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Cumberland bis Cumbrĭa (Bd. 4, Sp. 371 bis 372)
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Artikelverweis Cumberland (spr. kömberländ), 1) Wilhelm August, Herzog von, dritter Sohn Georgs H., Königs von England, geb. 26. April 1721, gest. 31. Okt. 1765, trat früh in den Militärdienst, begleitete 1743 seinen Vater als Generalmajor zu der pragmatischen Armee nach Deutschland, erhielt 1745 das Oberkommando über die alliierte Armee in den Niederlanden und verlor mit dem holländischen General Königsegg, 12. Mai 1745 die Schlacht von Fontenay gegen den Marschall von Sachsen. Bei Culloden (s. d.) schlug er dagegen den Prätendenten Karl Eduard Stuart, schändete aber diesen Sieg durch seine Grausamkeit gegen die Anhänger des Prinzen. Vom König zum Oberbefehlshaber aller großbritannischen Truppen ernannt, übernahm er das Kommando in den Niederlanden von neuem, ward aber nochmals vom Marschall von Sachsen unweit Maastricht (2. Juli 1747) geschlagen. Im Siebenjährigen Kriege führte C. den Befehl über die Armee in Deutschland, ward 1757 von d'Estrées bei Hastenbeck wiederum geschlagen und schloß unter dänischer Vermittelung die Konvention zu Kloster-Zeven, der zufolge sich seine 40,000 Mann starke Armee über die Elbe zurückzog und Hannover in den Händen der Franzosen ließ. Zurückgerufen, legte er seine militärischen Stellen nieder und zog sich nach Windsor zurück. Sein Leben beschrieb Campbell-Maclachan (Lond. 1875). Den Titel Herzog von C. führten später die Könige Ernst August und Georg V. von Hannover sowie des letztern Sohn (s. folgenden Art.).
   2) Ernst August, Herzog von, königl. Prinz von Großbritannien und Irland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, geb. 21. Sept. 1845 in Hannover, einziger Sohn des Kronprinzen, spätern Königs Georg V. von Hannover, begleitete 1866 seinen Vater in den kurzen, mit Langensalza endenden Feldzug, dann nach Österreich, wahrte nach dessen Tod in einem Schreiben, datiert Gmunden 11. Juli 1878, seine Rechte auf das Königreich Hannover und erklärte, bis zu deren Verwirklichung den Titel eines Herzogs von C. und zu Braunschweig und Lüneburg mit dem Prädikat »Königliche Hoheit« zu führen. Am 21. Dez. 1878 vermählte er sich mit der Tochter des Königs Christian IX. von Dänemark, Prinzessin Thyra (geb. 29. Sept. 1853), die am W. Okt. 1880 den Erbprinzen Georg Wilhelm, später noch zwei Söhne und drei Töchter gebar. Als 18. Okt. 1884 Herzog Wilhelm von Braunschweig starb, ergriff C. als Haupt der jüngern Linie des Welfenhauses durch Patent von demselben Tag vom Herzogtum Braunschweig Besitz, indem er erklärte, der deutschen Reichsverfassung gemäß regieren zu wollen. Da er indes auf Hannover nicht verzichtete, vielmehr schon 1878 erklärt hatte, daß seine Anerkennung der Reichsverfassung keineswegs die Aufgabe seiner hannöverschen Ansprüche bedeute, so beachtete die Braunschweiger Regentschaft das Patent des Herzogs nicht, und auf Antrag Preußens erklärte der Bundesrat 2. Juli 1885, daß die Regierung des Herzogs von C. in Braunschweig mit den Grundsätzen der Bundesverträge und der Reichsverfassung nicht vereinbar sei. Doch gelangte C. in den Besitz des Privatvermögens des Herzogs Wilhelm. Erst 10. März 1892 verstand er sich in einem Schreiben an Kaiser Wilhelm II. dazu, jede Absicht, den bestehenden Zustand im Deutschen Reich anzufechten, von sich zu weisen, worauf ihm die Einkünfte des Welfenfonds ausgezahlt wurden. C. residiert zu Gmunden in Oberösterreich.
 
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Cumberland (spr. kömberländ), 1) Richard, engl. Moralphilosoph, geb. 1632 in London, wurde 1691 Bischof von Peterborough und starb daselbst 1718. C. ist in seinem Hauptwerk: »De legibus naturae disquisitio philosophica« (Lond. 1672, 3. Aufl. 1694), als Gegner von Hobbes aufgetreten, dessen egoistischem Selbsterhaltungstrieb er die wohlwollenden Neigungen des Menschen als Grundlage der Moral entgegensetzt. Der höchste Grad des Wohlwollens gegen alle vernünftigen Wesen erzeuge den möglichst glücklichen Zustand der Gesamtheit wie des Individuums.
   2) Richard, engl. Schriftsteller, namentlich Bühnendichter, geb. 19. Febr. 1732 in Cambridge, gest. 7. Mai 1811 in Tunbridge Wells, Sohn des Bischofs von Kilmore, Denison C., und Enkel des berühmten Philologen Bentley, studierte in seiner Vaterstadt, war Geheimer Sekretär des Lords Halifax, dann Kronagent für die Provinz Neuschottland und Sekretär bei dem Handelskollegium, begab sich 1780 als geheimer Gesandter Englands an die Höfe von Madrid und Lissabon, zog sich aber 1781 nach Tunbridge zurück und widmete sich hier ausschließlich literarischen Beschäftigungen. Den Ruf seines ersten literarischen Versuchs, des Singspiels »8ummer's tale« (1765), verdunkelten bald seine Lustspiele: »The brothers« und »The Westindian« (1769), und noch heute zählt letzteres zu den besten Komödien Englands. Die vorzüglichsten seiner übrigen Lustspiele sind: »The fashionable lover«, »The Jew« (auf der deutschen Bühne durch Iffland und Devrient heimisch gemacht) und »The wheel of fortune«. Im Trauerspiel versuchte er sich mit »The battle of Hastings«. Weniger Glück hatte er in der epischen Poesie sowie mit seinen Romanen »Arundel« (1789) und »Henry« (1795), eher noch mit dem Gedicht »Calvary« (1792). Sein »Observer« war fast die letzte der moralischen Wochenschriften (zuerst Lond. 1785; besser 1798, 6 Bde.). Als letztes Werk schrieb er »Retrospection, a poem in familiar verse« (1811). C. wurde in der Westminsterabtei beigesetzt. Über sein Leben hat er selbst berichtet in den »Memoirs« (1807, 2 Bde.), die von Mudford in »Critical examination of the writings of C.« (1812, 2 Bde.) gröblich geplündert wurden.
 
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Cumberland Gap, Hauptpaßübergang über das Cumberlandgebirge (s. d.), 499 m ü. M., von über 400 m hohen Felswänden eingeschlossen, von der Eisenbahnlinie Knoxville-Corbin überschritten. Er wurde 7. Sept. 1863 von den Unionisten genommen.
 
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Cumberlandgebirge, mauerartige Kette des Appalachischen Gebirges (s. Meyers Appalachen), im O. von Kentucky und Tennessee, im Big Black Mountain 1170 m hoch, ist aus Schichten der Steinkohlenformation gebildet und schließt an seinem Westhange reiche Kohlen- und Eisensteinlager ein.

[Bd. 4, Sp. 372]



 
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Cumberlandgolf, an der Südostseite von Baffinland zwischen den Halbinseln Cumberland und Pennyland, entdeckt von Davis 1585. Im Hintergrunde der Kingawafjord, wo 1882 die deutsche Polarstation errichtet wurde.
 
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Cumberland-Sance, eine kalte Sauce für Schweinebraten und Wildschwein, besteht aus Johannisbeer- oder Himbeergelee, Senf, Salz, Zitronenschale und Wacholderbeeren. Letztere bleiben fort, wenn die Sauce zu anderm Fleisch, namentlich zu kaltem Geflügel, serviert wird.
 
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Cumberland Valley (spr. kömberländ wällĭ), ein Teil des großen Appalachischen Tales (s. Meyers Appalachen) in Pennsylvanien, zwischen Harrisburg am Susquehanna und Williamsport am Potomac, eingefaßt von den Kittatinny- und South Mountains, vom Conedoowinit und Conococheague bewässert und sehr fruchtbar.
 
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Cumbo, Trockenmaß im portug. Ostindien zu 20 Candils, von 20 Curos = 982/3 hl.
 
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Cumbrae (spr. kömmbrē), zwei schott. Inseln im Firth of Clyde, dicht an der Ayrshireküste, aber zu Buteshire gehörig, 14 qkm groß mit (1891) 1801 Bewohnern. Hauptort ist Millport.
 
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Cumbre (span., »Gipfel«), viel mit Bergnamen verbunden, z. B. C. de Mulahacén (s. d.). Cumbrepaß (auch Portillo de la C. oder de Uspallata genannt), 3960 m hoher Paß in den Anden, an der Straße von Mendoza nach Valparaiso, den die Bahn in einem 5065 m langen Tunnel in 3140 m Höhe überschreitet.
 
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Cumbrĭa, im Mittelalter ein Königreich in Großbritannien, benannt nach den Kymren, das bis um die Mitte des 10. Jahrh. selbständig war und außer der jetzigen englischen Grafschaft Cumberland die schottischen Grafschaften Dumbarton, Renfrew, Ayr, Lanark, Peebles, Selkirk, Roxburgh und Dumfries umfaßte. Vgl. Ferguson, History of Cumberland (Lond. 1890).

 

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