Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Czako bis Czech (Bd. 4, Sp. 397 bis 399)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Czako (fälschlich für ungar. csákó), s. Meyers Tschako.
 
Artikelverweis 
Czako (spr. zakō), Siegmund, ungar. Dramendichter, geb. 20. Juni 1820 zu Dézs in Siebenbürgen aus vornehmer Familie, gest. 14. Dez. 1847, wurde, einem früh erwachenden, unwiderstehlichen Drange folgend, wandernder Schauspieler und schrieb eine Reihe von Dramen (»Maler und Vampir«, »Kaufmann und Seemann«, »Das Testament«, »Leona« u. a.), in denen sich eine große dramatische Kraft, aber auch krankhafte Leidenschaftlichkeit kundgeben. Durch seine mißlichen äußern Verhältnisse tief verbittert, machte er seinem Leben, erst 27 Jahre alt, freiwillig ein Ende. Seine »Gesammelten Werke« gab I. Ferenczy heraus (Pest 1883ff., 2 Bde.).
 
Artikelverweis 
Czapka, s. Meyers Tschapka.
 
Artikelverweis 
Czar (spr. zār), s. Meyers Zar.
 
Artikelverweis 
Czarne (spr. tscharne), Stadt, s. Meyers Hammerstein.
 
Artikelverweis 
Czarniecki (spr. tscharnjétzki), Stephan, poln. Feldherr, geb. 1599, gest. 1665, zeichnete sich gegen die Ukrainischen Kosaken und gegen die Tataren aus. Im Kosakenaufstand 1648 von Chmelnizkij (s. d.) gefangen und zwei Jahre in Hast gehalten, rächte er sich später durch den Sieg bei Beresteczko. Als Kastellan von Kiew besetzte er 1655 bei dem Einfall der Schweden in Polen Krakau und erzwang sich nach zweimonatiger Verteidigung eine ehrenvolle Kapitulation. 1656 zum Oberbefehlshaber der kleinen polnischen Armee ernannt, drang er unter siegreichen Kämpfen in Großpolen ein und führte Kasimir in seine Hauptstadt zurück. Statt jedoch nach Czarnieckis System den kleinen Krieg fortzusetzen, ließ sich der König zu der Schlacht bei Warschau (28.30. Juli) verleiten, infolge deren er flüchten mußte. C. führte ihn jedoch unter großen Gefahren nach Warschau zurück. Nachdem er den Fürsten von Siebenbürgen 1657 zum Frieden gezwungen, rückte er zur Unterstützung der von dem schwedischen König Karl X. Gustav angegriffenen Dänen in Pommern ein und drang bis Stettin vor, wandte sich dann gegen die inzwischen in Polen eingefallenen Russen und trug viel zu dem blutigen Sieg dei Polonka (27. Juni 1660) bei. In einem zweiten Kriege gegen Rußland überschritt er den Dnjepr und bemächtigte sich mehrerer Plätze. Mit dem erblichen

[Bd. 4, Sp. 398]


Besitz der Grafschaft Tykozin nebst Bialystok und dessen Umgebung belohnt, starb er im Feldlager zu Sokolowko in Wolhynien.
 
Artikelverweis 
Czarnikau (Tscharnikau), Kreisstadt im preuß. Regbez. Bromberg, an der Netze und der Staatsbahn Goray-C., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Präparandenanstalt, Amtsgericht, 2 Dampfsägemühlen, Bierbrauerei, Maschinenfabrik, Ziegelbrennerei und (1900) 6898 meist evang. Einwohner. Vgl. Klemm, Kurzgefaßte Geschichte der Stadt C. (Czarn. 1894).
 
Artikelverweis 
Czartoryski (Czartoryiski, spr. tschartorǖski), Herzöge von Klewań und Zuków, polnische, ursprünglich litauische Familie, stammt angeblich aus dem Geschlechte der Jagellonen, von Korygiello, Fürsten von Czerniechow und Siewierz, der 1390 in der Schlacht bei Wilna fiel, ab, trat bei Beginn des 17. Jahrh. von der griechischen zur römisch-katholischen Kirche über, legte sich darauf von dem Städtchen Czartoryisk in Wolhynien den Namen C. bei und ward in den deutschen Reichsfürstenstand erhoben. Eine jüngere Linie, C.-Korzec, starb 1810 in der männlichen Linie mit dem Fürsten Joseph Klemens aus. Erwähnenswert sind:
   1) Michael Friedrich, geb. 26. April 1696, gest. 13. Aug. 1775, Großkanzler von Litauen, hielt es als Führer der Reformpartei mit den Russen und trug dadurch zur ersten Teilung Polens bei.
   2) Adam Kasimir, Neffe des vorigen, Sohn des Fürsten August Alexander, geb. 1. Dez. 1734, gest. 22. März 1823 zu Sieniawa in Galizien, ward nach Augusts III. Tode als Kandidat für den polnischen Thron aufgestellt, mußte aber Stanislaus Poniatowski weichen. Er trat nach der ersten Teilung Polens wegen seiner in Galizien gelegenen Besitzungen in österreichische Dienste und erhielt das Feldmarschallamt sowie das ungarische Indigenat. An dem Reichstag von 178891 und an den Bestrebungen, dem Vaterland die Unabhängigkeit wiederzuerringen, nahm er eifrigen Anteil, suchte aber vergeblich den Kurfürsten von Sachsen zur Annahme der Krone Polens und den österreichischen Kaiser zur Vermittelung den eigennützigen Absichten Rußlands gegenüber zu bewegen. Zum Senator Palatinus ernannt, zog er sich auf seine Güter zurück. Seine Gemahlin Isabella Fortunata, geborne Gräfin von Flemming, geb. 1743 in Warschau, gest. 17. Juni 1835, berühmt durch Schönheit und Patriotismus, lebte nach dem Tode ihres Gemahls auf Pulawy, wo sie eine berühmte Sammlung polnischer Altertümer anlegte. Nach dem unglücklichen Ausgang der Revolution von 1830 zog sie sich nach Wyfock in Galizien zurück. Ihre Tochter Maria Anna, vermählt mit dem Herzog Ludwig von Württemberg, schrieb den Roman »Malvina« (Warschau 1818).
   3) Adam Georg, Fürst, ältester Sohn des vorigen, geb. 14. Jan. 1770, gest. 15. Juli 1861 auf Schloß Montfermeil bei Paris, war nach der dritken Teilung Polens in Petersburg, ein Freund des Großfürsten Alexander, der ihn nach seiner Thronbesteigung zum Kurator sämtlicher Unterrichtsanstalten in Litauen und Weißrußland ernannte. C. gehörte zu dem sogen. Triumvirat, das Alexanders persönlichen Rat bildete. Er hoffte auf die Wiederherstellung eines unabhängigen Polen unter einem russischen Großfürsten. 1805 begleitete er Alexander in den Krieg, nahm aber 1807 seine Entlassung. Wiewohl er 1812 im russischen Reichsrat zugunsten seiner unglücklichen Nation sprach und sein Vater sich offen Napoleon I. anschloß, blieb C. doch an Alexanders Seite und wurde 1815 Senator Palatinus des Königreichs. Auf dem Wiener Kongreß übte er wesentlichen Einfluß auf die Abfassung der vom Kaiser Alexander den Polen gegebenen Verfassungsurkunde aus. 1817 vermählte er sich mit der Prinzessin Anna Sapieha-Kodeńska. Mit Freimut vertrat er auf dem ersten Reichstag als Mitglied der Senatorenkammer die konstitutionelle Verfassung und suchte als Kurator von Wilna die polnische Nation zu heben, ward aber 1823 von dem mißtrauischen Großfürsten Konstantin seiner Stelle enthoben und lebte von nun an in Pulawy der Kunst und den Wissenschaften. Nach dem Ausbruch der polnischen Revolution von 1830 trat er auf Lubeckis Einladung dem von diesem gebildeten Administrationsrat in Warschau bei, ward zum Präsidenten der provisorischen Regierung ernannt und berief den Reichstag auf den 18. Dez. 1830. Am 30. Jan. 1831 mit dem Vorsitz in der Nationalregierung betraut, brachte er über die Hälfte seines Vermögens dem Vaterland zum Opfer dar, legte aber nach den Greueltaten des 15. und 16. Aug. 1831 sein Amt nieder, verließ, als sich Krukowiecki an die Spitze der Regierung gedrängt hatte, Warschau und diente als gemeiner Soldat in dem Korps des Generals Ramorino, bis dieser zu Anfang September 1831 auf österreichisches Gebiet übertrat, worauf auch C. Polen verließ. Von der Amnestie von 1831 ausgeschlossen, lebte er fortan in Paris und galt als das Haupt der aristokratischen (weißen) Partei der polnischen Emigranten, die in ihm den künftigen konstitutionellen König Polens sah und ihn 1838 förmlich dazu wählte. Seine Güter in Polen wurden unterdes konfisziert. Im April 1848 erließ er den Bauern auf seiner Herrschaft Sieniawa in Galizien die Frondienste und gab ihnen ihre Besitzungen zu eigen. Die ihm von Alexander II. 1856 angebotene Amnestie nahm er nicht an. Vgl. »Alexandre I et le prince C. Correspondance particulière et conversations 18011823« (Par. 1865) und »Mémoires du prince Adam C. et sa correspondance avec l'empereur Alexandre I«, herausgegeben von Mazade (das. 1887, 2 Bde.; engl., Lond. 1888, 2 Bde.). Sein Sohn Ladislaus C., geb. 3. Juli 1828, gest. 24. Juni 1894 in Paris, war seit des Vaters Tode der Führer der aristokratischen Partei der polnischen Emigration. Er vermählte sich 1855 mit einer (1864 verstorbenen) Tochter der Königin Christine von Spanien und 1872 mit der Prinzessin Margarete von Orléans, Tochter des Herzogs von Nemours, gest. 24. Okt. 1893. Aus dieser Ehe stammt Adam C., geb. 5. Nov. 1872, der sich 31. Aug. 1901 mit Luise Gräfin von Krafne-Krasińska vermählte.
   4) Konstantin, Bruder des vorigen, geb. 28. Okt. 1773 in Pulawy, gest. 23. April 1860 in Wien, ging mit Adam 1795 nach Petersburg und trat hier in die Garde ein. Dem Großfürsten Konstantin als Generaladjutant zugeteilt, verblieb C. bis 1799 in Petersburg, kehrte dann nach Pulawy zurück und ging 1801 nach Moskau zur Krönung des Kaisers Alexander. 1803 vermählte er sich mit Angelika Prinzessin Radziwill, trat 1809 in die polnische Armee ein und errichtete auf eigne Kosten ein Regiment. 1811 ging er nach Paris, machte unter Napoleon 1812 den russischen Feldzug mit, in dem er sich an den Kämpfen bei Smolensk und an der Moßkwa beteiligte, wurde Offizier der Ehrenlegion, verließ aber 1813 den Dienst und ging auf Reisen. 1816 auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Alexander zum kaiserlichen Generaladjutanten ernannt, zog er sich wegen anhaltender Kränklichkeit

[Bd. 4, Sp. 399]


doch schon 1818 ins Privatleben zurück. 1832 kaufte er die Villa van der Niill in Weinhaus (bei Wien), stattete sie mit einer kostbaren Gemäldesammlung, besonders aus den altitalienischen Schulen, aus und versammelte hier die Elite der Wiener Künstlerwelt.
   5) Georg, jüngster Sohn des vorigen, geb. 24. April 1828 in Dresden, widmete sich anfangs der Kritik auf dem Gebiete der schönen Künste und zwar vorzugsweise der Musik und der dramatischen Kunst. Von 185565 redigierte er mit seinem Bruder Konstantin (gest. 30. Okt. 1891) die »Rezensionen und Mitteilungen über Theater und Musik«, ein auch in Teutschland angesehenes Fachblatt. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er die ihm zufallenden bedeutenden Güter in Galizien und trug zur Hebung der Bodenkultur und zur Verbesserung der Lage der Landbevölkerung in seinem Bezirk wesentlich bei. 1861 vermählte er sich mit Maria, Tochter des Wiener Arztes Johann Czermak; aus dieser Ehe stammt Witold C., geb. 10. Febr. 1864, der sich 21. Febr. 1889 mit Hedwig Gräfin Dzieduszycka vermählte. 1867 zum Abgeordneten in den galizischen Landtag gewählt, galt Georg C. als Führer der föderalistischen Partei in Galizien und wurde 1873 auch in den Reichsrat gewählt.
 
Artikelverweis 
Czas (spr. tschaß, »Die Zeit«), die angesehenste polnische Tageszeitung, erscheint in Krakau seit November 1848, ist das Hauptorgan der polnischen konservativen Partei, der sogen. Stanczyken. Wertvoll ist der literarische Teil des Blattes, der 185660 durch eine besondere Monatsbeilage vertreten war und jetzt unter der Leitung des Universitätsdozenten Stanislaw Estreicher (verantwortlicher Redakteur Anton Beaupré) steht. ‚
 
Artikelverweis 
Czasoslow (Časoslov, spr. tscháßoßloff), das dem griech. Horologion (s. d.) entsprechende slawische Wort (von čas, Stunde, und slovo, Wort), bezeichnet das Gebet- und Formelbuch der slawischen Geistlichen, das Brevier der Slawen. Die Czasoslows der griechisch-katholischen Slawen sind aus dem Griechischen übertragen und mit cyrillischer Schrift geschrieben oder gedruckt, die der römisch-katholischen Slawen dagegen sind Übersetzungen lateinischer Originale und mit glagolitischer Schrift geschrieben oder gedruckt. Die Entstehung des ersten Czasoslows fällt wahrscheinlich bereits in die Zeit des Methodius (gest. 885, s. Meyers Cyrillus 3), doch sind von den Czasoslows vor dem 14. Jahrh. nur Bruchstücke (die ältesten etwa aus dem 12. Jahrh.) auf uns gekommen.
 
Artikelverweis 
Czech (spr. tsch-), 1) Franz Hermann, Priester des Piaristenordens, geb. 20. Sept. 1788 zu Münchengrätz in Böhmen, gest. 28. Juli 1847 in Nikolsburg, trat 1808 zu Leipnik in Mähren in den genannten Orden, wurde Lehrer am Gymnasium xzu Nikolsburg und studierte zu Kremsier Philosophie, dann Theologie. Zum Priester geweiht, wirkte er an der k. k. Theresianischen Ritterakademie zu Wien bis 1819 als Professor der Philosophie, wurde 1818 Religionslehrer am k. k. Wiener Taubstummeninstitut und bestrebte sich als solcher, die deutsche Artikulations- oder Lautmethode S. Heinickes mit der französischen des Abbé de l'Epée (Zeichensprache) zu verschmelzen und den Unterricht der Taubstummen nach Grafers (s. d.) Vorschlag in die allgemeine Volksschule einzuführen. 1839 zum Professor der Theologie an der k. k. Akademie der bildenden Künste ernannt, mußte er schon im folgenden Jahr wegen Krankheit sein Amt aufgeben, lebte eine Zeitlang in Wien und begründete dann, 1845 ins Piaristenkollegium zu Nikolsburg zurückgekehrt, hier eine Taubstummenschule. C. schrieb eine Anzahl Lehrbücher, so die ihrer Zeit verbreitete »Denk- und Sprachlehre« (Wien 1836 u. ö.).
   2) Svatopluk, Dichter, s. ech.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: