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Bogen bis Bogenhammerklavier (Bd. 3, Sp. 138 bis 140)
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Artikelverweis Bogen, eine Waffe zum Schießen von Pfeilen oder Kugeln. Der einfache Pfeilbogen (Fig. 1) ist ein elastischer, fester, in der Regel aus Holz oder Bambus, sehr selten aus Horn bestehender, 0,83 m

[Bd. 3, Sp. 139]


langer Bügel, dessen beide Enden mittels einer aus tierischer Sehne, Pflanzenfaser, Rottang etc. gefertigten Sehne straff miteinander verbunden sind. Er ist der ursprünglichste und auch heute noch am weitesten verbreitete B.; er war die einzige in Europa gebräuchliche Form, herrschte ursprünglich, mit je einer Ausnahme, in Afrika und Ozeanien und kam auch für den bei weitem größten Teil Amerikas allein in Betracht. In der Regel aus vollem Holze derart hergestellt, daß beide Bogenhälften von gleicher Stärke sind, gibt es in Afrika, Neuguinea, auf den Andamanen und den Neuen Hebriden B., die einfach aus einem Baumzweige bestehen, so daß das obere, dünnere Ende schwächer und biegsamer ist als das andre. Der B. der südlichen Andamanen (Fig. 2) besitzt die Gestalt eines zweiblätterigen Ruders. Ähnliche Formen kommen bei den Oregonindianern, am Schirefluß und am Nyassasee vor. Der zusammengesetzte B. (Fig. 3) ist ursprünglich auf Asien beschränkt; von Vorderasien ist er dann auch nach den Mittelmeerländern und Nordafrika übertragen worden. Seinem Bau nach besteht er in jedem Fall aus einem Holzkern, der in der Gegend des Griffes rund, sehr dick und nahezu vollig starr ist, aber sich nach der Seite rasch abflacht und sehr dünn wird. An diesen Holzkern legen sich dann als andre, durch geeignete Manipulationen mit jenem innig verbundene Bestandteile: Sehnenfasern, Hornplatten oder -Stäbe, Holzplatten andrer Art, Bambus etc. Das Ganze wird mit Leder, bei den arktischen Völkern mit Birkenrinde umwickelt; die Japaner überziehen ihren zusammengesetzten B. aus drei Holzlängenstreifen, von denen der innerste hartes Holz, die beiden andern, äußern, Bambus sind, außerdem noch mit einem vortrefflichen Lacküberzug. Bemerkenswert ist, daß die Größe des zusammengesetzten Bogens in Asien von Westen nach Osten zunimmt; am kleinsten ist der türkische, gleichzeitig ist er auch der wirksamste. Der größte ist der mächtige B. der Chinesen. Von den einfachen B. hat die geringste, nur etwa 80 cm betragende Länge der B. der Waldvölker des zentralafrikanischen Iturigebietes; dagegen erreichen die B. der Indianer am Rio Negro eine Länge von 3 m. Eine Ab- oder Unterart des zusammengesetzten Bogens ist der verstärkte B. In der Hauptsache aus einem langen Stabe bestehend, wird er durch Anfügen von dünnen Holzleisten, durch Anwickeln von Sehnen, Ausziehen von Ringen, Umwickeln mit Sehnen etc. elastischer und kräftiger gemacht. Solche verstärkte B. gibt es in Alaska, in Westpolynesien, auf Neuguinea und bei den Pygmäen am Kivusee in Afrika.
   Eine in Hinsicht auf das Geschoß merkwürdige Abart des Bogens ist der Kugelbogen (Fig. 4 u. 5). Statt der Pfeile schleudert er taubeneigroße Tonkugeln nach dem Ziele (Vögeln und andern kleinen Tieren). Er kommt in Hinterindien und dem nordöstlichen Südamerika vor und besteht entweder aus zwei, durch Stege verbundene Einzelbogen, zwischen denen das Geschoß dann durchfliegt (Fig. 4), oder einem einfachen B., dessen Enden so gebogen sind, daß die Geschoßebene seitlich zu der Handhabe vorbeiführt (Fig. 5).
   Verschieden wie die Gestalt, der Bau und das Material der B. ist ihre Spannweise. Meist ist sie so straff, daß beim Schuß die vorschnellende Sehne die linke Hand nicht berührt; in andern Fällen würde sie diese indes empfindlich treffen, wenn nicht Schutzmaßregeln getroffen würden. Derartige Hand- und Armschutzapparate haben die Form von Platten, Riegeln, Ringspiralen, Kissen, Binden etc. Platten aus Stein, Knochen oder gebranntem Ton sind schon aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt; von heutigen Naturvölkern führen derartige Schutzapparate verschiedene Völker Afrikas (Warundi, Obernilvölker, Waldvölker am Ituri, die Wute in Kamerun, die Salomoninsulaner u. a.).
   Fast alle alten Völker, Assyrer, Indier, Kreter, Numidier, Skythen (Fig. 6), führten den B. In den Heeren der Perser und Karthager gab es viele Bogenschützen. Bei den Griechen, die kunstvoll gearbeitete B. aus Antilopengehörn besaßen (Fig. 7), waren, wie bei den Römern, die Schützen nicht besonders geachtet, sondern man überließ diese Kampfweise gern geworbenen Hilfsvölkern. Später machte Mohammed den Gebrauch des Bogens zur Religionspflicht, und Türken, Perser, Araber stellten vorzügliche Schützen; auch Hunnen und Mongolen (russisch-tscherkessische Truppen noch 1813) führten den B., dagegen benutzten die Germanen ihn fast nur zur Jagd und ungern im Kriege, wo sie lieber das Wurfbeil und den Wurfspieß brauchten. Erst im Mittelalter kommt er hier mehr in Gebrauch, besonders die englischen »Bogner«, die Flanderer, Burgunder etc. (vgl. Archers) waren sehr berühmt. Der englische B. war 1,8, der deutsche 1,2, der italienische 1,5 m lang, erstere beiden meist von Eibenholz, letzterer von Stahl gefertigt. Zur Aufnahme der bis 1 m langen Pfeile (vgl. Pfeil und Pfeilgift) diente der an der rechten Schulter oder

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am Gürtel getragene Köcher (Fig. 8 u. 9, S. 139). Als Sport wird das Bogenschießen heute noch in England, Frankreich, Belgien und besonders in der Schweiz betrieben. Als höchste Schußweite werden für den B. angegeben aus dem Altertum 500 m, aus Sportkreisen der Neuzeit 800 m. Vgl. Hansard, The book of archery (Lond. 1845); Longman und Walrond, Archery (das. 1894); v. Luschan, Über den antiken B. (Benndorf-Festschrift 1898); Derselbe, Zusammengesetzte und verstärkte Bögen (»Zeitschrift für Ethnologie«, 1899); Boeheim, B. und Armbrust (»Zeitschrift für historische Waffenkunde«, Bd. 1, 1898); Ratzel, Die afrikanischen B., ihre Verbreitung und Verwandtschaft (»Abhandlungen der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften«, Leipz. 1891); Herrm. Meyer, B. und Pfeil in Zentralbrasilien (das. 1895); B. Adler, Die B. Nordasiens (»Internationales Archiv für Ethnographie«, Bd. 15, 1902); Demmin, Die Kriegswaffen in ihrer geschichtlichen Entwickelung (Leipz. 1893); Mason, North American bowsReports Smithsonian Institution«, 1894); Jähns, Entwickelungsgeschichte der alten Trutzwaffen (Berl. 1899).
 
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Bogen, elektrischer, s. Meyers Elektrisches Licht.
 
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Bogen, Flecken und Bezirksamtshauptort im bayr. Regbez. Niederbayern, links an der Donau und an der Staatsbahnlinie Straubing-Konzell, 320 m ü. M., hat eine kath. Kirche mit steinernem Marienbild, zu dem gewallfahrtet wird, Amtsgericht und (1900) 1360 Einw. B. war Sitz der Grafen von B., die 1242 ausstarben, worauf die Grafschaft an Bayern fiel.
 
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Bogenbrücke, s. Meyers Brücke.
 
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Bogenfeile, s. Meyers Säge.
 
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Bogenfibel, s. Meyers Fibel.
 
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Bogenflügel (Bogenklaviere) sind Versuche, den Effekt von Streichinstrumenten mit einer Klaviatur zu verbinden. Der erste derartige Versuch war um 1600 Hans Heydens Nürnbergisches Geigenwerk (Geigenklavizimbel), auf dem die bei Niederdruck der Tasten durch Häkchen herabgezogenen Darmsaiten durch mit Kolophonium bestrichene Räder zum Tönen gebracht wurden, die mittels eines Fußtrittes in stetem Umlauf erhalten werden mußten. 1709 konstruierte Georg Gleichmann, Organist in Ilmenau, ein ähnliches Instrument mit einigen Verbesserungen und nannte es Klaviergambe; 1741 folgte Le Voirs in Paris ebenfalls mit einem Gambenklavier, 1754 Hohlfeld zu Berlin mit dem Bogenklavier, das gegenüber Heydens Instrument den Vorzug hatte, daß die Räder mit Pferdehaaren überzogen waren, 1790 Garbrecht in Königsberg mit einer verunglückten Verbesserung des Bogenklaviers, 1795 Mayer in Görlitz mit seinem B., den 1799 Kunze in Prag brauchbarer gestaltete; 1801 Hübner mit seinem Clavecin harmonique (Orchestrino), nachdem 1797 Röllig in Wien mit der Xänorphica hervorgetreten war, dem kompliziertesten Instrument dieser Art, das für jede Taste und Saite einen besondern Bogen in Bewegung setzte. Von allen diesen Instrumenten hat es keins über den Ruf eines Kuriosums hinausbringen können. Eine Kombination des Bogenflügels mit einem gewöhnlichen Klavier war Karl Greiners Bogenhammerklavier (1779).
 
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Bogenführung, s. Meyers Bogen (Musikinstrument).
 
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Bogengangapparat, s. Meyers Gehör und Meyers Ohr.
 
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Bogengerüst, s. Meyers Lehrgerüst.
 
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Bogenhammerklavier, s. Meyers Bogenflügel.

 

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