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Dachdeckung bis Dachhaufen (Bd. 4, Sp. 406 bis 407)
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Artikelverweis Dachdeckung (hierzu Tafel Meyers »Dachdeckung«), der auf dem Dachstuhl (s. d.) ruhende, zum Schutz des Gebäudes bestimmte Teil des Daches. Sie besteht aus dem Deckmaterial und einer zu dessen Unterstützung und Befestigung dienenden Unterlage. Die harte Deckung wird mit Schiefer oder andern natürlichen Steinen, mit Ziegeln oder andern künstlichen Steinen, auch mit Glas oder Metall, insbes. mit Zink, verzinktem Eisenblech, Kupfer oder Blei, die weiche Deckung mit Holz, Stroh, Rohr, Pappe, Asphalt oder Holzzement bewirkt. Das Ziegeldach erhält eine Neigung von mindestens 33°; besser macht man es steiler. Nach der Form der Dachziegel sind Flachziegel-, Hohlziegel- und Falzziegeldächer zu unterscheiden. Die Flachziegel- (oder Biberschwanz-) Dächer sind je nach der Art ihrer Eindeckung: Spließdächer, mit 20 cm Lattungsweite, bei denen jede Latte eine einfache Dachsteinreihe trägt und unter die Stoßfugen der Ziegel, die sich nicht überdecken, Spließe gelegt werden (Fig. 1); Doppeldächer (Lattungsweite 14 cm, die Dachsteine überdecken sich um etwa zwei Drittel ihrer Länge und bedürfen keiner Spließe, Fig. 2); Kronen oder Ritterdächer (25 cm Lattungsweite, jede Latte trägt eine doppelte Ziegelreihe, Spließe sind auch nicht erforderlich, Fig. 3). In Fig. 4 u. 5 ist die Bildung des Firstes und einer Metallkehle beim Biberschwanzdach dargestellt. Zu den Hohlziegeldächern gehören: das eigentliche Hohlziegeldach (Priependach), dessen Steine Mönche und Nonnen heißen und sich nach Fig. 6 überdecken; das Pfannendach (Fig. 7); das Krempziegeldach (Fig. 8). Von Falzziegeldächern gibt es die verschiedensten Sorten, bei denen allen die Falzziegel mit Falzen und Leisten an den Rändern genau ineinander passen, so daß sich ohne Mörtelverstrich einigermaßen dichte Dächer ergeben (Fig. 9). Ziegeldächer sind im allgemeinen billig, dauerhaft, feuersicher; ihre Schwere erfordert aber starke Dachstühle. Bei Schieferdächern schwankt die Neigung je nach der Art der Deckung. Es gibt zwei Deckarten. Die englische, für Dächer mit Neigung von 27° an, benutzt auf Schalung oder Lattung durchschnittlich 50: 25 cm große Schieferplatten in der Regel nach Art des Ziegeldoppeldaches (Fig. 10) oder auch in schräger Richtung (Fig. 11) oder sogen. Schablonenschiefer (Fig. 12). Die deutsche Deckung, für steilere Dächer von 15° an, wird auf Schalung mit kleinern Schieferstücken nach Fig. 13 bewirkt. Die Schiefer werden genagelt; bei Eisenpfetten eiserner Dachstühle werden die Nägel durch Umbiegen befestigt (Fig. 14). Die Schieferdächer sind vergleichsweise leicht und dicht, haben ein gefälliges Äußere; ihre Steine klappern aber leicht bei Sturm und springen bei starker Hitze eines Brandes. Die Metalldächer erhalten Neigungen von 512° und erfordern, wenn sie mit glatten Metallblechen gedeckt werden, eine Verschalung, während sie bei Anwendung von gewellten oder gerippten Metallblechen auch allein durch Latten oder Pfetten unterstützt werden können. Das minderwertigste, zurzeit aber wohl verbreitetste Metalldach ist das Zinkdach aus glattem oder Wellblech. Die Eindeckung mit Zinkblech erfolgt in verschiedener Weise. Beim Falzdach werden die rechtwinkeligen Bleche mittels Falze verbunden. Beim Leistendach werden sie in der Fallrichtung an den Seiten aufgekantet und über zwischengelegten Holzleisten durch Blechstreifen (Kappen), die durch Zink- oder Eisenhafter gehalten werden, verbunden (Fig. 15). Bei der Rautendeckung für steilere Dächer, Mansarden etc. werden quadratische Bleche an allen vier Seiten durch einfache wulstförmige Falze verbunden. Die Zinkwellbleche erfordern bei einer Überdeckung von etwa 10 cm eine Unterstützung nur in der Mitte und an den Enden durch hölzerne oder eiserne Latten, an denen sie mit Zinkhaften befestigt werden. Statt der Zinkbleche kommen auch verzinkte Eisenbleche zur Verwendung, die kleinere oder größere Platken bilden und an den Seitenkanten mit sich überdeckenden Wulften versehen werden. Ebenso treten an Stelle der Zinkwellbleche in neuerer Zeit der noch größern Tragfähigkeit wegen verzinkte Eisenwellbleche, die auf hölzerne oder eiserne Pfetten gelegt und mit denselben vernietet oder verschraubt werden. Hierher gehört die in Fig. 16a-d dargestellte D. mit dem sogen. Blechschiefer. Über bombierte Dächer s. Meyers Dach, S. 405. Die Kupfer- und Bleidächer werden ganz ähnlich hergestellt wie die Zinkdächer. Sie sind, namentlich das Kupferdach, viel haltbarer und schöner, aber auch teurer als jene. Zur Erhellung des Dachraumes werden, wenn nicht besondere Dachfenster angeordnet werden, Glasziegel verwendet, die den gebrannten Ziegeln ähnlich geformt sind und in gewöhnlicher Weise zwischen letztere eingedeckt werden. Größere Lichtflächen in Dächern werden als Oberlichte (s. d.) hergestellt.
   Die zur weichen Deckung gehörigen Holzdächer bestehen entweder aus Schindeln von Tannen-, Fichten- oder Eichenholz, die auf Lattung, oder aus gespundeten oder verleisteten Brettern, die auf die Dachpfetten genagelt werden. Die Stroh- und Rohrdächer erhalten eine Neigung von über 50° und werden aus Bündeln (Schauben) von Stroh, bez. Rohr hergestellt, die man in doppelten Lagen von 30 bis 40 cm Dicke mittels Strohbänder auf Dachlatten befestigt (Fig. 17). Die schönen und namentlich für landwirtschaftliche Zwecke praktischen Strohdächer sind jetzt leider vielfach ihrer Feuergefährlichkeit wegen polizeilich verboten. Die Strohlehm- oder Streichschindeln sind aus Querstöcken, Stroh und Lehm bereitete Tafeln von 710 cm Dicke, die im Verband mittels Bindeweiden auf Latten befestigt (Fig. 18) und in den Fugen mit Lehm verstrichen werden. Die Deckung mit Dach- oder Steinpappe oder Dachfilz erfordert eine Dachneigung von 1015° und bedarf einer Schalung, worauf die Pappe in Rollen mit Überdeckung ausgezogen und an den Fugen mit

[Bd. 4, Sp. 407]


Teer und Steinkohlenpech gedichtet wird. Nach der Deckung bestreicht man das Dach mit einer Mischung aus Teer und gelöschtem Kalkpulver und bestreut die ganze Fläche mit scharfem, gesiebtem Flußsand oder mit Steinkohlenasche, was alle 2 Jahre wiederholt werden muß. Zu den Estrichdächern, welche die aus einzelnen Stücken zusammengesetzte D. durch eine über die ganze Dachfläche ausgebreitete Masse ersetzen, gehören: die Asphaltbedachung, das nach seinem Erfinder genannte Dornsche Dach (Fig. 19), die Lehm-, Holzkohlen- und Steinkohlenaschen-Mastixdächer und das in neuerer Zeit sich verbreitende Holzzementdach. Über dieses s. Meyers Holzzement.
 
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Dachel, s. Meyers Luppe.
 
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Dachel (el Wâh ed Dâchile, »die innere Oase«), zur ägypt. Provinz (Mudirieh) Siut gehörige Oase der Libyschen Wüste, unter 25°41' nördl. Br. und 29°29°35' östl. L., drei Tagereisen westlich von Chargeh, hat zahlreiche Quellen und Brunnen (in den letzten 30 Jahren wurden über 50 angelegt), darunter mehrere stark eisen- und schwefelhaltige warme (bis 36°), und 15 Ortschaften mit (1897) 17,090 Einw., ausschließlich Fellahs (s. Tafel Meyers »Afrikanische Völker I«, Fig. 5). Die Sommerhitze ist sehr groß, während der Regenzeit wechselt die Temperatur, und im Mai und Juni weht aus SW. der heftige Chamsin. D. ist sehr reich an Dattel- und Ölbäumen, erzeugt Weizen, Gerste, Reis, Durra (doch nicht genügend für den Bedarf), Aprikosen- und andre Fruchtbäume und viele Nutzpflanzen, die ein Kulturland von 5001000 qkm bedecken. Esel, Schafe und Ziegen sind reichlich vorhanden, seltener Pferde und Rinder ägyptischer Rasse. Sitz des Gouverneurs ist Kalamum mit 1704 Einw., größter Ort ist El Kasr (Medinet el Kasr el D.), an der Hauptquelle, 110 m ü. M., mit 4 Moscheen, einem Kloster der Senussi, 3040 heißen Quellen (36°) und 2288 (mit der Umgebung 3758) Einw. Dabei ein altägyptischer Tempel, Der el Hegar (»Kloster der Steine«). Raschida, mit großem Palmenhain, hat 1191 Einw.
 
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D'Achery (spr. dasch'ri, Dacherius), Jean Luc, gelehrter Mauriner, geb. 1609 zu St.-Quentin in der Picardie, gest. 29. April 1685 als Bibliothekar der Maurinerabtei St.-Germain-des-Prés, verfaßte das große Sammelwerk mittelalterlicher Schriften »Spicilegium veterum aliquot scriptorum« (Par. 16551677, 13 Bde.; 2. Aufl. von de la Barre, 1724, 3 Bde.).
 
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Dachfenster (Kappfenster, Dachluken), Fenster, die, in einfacher oder reicherer Weise verzimmert, zur Beleuchtung und Lüftung von Dachstuben oder Dachböden an den Dachflächen angebracht werden. D. mit kreisrunder oder ovaler Vorderfläche nennt man Ochsenaugen (œils de bœuf). Sie gehören dem Barockstil an und werden meist aus Metallblechen auf hölzernem Gerippe hergestellt. Dem Ziegeldach eigentümlich, weil ohne Unzuträglichkeiten mit Ziegeln einzudecken, sind pultdachförmig abgedeckte D. und die sogen. Fledermäuse (s. Abbildung). Für Bodenräume genügen oft Glasziegel (s. Meyers Dachdeckung) oder in den Dachflächen angebrachte (liegende) kleine Oberlichtfenster, sogen. Dachklappen, von Gußeisen, Zinkblech oder verzinktem Eisenblech. Kleine, halbkreisförmige, aus gebrannten Tonzellen od. Metall gebildete, in die Dachflächen eingesetzte Fensterchen heißen Kappfenster oder Dachluken.
 
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Dachfilz, ein der Dachpappe ähnliches Material zur Eindeckung flacher Dächer, das in Rollen von etwa 23 m Länge und 0,8 m Breite in den Handel kommt und in der Regel in wagerechten, sich etwas überdeckenden Bahnen eingedeckt wird. Vgl. Dachdeckung.
 
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Dachfläche, geologisch, s. Meyers Schichtung.
 
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Dachgesims, s. Meyers Gesims.
 
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Dachgosse, s. Meyers Dachrinne.
 
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Dachhaube, kleines Dach zentraler Bildung über quadratischem, kreisförmigem, polygonalem oder dergleichem Grundriß: Zeltdächer, Kegeldächer, Zwiebelkuppeln, welsche Hauben (s. Meyers Dach, S. 404).
 
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Dachhaufen, s. Meyers Ernte.

 

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