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Daghestan bis Daguesseau (Bd. 4, Sp. 413 bis 415)
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Artikelverweis Daghestan (tatar., »Bergland« oder »Land der Daken«), Provinz des russ. Generalgouv. Kaukasus, zu Transkaukasien gehörig, zwischen der Provinz Terek, dem Kaspischen Meer und den Gouv. Tiflis, Jelissawetpol und Baku (s. Karte »Kaukasien«). Zu letzterm gehört der südöstlichste Zipfel der Landschaft D. mit der Halbinsel Apscheron. Die Provinz umfaßt 29,347 qkm mit (1897) 586,636 Einw. Das großartige Felsenland bewässern zahlreiche Flüsse, deren bedeutendste Sulak und Samur mit zahlreichen Mündungsarmen sind. Auch gibt es viele heiße Quellen. Das Gebirgsland ist öde und unfruchtbar, fruchtbar und gut angebaut dagegen das Flachland, wo die edelsten Früchte gedeihen und das Klima zeitweise geradezu heiß ist. Die Regenmenge an der Küste ist beträchtlich. Bedeutend ist die Viehzucht, namentlich die Schafzucht. Von Mineralien findet sich Schwefel in großen Lagern an den Ufern des Sulak, Salz kommt besonders im mittlern Teil vor, Kupfer am Sulak. Die dem lesghischen Stamm angehörige Bevölkerung teilte sich 1886 in 107,168 Darginer (Dargua), 103,288 Küriner, 11,985 Rutuler, 27,667 Tabassaranen, 48,316 Kasikumyken, 123,296 Awarier,

[Bd. 4, Sp. 414]


von türkischen Völkern 15,697 Tataren, 60,836 Kumyken, 2556 Nogaier, außerdem 5421 Russen, 9210 Juden, 9024 Perser, 1054 Armenier. Die Bevölkerung ist z. T. nomadisch, teils treibt sie Ackerbau (Getreide, Baumwolle, Obst, Wein, Tabak) und Seidenraupenzucht. Die spärlichen Ortschaften sind im Gebirge an strategisch und topographisch gut geschützten Stellen erbaut. Am Ei fernen Tor bei Derbent, einem Küstenpaß zwischen dem Kaspischen Meer und dem Ostende des Kaukasus, beginnt die alte Kaukasische Mauer (s. d.). Das Gebiet zerfällt in die Derbentsche Stadthauptmannschaft und in die Bezirke Temirchanschura, Gunib, Kasikumuch, Andi, Awar, Kaitago-Tabassaran, Kjura, Samur und Darginsk. Sitz der Verwaltung ist die Festung Temirchanschura, mit 3355 Einw.; wichtigste Handelsplätze sind Derbent und Petrowsk (s. d.). Mit den Persern hatten die Einwohner in der Zeit der Sasaniden (3.7. Jahrh.) Kämpfe zu bestehen. Während das Flachland Daghestans persische Provinz wurde, blieben die Bewohner des innern D. freie Bergvölker unter eignen Chanen. Seit aber Rußland 1801 von Grusien Besitz genommen hatte, mußte es bestrebt sein, auch das nördlich davon liegende D. an sich zu bringen, das damals noch Grusien von Rußland trennte und den Verkehr zwischen beiden Ländern bedrohte. Gefährlich wurde die Situation vollends, als der Muridismus (s. d.) unter den Bergvölkern Daghestans Wurzel faßte. Nach dem türkisch-russischen Kriege (182829) rückten daher russische Truppen in D. ein und sicherten sich (183132) zunächst das Küstengebiet mit der Straße nach Grusien. Zum ersten Schritt gegen das innere D. nötigte dann Schamyl (s. d.), der die awarische Chanfamilie verdrängt hatte und sich als Haupt der Muriden den Russen entgegenstellte. Mit seiner Unterwerfung 1859 kam D. schließlich ganz in den Besitz der Russen (s. Meyers Kaukasien). Vgl. Cunynghame, Travels in the eastern Caucasus, especially in Dagestan etc. (Lond. 1872); Radde, Aus den Dagestanischen Hochalpen (Ergänzungsheft Nr. 85 zu »Petermanns Mitteilungen«, Gotha 1887); Radde und König, Der Nordfuß des Dagestan (ebenda, Nr. 117,1895).
 
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Dagnan-Bouveret (spr. danjāng-buw'rä), Pascal Adolphe Jean, franz. Maler, geb. 7. Jan. 1852 in Paris, wurde dort Schüler von Gérôme, folgte aber nicht der Richtung seines Lehrers, sondern behandelte Motive aus dem modernen Volksleben, in deren koloristischer Darstellung er sich mehr und mehr den Grundsätzen der Hellmalerei näherte. Seinen ersten Erfolg erzielte er 1879 mit einer Hochzeit bei einem Photographen, der ein Unglücksfall, die Pockenimpfung und 1882 die Segnung des jungen Paares vor der Trauung (nach Motiven aus der Franche-Comté) folgten. In den folgenden Jahren suchte er sein Studienfeld in der Bretagne und schuf in dem Pardon (1887), einer Bußprozession bretonischer Bauern und Bäuerinnen, und dem Ablaßtag in der Bretagne (1889) zwei Werke, deren letzteres ihm durch die schlichte Wahrheit und Tiefe der Charakteristik die Ehrenmedaille des Salons eintrug. Es folgten die Weihe des Brotes (im Luxembourg-Museum), die Rekruten (1891) und die Mittagsrast der Arbeiter auf der Wiese (1893). Nachdem er schon früher mehrere Madonnen gemalt (eine in der Münchener Neuen Pinakothek), wandte er sich mit einem durch eigenartige Auffassung ausgezeichneten Abendmahl (1896) vollends der religiösen Malerei zu, in der er auch in den Jüngern von Emmaus (1897), einer Madonna als Trösterin der Betrübten und in einem Jesus als Kind Hervorragendes leistete. Auch hat er zahlreiche Bildnisse gemalt.
 
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Dagö (Dago, Dagen oder Dagden), eine zum russ. Gouv. Esthland, Kreis Hapsal, gehörige Insel, am Eingang des Finnischen Meerbusens, nördlich von der Insel Ösel, von der sie nur durch eine schmale Meerenge, den Sölasund, getrennt ist (s. Karte »Livland etc.«). Sie ist von N. nach S. 47 km lang, von O. nach W. etwa 55 km breit und hat 960,1 qkm (17,4 QM.) Flächeninhalt. Ihre Küsten sind durch Welleneinspülung sehr zerrissen und überall von Untiefen, Sandbänken und kleinen Eilanden umgeben, wodurch die Schiffahrt in der Nähe ihrer Ufer sehr gefährlich wird. Auf der äußersten Spitze des westlichen Vorgebirges, Dagerort genannt, steht deshalb ein Leuchtturm. Die Insel ist meist eben; an der Nordostküste und im Innern sind große Sümpfe (zusammen 14,000 Hektar), in denen man viele erratische Blöcke findet. Da das Erdreich im N. meist steinig ist und Wälder (besonders Kiefern) mehr als ein Viertel der Insel bedecken, ist nur der südliche und südwestliche Teil, der einen fruchtbaren, mergelhaltigen Boden zeigt, zum Anbau von Getreide geeignet. Die 16,000 Bewohner bestehen zu 3/4 aus Esthen, zu 1/4 aus Schweden und Deutschen und nähren sich von Ackerbau, Viehzucht, Fisch- und Robbenfang, Holzfällen, Kalkbrennen und einigem Handel, der sich in den beiden kleinen Hafenplätzen Hohenholm und Tiefenhafen konzentriert. Im Ort Kertell besteht eine ansehnliche Tuchfabrik. D. ward 1645 von Dänemark an Schweden und 1721 von letzterm an Rußland abgetreten.
 
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Dagobert, fränk. Könige aus dem Geschlechte der Merowinger: 1) D. I., Sohn Chlothars II., König 628638, der letzte Merowinger, der (neben seinem Majordomus Pippin von Landen) noch einigermaßen selbständig regierte, mordete 9000 Bulgarenfamilien, die vor den Avaren bei ihm Schutz suchten, und kämpfte unglücklich gegen die Slawen. Vgl. Double, Le roi D. (Par. 1879); Albers, König D. in Geschichte, Legende und Sage (Kaisersl. 1884).
   2) D. II., Sohn des austrasischen Königs Siegbert, Enkel des vorigen, ward nach dem Tode seines Vaters 656 von Pippins Sohn Grimoald in ein irisches Kloster gesendet, jedoch 674 von den Austrasiern nach ihres Königs Childerich Tod auf den Thron erhoben, aber 678 ermordet.
   3) D. III., Sohn Childeberts III., folgte diesem 711 und starb 715.
 
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Dagon, eine Hauptgottheit der Philister, verehrt in Gaza, Asdod und anderwärts (mehrere Ortschaften heißen Beth-Dagon). Den Dagontempel in Gaza riß Simson ein, den in Asdod verbrannte zur Makkabäerzeit Jonathan (1. Makk. 10,83ff.; 11,4). Daß D. von den Philistern unter fischähnlicher Gestalt, nämlich mit einem Fischleib, aber Händen und Kopf eines Menschen, verehrt wurde, steht fest (vgl. 1. Sam. 5,4), doch mag diese Darstellungsweise, vielleicht mitveranlaßt durch hebräisch dag, d. h. Fisch, spezifisch aramäisch-philistäisch sein, analog jener der Göttin Derketo (s. d.). Für Babylonien-Assyrien, wo ein Gott Dagan ebenfalls große Verehrung genoß, läßt sich fischähnliche Darstellung des Gottes nicht erweisen, wenn man D. nicht mit Oannes (s. d.) irrig verwechselt.
 
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Dagopa, s. Meyers Tope.
 
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Dagsburg (franz. Dabo), Dorf und Luftkurort im deutschen Bezirk Lothringen, Kreis Saarburg

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i. Lothr., in schöner Gegend der Vogesen, hat eine kath. Kirche, Oberförsterei, Sägemühlen, Filet- und Perlstickerei und (1900) 3037 Einw. An der Stelle des ehemaligen, auf 664 m hohem Sandsteinfelsen gelegenen, 1679 von den Franzosen zerstörten Schlosses der Grafen von D. jetzt Kapelle, Aussichtsturm und Standbild des hier gebornen Papstes Leo IX. Die Grafschaft D. gehörte seit 1049 einer Nebenlinie des herzoglichen Hauses von Niederlothringen, kam um 1300 durch Heirat an die Grafen von Leiningen und wurde 1679 französisches Lehen, doch erst 1801 an Frankreich abgetreten. Vgl. Dugas de Beaulieu, Le comté de Dagsbourg (2. Aufl., Par. 1858).
 
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Dagstuhl, ehemalige, unter kurtrierischer Hoheit stehende reichsunmittelbare Herrschaft mit Schloß im preuß. Regbez. Trier, Kreis Merzig, am Fuße des Hochwaldes unweit der Saar, zuletzt im Besitze der Fürsten von Öttingen-Wallerstein, bestand aus 19 Ortschaften, die sich auf 3 Hochgerichte verteilten; Hauptort war der Flecken Wadern (s. d.).
 
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Daguerre (spr. -gǟr'), Louis Jacques Mande, Maler, geb. 18. Nov. 1789 zu Cormeilles in der Normandie, gest. 10. Juli 1851 in Petit-Brie bei Paris, war erst Steuerbeamter, bildete sich dann unter Degoti und lieferte für die Pariser Theater Dekorationen von bisher nicht gesehener Schönheit. Mit dem Maler Bouton konstruierte er 1822 das Diorama, das sehr beifällig aufgenommen wurde. Seine Bemühungen um die Fixierung des Bildes in der Camera obscura blieben zunächst erfolglos. 1829 verband er sich aber mit Joseph Nicéphore Nièpce, der seit 1814 ähnliche Versuche angestellt hatte, setzte nach dessen Tode seine Arbeiten selbständig fort und gelangte 1838 zum Ziel. Das Verfahren (Daguerreotypie) wurde durch die französische Akademie veröffentlicht und das Resultat seiner Bemühungen 1839 durch Arago bekannt gemacht. D. erhielt eine jährliche Pension von 6000, die Erben von Nièpce eine solche von 4000 Frank. Er schrieb: »Historique et description des procédés du daguerréotype et du diorama« (Par. 1839 u. ö.; mehrfach deutsch); »Nouveau moyen de préparer la couche sensible des plaques destinées à recevoir les images photographiques« (1844; deutsch, Köln 1841). Vgl. Ernouf, Les inventeurs du gaz et de la photographie (Par. 1885).
 
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Daguerreotypie (spr. -gärro-), s. Meyers Photographie.
 
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Daguesseau, Henri François, s. Meyers Aguesseau.

 

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