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Dacĭen bis Dädalos (Bd. 4, Sp. 411 bis 412)
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Artikelverweis Dacĭen (Dacia), bei den Römern Name des zwischen Theiß im W., den Karpathen im N., Donau im S., dem Dnjestr im O. gelegenen, an Getreide, Holz und Metallen (Gold) reichen Landes (s. Karte »Römisches Reich«). Seine Bewohner, thrakischer Abstammung, wurden von Herodot Agathyrsen, zu Menanders Zeit Dāer, von den Griechen Geten (die eigentlich ihre nächsten Verwandten waren), von den Römern meist Daker oder Dacier genannt und waren ihrer kriegerischen Gesinnung halber gefährliche Nachbarn Roms. Anfang des 2. vorchristlichen Jahrhunderts bestand bereits nördlich von der untern Donau ein Reich von Dakern unter einem König Rubobastes (oder Oroles), die mit den von der obern Weichsel vorstoßenden Bastarnern (s. d.) in schwere Kämpfe gerieten. König Burbista (Boirebista) erweiterte das dakische Reich zwischen 60 und 45 v. Chr. bis zum Dnjepr im O. und zur Donau im W.; sein Helfer beim innern Reformwerke warder Priester Dekaineos. Nach seinem Tode zerfiel sein großes Reich in vier, später in fünf Teile. Die Daker fielen mehrmals in Mösien, ja in Makedonien ein und mußten von Augustus und den folgenden Kaisern wiederholt zurückgetrieben werden. Domitian erkaufte nach mehrjährigen, teilweise siegreichen Kämpfen (8589 n. Chr.) in schmählicher Weise den Frieden von dem großen König Decebalus (86107), der D. wieder geeinigt hatte. Erst Trajan tilgte durch die Dakischen Kriege diese Schmach. 101 n. Chr. brach er gegen Decebalus auf, der das Gebiet vom Eisernen Tor bis zum Altfluß 102 an die Römer abtrat und auf eine selbständige Politik fortan verzichten wollte. Der Bruch dieser Zusage führte 105 den Kaiser, der sich seit 102 den Siegesnamen »Dacicus« beigelegt hatte, über die neuerbaute steinerne Brücke (Pons Trajani) am Eisernen Tor nochmals nach D. Die Eroberung der Hauptstadt Sarmizeq|etusa (beim heutigen Várhely im südwestlichen Siebenbürgen) entschied die Unterjochung des Landes und die Verwandlung Siebenbürgens und der kleinen Walachei in eine römische Provinz (107), nachdem sich Decebalus aus Verzweiflung selbst getötet hatte. Die Siege der Römer sind auf der Trajanssäule in Rom verherrlicht. Die wenigen Zurückgebliebenen nahmen viele Kolonisten (so die Pirusten aus Dalmatien,

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Asiaten aus Kommagene, Palmyra, Syrien u. a.) unter sich auf und wurden rasch so gründlich romanisiert, daß die Einwohner Daciens (Rumänen oder Walachen) noch heute eine romanische Sprache reden. Hadrian schied D. in die beiden Verwaltungsgebiete Dacia superior (Siebenbürgen mit der Hauptstadt Sarmizegetusa) und Dacia inferior (kleine Walachei); Mark Aurel schuf sogar drei Bezirke mit den Hauptorten Porolissum (im N.), Apulum (in der Mitte) und Maluese (im S.). Im übrigen teilte D. nunmehr die Geschicke des römischen Reiches. Als 271 Kaiser Aurelian den Goten das Land räumte und die römischen Kolonisten nach Mösien (von Orsova aus nach Osten bis zum Isker) versetzte, nannte er das Uferland rechts der Donau Dacia ripensis, um den Namen des Verlornen zu behaupten; später gab es auch noch eine Dacia mediterranea mit der Hauptstadt Serdica (Sofia). Die Ureinwohner behaupteten ihre Wohnsitze, wurden aber von fremden Völkern wiederholt unterjocht und teilweise (so in Siebenbürgen) verdrängt. Vgl. Rösler, Dacier und Romänen (Wien 1866); Derselbe, Romänische Studien (Leipz. 1871); I. Jung: Römer und Romanen in den Donauländern (Innsbr. 1877), Die romanischen Landschaften des römischen Reiches (das. 1881), Fasten der Provinz D. (das. 1894); Tomaschek, Die alten Thraker (in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Bd. 128); Teglas, Beiträge zum Goldbergbau des vorrömischen D. (in der »Ungarischen Revue«, 1889); Cichorius, Die Reliefs der Trajanssäule (bis jetzt 2 Bde. Text u. 2 Bde. Tafeln; Berl. 1896ff.); E. Petersen, Trajans dakische Kriege. Nach dem Säulenrelief erzählt (Leipz. 18991903, 2 Tle.).
 
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Dacier (spr. daßjē), 1) André, Philolog, geb. 6. April 1651 zu Castres in Ober-Languedoc, gest. 18. Sept. 1722 in Paris, studierte zu Saumur unter Lefèbre, ging 1672 nach Paris, trat hier 1685 zum Katholizismus über, wurde 1695 Mitglied der Akademie der Inschriften und 1708 Bibliothekar des Königs im Louvre. Er verfaßte eine Ausgabe des Festus und Verrius Flaccus (Par. 1681, Amsterd. 1699) sowie mittelmäßige Übersetzungen.
   2) Anne, Gattin des vorigen, geb. im März 1654 in Saumur, gest. 17. Aug. 1720 in Paris, die gelehrte Tochter des gelehrten Lefèbre, kam nach dem Tod ihres Vaters 1672 nach Paris und war seit 1683 in glücklicher Ehe verheiratet. Sie gab den Kallimachos (Par. 1674), Florus (1674), Aurelius Victor (1681), Eutropius (1683), Dictys Cretensis und Dares Phrygius (1684) heraus und übersetzte Anakreon und Sappho (1681), einige Stücke des Plautus (1683) und Aristophanes (1684, erste französische Übersetzung), den Terenz (1688), die »Ilias« (1699, besorgt von Crouslé, 1871) und die »Odyssee« (Amsterd. 1708, besorgt von Humbert, 1891). Bekannt sind ihre Streitschriften: »Traité des causes de la corruption du goût« (1714), worin sie Homer gegen Lamotte verteidigte, und »Homère défendu contre l'apologie du père Hardouin« (1716).
   3) Von Joseph, Baron, franz, Historiker, geb. 1. April 1742 zu Valognes in der Normandie, gest. 4. Febr. 1833 in Paris, studierte Theologie, ward 1772 Mitglied der Akademie der Inschriften und 1782 deren beständiger Sekretär. Er stiftete das Komitee der Handschriften, das die »Notices et extraits« aus den ungedruckten Werken der Pariser Bibliothek herausgab. 1784 begann er eine vollständige Ausgabe der Chronik von Froissart zu veranstalten, deren Druck aber schon während des ersten Bandes unterbrochen wurde. 1800 wurde er erster Vorsteher der Nationalbibliothek, 1802 Mitglied des Tribunats und 1823 der Akademie. Außer seiner Übersetzung des Älian (1772) und der Ausgabe der »Cyropädie« Xenophons (1777, 3 Bde.) sind zu erwähnen: »Histoire de l'Académie des inscriptions« sowie »Rapport sur les progrès de l'histoire et de la littérature anciennes depuis 1789 jusqu'à 1808« (1810, neue Ausg. 1862).
 
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Dacīt, Gestein, soviel wie Quarzandesit, s. Andesite.
 
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Däcker, soviel wie Decher.
 
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Dacrydĭum Soland., Gattung der Koniferen, Bäume und Stäucher mit flach-nadelförmigen oder schuppenförmigen Blättern und einzeln endständigen, meist zweihäusigen Blüten. 12 Arten im malaiischen Gebiet, in Neuseeland und Tasmania. D. cupressinum Soland. (Trauerzypresse, Rimu, Harzeibe, s. Tafel Meyers »Koniferen I«, Fig. 6), mehr als 20 m hoher Baum mit langen, elegant herabhängenden Zweigen, auf Neuseeland, liefert ein hartes, im Trocknen sehr dauerhaftes Holz. Aus jungen Zweigen wird Bier gebraut, das antiskorbutisch wie Sprossenbier wirkt. D. Franklini Hook. lil. (Huontanne), ein 30 m hoher Baum auf Tasmania, dessen Holz zu Kähnen, auch für gröbern Holzschnitt benutzt wird.
 
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Dactylethra, s. Meyers Frösche.
 
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Dactli marīni, s. Belemniten.
 
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Dactlis L. (Knaulgras), Gattung der Gramineen, mit der einzigen Art D. glomerata L. (Hundsgras, s. Tafel Meyers »Gräser III«, Fig. 3), in Europa, dem gemäßigten Asien und Nordafrika, naturalisiert in Amerika. Dies Gras ist ausdauernd, mit zweizeiliger Rispe u. knäuelförmig in derselben stehenden, seitlich zusammengedrückten, zwei- bis siebenblütigen Ährchen, wächst am schönsten auf berieselten Wiesen, ist äußerst ertragreich und nahrhaft, verträgt auch Beschattung (daher Orchardgras [Obstgartengras] in Amerika), bleibt aber auf Sandland klein und wird hart. Der Gebrauchswert der Samen beträgt 17 Proz. D. caespitosa Forst. (Tussockgras), s. Meyers Poa.
 
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Dactylĭum oogenum, s. Meyers Eierpilze.
 
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Dädalĕum (griech.), s. Meyers Stroboskop.
 
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Dädalos, der mythische Repräsentant aller Kunstübung bei den Griechen, wie schon der »Künstler« bedeutende Name zeigt, eine bloße Personifikation, auf die man die ältesten Erzeugnisse der Architektur. Holzschnitzkunst und die nützlichsten technischen Erfindungen (die Axt, den Bohrer, die Setzwage u. a.), deren Urheber unbekannt waren, zusammentrug. Spätere Zeit hat die verschiedenen Lokalsagen von D. in Verbindung gebracht. Sohn oder Enkel des Atheners Eupalamos (d. h. des

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»Kunstfertigen«) und Urenkel des Königs Erechtheus, tötete er aus Neid seinen erfinderischen Schüler und Neffen Talos und floh, vom Areopag zum Tode verurteilt, zum König Minos von Kreta. Hier verfertigte er die Kuh der Pasiphaë (s. d.) und erbaute das Labyrinth, ward aber von Minos, weil er Ariadne (s. d.) zur Rettung des Theseus geholfen, mit seinem Sohn Ikaros ins Labyrinth gesperrt. Sie entflohen mittels künstlicher Flügel von Wachs und Federn. Ikaros (s. d.) stürzte ins Meer; D. aber entkam nach Sizilien zu König Kokalos, dessen Töchter den verfolgenden Minos in einem warmen Bad erstickten (s. Meyers Minos). In Sizilien zeigte man an verschiedenen Orten angebliche Bauwerke von ihm, ebenso in Sardinien und Italien, wo man ihm in Cumä den Apollotempel zuschrieb. In Griechenland führte man eine Reihe uralter Holzbilder auf ihn zurück. Er sollte zuerst menschliche Gestalten mit geöffneten Augen, ausschreitenden Füßen und beweglichen Armen dargestellt haben. Die Kunst behandelte von der Dädalossage besonders das Zimmern der Kuh der Pasiphaë, das Anfertigen der Flügel (s. Abbildung) und den Sturz des Ikaros (häufig in pompejanischen Wandbildern).

 

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