Berlin Rechtswissenschaft, Philosophie und Geschichte und habilitierte sich 1857 in München als Dozent für deutsches Recht, wurde 1862 außerordentlicher Professor daselbst, 1863 ordentlicher Professor in Würzburg, 1869 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München, 1872 Mitglied des Gelehrtenausschusses des Germanischen Museums in Nürnberg und ordentlicher Professor für deutsches Recht in Königsberg, von wo er 1888 an die Universität Breslau berufen wurde. 1885 ward er zum Geheimen Justizrat ernannt. Als juristischer Schriftsteller hat sich D. bekannt gemacht durch folgende Arbeiten: »Über die Wirkung der Klagverjährung bei Obligationen« (Münch. 1855), »Studien zur Geschichte der germanischen Gottesurteile« (das. 1857), »Das Kriegsrecht« (Würzb. 1870), »Handelsrechtliche Vorträge« (Leipz. 1875), »Deutsches Rechtsbuch« (Nördling. 1877), »Deutsches Privatrecht« (Leipz. 1878,1. Abt.), »Die Vernunft im Recht« (Berl. 1879), »Eine Lanze für Rumänien« (Leipz. 1883), »Die Landnot der Germanen« (das. 1889). Auch besorgte er die 3. Ausgabe von Bluntschlis »Deutschem Privatrecht« mit selbständiger Darstellung des Handels- und Wechselrechts (Münch. 1864). Von seinen geschichtlichen Arbeiten sind hervorzuheben: die Monographie »Prokopius von Cäsarea« (Berl. 1865) und das umfassend angelegte rechtsgeschichtliche Werk »Die Könige der Germanen« (Bd. 16, Münch. u. Würzb. 186171; Bd. 79, Leipz. 18941902), ferner: »Westgotische Studien« (Würzb. 1874); »Langobardische Studien« (Bd 1: Paulus Diakonus, 1. Abt., Leipz. 1876); »Die Alamannenschlacht bei Straßburg« (Braunschw. 1880); »Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker« (Berl. 188190, 4 Bde.); »Geschichte der deutschen Urzeit« (als 1. Band der Deutschen Geschichte in der »Geschichte der europäischen Staaten«, Gotha 188388). Von Wietersheims »Geschichte der Völkerwanderung« bearbeitete D. die zweite Auflage (Leipz. 188081, 2 Bde.). Seine kleinen Schriften erschienen gesammelt u. d. T.: »Bausteine« (1.6. Reihe, Berl. 187984). Sehr umfangreich ist auch Dahns belletristische Produktion, in der er zumeist altgermanische Stoffe mit modernem Leben verbrämt und eine entschieden nationale Gesinnung zur Schau trägt. Seine gründlichen historischen Studien kamen dem Dichter zu gute. Weitaus das beste dieser Werke war der erste historische Roman »Ein Kampf um Rom« (Leipz. 1876, 4 Bde.; 31. Aufl. 1901). Ihm folgten: »Kämpfende Herzen«, drei Erzählungen (Berl. 1878; 6. Aufl., Leipz. 1900); »Odhins Trost« (1880, 10. Aufl. 1901); »Kleine Romane aus der Völkerwanderung« (18821901, 13 Bde., und zwar: 1. »Felicitas«, 2. »Bissula«, 3. »Gelimer«, 4. »Die schlimmen Nonnen von Poitiers«, 5. »Fredigundis«, 6. »Attila«, 7. »Die Bataver«, 8. »Chlodovech«, 9. »Vom Chiemgau«, 10. »Ebroin«, 11. »Am Hofe Herrn Karls«, 12. »Stilicho«, 13. »Der Vater und die Söhne«, von denen die meisten in einer Reihe von Auflagen vorliegen); hierzu kommen: »Die Kreuzfahrer«, Erzählung aus dem 13. Jahrh. (1884, 2 Bde.; 8. Aufl. 1900); »Bis zum Tode getreu«, Erzählung aus der Zeit Karls d. Gr. (1887, 15. Aufl. 1901); »Was ist die Liebe?« (1887,6. Aufl. 1901); »Frigga's Ja« (1888, 2. Aufl. 1896); »Weltuntergang«,

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geschichtliche Erzählung aus dem Jahre 1000 n. Chr. (1889); »Skirnir« (1889); »Odhins Rache« (1891, 4. Aufl. 1900); »Die Finnin« (1892); »Julian der Abtrünnige« (1894, 3 Bde.); »Sigwalt und Sigridh« (1898); »Herzog Ernst von Schwaben« (1902), sämtlich in Leipzig erschienen. Ferner schrieb D. die epischen Dichtungen: »Harald und Theano« (Berl. 1855; illustrierte Ausg., Leipz. 1885); »Sind Götter?. Die Halfred Sigskaldsaga« (Stuttg. 1874; 7. Aufl., Leipz. 1901); »Die Amalungen« (das. 1876); »Rolandin« (das. 1891). Seine dramatischen Werke sind: »Markgraf Rüdiger von Bechelaren« (Leipz. 1875); »König Roderich« (1875, u. Ausg. 1876); »Deutsche Treue« (1875,3. Aufl. 1899); »Sühne« (1879,2. Ausg. 1894); »Skaldenkunst« (1882), und die Lustspiele: »Die Staatskunst der Frau'n« (1877) und »Der Kurier nach Paris« (1883); endlich das Festspiel »Funfzig Jahre« (1962, sämtlich Leipzig). Auch verschiedene Operntexte hat D. verfaßt: »Harald und Theano« (Leipz. 1880, nach seiner epischen Dichtung); »Armin« (das. 1880, Musik von Heinrich Hofmann); »Der Fremdling« (das. 1880); »Der Schmied von Gretna-Green« (das. 1880). Desgleichen war D. als Lyriker rege tätig: auf seine »Gedichte« (Leipz. 1857; 2. durchgesehene Auflage u. d. T.: »Jugendgedichte«, das. 1892) folgten: »Gedichte, 2. Sammlung« (Stuttg. 1873, 2 Bde.; 3. Aufl., Leipz. 1883); dann: »Zwölf Balladen« (das. 1875); »Balladen und Lieder«, 3. Sammlung der »Gedichte« (das. 1878, 2. Aufl. 1896); 4. Sammlung, mit seiner Gattin Therese (das. 1892); 5. Sammlung (»Vaterland«, das. 1892); endlich eine »Auswahl des Verfassers« (das. 1900). Außerdem sind zu nennen Dahns Schriften: »Moltke als Erzieher« (5. Aufl., Bresl. 1894) und die sehr breiten »Erinnerungen« (Leipz. 18901895,4 Bücher in 5 Bänden). Seine »Sämtlichen Werke poetischen Inhalts« erschienen Leipzig 18981899 in 21 Bänden; neue Folge 1903ff. Mit seiner Gattin Therese (gebornen Freiin von Droste-Hülshoff, geb. 28. Mai 1845 in Münster) verfaßte er: »Walhall. Germanische Götter- und Heldensagen« (12. Aufl., Leipz. 1898). Von ihr allein erschien noch mit einer Einleitung des Gatten: »Kaiser Karl und seine Paladine. Sagen aus dem Karlingischen Kreise« (Leipz. 1887).
 
Artikelverweis 
Dahna, arab. Wüste, s. Meyers Dehna.
 
Artikelverweis 
Dahntal, s. Meyers Lauter 1).
 
Artikelverweis 
Dahomé (Dahomey), franz. Besitzung, ehemaliger Negerstaat in Nordwestafrika (s. Karte »Guinea« und Karte »Togo«), 152,000 qkm groß mit etwa 1 Mill. Einw, grenzt im W. an das deutsche Togogebiet, im O. an die britische Lagoskolonie und umfaßt die beiden Vasallenstaaten Abomé und Allada nebst den andern Erwerbungen im Hinterlande. Hinter einem schmalen, sandigen Küstenstrich ziehen sich Lagunen hin, in deren größte der das Land von N. nach S. durchfließende Wheme oder Oagbo mündet und dann von dort aus in mehreren Mündungsarmen ins Meer tritt. Darauf folgt ein dichtbewaldetes Plateau bis zum großen, 1012 km breiten Lamasumpf, dann Reihen niedriger Hügel an beiden Ufern des Wheme, endlich das Quellgebiet dieses Flusses, das Gebirgsland Mahé. Waldungen aus Wollbäumen und Palmen wechseln mit ausgedehnten Savannen ab. Das Klima ist an der Küste durch die Ausdünstungen der Lagunen sehr ungesund, wird aber nach dem Innern zu erträglicher. Pflanzen- und Tierwelt sind die des übrigen tropischen Afrika. Die Bevölkerung bestand ursprünglich aus Ejo, die indes fast vollständig ausgerottet sind, heute aber aus Ewe. Ihre Sprache, das Ewe (grammatisch dargestellt von Schlegel, Stuttg. 1857), ist nach Fr. Müller mit den übrigen Sprachen der Küste von Guinea verwandt; nach Lepsius schließt sie sich durch den Gebrauch von Nominalpräfixen auch an den großen südafrikanischen Bantusprachstamm an. Die Religion ist der gröbste Fetischismus: die Ewe erkennen einen guten und einen bösen Geist an, verehren aber besonders den letztern, den sie fürchten. Die Fetischgötter, aus rotem Ton geformt, stehen am Eingang der Städte und Dörfer, wo jeder Kaufmann den Zehnten und die heilige Gabe abliefern muß. Man verehrt auch Schlangen sowie Leoparden und Affen. Die Priester und Priesterinnen werden selbst vom Könige geehrt. Erstere, deren Kopf fast immer auf der rechten Seite rasiert ist, kleiden sich sehr reich; die Priesterinnen schmücken ihr Haar mit Kauris und Perlen. Menschenopfer waren bei den Hoffesten und Begräbnissen üblich (s. unten). Der Glaube an ein Fortleben nach dem Tod unter glücklichen Verhältnissen ist allgemein. Musik (Tamtam, Elefantenzähne, Kalebassen, Rohrflöte, Harfe) und Tanz sind sehr beliebt. Hauptbeschäftigung ist der Ackerbau; man baut Mais, Hirse, Maniok, Bohnen, Yams, süße Bataten und Erdnüsse sowie alle Arten von Gemüsen. Ölpalmen hat man in zahllosen Mengen rings um die Dörfer gepflanzt. Die Haupterzeugnisse sind Palmöl, Palmkerne, Kokosnüsse, Kolanüsse, Kautschuk. An der Küste bei Porto Novo werden gut gedeihende Versuchspflanzungen von Kaffee, Kakao und Kautschuk betrieben, und im Bezirk Abomé-Kalavi sind Kautschukpflanzungen angelegt. Als Haustiere hält man in großer Menge Schafe, Ziegen, große Schweine, Truthühner, Hühner, Enten, Gänse, Tauben und Perlhühner. Der Gewerbfleiß liefert Baumwollengewebe, harte Tongefäße in Gestalt von Kalebassen, eiserne Klingen und Ackergeräte, Leder, vegetabilische Seide, Farbwaren etc. Aus dem roten Ton, aus dem fast durchweg der Boden besteht, fertigt man harte Blöcke zum Aufbau der Mauern und Häuser. Man versteht auch Stoffe zu sticken und zwar mit europäischer Wolle und Seide. Der Handel, an dem Deutschland an erster Stelle teil hat, geht über Kotonu, Porto Novo, Whydah und Grand Popo. Die Einfuhr betrug 1902: 17,090,386, die Ausfuhr 13,669,226; am Gesamthandel war Frankreich mit 7,914,000 Fr. beteiligt. Haupteinfuhrgegenstände sind Zeuge, Branntwein, Salz, Pulver, Tabak; Hauptausfuhrartikel sind Palmkerne und Palmöl, daneben getrocknete Fische, Mais, Tiere, Kolanüsse, Erdnüsse, Elfenbein, Kautschuk. Der Schiffsverkehr betrug 1899: 441 Dampfer von 398,500 Ton., davon waren 183 deutsche, 126 englische, 123 französische und 9 italienische. Von 20 Postanstalten wurden 1900: 196,957 Briefsendungen befördert. Eine etwa 1000 km lange Telegraphenlinie geht von Porto Novo nach Carnotville, Kuanda, Diapaga, Fada N'Gurma; Zweiglinien führen von Diapaga über Botu nach Say am Niger, etwa 400 km, und von Carnotville über Paraku, Nikki, Kandi nach Madecali am Niger, etwa 400 km. Eine Eisenbahn, die von Porto Novo über Abomé nach Carnotville führen soll, befindet sich im Bau. Als Münze dienen die Kauris, deren 2000 den Wert von 1 span. Taler haben. Die Staatsform war früher eine absolute Monarchie, doch ist jetzt die Macht der Könige nur gering. Die Kolonie ist administrativ in das eigentliche D. und in Ober-D. (Haut-Dahomey) eingeteilt; letzteres zerfällt in die Distrikte Borgu mit der Station Paraku, Djugu-Kundé mit Djugu, Gurma

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mit Fada N'Gurma und Moyen Niger mit Kandi. Das Budget der Kolonie wurde für 1903 mit 3,766,575 Fr. festgesetzt. Der Verwaltungsrat besteht nach dem Dekret vom 11. Okt. 1899 aus dem Gouverneur und 6 Mitgliedern, davon 3 Beamte und 3 angesehene Einwohner, die vom Gouverneur auf zwei Jahre ernannt werden. Hauptstadt des nördlichen Königreichs ist Abomé (s. d.), Sommeraufenthalt des Königs das 10 km südlich gelegene Canna, zu dem eine gute Straße führt; noch weiter südlich jenseit des Lamasumpfes liegt der wichtige Handelsplatz und die Hauptstadt des südlichen Reiches, Allada, mit 1518,000 Einw.
   D. war vor dem 17. Jahrh. unbedeutend; sein Hauptort, das Dorf Dahif (Darhiff), lag nahe bei Abomé, das 1625 der Häuptling Tacoodonu (Takudua) eroberte und zur Hauptstadt eines Reiches machte, das durch Eroberung von Allada 1724, von Whydah 1727 und der Küste 1772 bedeutend erweitert wurde; später unterwarfen sich auch die Mahé im Norden. Allada ward Ende des 18. Jahrh. die Hauptstadt, anderen Stelle jedoch dann wieder Abomé trat. Als Ende des 18. Jahrh. der Sklavenhandel von der Westküste Afrikas einen lebhaften Aufschwung nahm, beteiligte sich D. eifrig daran. Damit trat das Land in Berührung mit den Europäern, die bald Vorstellungen gegen die jährlichen, nur durch systematischen Sklavenraub zu ermöglichenden Menschenschlächtereien erhoben. König Gezo (Gheso; gest. 1858) schaffte diese auch ab; doch führte sie sein Nachfolger Bahadung sogleich wieder ein. Portugal, dem das Fort Ajuda bei Whydah gehört, übernahm 1885 das Protektorat, konnte aber die Menschenopfer auch nicht beseitigen, legte seine Schutzherrschaft 22. Dez. 1887 nieder und räumte den Franzosen das Feld, die bereits 1878 die Schutzherrschaft über Kotonu, 1883 über Porto Novo übernommen und 1885 Groß-Popo besetzt hatten. Sie erlangten 1890 von König Behanzin das Besatzungsrecht von Whydah und die Abtretung der ganzen Küste gegen 20 Mill. Frank jährlich. Als aber der König, der nach dem schnell steigenden Handelsverkehr der Küstenhäfen von Frankreich übervorteilt zu sein glaubte, diesem im Frühjahr 1892 den Krieg erklärte, schlug Oberst A. A. Dodds die Truppen des Königs wiederholt und vertrieb ihn 17. Nov. aus seiner Hauptstadt. Anfang 1893 wurde D. der französischen Kolonie Golfe de Bénin einverleibt und ein Gouverneur in Whydah eingesetzt. Vgl. außer den ältern Werken von Norris (1790), Dalziel (»History of D.«, 1793), Forbes (1851), R. F. Burton (1864, neue Ausg. 1893, 2 Bde.): Foa, Le Dahomey. Histoire, géographie, etc. (Par. 1894); Aublet, La guerre an D. (das. 189495); Poirier, Campagne du D. 18921894 (das. 1894); D'Albeca, La France an D. (das. 1895); Toutée, Du D. au Sahara (das. 1899); »D. et Dépendances« (das. 1900); A. de Salinis, La Marine an D., Campagne de la »Naïade« 18901892 (das. 1901); Heudebert, Promenades an D. (das. 1902); Henrici, Karte der Sklavenküste (Berl. 1891).
 
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Dahragrotten, Berghöhlen bei Nekmaria im Dahragebiet zwischen Mostaganem und Tener in Algerien, in denen 1845 ca. 500 dorthin geflüchtete Kabylen vom Stamm Ulad-Riah durch Oberst Pélissier durch Anzünden nassen Holzes erstickt wurden; nur 100 wurden noch lebend aufgefunden.

 

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