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Dabu bis Dachau (Bd. 4, Sp. 403 bis 405)
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Artikelverweis Dabu, Handelsposten an der franz. Zahnküste (Westafrika) und der gleichnamigen Bai, hoch gelegen und mit reichbewaldetem, dicht bevölkertem Hinterlande, das viel Palmöl liefert.
 
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Da capo (ital., abgekürzt d. c. oder D. C., »von Anfang«) deutet in der Notenschrift an, daß ein Tonstück nochmals von Anfang an gespielt werden soll. Auch ist D. c. ein beifälliger Zuruf an Sänger u. dgl., das eben vorgetragene Stück zu wiederholen.
 
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Dacca (Dhaka), Division der britisch-ind. Provinz Bengalen, am Bengalischen Golf, 38,965 qkm mit (1901) 10,807,825 Einw. (darunter zwei Drittel Mohammedaner), eine im nördlichen Teil gewellte Ebene mit dichtem Dschangelwald, der zahlreiche Raubtiere beherbergt, von zahlreichen Flußläufen durchzogen, im SW. vom Brahmaputra und Ganges, im O. von der Megna begrenzt. Zur Regenzeit überflutet, so daß Dörfer und Städte auf künstlichen Erhöhungen inselartig herausragen, bringt der Boden reiche Ernten von Reis (D. ist die Kornkammer Bengalens), Jute und Baumwolle. Eingeteilt wird der Regierungsbezirk in die Distrikte D., Faridpur, Bakargandsch und Maimensingh. Die gleichnamige Hauptstadt, zugleich des Distrikts D. (7241 qkm mit [1891] 2,420,656 Einw.), an der Buriganga, die den Brahmaputra mit dem Ganges verbindet, und an der Eisenbahn Naraingandsch-Maimensingh, war als Sitz der mohammedanischen Herrscher von Bengalen (seit 1610) eine der volkreichsten Städte Indiens, zählte 1800 noch 200,000 Seelen, sank dann nach Vernichtung der berühmten Musselinindustrie schnell, hatte aber 1901 wieder 90,679 Einw. (darunter fast die Hälfte Mohammedaner). Ein großer Teil der ehemals weit ausgedehnten Stadt ist verfallen und von Dschangeldickicht überwachsen; imposante Ruinen sind noch immer der Palast Lalbagh und die schöne Katra-Moschee.
 
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D'accord (franz., spr. dăkōr), übereinstimmend.
 
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Dach (in der Geologie), s. Meyers Hangendes; im Bergbau s. Meyers Firste.
 
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Dach, derjenige Teil eines Gebäudes, welcher dessen Inneres gegen Regen, Schnee und Sonne schützen soll. Zu diesem Zweck, namentlich zur Ableitung des Schnee- und Regenwassers, muß die Dachfläche mehr oder minder geneigt sein. Neigungsgrad und Form des Daches sind abhängig von den klimatischen Einflüssen,

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der Art der Deckung, dem ökonomischen Wert und den ästhetischen Anforderungen. In der Regel hat das D. zwei Hauptbestandteile: ein inneres konstruktives Gerüst, den Dachstuhl (s. d.), und die das D. im engern Sinn bildende, der Hauptsache nach aus der Dachdeckung (s. d.) bestehende Dachhaut nebst Zubehör. In Bezug auf seine äußere Gestaltung besteht ein D. aus Dachfläche, First, d. h. dem obern wagerechten Zusammenschnitte der Dachflächen, Traufe, d. h. dem untern, wagerechten Rande der Dachfläche, längs dessen in der Regel die Dachrinne liegt, Grat, d. h. dem aufsteigenden Zusammenschnitt zweier Dachflächen an einer Ecke, und Kehle, d. h. dem aufsteigenden Zusammenschnitt in einem Winkel. Firstkämme, Dachspitzen, Windfahnen, Gaupen, Dacherker, Dachreiter, Schornsteine und dergleichen Beiwerk treten je nach Art, Stil und Reichtum des Daches hinzu. Die Feststellung des Daches über dem Gebäudegrundriß, also die Anordnung der Lage der eben aufgeführten Dachbestandteile oder die Darstellung des Daches in seinen einzelnen Projektionen, heißt die Dachausmittelung. Nach dem Neigungsgrad unterscheidet man: das Winkeldach, bei dem die Höhe c g (Fig. 1) gleich der halben Tiefe (a c), der Firstwinkel a gb also ein rechter ist; das Drittel-, Viertel-, ... Zwölftel- etc. D., jenachdem die Höhe gleich dem dritten, vierten, ... zwölften etc. Teile der Tiefe ist (a f b, a e b, ... a db etc.). Wird die Höhe gleich der Tiefe oder größer als sie, so nennt man das D. wohl auch ein steiles, altdeutsches oder gotisches, ebenso wie man Drittel- und flachere Dächer als griechische, italienische oder allgemein als flache Dächer bezeichnet. Ganz flache, begehbare Dächer heißen Altandächer oder Plattformen. Nach dem Material der Dachdeckung unterscheidet man Steindächer (Ziegel-, Schieferdächer etc.), Metalldächer (Eisen-, Kupfer-, Blei-, Zinkdächer etc.), Papp-, Schindel-, Stroh-, Glas-, Holzzementdächer etc. (vgl. Dachdeckung). Nach der Form des Daches unterscheidet man folgende Arten: Das Sattel- od. Giebeldach (Fig. 2) hat zwei Dachflächen, einen First und zwei Traufen. Die offen bleibenden Seiten werden durch senkrechte, zu den Fronten gehörige Giebeldreiecke geschlossen. Durchdringen sich zwei Satteldächer unter einem rechten Winkel, so entsteht das Kreuzdach (Fig. 7). Ein halbes Satteldach, d. h. ein D. mit nur einer Dachfläche, einem First und einer Traufe, nennt man ein Pultdach (Fig. 5), ein D. mit vier Dachflächen, vier in gleicher Höhe liegenden Traufen und nur einem First ein Walmdach (Fig. 3). Die dreieckigen Dachflächen sind die Walme. Liegen die Traufen der Walme höher als die der beiden andern Dachflächen, so entsteht das Krüppelwalmdach (Fig. 4). Ein aus vier und mehr gleichen Walmen gebildetes D. heißt ein Zeltdach (Fig. 6). Auf Türmen gestaltet sich dasselbe zur aufstrebenden schlanken Pyramide (Turmhelm). Das Kegeldach (Fig. 10) ist als Zelt- oder Pyramidendach über einem Polygon von unendlich viel Seiten, d. h. über einem kreisförmigen Grundriß, aufzufassen; seine Dachfläche ist also ein Kegelmantel.

Das gebrochene oder Mansardendach (Fig. 8), so genannt nach seinem Erfinder François Mansard, besteht aus einem steilen untern und einem flachen obern Walmdachteil, kam zuerst in Paris in Aufnahme, wo man durch seine Anwendung eine die Gebäudehöhe beschränkende Verordnung umging, indem man ein oberstes Geschoß im D. gewann, und fand später auch in andern Ländern ziemlich allgemeine Verbreitung. Eine dem Mansardendach ähnliche Dachform entsteht dadurch, daß zwischen den beiden Walmdachteilen noch ein senkrechtes Stück eingeschoben wird, das dann meist zur Anbringung von Lüftungsjalousien ausgenutzt wird. Die gleiche Anordnung bei Satteldächern ergibt das sogen. Basilikadach. Dächer mit gekrümmten Flächen sind: das Tonnendach über rechteckiger, das Kuppeldach über kreisförmiger oder regelmäßig vieleckiger Grundfläche, die Zwiebelkuppel (Fig. 9) und die welsche Haube (Fig. 11); letztere beiden bestehen aus em- und ausgeschweiften, in einer Spitze zusammenlaufenden Dachflächen.

Legt man mehrere Dächer gleicher Art der Länge nach nebeneinander (z. B. bei Hallenkirchen), so entstehen Paralleldächer. Haben diese Pultdachform, so nennt man sie Säge- oder Sheddächer (Fig. 12), bei ihnen bilden die Stütz- oder Rückwände a, die häufig auch um 6070° geneigt werden, Lichtflächen. Man wendet sie gern bei ausgedehnten Arbeits- und Fabrikräumen an, auch bei Markthallen, Ausstellungsbauten und ähnlichen Anlagen, bei denen es darauf

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ankommt, eine weite bebaute Fläche gleichmäßig und gut zu beleuchten. Nebendächer, deren Firstrichtung senkrecht zu der des Hauptdaches steht, wie z. B. bei Kreuzkirchen, nennt man Querdächer. Von Dächern, bei denen Dachstuhl und Deckung eins sind, sind Steinplattendächer, Gewölbedächer, Holzzementdächer, massive Turmhelme und sogen. bombierte, d. h. aus gebogenem Eisenwellblech (Trägerwellblech) hergestellte, bei entsprechender Verankerung bis zu 50 m Spannweite freitragende Dächer zu nennen. Überhängende Dächer entstehen, wenn die Sparren oder ihre Aufschieblinge (s. Meyers Dachstuhl) frei über die Front vorgeschoben werden.
   Geschichtliches. Ursprünglich bestanden die menschlichen Wohnungen, wie noch heute bei manchen Naturvölkern, lediglich aus einem D., das unmittelbar auf dem Boden stand und aus Erde, Flechtwerk u. dgl., in kalten Gegenden auch aus Schnee hergestellt war (der Wohnraum war dabei häufig in die Erde vertieft; vgl. Bauernhaus). Als sich dann die Hütten in Bauwerke verwandelten, die von Wänden, später Mauern umschlossen waren, entstand das auf ihnen ruhende eigentliche D. Dieses nahm, je nach Klima, nach den vorhandenen Baustoffen etc. verschiedene Formen an. Die Dächer der südlichen Kulturvölker waren und blieben flach und wurden verhältnismäßig bald aus Steinplatten mit Steinauskragungen oder aus Gewölben gebildet, man pflasterte sie ab oder bedeckte sie mit einer Erdschicht, um sie zum Aufenthalt im Freien zu benutzen und den Innenraum kühl zu halten. Dann bildete sich das mit einem Dachstuhl und einer Deckung versehene D. heraus, wie wir es z. B. bei den alten Griechen finden. Die griechischen Wohnhäuser hatten vielfach flach geneigte, dabei stark vor die Mauerfläche vorspringende, »überhängende« Dächer, was wegen Verfinsterung der engen Straßen von Aristides, Themistokles und dem Areopag eingeschränkt wurde. Reiche Leute, Große und Fürsten bildeten ihre flachen Dächer zu stattlichen, mit Pergolen (s. Pergola) besetzten, mit Zeltdächern überspannten und mit Statuen etc. geschmückten Altanen aus. Auch Gärten, Fischbehälter, Bäder etc. wurden dort oben angelegt. Die »hängenden Gärten« der Semiramis sind wohl derartige Anlagen gewesen. Die griechischen Tempel hatten in der Regel Satteldächer mit hölzernem Dachstuhl und einer Krempziegeldeckung. An den Stirnseiten bildeten sich die Giebel mit ihren skulpturengeschmückten Frontispizen (s. d.), die Hauptzierde der Tempel. Das D. der römischen Wohnhäuser und Tempel ist dem der Griechen ganz ähnlich, in späterer Zeit verwischte sich hier auch der Unterschied zwischen dem Tempeldach und dem D. des Profanbaues. Bei den nordischen Völkern herrschte von Anfang an das steile D. vor. Es bestand ursprünglich aus Stangen und Flechtwerk von Baumzweigen, wozu dann Deckung mit Binsen, Schilfrohr, Stroh etc. trat. Früh bildeten sich Holzdachstühle aus, die zunächst mit ähnlichem Material, dann mit Schindeln, Ziegeln etc. eingedeckt wurden und im Mittelalter Meisterwerke einer hochentwickelten Zimmermannskunst darstellten. In der Neuzeit spielen zur Überdeckung großer Räume die Eisendächer eine bedeutende Rolle.
 
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Dach, Simon, deutscher Liederdichter, geb. 29. Juli 1605 in Memel, gest. 15. April 1659 in Königsberg, besuchte die Schulen zu Memel, Königsberg, Wittenberg und Magdeburg, studierte in Königsberg Theologie und Philologie, wurde daselbst 1633 an der Domschule angestellt und 1639 zum Professor der Dichtkunst an der Universität ernannt; doch hatte der kränkliche Mann zeitlebens mit Not und Entbehrung zu kämpfen. Kurz vor seinem Tode (1658) ward ihm von dem Großen Kurfürsten, den D. liebend bewunderte und in Gedichten feierte, ein kleines Landgut geschenkt. Sein enges Dasein wurde durch innige Freundschaft mit den Königsberger Dichtern, Musikern und Kunstfreunden (H. Albert, R. Roberthin, M. Adersbach u. a.) erhöht. Innige Religiosität, Liebe, Freundschaft, Freude an der Natur und an ästhetisch geschmückter Geselligkeit kamen in Dachs stimmungsvollen und formvollendeten Versen, die nur oberflächlich von dem prunkvollen Stil der Zeit beeinflußt sind, zum Ausdruck. Sein bekanntes »Anke von Tharau« (ein niederdeutsches Gedicht, zur Hochzeit seines Freundes, des Pfarrers Portatius, mit Anna Neander in des Bräutigams Namen verfaßt) ward zum Volkslied; das »Lob der Freundschaft« klingt wie aus einem bessern Jahrhundert, und seine geistlichen Lieder: »Sei getrost, o meine Seele«, »Ich bin ja, Herr, in deiner Macht« u. a., stehen in jener Zeit nur den Gerhardtschen nach. Aber bei D. überwiegen die düstern Schicksalsgefühle; kräftige Willensgefühle wie bei seinem Zeitgenossen Fleming kommen in seiner gedrückten Seele nicht zu freier Entfaltung. Seine Gedichte wurden mit wertvoller Einleitung herausgegeben von Osterley (Stuttg., Literar. Verein, 1877; Auswahl, Leipz. 1876, und in Kürschners »Deutscher Nationalliteratur«, Bd. 30). Vgl. Gebauer, Simon D. und seine Freunde als Kirchenliederdichter (Tübing. 1828); E. Friedrich, Simon D. (Dresd. 1862); Salkowski, Simon D. (Memel 1873); Stiehler, Simon D. (Königsb. 1896).
 
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Dacha, s. Meyers Haschisch.
 
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Dachá, in Sibirien ein aus Ziegen-, Renntier-, Hundefellen u. a. gemachter Pelz, dessen Haare nach auswärts stehen; wird als Reisepelz über den gewöhnlichen Pelz gezogen.
 
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Dachalieh, s. Dakalieh.
 
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Dachau, Flecken und Bezirksamtshauptort im bayr. Regbez. Oberbayern, auf einer Anhöhe an der Amper und an der Staatsbahnlinie München-Ingolstadt-Hof, 505 m ü. M., hat 2 kath. Kirchen, ein hochgelegenes Schloß, ein Denkmal des Kurfürsten Karl Theodor, Waisenhaus, Rettungsanstalt, Amtsgericht, Papier- und Malzfabrikation, Bierbrauerei, Getreide- und Holzhandel und (1900) 5055 fast nur kath. Einwohner. Das Dachauer Moos, die hier am rechten Amperufer liegende sumpfige Ebene, ist größtenteils in Wiesen umgewandelt. D. war im Mittelalter der Stammsitz eigner Grafen aus dem Hause Scheyern, die 1182 ausstarben, worauf es durch Kauf an das Haus Wittelsbach kam. Im Dreißigjährigen Krieg eroberten es die Schweden 1633 und später (1648) die Kaiserlichen nach einem nicht unbedeutenden Gefecht (6. Okt.) daselbst.

 

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