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Cyanosīn bis Cyanūrsäure (Bd. 4, Sp. 386 bis 387)
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Artikelverweis Cyanosīn, s. Meyers Fluoresceïn.
 
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Cyanōsis (griech.), s. Meyers Blausucht.
 
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Cyanōtisch, in der Medizin: bläulich verfärbt infolge der Blausucht.
 
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Cyanotypīe (Blauprozeß), photographisches Kopierverfahren, bei dem durch Lichtwirkung und chemische Reaktion ein aus Berlinerblau oder Turnbulls Blau bestehendes blaues Bild entsteht. Man benutzt lichtempfindliche Eisenoxydsalze (zitronensaures, weinsaures, oxalsaures Salz), die durch Lichtwirkung in Eisenoxydulsalze übergehen. Badet man nach der Belichtung in Ferricyankalium, so entsteht an den durch das Licht veränderten Stellen Turnbulls Blau. Dies von Herschel 1842 angegebene Verfahren ist in der Weise vereinfacht worden, daß man das Papier mit rotem Blutlaugensalz und zitronensaurem Eisenoxydammoniak tränkt. Man erhält dann direkt ein blaues Bild, das durch Waschen mit Wasser fixiert wird. Diese Methode benutzt man vielfach zum Kopieren von Zeichnungen und erhält Lichtpausen mit weißen Linien auf blauem Grunde. Tränkt man Papier mit gummihaltiger Eisenoxydsalzlösung, belichtet unter einem Positiv und behandelt mit gelbem Blutlaugensalz, so erhält man ein Positiv, also eine Zeichnung mit blauen Linien auf weißem Grunde (Pellets Gummi-Eisen-Lichtpaus-Verfahren). Vgl. Liesegang, Die modernen Lichtpausverfahren (Düsseld. 1884), Pizzighelli, Anthrakotypie und C. (Wien 1881); Eder, Die Lichtpausverfahren (Halle 1899).
 
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Cyanquecksilber, s. Quecksilbercyanid.
 
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Cyansäure NC. OH entsteht beim Erhitzen von Cyanursäure und Verdichten der Dämpfe bei sehr niedriger Temperatur. Sie bildet eine wasserhelle Flüssigkeit von höchst durchdringendem, stechendem, der Essigsäure ähnlichem Geruch, ist sehr flüchtig und verursacht, auf die Haut gebracht, unter heftigen Schmerzen augenblicklich weiße Blasen; sie reagiert stark sauer, ist nur unter 0° beständig, verwandelt sich über 0° unter explosionsartigem Auskochen in polymeres, festes, weißes, geruchloses Cyamelid, das in Wasser und Alkohol unlöslich ist und beim Erhitzen wieder C. liefert. Die wässerige Lösung der C. bildet über 0° Ammoniak und Kohlensäure. In Alkohol löst sich C. unter Bildung von Allophansäureestern. C. bildet mit Basen die Cyansäuresalze (Cyanate), die mit verdünnten Mineralsäuren Kohlensäure entwickeln, die von einem Anteil unzersetzt sich verflüchtigender C. den Geruch der letztern hat, während sich in der Flüssigkeit Ammoniak findet. Die cyansauren Salze der fixen Alkalien werden selbst in der Rotglühhitze nicht zersetzt. Die Alkalisalze sind im Wasser löslich, alle übrigen unlöslich. Cyansaures Kali (Kaliumcyanat) NC. OK entsteht beim Schmelzen von Cyankalium an der Luft oder mit Mennige, beim Schmelzen von Blutlaugensalz mit chromsaurem Kali, beim Einleiten von Cyan in Kalilauge. Es ist dem chlorsauren Kali ähnlich, löst sich leicht in Wasser, schwerer in Alkohol und zersetzt sich in wässeriger Lösung schnell in kohlensaures Kali und Ammoniak. Cyansaures Ammoniak (Ammoniumcyanat) NC. ONH4 entsteht aus Cyansäuredampf und trocknem Ammoniak als farbloses Pulver, ferner aus cyansaurem Kali und schwefelsaurem Ammoniak, auch beim Einleiten von Ammoniak in ätherische Cyansäurelösung. Es bildet farblose, in Wasser und Alkohol lösliche Kristalle. Seine Lösung gibt beim Verdampfen, ohne daß etwas hinzukommt oder hinweggeht, Harnstoff CO(NH2)2. Mit Kalilauge gibt es Kaliumisocyanat

[Bd. 4, Sp. 387]


und Ammoniak. Die Ester der C. (Cyanätholine) sind nicht bekannt. Dagegen entstehen die Ester der Isocyansäure (Alkylkarbimide, Alkylcyanate) aus den Alkalisalzen der Ätherschwefelsäuren und Kaliumcyanat, bei Oxydation der Karbylamine mit Quecksilberoxyd, aus Alkyljodiden und Silbercyanat. Sie bilden farblose Flüssigkeiten, riechen heftig erstickend, destillieren unzersetzt und verwandeln sich beim Aufbewahren in polymere Cyanursäureester; sie sind in Äther unzersetzt löslich, geben mit Wasser Kohlensäure und dialkylierte Harnstoffe, mit Alkoholen Alkylkarbaminsäureester, mit Kalilauge Karbonat und eine primäre Aminbase.
 
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Cyansilber, s. Silbercyanid.
 
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Cyansulfīd (Schwefelcyan, Thiocyansäureanhydrid) (CN)2S entsteht aus Cyanquecksilber und Iodschwefel, aus Iodcyan und Rhodansilber, bildet leichtlösliche Kristalle, die wie Iodcyan riechen, bei 30° sublimieren und bei 65° schmelzen. Pseudoschwefelcyan (Persulfocyan) (CN)3HS3 entsteht bei Oxydation von Rhodanwasserstoff mit Salpetersäure oder Chlor, ist gelb, amorph, unlöslich in Wasser und Alkohol, löst sich unzersetzt in konzentrierter Schwefelsäure und verdünnter Kalilauge und gibt beim Kochen mit Kalilauge Rhodankalium. Verwandt ist das aus Rhodankalium durch Elektrolyse oder durch Oxydation mit Kaliumchlorat und Salzsäure gewonnene Canarin, das Baumwolle in alkalischer Lösung gegen Licht und Seife sehr beständig gelb bis orange färbt.
 
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Cyanür, s. Meyers Cyanmetalle.
 
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Cyanūrchlorīd, s. Cyanchlorid.
 
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Cyanūrsäure (Tricyansäure) C3N3O3H3 entsteht beim Erhitzen von Cyanurchlorid mit Wasser, beim Erhitzen von Harnstoff, bei Einwirkung von Chlor auf Harnstoff bei 130°. Sie bildet farb- und geruchlose Kristalle mit 2 Molekülen Kristallwasser, löst sich schwer in kaltem, leicht in heißem Wasser und Alkohol, zerfällt bei 360° in 3 Moleküle Cyansäure und gibt, mit Säuren gekocht, Kohlensäure und Ammoniak. Sie ist dreibasisch und bildet vorwiegend saure Salze. Cyanursaures Kali C3O3N3K3 kristallisiert aus der Lösung von cyansaurem Kali auf Zusatz von Essigsäure und bildet glänzende, in Wasser wenig lösliche Kristalle. Die Ester der C. entstehen aus Natriumalkoholaten und Cyanchlorid, besser Cyanurchlorid, aus Silbercyanurat und Alkyljodiden. Sie bilden geruchlose, flüchtige Kristalle und geben mit Kalilauge Kohlensäure und eine primäre Aminbase. Beim Kochen verwandeln sie sich in Isocyanursäureester (Trikarbimidester). Diese entstehen neben den vorigen aus ätherschwefelsauren Salzen und cyansaurem Kali, sind kristallinisch, in Wasser, Alkohol und Äther löslich, destillieren unzersetzt und verhalten sich gegen Kalilauge wie die Cyansäureester.

 

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