Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Czerkow bis Czernowitz (Bd. 4, Sp. 399 bis 400)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Czerkow, Berg im Böhmerwald (s. d., S. 159).
 
Artikelverweis 
Czermak (spr. tscher-), 1) Johann Nepomuk, Mediziner, geb. 17. Juni 1828 in Prag, gest. 17. Sept. 1873 in Leipzig, studierte in Prag, Wien, Breslau und Würzburg, habilitierte sich in Prag für Physiologie und mikroskopische Anatomie, wurde 1855 Professor der Physiologie in Graz, 1856 in Krakau und 1858 in Pest, bis er 1866 sein Lehramt niederlegte und nach seiner Vaterstadt zurückkehrte, wo er ein physiologisches Privatlaboratorium errichtete. 1865 wurde er Professor der Physiologie in Jena, von wo er 1869 nach Leipzig übersiedelte. C. erbaute hier auf eigne Kosten ein physiologisches Laboratorium mit Hörsaal. Sein Hauptverdienst besteht in der Einführung und Anwendung des Kehlkopfspiegels zu diagnostischen, physiologischen und therapeutischen Zwecken. Auch arbeitete er über die Physiologie des Gesichtssinnes, über den Raumsinn der Haut und schrieb: »Der Kehlkopfspiegel und seine Verwertung für Physiologie und Medizin« (Leipz. 1860, 2. Aufl. 1863; vielfach übersetzt); »Populäre physiologische Vorträge« (Wien 1869). Seine

[Bd. 4, Sp. 400]


»Gesammelten Schriften« (Leipz. 1879, 2 Bde.) enthalten eine von A. Springer verfaßte biographische Skizze.
   2) Jaroslaw, böhm. Maler, Bruder des vorigen, geb. 1. Aug. 1831 in Prag, gest. 23. April 1878 in Paris, studierte auf den Akademien in Prag und Antwerpen und dann in Brüssel unter Gallait, der entscheidenden Einfluß auf ihn gewann. Seine ersten Werke behandelten zumeist Motive aus der böhmischen Geschichte, namentlich der Hussitenzeit, dann aber wandte er sich dem Genre zu. Sein Hofpoet Rudolfs II., auf der Brücke von Prag bettelnd (1854), begründete seinen Ruf. Eine Reise, die er 1858 durch Mähren, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Dalmatien und Montenegro unternahm, erschloß ihm ein neues Gebiet. Danach entstanden eine Montenegrinerin mit ihrem schlafenden Kind (1861); eine Istrianerin, ein nacktes Kind liebkosend; eine Montenegrinerin, mit dem Gewehr ihren verwundeten Mann bewachend; der Raub einer Herzegowinerin durch Türken (1867); der Transport eines verwundeten montenegrinischen Führers und die Rückkehr der Montenegriner in ihr verwüstetes Dorf (1877), in dem die Verzweiflung der Heimgekehrten über die Greuel der Türken in ergreifender Weise geschildert ist.
 
Artikelverweis 
Czerna Gora (Czernahora, spr. tscher-), Berggipfel im nordöstlichen Teil des Karpathischen Waldgebirges, an der Quelle des Pruth (2026 m).
 
Artikelverweis 
Czernagorischen Unabhängigkeit, Orden der, s. Meyers Danilo-Orden.
 
Artikelverweis 
Czernebog, s. Meyers Tschernebog und Meyers Slawische Mythologie.
 
Artikelverweis 
Czerniejewo, s. Meyers Schwarzenau.
 
Artikelverweis 
Czerni Kamen (spr. tschér-), Berg, s. Meyers Fátra.
 
Artikelverweis 
Czerninsche Gemäldegalerie (spr. tsch-), im Palais des Grafen Czernin zu Wien, enthält etwa 300 Gemälde meist niederländischer Meister (Rubens, van Dyck, Ruisdael, Potter, Rembrandt, van Huysum und van der Meer).
 
Artikelverweis 
Czerni-Vrh (spr. tschér-), Berg, s. Meyers Kroatien-Slawonien.
 
Artikelverweis 
Czernoseker (spr. tschér-), s. Meyers Böhmische Weine.
 
Artikelverweis 
Czernowitz (spr. tschér-, rumän. Cernăuz), Hauptstadt des österreich. Herzogtums Bukowina, 248 m ü. M., auf einer Anhöhe am rechten Ufer des Pruth, über den eine 232 m lange Gitterbrücke und eine Eisenbahnbrücke führen, unweit der rumänischen und russischen Grenze, an der Staatsbahnlinie Lemberg-C.-Itzkany und der Lokalbahn C.-Nowosielitza gelegen. Bemerkenswert sind: der Austriaplatz mit dem Austriadenkmal (1875), der Volksgarten, die neue griechisch-orientalische Domkirche (1864), die armenisch-kath. Kirche (1875), die Synagoge, das Regierungsgebäude und die erzbischöfliche Residenz. C. hat elektrische Straßenbahn und zählt mit seinen fünf Vorstädten (1900) einschließlich der Garnison (2965 Mann) 67,622 Einw. (34,411 Deutsche, 13,030 Ruthenen, 9400 Rumänen und 8601 Polen; darunter 21,587 Israeliten). Die Industrie ist durch Bierbrauereien, Dampfmühlen, eine Dampfsäge, Ölfabrik, Maschinenfabrik etc. vertreten; der Handel in Holz, Vieh etc. ist lebhaft. An Bildungsinstituten besitzt C. die 1875 errichtete deutsche Franz Josephs-Universität mit griechisch-orientalisch theologischer, rechts- und staatswissenschaftlicher und philosophischer Fakultät, Bibliothek (50,000 Bände), botanischem Garten, chemischem Laboratorium nebst naturhistorischen Museen und 1900: 42 Lehrern und 392 Studierenden. Außerdem sind vorhanden: ein Ober- und ein Untergymnasium, eine Oberrealschule, eine Staatsgewerbeschule, eine Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt u. eine landwirtschaftliche Lehranstalt, ein Landesmuseum und ein Theater. C. ist Stadt mit eignem Statut und Sitz des Landtags sowie der Landesregierung der Bukowina, einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung von C.), eines Landesgerichts, einer Finanzdirektion, eines Brigadekommandos, einer Postdirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, eines griechisch-orientalischen Erzbistums und hat eine Bodenkreditanstalt, Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, Sparkasse, Strafhaus, eine Kranken-, Irren- und Gebäranstalt. C. war vor einem Jahrhundert noch ein unbedeutendes Dorf; 1816 zählte es erst 5416 Einw.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: